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Boden bis Decke «Nullenergie» – Forum Chriesbach
Innovation mit Architektur und Nachhaltigkeit
 
Nachhaltigkeit bedeutet, den Menschen heute und in Zukunft ein lebenswertes Umfeld zu garantieren. Die Eawag und die Empa forschen, lehren und beraten unter -dieser Prämisse in den Bereichen Was-ser beziehungsweise Material- und Systemtechnik. Im neuen Forschungs- und Verwaltungsgebäude Forum Chriesbach wurde dieses
Verantwortungsbewusstsein und Know-how genutzt, um ein Gebäude zu schaffen, in dem Nachhaltigkeit durch die Benutzer und Besucher gelebt und erlebt wird. Das interdisziplinäre Planungsteam hat unter der Leitung von Bob Gysin + Partner BGP Architekten innovative Lösungen entwickelt, die das Gebäude zum ambitionierten «Nullenergiehaus» machen.


Die einprägsame äusserste Fassadenschicht aus Glaslamellen zieht Aufmerksamkeit auf sich und wird zur Visiten-karte des Gebäudes. Die siebbedruckten Glaslamellen werden dem Sonnenstand nachgeführt und haben die Funktion des Sonnenschutzes im Sommer, der passiven Sonnenenergienutzung im Winter und des ganzjährigen Windschutzes. Die dahinter liegende thermische Schicht besteht aus strukturellen Gläsern im Wechsel mit vorfabrizierten hochwärmegedämmten Holzelementen, die mit blau eingefärbten Eternitplatten verkleidet sind.

Die Räume der unterschiedlichen Nutzungszonen liegen u-förmig um das fünfgeschossige Atrium, das durch die schwebenden Sitzungsboxen, den Treppenaufgang und die Sichtbeziehungen zum räumlichen Erlebnis wird. Diese Anordnung ermöglicht optimale Funktionsabläufe, kurze Verbindungswege und spannende Innenraum-Transparenzen.

Die flexibel nutzbaren Räume an der Aussenfassade ermöglichen neue Arbeitsformen mit frei vernetzbaren Arbeitsplätzen. Kommunikationszonen, Seminarräume, ein Vortragssaal, ein Multimediaraum, eine gemeinsame Bibliothek für Empa und Eawag sowie ein Personalrestaurant komplettieren das vielfältige Raumangebot und schaffen attraktive Arbeitsbedingungen, die das Arbeitsklima – und damit auch die Arbeitsleistung – fördern.

Haus ohne Heizung
Für ein «Nullenergiehaus» ohne herkömmliche Heizung sind Orientierung, Volumetrie, Gebäudehülle, Speichermasse und Sonnenschutz so konzipiert, dass der Heizwärmebedarf durch die ohnehin im Gebäude anfallende Wärme von Personen, Arbeitshilfen, Beleuchtung einerseits und andererseits durch die Nutzung von Abwärmequellen, Erdwärme und passiver Sonnenenergie gedeckt werden kann. Das Atrium ist dabei durch sein Speichervolumen Grundlage für das Zwei-Klimazonen-Konzept. Ein Drittel des Stromverbrauchs kann durch die auf dem Dach angeordnete Photovoltaikanlage abgedeckt werden. Die wasserlosen und -sparenden sanitären Anlagen werden, wo sinnvoll, durch Regenwasser gespeist.

Nachhaltige Materialisierung
Mit der Erstellung und Nutzung baulicher Infrastruktur ist immer ein Material- beziehungsweise Stoffaufwand und Verbrauch an Bodenfläche verbunden. Die unversiegelten Flächen des Freiraums, der kompakte und hochwärmegedämmte Baukörper, der einfache Haustechnikstandard und vor allem die richtige Materialwahl minimieren den Aufwand an grauer Energie und beeinflussen die Energiebilanz positiv.

Neben des Kennwerts zur grauen Energie und Umweltverträglichkeit waren Kriterien wie Nutzungskonformität, Ästhetik, Wärmespeicherung, Brandverhalten und Wirtschaftlichkeit ausschlaggebend in der Erarbeitung des Farb- und Materialkonzepts. Die Farbgebung ist im Grundsatz zurückhaltend und entspricht den jeweiligen Materialfarben – mit Ausnahme der repräsentativen, öffentlichen Räume. So wurden die Sichtbetonwände im Atrium rot lasiert und die Akustik-Holzwerkstoffplatten in der Cafeteria grün-gelb gestrichen, um die Räume zu differenzieren und eine farblich schöne Stimmung zu schaffen. Die Büro-Trennwände sind als Leichtbau-Konstruktion mit Schilfrohrarmierten Lehmbauplatten ausgebildet, deren weisser Lehmfeinputz ein angenehmes Klima in die Büroräume bringt.

Ein besonderer Bodenbelag
Der verwendete Hartsteinholzboden aus mineralstoffgebundenen Holzfasern passt mit seinem Naturbeige-Ton farblich zu den anderen Materialien und wird – mit wenigen Ausnahmen – flächendeckend eingesetzt. Dieser im Industriebereich oft eingesetzte Bodenbelag besticht durch seine seidenmatte und fugenlose Oberfläche und eine breite Farbpalette. Die materialspezifischen Eigenschaften wie druckfest, gleitsicher, antistatisch, brandhemmend und strapazierfähig – Lebensdauer minimal 40 Jahre – sind Faktoren, die im Bürobereich genauso relevant sind wie im Industriebereich. Zudem unterstützt das gute Wärmespeichervermögen das Energiekonzept «Speichermasse» und bietet durch die fusswarme Oberfläche viel Benutzer-Komfort.

Wie bei jedem zu verarbeitenden Material müssen auch beim Hartsteinholzboden gewisse Rahmenbedingungen erfüllt sein, damit die bauliche Qualität stimmt: Der Zementüberzug muss eine Zugfestigkeit von 1,5N/mm2 aufweisen, die Raumluft-feuchtigkeit minimal 35% betragen, und direkter Kontakt mit Aluminiumbauteilen ist aus Korrosionsgründen zu vermeiden. Die Oberfläche selbst wird eine Woche nach Einbringen mit Porenfüller imprägniert und nach einer weiteren Woche zusätzlich behandelt. Dies bewirkt einen kleineren Aufwand im Unterhalt. Durch das Lichtreflexionsvermögen ist zudem eine gute Verteilung von Tages- und Kunstlicht gewährleistet, was im Ge-brauch attraktive Lichtbedingungen im ganzen Gebäude schafft.
Alles in allem ist der Hartsteinholzboden durch seine Materialeigenschaften ein wirtschaftlicher Bodenbelag, der dem Anforderungskatalog des Farb- und Ma-terialkonzepts sehr gut entspricht. Wie beim gesamten Projekt Forum Chriesbach konnte auch beim Bodenbelag eine innovative Lösung im Spannungsfeld von Architektur und Nachhaltigkeit gefunden werden. 
 
Ausgabe "2006/3 - Mai" bestellen
 
Text Bob Gysin + Partner BGP Architekten
Bild Bob Gysin + Partner BGP Architekten
 
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