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Anstrich zweimal deckend
Farbe auf Beton leistet mehr
 
Einen allgemeingültig richtigen Umgang mit Betonsichtflächen gibt es nicht, auch wenn sich immer wieder gewisse modische Trends oder fast schon ideologische Haltungen zu etablieren scheinen. Grundsätzlich kann Beton mit fast allen erhältlichen Materialien beschichtet und daher auch mit einer Vielzahl von Applikationsarten gestaltet werden. Dabei kommt es auf Kombinationen und Akzentsetzungen unter Einbezug des oft sehr heterogenen Kontextes an.

Behandlung von Betonoberflächen

Beton wurde bis im letzten Jahrhundert ausschliesslich als Konstruktionsmaterial verwendet. Die unerreichten konstruktiven Vorteile von Beton stehen und standen seit jeher unbestritten im Zentrum des Interesses von Planenden und Auftraggebern von Bauwerken. Bezüglich seiner optischen Qualitäten divergieren die Meinungen aber maximal. Während bei Liebhabern dieses Baumaterials eine Oberflächenbehandlung generell und eine Beschichtung mit Farbe im Besonderen auf grossen Widerstand stösst, darf Beton bei seinen Gegnern nur möglichst bis zur materiellen Unkenntlichkeit verhüllt erscheinen.

Beton gilt zwar nicht ganz zu Unrecht als Synonym für Unzerstörbarkeit, trotzdem können auch bei diesem Material technisch ungünstige Beschichtungen enorme Schäden nach sich ziehen. Aus materialtechnologischer Sicht werden die möglichen
Beschichtungssysteme für Beton sehr einseitig – hauptsächlich im Zusammenhang mit erhöhten Schutzanforderungen – betrachtet. Damit erfolgen bedauerlicherweise in dieser Hinsicht keine sinnvollen Einschränkungen, wenn Beschichtungen aus rein gestalterischen Überlegungen zur Anwendung kommen.

Mit vorgefassten, extremen Haltungen und der Unkenntnis von materialtechnologischen Zusammenhängen kann man Beton durchaus mit Farbe streichen. Differenzierte Lösungen für die Behandlung von Betonoberflächen erfordern aber den gleichen sorgfältigen Aufwand, wie er bei allen Entscheiden in Bezug auf die Wirkung von Oberflächen gefordert ist.


Übergeordnete technische, funktionelle und architektonische Bedingungen und Konzepte definieren den Umgang mit dem Material Beton für das konkrete hier vorliegende Bauobjekt «Schulhaus Scherr» und begrenzen die Variabilität seiner optischen Erscheinung. Im Zusammenhang mit der Erweiterung der Schulanlage Scherr in Zürich durch Architekt Patrick Gmür erfüllt die farbliche Gestaltung der Betonbauteile in der Turnhalle in diesem Sinne primär einen klaren baulichen Zweck und folgt der architektonischen Absicht – erst auf den zweiten Blick darf der behandelte Beton auffallen oder speziell wirken.

Situation
Die Schulhausanlage bestand ursprünglich aus einem Schulhaus der Jahrhundertwende und einem L-förmigen Turnhallenbau aus Halle und Garderobentrakt aus den 50er-Jahren. Diese Anlage wurde vom Architekturbüro Patrick Gmür saniert und mit einem Klassenzimmertrakt erweitert. Der bestehende Turnhallenbau bildet dabei einerseits mit der Halle den Rücken und andererseits mit dem Garderobentrakt den Sockel für die Erweiterung. So verzahnt, bildet der Neubau mit dem Altbau strukturell und funktionell eine Einheit. Beide Gebäudeteile bleiben aber sowohl in der Aussenansicht wie auch in den Innenräumen in ihren Unterschiedlichkeiten lesbar.

Parallel mit den Neubauarbeiten wurde die Instandsetzung und die Gestaltung des Turnhallenbaus in Angriff genommen. Während das Dach und die Fassaden umfassend saniert werden mussten, sollten sich die Eingriffe im Innern – nach eingehender Prüfung des Betons durch die Fachbauleitung – im Wesentlichen auf eine Instandstellung der Oberflächen beschränken. Mit einer Renovation galt es die optische Erscheinung des Altbaus mittels der dafür geeigneten Oberflächenbehandlungen in eine sinnfällige Harmonie zum Neubau zu bringen. Im Verlauf der Sanierung der Fassaden wurden daher diese scheinbar einfacheren Arbeiten der Innenrenovation ebenfalls der ausführenden Betonsanierungsfirma übertragen.

Der eigentliche Hallenbau steht auf einem Sockelgeschoss in Ortbeton und überkragt diesen auf einer Längsseite um fast zwei Meter. Die Tragstruktur liegt quer zur Hallenrichtung. Die Seitenfassaden sind Scheiben in Ortbeton. Dazwischen spannen schlanke Rahmen die Halle auf. Die Rahmen sind in der Fassadenebene im Bereich der Deckenunterzüge wiederum steif und flächenbündig durch Unterzüge in Längsrichtung verbunden. Die Fenster und die gemauerten Füllungen springen dabei in die Mitte der Stützen zurück. Diese Struktur ist grundsätzlich auch im Innern der Halle prägnant, wird aber durch bedienende Elemente, Geräteinstallationen und vor allem durch die unsorgfältige Materialvielfalt der bestehenden Oberflächen stark in ihrer Lesbarkeit eingeschränkt und verunklärt. Während das vorherrschende Türkis der Eingangs- und Pausenhalle des Neubaus atmosphärisch seine Fortsetzung im neuen Turnhallenboden findet, drohten die Betonstruktur und die Wände der Turnhalle befremdend uneinheitlich und unklar zu bleiben. Es musste eine Lösung erarbeitet werden, die einerseits diese optischen Mängel mit einem vernünftigen finanziellen Aufwand behob, ohne andererseits den ursprünglichen Charakter des Altbaus zu negieren.

Doppelsichtigkeit der Mineralfarbe – Teil des Konzepts
Der Entscheid der Architekten, den gesamten Altbau inklusive der sanierten Betonflächen mit einem deckenden, mineralischen Fassadenanstrich zu versehen, legte eine gleichartige Behandlung der inneren Oberflächen nahe. Dieser Anstrich erlaubt es, den Altbau von aussen als einheitliches Grossvolumen zu lesen und in den Zusammenhang mit dem benachbarten, verputzten Schulhaus zu bringen. Der gewählte Farbentyp der Mineralfarbe – stark verdünnt appliziert – lässt aber auch die strukturelle Materialität und damit die konstruktive Gestalt des Hallenbaus deutlich wahrnehmen. Diese «Doppelsichtigkeit» war dann auch konzeptuelle Basis für den inneren Anstrich der Halle.

In einer ersten Bemusterung durch die Fachbauleitung wurden verschiedene deckende und lasierende Anstriche auf den originalen Untergründen aufgezeigt. Das dabei vorgeschlagene Aluminiumpulver in silikatischem Bindemittel wurde auf Anstrichen von ebenfalls silikatisch gebundenen Eisenoxidpigmenten aufgetragen. Die Farbmuster stellten den optischen und materiellen Bezug zur starken Wirkung der aluminiumfarbenen Holzplatten der Akustikdecke der Halle, der ebenfalls aluminiumfarbenen Holzfassade des Neubaus und der Aluminiumprofile der Fenster her, ohne aber den materiellen Charakter der Untergründe in Beton, Abrieb und KS-Mauerwerk zu zerstören.

Suche nach präziser Balance
Die Aufgabe der Harmonisierung von verschiedensten Untergründen zu einer ästhetisch ansprechenden Einheit war also mit einem ins Bräunliche tendierenden, betonfarbenem Anstrich und einer silbrig glänzenden Lasur mit Aluminiumpigmenten realisierbar. In mehreren weiteren Bemusterungen musste dann aber das genaue Verhältnis von verfremdender, klärender und vereinheitlichender Wirkung ermittelt werden. Diese Suche war für alle Beteiligten ein spannender Vorgang, weil man eigentlich keine Voraussagen über die jeweiligen Auswirkungen der leichten Veränderungen von Farbton und Lasurgrad machen konnte. Und trotzdem spürte jeder bei einem neuen Muster schon beim Auftrocknen intuitiv, ob das Ziel der angestrebten, präzisen Balance näher rückte oder nicht.

Mit der Rolle aufgetragen und mit der Bürste ausgezogen
Nach den Vorarbeiten wie trockene Reinigung, Instandsetzungen und Reparaturen der Untergründe wurden sämtliche Oberflächen mit einer Innensilikatfarbe nach DIN 18363 im vorgegebenen Farbton zweimal knapp deckend gestrichen. Die Silikatfarbe wurde mit der Rolle aufgetragen und mit der Bürste ausgezogen, auf dem Beton in Schalungsrichtung und auf dem KS-Mauerwerk und Abrieb im Kreuzschlag.

Die so grundierten, stark Wasser absorbierenden Flächen wurden mit einer Kaliwasserglaslösung leicht vorgenässt, um ein gleichmässigeres Lasurbild zu erhalten. Die Lasur wurde danach mit der Bürste appliziert, auf dem Beton quer zur Schalungsrichtung und Grundierung und auf dem Mauerwerk beziehungsweise Verputz wiederum im Kreuzschlag. Die Verdünnung und damit der Grad des Deckvermögens musste jeweils anhand des Referenzmusters für den Beton beziehungsweise für das Mauerwerk eingestellt werden. Das einmalige Festlegen eines Mischungsverhältnisses erwies sich als unbrauchbar, da Faktoren wie relative Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Saugvermögen des Untergrundes von Tag zu Tag und von Fläche zu Fläche änderten. Bereits am Anfang dieser Ausführung zeigte sich, dass diese – jetzt doch anspruchsvollen – Beschichtungsarbeiten weder von der Betonsanierungsfirma noch von der im Unterakkord engagierten Malerfirma zufriedenstellend bewältigt werden konnten. Auf Empfehlung der Fachbauleitung beauftragte der Unternehmer deshalb ein entsprechend spezialisiertes Malergeschäft (CM Malergeschäft, Kilchberg) mit der hierfür nötigen fachlichen Erfahrung. Eine solche basiert auf breitem Verständnis für architektonische Anliegen und auf der sorgfältigen Wahl von materialtechnologisch korrekten Beschichtungsstoffen und nicht zuletzt auf Begeisterung für den Baustoff Beton. 
 
Ausgabe "2006/1 - Februar" bestellen
 
Text Marianne Huber, dipl. Arch. ETH SIA
Bild Marianne Huber
 
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