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Licht – Design – Architektur
Licht und Schatten im Raum
 
Die Beleuchtung eines Raums basiert mehr als nur auf einem Spannungsfeld von Hell und Dunkel. Bewusste Raumgestaltung unter Beizug von Licht, farbigem oder weissem, verlangt vom Lichtdesigner eine vertiefte Auseinander-setzung mit den Be-dürfnissen von Menschen, die den vorgegebenen Raum bewohnen, be-leben und ge-stalten. Das Licht unterstützt hergebrachte Strukturen, oder es bricht sie auf, führt hinüber zum Reizvollen, Spannenden, zu etwas, das zu denken und zu reden gibt. Und das langweilige Licht? Oder das übergrelle Licht? Das Ge-spräch mit Lichtgestalter Felice Dittli führt hin zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema Licht und Schatten im gestalteten Raum.

COVISS: Herr Dittli, Sie arbeiten in den Funktionen eines Innenarchitekten, Produktgestalters und eines Licht-gestalters. Welche Rolle spielt dabei das Licht?
Felice Dittli:
Auf jeder Ebene eine sehr unterschiedliche, differenzierte. Als Innenarchitekt interessieren mich Räume, Raumwirkungen und Stimmungen. Als Designer Materialoberflächen, Strukturen, deren Beschaffenheit und Funktion. Als Lichtgestalter fokussiere ich hauptsächlich Stimmungen und Bedürfnisse, Lichtführungen und Emotionen – auch unter dem Aspekt von Kosten- und Effizienzüberlegungen.

COVISS: Etwa 80 Prozent unserer Wahrnehmungen erfolgen über das Sinnesorgan Auge. Was bedeutet -diese Tatsache für Ihr konkretes -Schaffen?
Felice Dittli:
Dass wir primär eine Sehaufgabe zu erfüllen haben, und dass hierzu genügend Licht vorhanden sein muss. Dabei spielt der Faktor «Stimmung» ebenfalls eine Rolle. Und immer zu bedenken ist sicherlich die Tatsache, dass Licht eine Art Lockstoff ist, der manchmal sehr bewusst, manchmal aber auch einfach so vorhanden ist.

COVISS: Zwischen Tagelicht und Kunstlicht besteht ein Qualitätsunterschied. Welcher?
Felice Dittli:
Ich spreche lieber von Differenz als von Qualitätsunterschied. Jede Art von Licht hat ihren speziellen, eigenwilligen Reiz, ihre besondere Eigenart. Diese herauszuarbeiten ist eine meiner täglichen Herausforderungen.

COVISS: Wie manifestiert sich in Ihrem Arbeitsprozess das Spannungsfeld von natürlichem und künstlichem Licht?
Felice Dittli:
Das künstliche Licht interessiert mich persönlich mehr.

COVISS: Warum?
Felice Dittli:
Hier kann ich präzise Eingriffe machen, kann modulieren, spielen, jonglieren. Die Kontrolle ist einfacher und kann gleichsam im Labor simuliert werden. Tageslicht wird dabei eher ausgeschaltet oder aber dazugekoppelt.

COVISS: Dann nehmen Sie wohl auch Einfluss auf die Tageslichtführung in den Architekturen?
Felice Dittli:
So direkt eher selten. Der Architekt beziehungsweise die Architekturen sind in diesem Bereich meistens weit fortgeschritten. Und dennoch: Was ist Architektur anderes als Licht? Und was ist Licht anderes als Architektur? So ist eine Zusammenarbeit oder Partnerschaft zwischen Architekt und Lichtplaner durchaus möglich und auch sinnvoll. Das Gebäude, Gebäudeteile oder -strukturen werden vom Kunstlicht unterstützt und erhalten sowohl in der Tages- wie auch Nachtsituation ein charakteristisches Bild.

COVISS: Was bedeutet «beleuchten» für Sie?
Felice Dittli:
Das Erzielen von Dramatik, von Details, Szenen, Abläufen. Mit Beleuchtung verknüpfe ich auch Sinnlichkeit, Herausforderung, Kreativität und Dialog.

COVISS: Wie arbeiten Sie mit der Kehrseite des Lichts, dem Dunkel, dem Schatten?
Felice Dittli:
Licht und Schatten bedingen sich bekanntlich gegenseitig. Viel zu oft wird gerade diese Tatsache ausgeblendet, ja negiert. Dabei geht von dieser Wechselwirkung von Licht und Schatten ein Reiz, eine Spannung aus. Die Arbeit mit Licht lebt von diesem dynamischen Spannungsfeld. Ein gleissend heller, konturloser Raum kann unausstehlich sein – ein Licht- und Schattenspiel hingegen ist Sexappeal, Spannung, Reiz oder ganz einfach ein Stück Alltagspoesie.

COVISS: Je nach Lichtquelle, Licht-ort, Lichtintensität verändert sich die Farbwahrnehmung in der beleuchteten Umgebung. Provozieren Sie mit dem Einsatz von eindeutig farbigem Licht zusätzlich Sinnestäuschungen?
Felice Dittli:
Schon möglich. Ja. Und doch nein, eher nicht selten! Ich versuche primär Raum als Raum wiederzugeben oder herauszuarbeiten. In jüngster Zeit wird farbiges Licht sehr inflationär eingesetzt. Leider selten zum Guten. Die verbreitete Meinung, einen «schlechten» Raum mit Licht «gut» machen zu können, spielt hier sicherlich mit. Nur glaube ich, dass dies nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich und sinnvoll ist. Denn wird damit nicht oberflächlich über Projektmängel hinweggetäuscht? Und entsteht damit nicht eher eine Augenwischerei? Ganz anders verhält es sich auf der Bühne. Hier wird ein toter Raum – die schwarze Bühne – mit Licht in einen lebendigen verwandelt.

COVISS: Warum übertragen Sie das Bühnenbeispiel nicht auf andere -Räume?
Felice Dittli:
Weil ich etwas ganz anderes als Bühnenlicht mache. Ich bin Gestalter und arbeite mit Architekten beziehungsweise mit Architektur, Innenarchitektur, mit Oberfläche. Aus diesem Grund bin ich nicht an dieser Art von Licht interessiert. Was nicht heisst, dass ich nicht auch gerne mit farbigem Licht arbeite. Aber erstens sehr zurückhaltend, und zweitens nur zur Unterstützung einer bereits vorhandenen Aussage.

COVISS: Licht kann zu «wenig sein» oder «zu viel». Auch «langweilig» ist denkbar. Wann ist das Licht «ideal»?
Felice Dittli:
Ideal? Gibt es das überhaupt? Aber sicher müssen und können mit Licht spezielle Bedürfnisse erfüllt werden. Und hier kann eine Arbeit durchaus richtig oder eben falsch sein. Natürlich kann auch Licht – wie alles in der Welt – langweilig sein. Aber heute erscheint sehr schnell etwas langweilig – langweilig in einer negativen Bedeutung. Aber ist es nicht oft so, dass wir eine gewisse Ruhe nicht mehr aushalten und sie dann als langweilig abtun? Auch beim Lichteinsatz? Daraus resultiert dann, dass es anscheinend niemanden stört, wenn historische Fassaden zerschnitten werden, wenn auf unbedeutende Details Spots gerichtet werden und diese Details in der Folge überbewertet sind. Orte verkommen so zu Staffage, um nicht Disneyworld zu sagen.

COVISS: Was verbinden Sie mit dem Begriff «Lichtkomfort»?
Felice Dittli:
Wenn Bedürfnisse mehr als gut abgedeckt werden. Wenn Gefühle der Spannung und Herausforderung auftreten und eine Auseinandersetzung mit dem Licht, dessen Einfluss und Folgen möglich wird. Komfort kann aber auch heissen, dass mit speziellen Schaltungen oder Lichtführungen meiner momentanen Stimmung entsprochen werden kann – oder ich in eine spezielle Stimmung gebracht werden kann.

COVISS: Welche Rolle spielt für Sie beim Gestalten mit Licht die Ästhetik von Lichtkörpern?
Felice Dittli:
Eine klar sekundäre. Für mich stehen das Licht und die Lichtwirkung im Vordergrund. Und doch will ich die Architektur/Innenarchitektur nicht mit einem üblen Gerät oder einer falschen Lichtart, einer ungeeigneten Lichtführung zerstören, sondern sie respektieren und wo möglich unterstützen, bestenfalls aufwerten. Manchmal ist ein «Eyecatcher» angebracht – dann soll der Lichtkörper über die reine Lichtgebung hinausgehen und selber zum Objekt werden.

COVISS: Lassen sich Ihre Licht-Konzeptionen mit ökologischen Forderungen und Erwartungen vereinbaren? Wo sind die Grenzen?
Felice Dittli:
Ich glaube grundsätzlich ja. Eine wichtige Frage ist aber auch, wie wir Ökologie definieren wollen. Macht es Sinn, Strom zu sparen und dafür auf Lebensenergie zu verzichten? Ein anderes aktuelles Thema in diesem Zusammenhang ist die «Lichtverschmutzung». Hat nicht alles seinen Preis? Verschlingt nicht jedes Feuer ein Stück Natur? Ich selber bin der Meinung, dass wir nicht allzu unbekümmert mit Licht umgehen sollten. Wie in allen Bereichen gilt auch hier der respektvolle Umgang. 
 
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Bild Sabine von Breuning, Regula Roost
 
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