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Treppenhäuser in Zürich-Hirslanden
Malerhandwerk zwischen Tradition und Moderne
 
Beides hat Berechtigung: eine Re-konstruktion nach Befund genauso wie eine Neuinterpretation mit mo-dernen Anstrichmitteln und Mög-lich-keiten. Entscheidend bei der Lösungsfindung ist, dass auch bei Fehlen eines Originalbefundes das Objekt abgelesen werden kann. Beispiele des hohen Handwerks und des einfühlsamen Umgangs mit Aspekten der Geschichte, der Materialität und der handwerkstechnischen Übersetzung in die Zeit.

Technisches im Überblick

Befunduntersuchung als Grundlage für die Rekonstruktion

Umsetzung des historischen Druckmusters in Schabloniertechnik mit Ölfarbe

Holzimitation (Tanne und Buche) in Öllasur

Neufassung mangels Befund: Glasfasergewebe an Stelle von Rupfen
Strichzug– und Schabloniertechnik in Acryl

Moderne Dekorationsmalerei in Acryltechnik


Die nachfolgend beschriebenen Wohnhäuser in Zürich-Hirslanden wurden anfangs der 1920er Jahre erbaut. Die dreigeschossigen Bürgerhäuser mit einer charmanten Mansardenwohnung waren typisch für die damalige Zeit. Die Waschküche befand sich im Keller, der Trocknungsraum im Estrich. Zahlreiche Zimmeröfen mit Kacheln sorgten für Wärme – entsprechend interessant war die Dachlandschaft mit ihren zahlreichen Kaminen.

Die Drei- und Vierzimmerwohnungen weisen eine grosse Raumhöhe, jedoch weder Hohlkehlen noch Stuckaturen auf. Dafür verfügen die Wohnungen über eine grosse (Wohn-)Küche und ein separates, für damalige Verhältnisse grosszügiges Badezimmer.

Die glatten Gipsdecken sind aus Schilfrohr gefertigt und mit Leimfarbe gestrichen – nicht gerollt! Den Farbroller gab es zur Erstellungszeit dieser Häuser noch nicht.

Die Wände waren mit einer glatten, bedruckten Tapete tapeziert. Den Übergang zum Boden bildet ein Lambris mit aufgesetzter Staubleiste aus Buchenholz – passend zum Boden. Massive Riemenböden mit Fischgrat und Würfelmuster aus Buchenholz sorgen für Behaglichkeit. Die soliden und stark ausgebildeten Türfutter und Füllungstüren aus massivem Tannenholz wirken behäbig. Die Fenster mit Zweifachverglasung und zwei einfachen Quersprossen widerspiegeln die damaligen technischen Möglichkeiten.

Das massive Mauerwerk trägt einen glatten, mit Mineralfarbe gestrichenen Verputz. Ein grosser Dachvorsprung sorgt für den konstruktiven Schutz der Fassade. Fenstergewände aus Kunststein und Fensterläden mit beweglichen Jalousien fassen die Fensteröffnungen ein.

Ein strassenseitiger Blumengarten und ein hofseitiger Garten mit Sitzplatz bilden den Aussenraum – eine typische Wohnsituation im damaligen Wachstumsgebiet der Stadt Zürich wie in Wollishofen, Wiedikon, Wipkingen und Oberstrass.

Die Treppenhäuser damals
Die renovierten und in diesem Beitrag beschriebenen Treppenhäuser wurden seinerzeit wie folgt ausgeführt:

– .Podestuntersichten: Weissputz, gestrichen
– .Laufuntersichten: Kunststein, gestrichen
– .Wandoberteile: Weissputz, gestrichen
– .Wandsockel: Rupfen bedruckt, mit Abschlussstab aus Holz
– .Treppe EG bis 3. OG: Kunststein
– .Treppe 3. OG – DG: Tannenholz, -naturlackiert
– .Podestböden: Plättli, sechseckig,
oxidrot oder ocker
– .Treppengeländer: Metall, verziert, -gestrichen
– .Handlauf: Buchenholz, naturlackiert
– .Türen: Massivholz, mit Glasfüllungen und eingebautem Guckfenster, gestrichen
– .Türschwellen: Buchenholz, naturlackiert
– .Fenstersimsen: Buchenholz, naturlackiert
– .Fenster: Bleifüllungen mit farbigen Gläsern und Blumenmotiv im mittleren, fest verschraubten Oblicht, Rahmen und Flügel gestrichen


Gleiche Bauetappe – verschiedene Ausgangslagen
Die Ausgangslage der in der gleichen Bauetappe erstellten Treppenhäuser präsentierte sich sehr unterschiedlich. Während das eine mit Ausnahme mehrerer Renovationsschichten im Kern noch original erhalten war, fehlte im andern Treppenhaus der bauzeitliche Rupfensockel. Stattdessen zeugte ein Spritzputz von einer Renovation in den 1960er Jahren.

Beides berechtigt – Rekonstruktion und Neufassung
Aufgrund der unterschiedlichen Ausgangslage entschied sich die Bauherrschaft in einem Fall für einen Lösungsansatz im Sinne einer Rekonstruktion, und im anderen Fall für eine Neufassung, abgeleitet von der vorhandenen Bausubstanz.

Die Abbildungen zeigen, dass sowohl eine Rekonstruktion nach Befund wie auch eine Neuinterpretation mit modernen Anstrichmitteln und Möglichkeiten die richtige Lösung darstellen können. Entscheidend ist, dass auch bei Fehlen eines Originalbefundes das Objekt abgelesen werden kann. So wurden bei der Neufassung zum Beispiel alle eingesetzten Farbtöne den farbigen Fenstergläsern der Treppenhausverglasung entnommen. In jedem Fall braucht es Zeit, ein Eingehen auf das Objekt und eine Rückbesinnung auf die damaligen Gepflogenheiten und Techniken des Malerhandwerks – auch wenn die Umsetzung mit modernen Materialien und Techniken erfolgt. 
 
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Text Theo Schaub
Bild Marco Carocari
 
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