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Universität Zürich – Pädagogisches Institut
Boden im Zentrum des Gestaltungskonzepts
 
Mit dem Umbau des Pädagogischen Instituts an der Freiestrasse 36 in Zürich belebten die Zach + Zünd Architekten die ursprünglichen Qualitäten des 30 Jahre alten Gebäudes neu. Im Innenbereich wurden die Korridore aufgewertet und in echte Begegnungszonen umgewandelt. Farben, Wand- und Boden-materialien wurden so aufeinander abgestimmt, dass daraus ein versöhnendes Zu-sam-men-spiel von sehr unterschiedlichen Ma-terialien in einem bemerkens-werten Spannungsverhältnis resul-tierte. Bibliothek, Seminarräume und Aufenthaltsraum erhielten aufgrund ihrer Farbgebung eine je eigene Erscheinung innerhalb der neutral und schlicht gehaltenen Bürowelt.

Das Institutsgebäude Freiestrasse 36 von Eduard Neuenschwander wirkt 30 Jahre nach Inbetriebnahme durch seine Klarheit und Stärke erstaunlich zeitgemäss: ein pragmatisches Mehrzweckgebäude mit einer präzisen Konzeption und architektonischen Qualitäten, die viele «Moden» der letzten Jahrzehnte überlebt haben. Die klare und rationale Erscheinung gewährleistet langfristig hohe Flexibilität und verdeutlicht gleichzeitig die harten ökonomischen Bedingungen, unter denen das Gebäude entstanden ist. Viele nachträgliche Ein- und Umbauten nahmen wenig Rücksicht auf die Grundkonzeption, wirkten daher störend und minderten die Qualität des Gebäudes.

Offene Brandschutz-Schiebetor-Elemente
Die Umbaukonzeption zielte darauf ab, die ursprünglichen Qualitäten wieder sichtbar zu machen und das Gebäude mit gezielten Eingriffen als hochwertiges Institutsgebäude optimal zu nutzen. Der wirtschaftliche Druck verlangte eine möglichst geringe Eingriffstiefe. Der Schwerpunkt des Umbaus lag auf der Sanierung der Aluminium-/Glasfassade, des Daches und der Haustechnik, der räumlichen Aufwertung der knappen Erschliessungsflächen bei gleichzeitiger Anpassung an die gestiegenen feuerpolizeilichen Auflagen und dem Einbau der spezifischen Nutzungen für das Pädagogische Institut. Die Integration der notwendigen Brandabschlüsse als rollbare Brandschutztore im Bereich der Treppenhauswände gewährleistet die freie Zirkulation im Alltag, indem der geforderte feuerpolizeiliche Abschluss der Korridore nur im Brandfall hergestellt wird.

Ursprüngliche Qualitäten wieder sichtbar gemacht
Die Materialisierung des Gebäudes erscheint als ein Kind seiner Zeit. Der Wechsel zwischen den geschlossenen, grob verputzten Mauerscheiben und den grossflächig verglasten Fassaden prägt massgeblich die Erscheinung, die langfristig erhalten bleibt. Die vorhandenen Materialien im Gebäudeinneren, die den kräftigen Charakter des Gebäudes unterstützen – die rohen Betondecken und
-wände und die in sanften Grautönen grob verputzen Korridorwände – bleiben konzeptionell unverändert und werden subtil aufgefrischt.

Raue Wände – glatter Industrieboden
Das Zusammenspiel der vorhandenen rauen Materialisierung mit dem hellen, glatten Industrieboden in einem klaren Gelbton wertet die knappen Erschliessungsbereiche zu neuen Bewegungs- und Aufenthaltsräumen mit eigener Identität auf. Das ausgewählte Gelb des PU-Bodens reagiert auf die bestehende Umgebung und verbindet die in gewelltem Putz gehaltenen Wände und die rohen Betondecken mit den feinen Alu-Elementen und glatten Lampenkästen. Letztere setzten der rauen Wand- und Deckenstruktur eine leuchtende, edle Oberfläche entgegen, wobei ihre Grösse und Direktheit dem kraftvollen «Brut»-Charakter des Gebäudes entsprechen. Der gelb-farbige und glänzende Boden versöhnt die Welten verschiedener -Materialien und Oberflächen miteinander und führt sie zu einem spannungsvollen Ganzen.

Dank Verfügbarkeit in allen NCS-Farbtönen, fugenlosen Verarbeitungsmöglichkeiten, Dauerhaftigkeit und relativer Preisgünstigkeit fiel die Wahl auf einen PU-Belag – und dies bereits in einer -frü-hen Phase der Ausarbeitung des Farbkonzepts. Der Boden ist in allen NCS-Farbtönen erhältlich, was sich für die Umsetzung der anspruchsvollen gestalterischen An-sprüche der Architekten als grossen Vorteil erwies. Die zu den ausgewählten Bodenfarben abgestimmten Farbnuancen in den Wandbereichen wurden zusammen mit einer erfahrenen Malerunternehmung sorgfältig ermittelt und ausgemischt. Vor Ort und mit Hilfe von Bemusterungen wurden die Farben auf ihre Richtigkeit im heterogenen Kontext der verschiedenen Raum-, Material- und Lichteinflüsse geprüft.

Farben persönlicher Raumpräsenzen
In den öffentlichsten Bereichen wie der Bibliothek, den Seminarräumen und dem Aufenthaltsraum im Dachgeschoss wurden gezielt der Umfang der Eingriffe und die Eingriffstiefe erhöht. Jeder dieser Räume erhielt über seine spezifische Lage im Gebäude in Beziehung zu Himmelsrichtung und Aussicht, über seine differenzierte Materialisierung und Farbgebung seine eigene starke persönliche Erscheinung innerhalb der neutral und schlicht gehaltenen Bürowelt:

Im Gartengeschoss das lichte Blau der Seminarräume. Mit dem groben Beton der Rippendecke und der Aussenwand, den neutral gehaltenen beige-weissen Stühlen und Tischen erzeugt dieses Blau eine flirrende Atmosphäre der angeregten Konzentration.

Das sanfte Rotbraun der Bibliothek. Im Zusammenspiel mit dem üppigen Grün der Gartenanlage, den neutralen grau-braunen Einbauten und der differenzierten, stimmungsvollen Beleuchtung unterstützt dieses Rotbraun die moderne Interpretation des klassischen Lesesaals.

Das Grün des Aufenthaltsbereichs an der grosszügigen Dachterrasse. Das Grün schwebt heiter und leicht über der Arbeitswelt der Büros hinaus in den Park.

Diese Raumwelten ergeben sich in der im Gestaltungskonzept sensibel berücksichtigten Unterscheidung von Lage, Nutzung und Funktion. Die Räume sind -voneinander abgetrennt und erhalten, unterstützt von einer ihnen je eigen zugeordneten Farbgebung, den ihnen immanenten Nutzungscharakter zurück, und doch besteht eine gewollte Verbindung zur «Aussenwelt» des Korridorbereichs. Diese Verbindung erscheint durch das Glas oder bei offenen Türen als eigenwillige Reaktion gleichzeitig gewagter und stimmiger Farbübergänge. Diese Art von gespannter Übereinstimmung mündet in ein Farb- und Materialspiel, das die Sinne anregt und für Begegnungen förderlich ist. 
 
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Text Zach + Zünd Architekten, Gregor Eigensatz
Bild Heinrich Helfenstein, Zürich
 
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