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Überbauung Oele 4 in Steinhausen
Kunst durchwandern
 
Steinhausen ist, wie jeder Ort, eine Ansammlung von Adressen. Was zeichnet eine Steinhausner Adresse aus? In der Überbauung Oele 4 ist es die Kunst im Entrée. In allen drei Mehrfamilienhäusern wird sie beim Betreten und Verlassen durchschritten.

Die Gemeinde Steinhausen gehört zum Agglomerationsgürtel, der hinter dem Albis die Städte Zürich und Zug miteinander verbindet. Sie ist die letzte Haltestelle der S-Bahn vor Zug. Das einstige Bauerndorf ist heute Wohngemeinde und Industriestandort. Zaghafte Urbanisierungsschritte bezeugen es: Der alte Ortskern wurde in den vergangenen 40 Jahren verdichtet, das Rathaus, Ladenbauten und Gemeinschaftseinrichtungen fassen bei der historischen Kirche eine Art Forum ein. Daneben wurde vor kurzer Zeit ein prächtiger, mit blauen Keramikelementen verkleideter Gemeindesaal eingerichtet. Die Bebauung ist ausgesprochen heterogen, vereinzelte historische Häuser stehen neben kleinen, mittleren und grösseren Anlagen aus der Hochkonjunktur und den Jahrzehnten danach. Für den erstmaligen Besucher stammt das dominante Geräusch in Steinhausen von Pneus, die über den Asphalt rollen, aus mittlerer Distanz von der nahen Autobahn her, direkter von den gut frequentierten Strassen durch die Gemeinde.

Siebengeschossige Holzbauten
Die frisch fertiggestellte Überbauung Oele 4 steht im selben Geviert wie ein altes Gehöft gegenüber der historischen Kirche. Hier wurden einst Hasel- und Baumnüsse ausgepresst. Die drei siebengeschossigen Mietshäuser vervollständigen die Bebauung entlang der Hochwachtstrasse. Für die Architektur zeichnet die ARGE Röck Baggenstos Architekten, Baar, und Amrein Herzig Architekten GmbH, Baar, verantwortlich. Es handelt sich im Wesentlichen um Holzbauten aus vorfabrizierten Wand- und Deckenelementen.

Projekt «Gang» – Kunst in den Eingangshallen
Für die Kunst im Bau schrieb die Bauherrschaft einen Wettbewerb aus. Zur Verfügung standen die drei kleinen Eingangshallen der Häuser. Der Sieger Andreas Schneider liess sich von der Umgebung inspirieren. Er machte eine Wanderung in den Steinhauserwald nördlich des Siedlungsgebietes und traf dort auch auf den idyllischen See, der die Gemeinde 1967 nach einem Unwetter mit gefallenem Holz aufstaute. Diese Begegnung gab den Anstoss zum Projekt «Gang». Es setzt sich zusammen aus Materialien, die schon zum architektonischen Konzept gehören: Aluminium, das als Fassadenelement die Siedlung prägt, wurde sublimiert und mit Motiven aus dem Wald mit dem See beschichtet. Es dient als Wandbehang. In den Bodenbelag aus Kunststein wurden in organisch geschwungenen Verläufen Kokosmatten quasi als Intarsie eingelegt. Als Schuhabstreifer respektive Schmutzschleuse bilden sie Inseln und Wege. Ein liegendes Kunststeinprisma als Sitzgelegenheit vervollständigt die Ausstattung. Jedes Haus hat sein eigenes Motiv, alle drei sind allerdings eng miteinander verwandt. Als «Triptychon» bekräftigen sie die Einheit der kleinen Überbauung und symbolisieren ein klares Bekenntnis zum Ort und seinen Eigenarten.

Die Kunst steht bei diesem Projekt weniger für das persönliche Universum des Autors als für den Boden, auf dem er steht. Sie dokumentiert dessen Wandel, will aber auch an «ewige Werte» erinnern. Alle, welche diese Entrées durchschreiten, werden für einen Moment Teil des Kunstwerks, werden zwischen Innen- und Aussenraum, zwischen geschützter Privatsphäre und dem mitunter rauen Alltag zu Spaziergängerinnen und Spaziergängern in einem Zwischenreich, welches das Gemüt ansprechen möchte.



Die Überbauung
Drei kompakte, dreibündige und siebengeschossige Gebäudekörper entlang der Hochwachtstrasse ergeben ein Maximum an nicht bebautem Aussenraum und Durchsicht in Ost-Westrichtung. Zugleich führt der bestehende Bebauungsrhythmus bis ins Zentrum von Steinhausen weiter. Die Neubauten stehen in der Wiese, einem grosszügigen Aussenraum, der die neue Überbauung mit dem Gehöft Oele verbindet. Das scheinbare Paradox von urbanem Lebensgefühl in einer ländlichen Umgebung wird zur eigentlichen (Wohn-)Qualität der Überbauung. Die Bauweise als siebengeschossiger Holzbau führt diese Haltung auch konstruktiv weiter. Die einfachen und gut möblierbaren Grundrisse mit klarer Trennung zwischen Wohn- und Zimmerbereich entstehen aus den räumlichen Vorgaben und leiten sich aus der Struktur des Holzbaus ab. Die Anordnung von drei Wohnungen pro Geschoss und 19 Wohnungen pro Erschliessungskern schafft ein optimiertes Verhältnis zwischen Erschliessungs- und Nutzfläche. Die vertikale Gliederung der Fassaden erzeugt eine eigenständige und aufgeschlossene Erscheinung. Die druckimprägnierte und unterhaltsfreie Holzfassade bildet die Seele der drei Holzbauten aussen ab. 
 
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Text Manuel Pestalozzi; Lukas Bonauer (Box)
Bild Andreas Schneider; Reinhard Zimmermann
 




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