Home
| Home |   | Sitemap |   | Testimonials |   | Partner |   | Links |   | Stichwortverzeichnis |   | Inscreenum |  

| Aktuelle Ausgabe
| Archiv
| Anzeigen
| Abo/Einzelausgaben
| Veranstaltungen/Dienste
| Über COVISS
| Redaktion/Verlag
| Leserbriefe
| Kontakt
| Impressionen
| Bestellung Buch




 
Bei Maria Zurbuchen nachgefragt
Kompetente Handwerker gesucht
 
Licht, Farbe und das Zusammenspiel von Farbe, Licht und Material begleiten Maria Zurbuchen-Henz bei ihrer täglichen Arbeit. Die Architektin und Diplomassistentin von Professor Arthur Rüegg, ETH Zürich, inszeniert, beobachtet und beschreibt Farben, wie sie sich unter Einfluss von Licht, Schatten und Material in verschiedener Gestalt und Ausprägung offenbaren. COVISS hat mit Maria Zurbuchen-Henz gesprochen und von ihr erfahren, dass der Dialog zwischen Malerhandwerk und Architektur für einen nachhaltigen Erfolg am Bau notwendig sei und gefördert werden müsse.

COVISS: Frau Zurbuchen, Farbe und Architektur haben verschiedene Be--rührungspunkte. Zum Beispiel übernimmt die Farbe den Schutz von -Fas-saden. Farbe ist aber auch stimmungsstiftend und Charakter verleihend. Wann ist Farbe mehr als reine Dekoration, mehr als die Architektur missachtende Hülle?
Marta Zurbuchen:
Farbe verstehe ich als integrativer Bestandteil des Raums. Unter diesem Blickwinkel versteht sich von selbst, dass ihre Funktion eine vielfältigere ist, als bloss appliziert zu werden. Einmal zum Raum gehörend, kann sie nicht mehr weggedacht werden. Dabei gilt für mich die Aussage von Bruno Taut aus dem Jahr 1919: «Farbe ist Lebensfreude, und weil sie mit geringen Mitteln zu geben ist, müssen wir gerade in der Zeit der heutigen Not auf sie dringen». Das heisst, Farbe ist auch das Mittel des «Armen», mit wenig Aufwand Effekte zu erzielen. Das Geniale an der Farbe ist ja, dass sie im Vergleich zu andern Baustoffen günstig ist und dass mit ihr der Ausdruck des Finishs spür- und erlebbar beeinflusst und geprägt werden kann. Farbe steht aber immer auch in einer bestimmten Zeit, in einem kulturhistorischen Zusammenhang. Im Biedermeier, zum Beispiel, zog man Grau andern Farben vor. Auch das Material mit seiner Eigenfarbigkeit spielt in der Farbendiskussion eine wichtige Rolle; kommen andere Farben hinzu, ist für mich entscheidend, dass zuletzt das Gleichgewicht aller im Raum vorkommenden Farben stimmt. Also nochmals: Farbe erscheint in einem Gesamt-kontext, steht in einem Raum, in einer Umgebung und nimmt dort seinen ihm zu-stehenden und fürs Ganze wichtigen, nicht mehr wegzudenkenden Platz ein. Farbe isoliert, gibts für mich nicht.

COVISS: Farbwirkung ergibt sich also aus einem komplexen Zusammenspiel von Materialität, Technik, Lichtverhältnissen und Umgebungseinflüssen. Wissen, Erfahrung und Sensibilität rund um das Thema Farbe und deren Wahrnehmung im Raum und in der Zeit sind Voraussetzung für die Entwicklung eines differenzierten und nachhaltigen Farbkonzepts. Wie begegnen Sie, Architektin, dieser thematischen Vielschichtigkeit in der Ausbildung und später im Berufsalltag?
Maria Zurbuchen:
Ich kann Ihnen dazu nur sagen, dass am Lehrstuhl Arthur Rüegg an der ETH Farbe und die Auseinandersetzung damit eine zentrale Rolle spielt. In den oberen Semestern, zum Beispiel, können sich die Studentinnen und Studenten im Wahlfach «konstruktive Konzepte» eingehend mit den Themen Wohnkultur, Milieu und Farbe beschäftigen. Im schweizerischen Schulprogramm wird aber der Zusammenhang von Farbe und Raum kaum gelehrt. Dabei wäre doch gerade auch für Laien interessant und bereichernd, einen geschärften Blick auf die Thematik zu haben und auf die Zusammenhänge sensibilisiert zu sein.
Im Zusammenhang mit Farbe am Bau, bin ich als Architektin auf intensiver Suche nach Partnern, mit denen ich Wissen austauschen könnte. Zum Beispiel wüsste ich gerne mehr über die chemischen und physikalischen Eigenschaften von Anstrichstoffen. Mir fehlen taugliche Vergleiche, die mir Vor- und Nachteile von verschiedenem Farbmaterial aufzeigen. Solche und weitere technischen Zusammenhänge interessieren mich brennend. Ich wünschte mir einen Fachaustausch auf konzeptioneller Ebene, einen Dialog mit den Handwerkspartnern schon von Anfang an, nicht erst ganz zuletzt, wenn es vielleicht nur noch darum geht, Geld einzusparen …
Welche Fassadenfarben sind lichtecht, welche nicht. Welche mehr? Welche weniger? Warum? Welches sind die technischen Aspekte der Farbe Rot? Wie dunkel darf ein Verputz sein, ohne dass er frühzeitig Schaden nimmt? Welche konstruktiven Details müssen wie berücksichtigt werden, damit nachhaltig gebaut werden kann?
Fragen um Fragen, die ich mit kompetenten Partnern diskutieren möchte.

COVISS: Das Magazin COVISS stellt eine solche Diskussionsplattform bereit. Sie steht für alle offen, die Bewegung und Transparenz in der Farbenbranche wünschen und dazu beitragen wollen. Wir danken Ihnen für das Gespräch. 
 
Ausgabe "2004/2 - November" bestellen
 
Text Gregor Eigensatz
Bild Maria Zurbuchen-Henz, Sammlung Karl Otto Schmid
 
   Weiteres zum Thema
 
Handwerk und Wert | Handarbeit ist eine Arbeit, die ...      




Lifecom


Xen-On


Verkehrshaus