Home
| Home |   | Sitemap |   | Testimonials |   | Partner |   | Links |   | Stichwortverzeichnis |   | Inscreenum |  

| Aktuelle Ausgabe
| Archiv
| Anzeigen
| Abo/Einzelausgaben
| Veranstaltungen/Dienste
| Über COVISS
| Redaktion/Verlag
| Leserbriefe
| Kontakt
| Impressionen
| Bestellung Buch




 
Baukulturell wertvolles Bauen
Infraleichtbeton fördert architektonische Freiheit
 
Bauten sind stofflich. Von ihren Materialien hängt es ab, ob sie stehen oder fallen, ob sie rinnen oder den Launen des Wetters widerstehen, ob sie sich von Wärme und Kälte durchdringen lassen oder verschiedene Klimazonen beharrlich trennen. Infraleichtbeton ist ein neuartiges monolithisches Tragelement, das gleichzeitig gute Dämmeigenschaften besitzt. Es eröffnet dem ressourcensparenden Bauen und dem anspruchsvollen Gestalten neue Horizonte. Nach einem Forschungsprojekt wurde ein Leitfaden erstellt.

Seit fünfzehn Jahren wird an der TU Berlin von Bauingenieuren auf dem Gebiet infraleichter Betone geforscht. Infraleichtbeton (ILC) ist eine tragende Wärmedämmung, die einfaches und baukulturell wertvolles Bauen ermöglicht. Ausganspunkt für diesen Ansatz ist die Einsicht, dass Wärmedämmung dauerhaft und wiederverwendbar sein muss.

Nur allzu oft werden die ästhetischen Reize und architektonischen Absichten feinsinnig geplanter Sichtbetonfassaden in der Baupraxis hinter Wärmedämmschichten ad absurdum geführt. Deshalb finden sich unter den Erwägungsalternativen eines innovativ gestaltenden und rational abwägenden ingenieurtechnischen Denkens und Planens zunehmend auch die Vorzüge des Infraleichtbetons. Dieser neue Baustoff wird auch Wärme- oder Dämmbeton genannt. Er kombiniert hohe monolithische Tragfähigkeit mit vortrefflichen Wärmedämmeigenschaften und verknüpft eine hervorragende Druckfestigkeit mit einer technisch sehr nützlichen Wärmeleitfähigkeit. Als Symbiose aus Tragfähigkeit, Wärmedämmung und Ästhetik macht Infraleichtbeton monolithische Wandaufbauten realisierbar, deren robuste, wenig komplexe, aber dauerhafte Bauweise einfallsreichen Planern ein erstaunliches architektonisches Potenzial offenbart – für den Bau ein- und aber auch mehrgeschossiger Gebäude. Seiner markanten Eigenschaften wegen ist der Infraleichtbeton vor allem auch in Bezug auf Gestaltung, Brandschutz und Recyclingfähigkeit eine Alternative zu mehrschichtigen Wandsystemen, zumal die Themen Nachhaltigkeit, Ressourceneinsparung und kleiner CO2-Fussabdruck mehr und mehr in den Fokus des Bauens rücken.

Die ILC-Forschung
An der Technischen Universität (TU) Berlin forscht man seit 2006 über Infraleichtbeton (ILC). Darunter versteht man dort einen Beton mit einer Trockenrohdichte, die niedriger ist als 800 kg/m3. Er ist nicht porös. Infraleicht machen ihn Zuschlagstoffe wie Blähton oder -schiefer, rezykliertes Schaumglas oder, als nicht vorverarbeitete Alternative, Bimsstein. Er weist einen geringen Zementanteil von zirka 250 kg/m³ auf. Zu seiner Herstellung kommt klinkerarmer Zement (CEM III B) zum Einsatz. Aufgrund von schneller Karbonatisierung verfügt dieser Beton über einen reduzierten CO2-Fussabdruck.

Die ILC-Forschung wurde angestossen in der Hoffnung, eine neue Art des monolithischen und somit einfachen Bauens zu ermöglichen, ohne komplizierte Anschlüsse und Details, ohne zusätzliche Wärmedämmung, bei gleichzeitiger Gewährleistung eines angenehmen Raumklimas. ILC soll für einen ausreichenden Schallschutz sorgen, dauerhaft und gleichzeitig recycelbar sein.

Die drei Forschungsphasen
Nach der Erwerbung grundlegender Kenntnisse über Herstellung und Verarbeitung und zahlreichen Untersuchungen zur Bestimmung der Frisch- und Festbetoneigenschaften realisierte man ein Versuchs-Einfamilienhaus in Berlin. Anschliessend gelang es, die Druckfestigkeit bei gleicher Dichte nahezu zu verdoppeln. Aus einer Laborrezeptur ging nach einem erfolgreichen Test in einem Fertigteilwerk und dem Erstellen einer Probewand eine ILC-Familie hervor, bestehend aus Rezepturen zur gezielten Herstellung von ILC in abgestuften Trockenrohdichten ab 550 kg/m3. Die dritte Phase umfasste Grundlagenforschung, deren Ergebnisse in Bemessungskonzepte einflossen, andererseits anwendungsorientierte Untersuchungen, die sich mit architektonischen, konstruktiven und entwerferischen Fragestellungen beschäftigen.

Der Leitfaden
Sämtliche Erkenntnisse flossen in einen Leitfaden ein und öffnen Fachleuten ein neues Universum, in dem interdisziplinär hervorgegangene Bauwerke die Anliegen von Tragen und Dämmen, von Formgebung und Nutzungsflexibilität weiterentwickeln, und wo Aspekte der Nachhaltigkeit und Schonung der Ressourcen immer im Auge behalten werden. Der Leitfaden stellt unter anderem ILC-Test- und Pionierbauten vor, enthält diverse Anschluss-Details und erzählt von den Erfahrungen, die mit nachträglichen Oberflächen-Behandlungen gemacht wurden. Das Buch erschien 2018 und liegt seit 2020 auch in englischer Sprache vor.



Infraleichtbeton – Entwurf, Konstruktion, Bau
Claudia Lösch, Philip Rieseberg, Hrsg.: Mike Schlaich, Regine Leibinger, Fraunhofer IRB Verlag, 2018, ISBN 978-3-8167-9881-1,

Building with Infra-lightweight Concrete – Design, Planning, Construction, Birkhäuser Verlag, 2020 
 
Ausgabe "2021/1 - März/April" bestellen
 
 




Verkehrshaus