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Pullover für die Fassade
Kälte- und Wärmeschutz mit Schafwolle
 
Mit Schafwolle lassen sich nicht nur Pullover stricken, sondern auch Häuser wärmedämmen. Und die Wolle bietet erst noch grosse Vorteile. Plädoyer für einen natürlichen Dämmstoff aus der Schweiz.

Ein ehemaliges Bauernhaus im Ortskern von Effretikon wird umgebaut. Wo sich früher die Tenne befand, soll das Wohnzimmer hinkommen, ein hoher, heller Raum. Die Grundsubstanz der Wände wurde so gut wie möglich belassen. Ralph Künzler, Fachmann für Baubiologie und Lehmbau, und ein Partner isolieren die Aussenwand eines Zimmers mit Schafwollmatten. Mit einem Klammernagler befestigen sie das 16 cm starke Vlies am Holzrost. Zuvor haben sie das Stück von einem aufgerollten Wollvlies abgetrennt, dieses einfach mit der Hand der Länge nach aufgerissen. Doch fällt das aufgehängte Material mit der Zeit nicht immer mehr nach unten, insbesondere, wenn es der Länge nach aufgehängt wird? Dies sei kein Problem, erklärt Künzler. Das Material sei leicht und werde zwischen die Latten gepresst. Im Handel sei die Schafwoll-Dämmung auch in Form von formstabilen Matten erhältlich, die man aufeinander stellen könne.

Wolle wirkt ausgleichend
Im Wohnzimmer wird auf die Wollschicht gegen innen eine Holzschalung angebracht, dann eine Schilfrohrmatte als Putzträger und schliesslich eine zirka 25mm starke Lehmverputzschicht. So wird die Isolation mit einer weiteren, natürlichen Schicht kombiniert, die das Raumklima und die Raumluftfeuchte optimal ausgleicht. Künzler beschreibt die Wolle als ein gutmütiges Baumaterial, das auch etwas ertragen mag. Im Gegensatz zu vielen mineralischen Isolationsstoffen werde die Wolle bei Feuchtigkeit nicht nass und schimmlig, sondern absorbiere Feuchtigkeit und gebe sie wieder ab. Eine Dampfsperre brauche es deswegen keine. Dass die Wolle hautfreundlich ist, schätzt Künzler als Handwerker besonders. Wer mit Glas- oder Steinwolle gearbeitet hat, weiss, wie unangenehm diese stechen können.

Die Wollisolation ist wie ein Pullover für das Haus. «Es ist eigentlich Luxus, dass man ein so geniales Naturprodukt für Wärmedämmung eines Hauses verwendet», denkt Künzler laut nach. Früher habe die Schweizer Wolle einen besseren Preis gehabt als heute, erklärt Christian Büchel von der Firma Lanatherm in Sennwald. Heute komme sie zu «Spott-preisen» zum Beispiel aus Neuseeland auf den Markt. Dies sei auch der Grund, warum das wertvolle Produkt, das während der Kriegszeit für die Schweizer Textilin-dustrie sogar kontingentiert war, heute zu Wärmedämmung von Gebäuden benutzt werde. Doch immerhin lohne es sich wieder, Schweizer Wolle zu verarbeiten.

Schüttwolle für Böden
Um Zwischenböden zu dämmen, muss man die Wolle nicht zu Vliesen oder Matten verarbeiten; es genügt, wenn man die Wolle wäscht und die Wollflocken in die Hohlräume des Bodens einfüllt. Die Wolle wird in einer Borsalz- oder Harnstoff-lösung gebadet. Diese auch in der Natur vorkommenden Stoffe dienen als Schutz vor Motten und anderen Insekten; ihre Wirkungsweise ist vergleichbar mit derjenigen von Kochsalz. Wer befürchtet, das lockere Material entzünde sich leicht, darf beruhigt sein. Reine Schafschurwolle ist von Natur aus schwer entflammbar und entzündet sich erst ab zirka 560°C (Brandkennziffer 5.3)*. Ein weiterer Vorteil der Schüttwolle ist, dass beim Einfüllen kein Staub entsteht.

Die Wärmedämmung von Schafwollprodukten ist sicher nicht schlechter als von mineralischen Produkten wie Glas- oder Steinwolle, ist von Christian Büchel zu erfahren. Je nach Produkt variiert die
Wärmeleitfähigkeit leicht. Die Empa -(Eid-------genössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt) attestierte den Schaf------wollmatten der Firma fiwo eine Wärme-----leitfähigkeit von 0.035W/m°C. Diejenige von Stein- und Glaswolle liegt bei 0.041W/m°C. Es sei schon so, dass eine Wärmedämmung aus Schafwolle teurer sei als aus den üblichen Materialien, sagt Ralph -Künzler. Doch der Preisunterschied mache im Gesamten weniger aus, als man annehme, da die Materialkosten nur etwa 30 Prozent der Baukosten ausmachten. Der Rest entfalle auf die Arbeit, von welcher bei Schafwollprodukten nicht unbedingt mehr anfalle. Ein Vorteil der weichen Vliese ist, dass sich der Verschnitt zum Stopfen von Ritzen und Fugen verwenden lässt.

Auf die Zusammenarbeit kommt es an
Allein mit der Wahl von Schafwolle sei es beim Bauen nicht getan, gibt Künzler zu bedenken. Wie gut ein Haus isoliert sei, hänge stark von der Qualität der Arbeit ab, und diese davon, wie die verschiedenen Handwerker auf einem Bau zusammenarbeiteten. Dafür brauche es eine Kom--bination von Generalisten und Spezialisten. Für den Umbau des Bauernhauses in Effretikon haben sich mehrere selbstständig erwerbende Handwerker zu einem Team zusammengetan. Ihr Ziel ist ein Minergie Haus, gebaut nach den Regeln der Baubiologie. Als Generalist und erfahrener Baubiologe hat Künzler die Bauleitung inne und ist auf der Baustelle Ansprechperson, wenn es darum geht, ein Problem zu lösen, ohne dass für den folgenden Handwerker neue entstehen. Wer sicher gehen möchte, dass sein Haus oder seine Wohnung nach baubiolo-gischen Grundsätzen gebaut wird, der müsse sich einen Architekten suchen, der selbst Baubiologe sei und darin Erfahrung habe. Teilwissen nütze wenig. 
 
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Text : Dr. Ing. Agr. Michael Götz
Bild Michael Götz
 
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