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Hinterglasvergoldungen–Haus zur Trülle
Schattendasein abgelegt
 
Mit einem dunkelgrünen Anstrich auf Glasfläche und Eisenkonstruktion war das Haus zur Trülle lange Zeit unscheinbarer Teil der Häuserreihe zwischen der Bahnhofstrasse und der Seidengasse in Zürich. Umbau und Restaurierung der Fassade brachten Hinterglasvergoldungen zum Vorschein mit Verzierungen, Einfassungen und hell abgesetzten Füllungen. Die Sondierungen und Dokumentationen der Denkmalpflege ermöglichten eine Nachkonstruktion und den Erhalt der Goldornamente.

Das Haus zur Trülle befindet sich am Platz eingangs des Rennwegs und ist in einer Häuserreihe an der Bahnhofstrasse eingegliedert. Ursprünglich bildete das Ge-schäfts-haus Bahnhofstrasse 69 und 69a eine bauliche Einheit. In den vergangenen Jahren waren hier Geschäftslokalitäten für Boutiqueartikel untergebracht. Über dem zweigeschossigen Ladenlokal befanden sich einst drei Wohngeschosse und ein ausgebautes Dachgeschoss. Diese Stockwerke wurden später für Lager und Büros des Geschäftes genutzt. Die Räumlichkeiten sind mit verzierten Stuckdecken, mit Blatt-ornamenten, Kassettendecken und Tapetenverkleidungen mit Leimfarbdrucken ausgestattet.

Technisches im Überblick
Bei der Hinterglasvergoldung erscheint das Gold nicht als Oberfläche, sondern als Hintergrund. Dieser Umstand verlangt ein Umdenken bei der subtilen Arbeit.

Weil hinter Glas die Rückseite des Goldes sichtbar ist, muss der erste Auftrag perfekt sein.

Das Dukatenrollengold (23 Karat) wird mit Gefühl in eine Hasenleimlösung eingelegt.

Zweifacher Goldauftrag, Nachpolieren mit Watte und Hinterlegen mit Ölfarbe sind unabdingliche Arbeitsschritte.

Eleganz und Verspieltheit erfolgen durch die matte Füllung und die glänzenden Reflektionen des Dukatengoldes.


Geschichtliche Eckpfeiler
Der Vorgängerbau des Hauses zur Trülle wird erstmals 1547 urkundlich erwähnt, allerdings noch nicht unter diesem Namen. Das Haus diente damals als Schmiede, später als Wohnsitz von Textilfabrikanten. Die Architekten Otto W. Pfleghard und Max Haefeli errichteten den Bau im Jahre 1897 an jener Stelle, wo im Mittelalter eine Martereinrichtung stand. «Trüllen» oder «Dre--hen» ergibt sich aus einer Martereinrichtung, einem um seine senkrechte Achse sich drehenden Käfig. Gassenjungen drehten den Käfig, in dem die «armen Sünder» öffentlich zur Schau gestellt waren. Ausser dem Namen erinnert heute nichts mehr an jenen Pranger, denn die bildnerische Darstellung der Trülle von Paul Abry, die einst den Hauptgiebel an der Sihlstrasse schmück--te, ist von der Fassade verschwunden.

Um 1897 topmodern
Der konstruktive Aufbau war in der Entstehungszeit neuartig und wurde in der Presse entsprechend gewürdigt. Mit seiner Stein-Glas-Eisen-Ständerkonstruktion enthält das Gebäude Elemente des Historismus und des Jugendstils und vermittelt zwischen den Natursteinbauten an der Bahnhofstrasse und dem reinen Glas-Eisenbau des Warenhauses Jelmoli.

Über lange Zeit fristete das Haus 69a mit seinem dunkelgrünen Anstrich auf Glasfläche und Eisenkonstruktion ein unscheinbares Dasein in der Häuserreihe. Der Umbau und die Restaurierung der Fassade brachten Hinterglasvergoldungen mit Verzierungen, Einfassungen und hell abgesetzte Füllungen wieder zum Vorschein. Vor--------aus-ge-gangen waren Sondierungen und Dokumentationen der Denkmalpflege. Sie ermöglichten die Nachkonstruktion und Erhaltung der Goldornamente.

So wurde vorgegangen
Die ersten Arbeitsschritte beinhalteten den Ausbau der Gläser und der Profilstäbe mit Perlornamenten durch den Metallbauer und die Nummerierung sämtlicher Teile. Über die Jahre haben Witterungseinflüsse wie Feuchtigkeit und Abgase die Unterkonstruktion in Mitleidenschaft gezogen. Ein optimaler Grund für den Aufbau wurde sichergestellt, indem sämtliche Metallteile der Unterkonstruktion auf der Baustelle und die demontierten Teile im Werk sandgestrahlt wurden. Dabei musste stets auf Glasflächen und Natursteinanschlüsse geachtet werden.

Das Sandstrahlen beförderte die Auswirkungen der Jahre erst recht zu Tage; Ergänzungsarbeiten seitens Metallbauer waren unabdinglich. Die Eisenunterkonstruktion und Perlstäbe wurden auf der Baustelle und im Malerwerk von Christian Schmidt mit einem Anstrichaufbau für die nächsten Jahrzehnte behandelt.

Die Fassadengläser mussten – bis auf einige wenige – ersetzt und nachkonstruiert werden, wobei auf eine vereinfachte Variante zurückgegriffen wurde. Auf die Gold-ornamentik in der hellgrauen Füllung wurde verzichtet. Neu resultierte eine Fassung (Randprofil) mit Gold.

Gold erscheint als Hintergrund
Bei der Hinterglasvergoldung ist grundsätzlich ein Umdenken der Mitarbeiter gefordert und ein subtiles Arbeiten unerlässlich. Denn das Gold erscheint nicht als Oberfläche, sondern als Hintergrund. Die Rückseite des Goldes ist sichtbar, und somit der erste Auftrag massgebend. Für das Gelingen einer schleierfreien Glanzvergoldung sind die Reinigung der Gläser mit Kreide und Spiritus sowie das Absaugen der überschüssigen Leimlösung mit Löschpapier von grosser Wichtigkeit. Verwendet wurde ein Dukatenrollengold (23 Karat), das vorsichtig in eine Hasenleimlösung eingelegt wurde. Unabdinglich sind ein zweifacher Goldauftrag, ein Nachpolieren mit Watte und ein Hinterlegen mit Ölfarbe.

Erfrischend unaufdringlich
Die Hinterglasvergoldung ermöglicht einen geschützten Goldauftrag (hinter Glas), der sich für die nächsten 30 Jahre unaufdringlich präsentiert. In den letzten Jahren galt Gold eher als überheblich und pompös, weshalb oft Silber das Edelmetall Gold ersetzte. Vergolderarbeiten sind aber in Kombination mit hellgrauen Füllungen, die den Eindruck (Farbton) von Milchglas aufweisen, eine erfrischende und keineswegs aufdringliche Erscheinung. Das hier be-schriebene Objekt bestätigt dies auf eindrückliche Weise. Die Eleganz und Verspieltheit erfolgt durch die matte Füllung und die glänzenden Reflektionen des Dukatengoldes. Der kleine Anteil der Gold-partien auf die gesamte Fassadenfläche verleiht der Liegenschaft eine dezente Spannung.

Erfahrung mit traditionellen Materialien und Werkzeugen
Vergolderarbeiten dieser hoch anspruchsvollen Art sind nicht alltäglich und fördern die Mitarbeiter in ihrer beruflichen Tätigkeit. Die oben beschriebenen Erfahrungen mit alten Materialien, Werkzeugen und traditionellen Arbeitsweisen tragen zum Berufsstolz und zu Förderung besonderer Begabungen bei. 
 
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Text Armin Balmer, Christian Schmidt Malermeister
Bild Christian Schmidt Malermeister
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