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Die Anliegen von Mensch und Natur zusammenfügen
Visionäres Modell für mehr Nachhaltigkeit
 
Was ist Heimat? – eine Frage, die der Schweizer Heimatschutz seit fünfzig Jahren mit dem Wakkerpreis beantwortet. 1972 war es Stein am Rhein. Kurz danach die Weinbauerngemeinde Dardagny, ein kleines Dorf wie anno dazumal, mit Schloss, Hufschmied, verschont von der modernen Zivilisation. Dieses Jahr ist es Meyrin, nur zehn Minuten von Dardagny entfernt, und ebenfalls einst ein Bauerndorf. Dann baute Meyrin die erste Satellitenstadt der Schweiz.

Die Genfer Agglomerationsgemeinde Meyrin zeigt eindrücklich, wie mit Dialog die Vielfalt als Stärke genutzt werden kann. Damit gelingt es, die Anliegen von Menschen und Natur zusammenzuführen und eine hohe Baukultur mit mehr Biodiversität für alle hervorzubringen.

Meyrin liegt nordwestlich von Genf an der Landesgrenze zu Frankreich. Auf dem Gemeindegebiet befinden sich ein internationaler Flughafen und das Forschungszentrum CERN. In den letzten siebzig Jahren hat sich die Bevölkerung mehr als verzwölffacht auf heute 26’000 Einwohnerinnen und Einwohner aus über 140 Nationen. Damit ist das einstige Bauerndorf zur weltstädtischen Agglomerationsgemeinde geworden.

Diese Entwicklung spiegelt sich im Baubestand. Meyrin verfügt über einen intakten historischen Dorfkern. Andererseits ist das Siedlungsbild von der «Nouvelle Cité» geprägt, der ersten Schweizer Satellitenstadt, die in den 1960er Jahren errichtet wurde. Jüngst entstand das Ecoquartier «Les Vergers», das Wohnraum für 3000 Menschen schuf.

Ortsbauliche Qualität
Die Gemeinde Meyrin hat ihre rasante bauliche Entwicklung aktiv in die Hand genommen und durch Visionen und Strategien qualitative Baukultur mit Zukunft hervorgebracht. Sie zeigt beispielhaft, wie auf kommunaler Ebene Verantwortung für Mensch und Umwelt übernommen werden kann. Dabei setzt sie drei Schwerpunkte:

1 Baukultur gestern, heute und morgen
Dank der vertieften Auseinandersetzung mit dem gebauten Erbe und dessen Potenzial konnte Meyrin die Qualitäten der prägenden Siedlungsräume erhalten und weiterentwickeln. So wurden denkmalgeschützte Gebäude wie die «Maison Vaudagne» oder die «Villa du Jardin Botanique alpin» renoviert, erweitert und zu sozialen Zentren umgenutzt. Die ortsbildprägende und identitätsstiftende «Nouvelle Cité» mit ihren grosszügigen Freiräumen blieb erhalten. Sie wird nachhaltig saniert und nach planerischen Vorgaben verdichtet. Ihre Freiräume werden aufgewertet und der langsame und öffentliche Verkehr gefördert. Neubauten entstanden über qualitätssichernde Wettbewerbe – so etwa die architektonisch hochwertige «Ecole des Vergers».

2 Baukultur für das Klima und die Biodiversität
Bei ihrer Siedlungs- und Landschaftsentwicklung fokussierte Meyrin auf die Nachhaltigkeit. So wurde der Baubestand der 1960er Jahre ressourcenschonend mit Verdichtung durch Aufstockungen weiterentwickelt. Durch energetische Optimierungen und den Anschluss an ein nachhaltiges Energie- und Wärmenetz verbesserte man die CO2-Bilanz der Brauchenergie.

Beim neuen Ecoquartier «Les Vergers» stand eine soziale, ökologische und ökonomische Ausrichtung im Vordergrund. Zum Konzept gehört auch, dass die Freiräume durch die Bewohnerschaft für die urbane Landwirtschaft genutzt werden. Der neu geschaffene «Lac des Vernes» dient dem Wassermanagement der Gemeinde und ist gleichzeitig ein Biotop zur Förderung der Artenvielfalt sowie Teil eines Naherholungsgebiets.

3 Baukultur für den gesellschaftlichen Zusammenhalt
Bezeichnend für die Planungen in Meyrin ist die Einbindung der Bevölkerung, was deren Zusammenhalt und Ortsbezug stärkt. Das Ecoquartier «Les Vergers» wurde in einem partizipativen Prozess entwickelt. Heute ist es geprägt von Genossenschaftswohnungen und von öffentlichen, von der Einwohnerschaft getragenen Angeboten. Die renovierte «Ferme de la Planche» wurde der städtischen Landwirtschaftsgenossenschaften «Les Vergers» zur Verfügung gestellt. Qualitative Begegnungsorte entstanden durch gezielte Platzgestaltungen und Kunst im öffentlichen Raum. Mit dem «Fonds d’art contemporain de Meyrin» fördert die Gemeinde solche Kunstinterventionen – so auch das bedeutende Werk «L’enfance du pli».

Würdigung
Mit Rücksicht und Weitsicht, klaren Strategien und gemeinschaftlichem Handeln schafft es die Gemeinde Meyrin, ihr baukulturelles Erbe qualitätsvoll in die Zukunft zu führen. Dabei sind der umfassende Blick auf die Siedlungsentwicklung und das Thema der Nachhaltigkeit zentral. Für diesen umsichtigen Umgang mit ihrer Baukultur wird Meyrin vom Schweizer Heimatschutz mit dem diesjährigen Wakkerpreis ausgezeichnet.



Publikation bestellen
Die 52-seitige Publikation des Schweizer Heimatschutzes berichtet von Baukultur und qualitätsvoller Siedlungsentwicklung in der Wakkerpreisgemeinde. Die Publikation kann beim Schweizer Heimatschutz zum Preis von CHF 10.00 (CHF 5.00 für Heimatschutzmitglieder) unter
www.heimtatschutz.ch bezogen werden.  
 
Ausgabe "2022/2 - Juni/Juli" bestellen
 
Text Schweizer Heimatschutz
Bild Schweizer Heimatschutz
 




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