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Traditionelle Handwerkstechniken modern interpretiert
Gutes Handwerk hinterlässt Spuren
 
Ein modern konzipierter, traditioneller Holzbau mit einem schlichten Gebäudekubus stand für die Bauherrschaft beim Bau des nachfolgend beschriebenen Einfamilienhauses im Vordergrund. Der Haustyp der neuenglischen Saltbox diente als Vorbild– verbunden mit einer Farbgebung, wie sie in Skandinavien und im Nordosten der USA anzutreffen ist. Im Aussen- und Innenbereich wurde bewusst auf eine geeignete Wahl der Farbträger- und der Farbmaterialien geachtet – bei den Ausführungsarbeiten auf einen konsequent handwerklich-technischen Ausdruck, der zum Beispiel mit dem Pinsel statt mit dem Roller realisiert werden konnte.

Entstanden ist ein modernes Holzhaus mit hinterlüfteter Holzfassade und ausgezeichneten Energiewerten. Auf eine kontrollierte Lüftung wurde aus schalltechnischen Gründen verzichtet. Aufgrund der ausgeprägten Hanglage wurden die bergseitigen Wände und eine quer zum Hang stehende Mauerscheibe zur Aussteifung des Hauses aus Beton gefertigt. Dieser wird mit einer Ausnahme konsequent als Sichtbeton gezeigt. Parallel zur Ausführung der Baumeisterarbeiten vor Ort wurden sämtliche aus Holz bestehenden Wand- und Deckenelemente in der Zimmerei gefertigt. Innerhalb von drei Tagen wurde das Haus montiert. Anschliessend konnte zeitgleich mit dem Innenausbau und mit der Verkleidung der Fassade begonnen werden.

Sämtliche Anstriche mit Pinsel und Bürste
Das überall mindestens 40 Zentimeter auskragende Dach ist aus Uginox gefertigt. Die Dachuntersicht, eine mehrfach verleimte Holzplatte, wurde im Werk allseitig zweimal vorgestrichen. Der Schlussanstrich erfolgte nach der Montage mit grauer Ölfarbe.

An die Dachuntersicht schliesst sich die in roter Ölfarbe gehaltene, sägerauhe Holzfassade an. Diese wurde im Werk bereits mit Ölfarbe weiss grundiert und rot vorgestrichen. Der Schlussanstrich erfolgte nach der Montage vor Ort mit seidenglänzender Ölfarbe. Um die Holzstruktur schöner zeigen zu können und diese nicht mit einer Rollerstruktur zu stören, wurden sämtliche Anstriche mit Pinsel und Streichbürste ausgeführt. Die beim Fensterbauer vor der Verglasung bereits zweimal vorgestrichenen Fenster wurden in demselben Grauton gefasst wie die Dachuntersicht und ebenfalls mit Ölfarbe gestrichen.
Dort, wo Beton gezeigt wird, wurde er als Sichtbeton ausgebildet und blieb unbehandelt.

Im Aussenbereich dominieren die Farben Rot und Grau in Verbindung mit dem Sichtbeton.

Der Wohnbereich wird mit einem Holzdeck aus Lärchenholz erweitert. Eine hohe Mauer aus Sichtbeton, die von einer Zierrebe langsam bewachsen wird und ein langer, schmaler Brunnentrog, der die bei den Bauarbeiten entdeckte Quelle fasst, schliessen den Hof bergseitig und gegen die Nachbarliegenschaft hin ab. Eine Treppe aus Lärchenholz führt vom Holzdeck in den Garten, der an offene Wiesen und an den Waldrand grenzt.

Spannungsfeld von naturbelassenen und behandelten Materialien
Natürliche Materialien und die Verbindung von unbehandelten und gestrichenen Flächen standen bei der Ausgestaltung der Wohn- und Schlafräume im Vordergrund.

Die Böden bestehen aus vier Zentimeter starken, raumlangen und massiven Holzriemen aus Douglasie, die ohne Sockelleisten oder Kittfugen offen und direkt an die Wände anschliessen. Diese Holzböden sind nicht versiegelt, sondern aus farblichen Gründen gelaugt und zum Schutz, wie auch zur besseren Pflege, geölt. Die ebenfalls in Naturholz gestaltete Küche wurde mit dem gleichen Holz verarbeitet, wobei das Holz in diesem Fall mit einem Zweikomponentenlack transparent geschützt wurde.

Sämtliche aus statischen oder akustischen Gründen aus Beton ausgebildeten Decken werden als Beton gezeigt. Der Sichtbeton wurde weder imprägniert noch lasiert, sondern nur sauber gereinigt. Durch die Reinigung erhielt er einen seidenmatten Effekt und eine schöne, transparente Tiefenwirkung.

Für den vom Nachbarzimmer her befeuerten Ofen im Wohnzimmer und für die offene Feuerstelle in der Küche wurde ein ruhiger, grau-grüner Speckstein verwendet. Der Boden im Hauseingang und in den Nasszellen ist mit einem schlichten, gesägten und ebenfalls grau-grünen Valser Quarzit belegt.

Stramin statt Rauhfasertapete
Die aus Holzständer konstruierten Zwischen- und Aussenwände wurden isoliert, mit Gipskartonplatten beplankt und mit Weissputz überzogen. Auf einen heute üblichen, direkt auf den Weissputz applizierten Anstrich wurde verzichtet. An Stelle der bekannten Rauhfasertapete oder eines Glasfasergewebes wurden die Wände mit Stramin bespannt. Dieses feine Baumwollgewebe ist ein Vorläufer der heutigen Glasfasergewebe. Stramin kann Risse und Bewegungen im Untergrund bis zu einem gewissen Grad auffangen, kann aber im Gegensatz zu den nur in meterbreiten Bahnen verarbeitbaren Glasfasergeweben aus einem Stück bis 3,50 Meter hoch und über 15 Meter lang stossfrei verarbeitet werden. Dadurch erhalten die Wände einen grosszügigen, ebenmässigen und textilen Charakter.

Die mit Stramin bespannten Wände wurden anschliessend mit Siliconharzfarbe zweimal mit der Bürste dünn gestrichen, um die Stoffstruktur nicht mit einer Rollerstruktur zu verfälschen. Ausgewählte Wände wurden darauf mit Siliconharzfarbe in bis zu sechs Schichten lasiert. Durch den lasierenden Farbauftrag wirken das Stoffgewebe wie auch der weiche, weisse Grundton im Gesamtbild mit. Der weisse Grundton der Wände wie auch sämtliche Farbtöne–Orange, Veroneser Grün, Hellblau, Mittelblau und Dunkelblau–wurden aus der Farbpalette von Le Corbusier ausgewählt.

Alle gestrichenen Holzteile sind aus massivem Tannenholz – sowohl die Holzbalkendecke im Wohn- und Esszimmer als auch alle Türen, Blockrahmen und Zimmerdecken. Sämtliche Holzuntergründe wurden mit dem Pinsel dünnschichtig gestrichen, so dass im Streiflicht die Jahrringe des Holzes sichtbar sind.

Auf sämtliche Spachtelarbeiten wurde ganz bewusst verzichtet, so dass sich das Holz nicht in einer dichten, gefüllten und homogenen Oberfläche zeigt, sondern dass Untergrund, Farbe und Applikation zum Gesamtbild gleichermassen beitragen.

Pinselstruktur im Streiflicht gut sichtbar
Die Rückwand der Küche wurde vor Montage der Küchenmöbel mit einer leuchtenden, grünen Acrylfarbe aus der Kollektion Le Corbusiers mit dem Pinsel gestrichen. Die Pinselstruktur ist im Streiflicht gut sichtbar und zeugt von einer sorgfältigen handwerklichen Malerarbeit, die sich von gespritzten, industriell perfekten Oberflächen abhebt. Das kräftige, frische Grün bringt einen lebendigen Kontrast zum feinen Grau der Sichtbetondecke, zum rötlichen Naturholz und zur textilen Struktur der in einem weichen Weiss gestrichenen und mit Stramin bespannten Wände.

Die Decke oberhalb des Wohn- und Esszimmers wurde als echte, 30 Zentimeter erhöhte Holzbalkendecke ausgeführt. Dadurch konnte eine Raumhöhe von 260/290 Zentimetern erreicht werden. Die schmalen, vertikalen Holzträger wie auch das stumpf gestossene Deckentäfer wurden mit dem Pinsel grundiert und zweimal dünnschichtig mit einer gelben Acrylfarbe aus der Kollektion von Le Corbusier gestrichen. Im Esszimmer grenzt die Holzdecke direkt an den Sichtbeton und an die mit Douglasie furnierte Treppenuntersicht an und sorgt für einen interessanten Übergang von Farbe, Beton und Naturholz. 
 
Ausgabe "2005/1 - Februar" bestellen
 
Text Theo Schaub
Bild FotoTeam, Kathrin Heim
 
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