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Unterwerk Volta in Basel – Bewährte Beton-Renovation
Lasuren wie eine hauchfeine egalisierende Schicht Beton
 
Vor 16 Jahren erfuhr die Betonfassade des Unterwerks Volta in Basel eine differenzierte Sanierung und umfassende Renovation. Dabei ging es neben einer technischen Instandsetzung vor allem auch darum, den materiellen Charakter nicht weiter zu verschleiern, sondern möglichst zu klären und in den ästhetischen Stand der ursprünglichen Substanz zu heben. Zu diesem Anspruch stehen Spuren der Sanierung wie zum Beispiel Flickstellen nicht zwingend im Widerspruch.

Die vollständig aus Beton gegossene Raumskulptur wurde von den Architekten August Künzel und Hans Bernoulli um 1932 erbaut. Das Gebäude wurde ursprünglich als Transformatorenstation gebaut. Im Kopfbau war neben der Kommandozentrale eine Gleichrichterstation für die Basler Verkehrsbetriebe sowie ein Polizeiposten untergebracht. Zusammen mit der alten Dampfzentrale vis-à-vis sind diese Gebäude Zeugen der Elektrifizierung der Stadt und Namensgeber des Volta-Gebiets in Basels St. Johann-Quartier.

Bereits in den späten 1930er und 1950er Jahren wurde das Unterwerk Volta nordseitig erweitert. Im Zuge einer Renovation vor nunmehr 16 Jahren wurde der vorspringende Gebäudeteil zur Voltastrasse hin als Arkade formuliert. Die als Rustifizierung wirkenden Gneisplatten im Erdgeschoss und die horizontalen Gurten des Kopfbaus wurden entfernt, die Fensterachsen im Erdgeschoss hingegen übernommen und zugunsten einer einheitlichen Gestaltung mit Beton und Mineralputz ergänzt. Der Eingriff verstand sich als ein integrierendes Weiterbauen am Bestand.

Differenzierte Betonsanierung
Die damals knapp achtzigjährige Fassade zeigte sich im schlachtschiffgrauen Dispersionsanstrich einer früheren Renovation. Der Zustand des Eisenbetons war aber insgesamt recht gut. Schäden zeigten sich vor allem punktuell in Form von Abplatzungen aufgrund der partiell zu knappen Eisenüberdeckung. Konstruktiv wurden zwar «Sollrissstellen», jedoch keine eigentlichen Dilatationsfugen ausgebildet. Das Gebäudekonglomerat wurde wie aus einem Stück gegossen.

Neben der rein technischen Instandsetzung besteht eine differenzierte Betonsanierung immer auch darin, den materiellen Charakter zu klären und hier bei der Voltahalle so nahe wie möglich an Ausdruck und Ästhetik der ursprünglichen Substanz zu führen.

Die alten, versprödeten Farbanstriche wurden durch die Fassadenreinigung fast vollständig, dickere Anstriche jüngeren Datums zusätzlich mit Laugen zu ungefähr 80 Prozent entfernt. Sämtliche angezeichneten schadhaften Stellen im Beton wurden eröffnet, lose Betonstücke und alte Flickstellen entfernt, korrodierende Eisen freigespitzt, entrostet und mit zementösem Rostschutz behandelt. Auf eine vollflächige Spachtelung oder gar Vorbetonierung mit Brettschalung wurde verzichtet. Stattdessen wurden sämtliche Reparaturstellen sorgfältig reprofiliert und der sie umgebenden Struktur angepasst. Vereinzelte Schäden der bereits bei früheren Sanierungsarbeiten verputzten Fassadenpartien wurden ergänzt.

Die Hydrophobierung auf Silanbasis verhindert das Eindringen von Wasser in flüssiger Form in den Beton und damit die Korrosion weiterer Armierungseisen. Von weiteren Betonschutzmassnahmen war abzusehen und auch abzuraten, da alle Schäden saniert wurden und Prozesse im Beton nach achtzig Jahren als abgeschlossen angesehen werden durften. Im Gegenteil wurde darauf geachtet, dass die offensichtlich stabilen Lagerbedingungen (Feuchtehaushalt, Exposition) weder durch die Sanierung noch durch die nachfolgenden Anstriche gestört wurden.

Mineralischer Anstrich aus technischen und ästhetischen Gründen
Die original beabsichtigte Homogenität des durchgängig mural-massiven Charakters und die Plastizität der Gebäudekörper wurden wiederum unterstrichen, indem sämtliche Elemente von den Fassadenflächen über die Simsen, Lisenen und Vordächer bis zu den charakteristischen Betonfenstersprossen mit egalisierenden, mineralischen Lasuren gestrichen wurden. So wurden die nach wie vor dispers erscheinenden Flächen untereinander und ihre Partien mit Flickstellen, Haarrissen, Strukturunterschieden optisch wieder zusammengehalten.

Die Wahl für einen mineralischen Anstrich begründet sich technisch und ästhetisch. Anstrichsysteme auf Acrylbasis sind in der Betoninstandsetzung weit verbreitet und werden schlicht als Betonlasuren bezeichnet. Diese Bezeichnung ist in zweierlei Hinsicht irreführend. Ein Beschichtungsstoff wird korrekterweise nach seinem (Haupt-)Bindemittel benannt (Ölfarbe, Silikonharzfarbe, Silikatfarbe, Zementspachtel, Kalkzementputz) − besagte «Betonlasuren» sind mit Acrylaten (Dispersion) gebunden. Das Bindemittel Acryl hat weder gemäss seinen chemischen Eigenschaften (organisch) noch in seinem bauphysikalischen Verhalten (adhäsiv bindend, filmbildend) auch nur das Geringste mit dem mineralischen Baustoff Beton zu tun und unterscheidet sich folglich optisch und ästhetisch von Beton. Dispersionsfassaden wirken allgemein befremdlich unbestimmt, indem der Materialcharakter des Untergrunds teils bis zur Unkenntlichkeit unterdrückt ist. Dem Beton rauben filmbildende Anstriche gänzlich seine lebendige, mineralische Optik und die ihm eigene farbliche Tiefe. Diese Wirkung ist hinlänglich bekannt, insbesondere bei Sanierungen von Tiefbauten (Unterführungen, Brücken); diese Bauten erscheinen, als hätte man sie mit einer «Gummihaut» überzogen.

Am Unterwerk Voltastrasse erschien das eigentliche Kolorit des originalen Betons erst unter dem kaltgrauen Renovationsanstrich; es wurde noch buntgrauer Zement und lokale Gesteinskörnung verwendet. Das Material lässt die Geschichte des Betons und die Absicht der Architekten sprechen. Das Unterwerk Volta ist als früher Zeuge des neuen Umgangs mit Beton zu lesen. Entsprechend ist auch in der Fassadengestaltung eine leichte Ambivalenz zwischen Sichtbeton und Kunststein abzulesen.

Dreischichtige Lasur wie eine hauchfeine egalisierende Schicht Beton
Am Unterwerk Volta in Basel wurde im Zuge der vor sechzehn Jahren durchgeführten Renovation eine dreischichtige Lasurtechnik mit Mineralfarbe angewendet: Als erstes ein heller, leicht ockerfarbiger und knapp deckender Anstrich. Der zweite Anstrich bildete einen lasierenden, schlammfarbigen, etwas verdunkelnden Hauch und gab der Oberfläche eine erste Tiefenwirkung. Der Endanstrich wurde mit noch etwas dunkleren Pigmenten versehen und nur leicht feucht aufgetragen, so dass ein Kontrast zu den helleren darunterliegenden Farbschichten entstand. Mit dieser lebhaften, dreischichtigen und mit der Bürste applizierten Lasur wurde die Brettstruktur des Betons quasi wieder an die Oberfläche projiziert.

Das Kolorit des Anstrichs bildet den Jurakalk des verwendeten Betonkieses und die vielfältigen Farbtöne des Zements ab. Das Gebäude erstrahlt in einer warmen Grautönung, gemischt aus mineralischen Eisenoxid-Pigmenten. Diese sind chemisch gesehen identisch mit den farbgebenden Substanzen des Betons selbst, die Lasuren werden wie eine hauchfeine, egalisierende Schicht Beton eingesetzt. Das Licht des Himmels und der Umgebung wird je nach Wetter und Tageszeit unterschiedlich reflektiert und wahrgenommen: Bei direktem Sonnenschein dominiert die Plastizität des Gebäudes mit starken Schlagschatten. Die Ockerpigmente verstärken das gelbe Sonnenlicht. Bei grauem Himmel tritt die Struktur jedes Bürstenstrichs hervor, die Tiefe des Anstrichs scheint zu atmen. Bei Regenwetter versinkt die gesamte Umgebung in düsteren Grautönen, während die sandig mineralische Oberfläche des Unterwerks seine stille Brillanz entfaltet. Vor 16 Jahren wurde diese Betonrenovation durchgeführt. Das beschriebene Bild von damals gilt heute nach wie vor und uneingeschränkt.



Bauinfo

Bauherrschaft: Industrielle Werke Basel, Facility Management

Architekt: Rüdisühli Ibach Architekten BSA SIA AG, Basel
Städtebaulicher Ideenwettbewerb Voltastrasse 1996, 1. Preis

Statik: ZPF Ingenieure, Basel

Betonanalyse: BBL Basler Baulabor

Betontechnologisch begründete Farb- und Materialberatung: Marianne Huber, Architektin ETH/Betontechnologin HTA, Steckborn

Betonsanierung: Huber Straub AG, Basel

Malerarbeiten: Alispach Malergeschäft AG, Arlesheim

Mineralische Dünnschichtfarben für Betonoberflächen: Keimfarben AG, Diepoldsau  
 
Ausgabe "2021/4 - November/Dezember" bestellen
 
Text COVISS
Bild Staatsarchiv Basel; Alban Rüdisühli
 




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