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Holzfeuerung schafft Unabhängigkeit vom Stromnetz
Langwellige Wärmestrahlung sorgt für Behaglichkeit
 
Architekt und Gestalter Thomas Metzler gründete 2003 zusammen mit seiner Frau Caroline Nyffeler Metzler das Architekturbüro Bauatelier Metzler, das sich mit inzwischen acht Mitarbeitern auf Architektur, Design und Energieeffizienz spezialisiert hat. Das Architekturbüro ist Preisträger von zahlreichen nationalen und internationalen Energiepreisen.

Thomas Metzler, Sie realisieren in Ihren Gebäuden meistens eine Holzfeuerung. Was sind Ihre Überlegungen dazu?
Ich bin in einem Haus mit Kachelofenheizung aufgewachsen und habe nur schon dadurch eine grosse Affinität zu Holzheizungen. Ein Kachelofen ist nicht nur ein schönes Objekt, die langwellige Wärmestrahlung entspannt und ist sehr angenehm. Ausserdem hat eine Wärmeinsel im Raum etwas sehr Gemütliches. Es ist aber nicht so, dass wir in jedem Haus eine Holzheizung einbauen. Vorwiegend setzen wir Holzheizungen bei Renovationen und privaten Neubauten ein. Eine Holzheizung – wir bevorzugen eindeutig Speicheröfen – kann dabei das ganze Haus heizen oder eine optimale Ergänzung zum Beispiel zu einer Wärmepumpenheizung sein. In meinem topmodernen Minergie-P-Haus verwende ich den Speicherofen in den Übergangszeiten oder zur Entlastung der minimal dimensionierten und dabei sehr effizienten Wärmepumpe.

Wer installiert heute noch eine Holzheizung in seinem Haus?
Ich kann da nur für unser Büro sprechen, dazu muss ich erwähnen, dass wir zu einem grossen Teil im ländlichen oder kleinstädtischen Raum tätig sind. Wir verbauen Holzheizungen bei privaten Wohnungsbauten, Umbauten, aber auch bei Ferienhäusern. Unseren Kunden ist neben der Wohnqualität auch ein ökologisches Heizsystem wichtig. Ein Vorteil sehe ich neben der oben angesprochenen Gemütlichkeit auch in der Kraft einer Holzfeuerung. So kann sehr schnell die gewünschte Temperatur erreicht werden oder die Grundtemperatur einfach und rasch erhöht werden.

Was braucht es, um Architekten zu überzeugen, in ihren Gebäudeprojekten Holzfeuerungen zu realisieren?
Das grosse Energie-Potential unseres genutzten aber vor allem auch ungenutzten Schweizer Holzes sollte stärker thematisiert werden. Um die Ziele der Energiewende zu erreichen, sollten wir nicht nur auf einen Energieträger setzen. Gerade mit der aufkommenden Elektromobilität wird der Stromverbrauch in der Schweiz stark steigen, Holz als Heizenergie kann da einen grossen Beitrag leisten, den Stromverbrauch nicht unverhältnismässig stark ansteigen zu lassen.

Wie nehmen Sie als Architekt die Holzenergiebranche wahr? Was macht sie gut und was sollte sie besser machen?
Als Architekt nehme ich die Holzenergiebranche leider weniger stark wahr als zum Beispiel die Holzbaubranche (Lignum). Das heisst nicht, dass die Holzenergiebranche keine guten Argumente hat – im Gegenteil, sie sollte aber für uns Architekten sichtbarer sein. Vielleicht müsste die Holzbranche im Baubereich verstärkt miteinander in Erscheinung treten.

Wie beurteilen Sie das Bedürfnis heutiger Bauherrschaften nach einer Holzfeuerung in ihrem Haus?
Wenn wir Speicheröfen als Heizsystem oder als Ergänzung zum Heizsystem vorschlagen, kommt das bei den meisten Bauherrschaften sehr gut an. Mit Holzspeicheröfen ist man unabhängig vom Stromnetz, hat die Vorteile der erwähnten langwelligen Strahlung und Gemütlichkeit, ausserdem können schöne Objekte mit starker Ausstrahlung im Raum geschaffen werden.

Welche Rolle spielt bei Entscheiden die Möglichkeit, mit einer Holzheizung den Energieverbrauch eines Gebäudes ganz oder teilweise abdecken zu können?
Dieser Punkt ist unseren Bauherrschaften wichtig. Holz ist CO2-neutral und in genügender Menge in unserem Land vorhanden. Eine Holzfeuerung schafft Unabhängigkeit vom Stromnetz, ich kann mir vorstellen, dass gerade eine gewisse Unabhängigkeit und Sicherheit in Zukunft als Entscheidungsgrundlage immer wichtiger wird.

Das Raumklima, aber auch gesundes Bauen stehen heute im Vordergrund. Wie passt die Wohnraumfeuerung dazu?
Das passt tipptopp – wir haben schon vor über 15 Jahren Holzfeuerungen als Ergänzung in Minergie-P-Häusern verbaut. Wichtig ist, dass Systeme verbaut werden, die ihre Wärme langsam abgeben und eine unabhängige Luftzufuhr haben. In einem sehr gut gedämmten Haus einen kleinen leichten Baumarktofen zu verbauen, ist hingegen keine gute Idee – da überhitzt das Gebäude schnell. 
 
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Text Christoph Rutschmann, Dipl. Forst Ing. ETH
Bild Bauatelier Metzler, Frauenfeld
 




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