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Bauherrenwünsche und Architektenansprüche
Langer Weg zu einem stimmigen Ganzen
 
Golosone bedeutet «kleiner Schlemmer». Als Leckerbissen präsentiert sich auch die Gestaltung des neuen Lokals. Dezidierte Wünsche des Bauherrn und architektonisches Konzept zu einem stimmigen Ganzen zu führen, ist auf jeder Baustelle ein herausforderndes Thema. Von der Auseinandersetzung betroffen sind auch die Maler und Gipser. Sie stellen die für den Gesamteindruck entscheidenden Oberflächen fertig.

Das Unternehmen CM Malergeschäft aus Kilchberg hat mit der Ausführung einer speziellen mineralischen Spachteltechnik im Restaurant Golosone wesentlich – und vor allem geduldig – zu einer für alle gelungenen Realisation beigetragen.

Mitten in der City, zwischen edlen Ge-schäften, entsteht aus einem angestaubten Café ein Speiselokal und verspricht: Golosone – Italienische Esskultur. Die völlig umgebauten Räumlichkeiten müssen dieses Versprechen ebenfalls einlösen. Der Bauherr und erfahrene Wirt weiss genau, was er seinen treuen alten und neuen Gästen bieten will. Die präzisen Vorstellungen be-schränken sich nicht auf die Gastronomie. Mit dem Wunsch nach einem grösseren Lokal sollen auch seine anspruchsvollen Vorstellungen des Ambientes umgesetzt werden.

Anbau in Beton neu erstellt
Das neue Lokal befindet sich an bester Lage an der Uraniastrasse. Die meisten Sockelgeschosse der Häuserzeile sind durch geschäftliche Nutzungen umgebaut und erweitert worden. Der Gebäudeanbau für das Lokal, in dem bis anhin ein Café betrieben wurde, war aber kein gelungenes Beispiel hierfür und musste ohne Zweifel ersetzt werden. Der neu erstellte Anbau in Beton nimmt – ohne sich anzubiedern – die architektonische Sprache in Farbe und Materialität des altehrwürdigen, Ende des 19. Jahrhunderts erbauten Eckgebäudes auf. Der Beton ist im Farbton des Sandsteins der Gurten und Fenstereinfassungen eingefärbt und gliedert sich logisch und unprätentiös als Sockel dem Gebäude unter. Hingegen setzten sich der glatte, glänzende Finish des Betons und die grossformatige Verglasung klar von der originalen Architektur ab. Die Visitenkarte für das neue Lokal ist viel versprechend.

Mit Bemusterungen weiter-gekommen
Im Innern wurde aus funktionalen Gründen umfassend umgebaut. Somit mussten auch sämtliche Oberflächen neu gestaltet werden. Die verwendeten Materialien der Oberflächen und der Einrichtung sind edel und schlicht. Der gesamte Raum strahlt eine zurückhaltende Eleganz aus, ohne kühl zu wirken. Nebst dieser beabsichtigten Wirkung sah das Konzept für die Wände und Decken die Weiterführung des monolithischen Charakters des Anbaus vor. Dieses architektonische Konzept und die klaren, aber schwierig formulierbaren emotionalen Vorstellungen des Bauherrn mussten miteinander in Einklang gebracht werden. Eine herausfordernde Gratwanderung! Sie wurde gemeistert. Ausschlaggebend für den Erfolg waren sicher die un-zähligen Bemusterungen und die grosse Erfahrung der ausführenden Firma.

Der Sinnlichkeit konkretes geboten
Bauherren sind meist weder bauerfahren noch «vom Fach». So können oft weder Pläne noch Visualisierungen genügend präzise Entscheidungsgrundlagen sein, weil damit der Sinnlichkeit zu wenig Konkretes geboten wird. Umso mehr ist das Gespür und die Erfahrung des Fachmanns gefragt. Neben Geduld und Einfühlungsvermögen des ausführenden Unternehmers ist aber auch ein kooperatives Verhalten aller Beteiligten gefordert. Der gegenseitige Respekt zwischen Planern und Ausführenden und das Erfragen der jeweiligen fachlichen Meinungen und Erfahrungen ist die Voraussetzung für ausserordentliche Leistungen. Wenn sich Bauherren, Planer und Unternehmer nur mit Farben-Codes und Normen «verständigen», bleiben die feineren und präziseren Zwischentöne auf der Strecke. Sicher hat eine bewusst gewählte Arbeitsweise mit Normiertem auch Vorteile, zum Beispiel in Bezug auf eine termin- und kostenoptimierte Abwicklung der Arbeiten.

Eine solch rationelle Art der Zusammenarbeit war aber mit dem Bauherrn des Golosone nicht gegeben. Denn dieser musste die Oberflächen, die ihm im Kopf vorschwebten, konkret in Mustern sehen. Die grundsätzliche Richtung der Materialisierung war durch Gespräche bei Planungsbeginn bereits klar. In seinem vorherigen Lokal liess der Bauherr bereits Wände und Decken in einer vergleichbaren Spachteltechnik gestalten. Diese materielle Optik verband sowohl seine Wünsche wie auch die Absicht der Architektur im neuen Lokal. Um die genaue Applikationsweise und den richtigen Farbton zu bestimmen, waren aber erneut umfangreiche Bemusterungen nötig.

Spachtelmassen mit kalkechten, mineralischen Pigmenten abgetönt
Der Aufbau der Spachtelung erfolgte in vier Schichten auf Weissputz als Untergrund; an den Wänden wurde mit Wachs zusätzlich eine Schutzschicht angebracht. Eine mineralische Haftbrücke machte den Anfang. Es folgte eine Schicht einer Sumpfkalkspachtelmasse mit Marmorzuschlägen der Körnung 0,0 bis 0,3 mm. Dieses Material hat den Farbton des als Zuschlagsmaterial verwendeten Carrara-Marmors.
Die Spachtelmassen aller Schichten der Wände wurden mit kalkechten, mineralischen Pigmenten abgetönt, im Gästebereich zu einem erdigen Grau und im Officebereich zu einem Ebenholzschwarz.
Die Applikation erfolgte mit der Edelstahltraufel – hier im Golosone in einer speziellen, geometrisierenden Struktur –, um das spezifische Gepräge der Architektur aufzunehmen. Auf diese Schicht – Marmorino genannt – wurde in zwei Arbeitsgängen eine leicht verdünnte Stucco-Spachtelmasse appliziert. Dieser reine Sumpfkalkspachtel war ebenfalls in der Farbe des Marmorino getönt, wirkt aber auf dem Untergrund trotzdem in einem leicht divergierenden Farbton. So entstehen feine, von der Struktur des Untergrundes abhängige, Nuancierungen. Die beiden Stucco-Schichten sind jeweils mit der Stahltraufel auf Glanz poliert worden und entsprechen der Optik des glatten Betons des Anbaus.

Die Decken wurden ohne Abtönung und Wachs, sonst aber identisch ausgeführt. Die an sich weissen Decken und die hellgrauen Wände erscheinen dabei im Tages- wie im Kunstlicht aufgrund der unterschiedlichen Belichtung der Vertikalen und Horizontalen als Einheit, was einerseits die monolithische Wirkung des Ganzen und anderseits eine ruhige, introvertierte Atmosphäre schafft.

Grau ist einer der schwierigsten Farbtöne
Helles, erdiges Grau ist eine höchst grobe Bezeichnung für den ausgewählten Farbton der Wände im Gästebereich. Denn gerade Grau ist einer der schwierigsten Farbtöne, da jede feinste Nuance schnell zu einer eindeutigen Farbrichtung wird. So meinte der Bauherr, in den anfänglichen Mustern des CM Malergeschäfts einen feinen Rosaton zu sehen, der partout korrigiert werden musste. Da er diese Farbrichtung scheinbar als sehr hässlich und unpassend empfand, musste auch bei den Muranolüstern der leichte Aubergineton des schwarzen Glases unterdrückt werden – selbst wenn diese Nuance nur im sonnigen Gegenlicht sichtbar wird. Um diesen, mit gehöriger Hartnäckigkeit vorgetragenen Wunsch des Bauherrn zu erfüllen, bot schliesslich ein alter erfahrener Meister der Murano-Werkstätten durch das Beimischen einer kleinen Menge Goldstaubes in die schwarze Glasmischung die Lösung!

Dank Geduld und Fachwissen aller Beteiligten entspricht endlich alles dem feinen Gespür des Bauherrn. Seit Mitte August geniessen Liebhaber das Resultat: beste italienische Küche in einem rundum stimmigen Ambiente. 
 
Ausgabe "2004/2 - November" bestellen
 
Text Marianne Huber, Architek-tin ETH/SIA
Bild Marianne Huber, Architek-tin ETH/SIA
 
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