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Wohnüberbauung «Les Carolins» – G.A.S. Architekten
Im Spannungsfeld von Anpassung und Irritation
 
Die Wohnüberbauung in Eysins fällt auf. Die massigen und modern wirkenden Baukörper der drei Gebäude entsprechen in ihrer Grösse den umliegenden Bauernhäusern, wobei sie sich durch eine ausgeklügelte Farbgebung angenehm mit der Umgebung verbinden. Charakter und Eigenständigkeit der Überbauung bleiben dabei nicht nur erhalten, sie bilden sich im Spannungsfeld von Anpassung und Irritation erst recht aus. Ein aussergewöhnliches Beispiel des geglückten Zusammenspiels von Architektur und Farbe unter sensiblem Miteinbezug der heterogen gewachsenen Umgebung.

Die Gestade des Genfersees haben sich seit der Einweihung der Autobahn A1 im Jahr 1964 zu einem veritablen Stadtgeflecht entwickelt: Das ursprüngliche Netz verschieden grosser Städte und Bauerndörfer ist nun mit einer modernen, feingliedrigen Infrastruktur überlagert. In deren Ma-schen ist ein durchgehender bunter Teppich gewirkt: unterschiedlichste Siedlungsformen, Gewerbe- und Shopping-- bauten sowie die bruchstückhaft verbliebenen landwirtschaftlich genutzten Flächen und Bauten. Besonders ausgeprägt ist dieses periurbane Geflecht zwischen den Städten Genf und Lausanne. Die Bauparzelle ist ein beispielhaftes Produkt dieses Prozesses: Das 1000-Seelen-Dorf Eysins ist Teil der Agglomeration der prosperierenden Regionalstadt Nyon und liegt im Einzugsgebiet der Zentrumsstadt Genf. Das Bauland befindet sich im willkürlich zonierten Raum zwischen «altem» Dorfkern und Autobahn, umgeben von einer Kantonsstrasse, einem Gewerbeareal mit Bahnanschluss, offenem Ackerland, einem Pappelfeld (für die Papierindustrie), diversen Wohn- und Gewerbebauten aus verschiedenen Epochen und der kleinen, ursprünglich ausserhalb des Dorfkerns liegenden Dorfkirche.

Farbeffekte im Überblick
Fassaden mit horizontal laufenden Tannenlatten verkleidet. Letztere sind mit farbiger Ölfarbe gestrichen.

.Komposition der Farben wirkt textil und tendiert zu einer Auflösung der Masse der Baukörper.

Glanz der hellen Farben tritt in Dialog mit Landschaft und bestehenden Bauten.

Atmosphärische sechsfarbige Tonskala der Seiten- und Südfassaden.

Drei blau-grüne Töne wechseln sich in wilder Folge mit drei grau-gelben Tönen ab.

In den «Äusseren Hallen» werden die drei blau-grünen Töne durch drei ocker-braune ersetzt.

Wahrnehmung dieser Skalen verändert sich mit dem Abstand.

Aus der Ferne betrachtet, verschmelzen die Skalen mit den Farbtönen der benachbarten Häuser und der Landschaft. Leichtes Flimmern des Streifenmusters.

Mit zunehmender Nähe entfaltet sich eine starke, eigenständige Farbigkeit.

Ölfarbe bleibt langfristig elastisch, bekommt keine Risse, blättert nicht.

Ölfarbe kann, wenn nötig, mit transparentem Öl aufgefrischt werden. Lappen genügt, kein Gerüst notwendig.

Ölfarbe kann bei Flickarbeiten oder einem längerfristigen Neuanstrich direkt, ohne Haftungsminderung, überstrichen werden. Kein Anschleifen oder Ablaugen notwendig.


Der architektonische Ausdruck ist Produkt der Verschmelzung mehrerer, heterokliter Elemente aus dem gebauten Umfeld und der periurbanen Realität zu einer hybriden Räumlichkeit mit unverwechselbarem Cha-rakter. Die Identität des Projekts liegt in der Vielschichtigkeit der Interpretationsmöglichkeiten.

Situation
Die Bauparzelle, die bereits mit zwei Wohnhäusern aus den 30er- respektive 60er-Jahren bebaut war, sollte verdichtet werden: 19 Mietwohnungen mit differenzierten Grössen und Typologien (zirka 125m2 Nettowohnfläche im Schnitt) und 60 Abstellplätze (diejenigen der bestehenden Häuser eingeschlossen).

Drei massive Baukörper, die in ihrer Volumetrie an Bauernhäusern erinnern, folgen den Baufeldrändern und ergänzen die bestehenden Wohnhäuser zu einem gemeinsamen «Hofraum». Die gesamte Parkierung ist zweistöckig in einer Ecke konzentriert und befreit das ganze Areal von Strassen und Abstellplätzen. Das einheitlich gestaltete Wegenetz bleibt aber für die Bewohner befahrbar: zum Zügeln, zum Ausladen von Einkäufen.

Der zweigeschossige Massstab der Neubauten betont die Zusammengehörigkeit mit den bestehenden Bauten. In den hohen Satteldächern findet ein drittes Geschoss mit eigentlichen Dach-Wohnungen Platz. Einseitig weit ausladende «behäbige» Vordächer, wie man sie bei den lokalen bernerischen Bauernhäusern häufig antrifft, vermitteln räumlich zwischen Hofraum und einzelner Wohnung. Am Scheidepunkt von privatem und öffentlichem Raum entstehen geschützte «Äussere Eingangs-Hallen»: Die entlang dieser Hallen vereinten Wohnungszugänge und Wohnküchen öffnen sich mit übergrossen Fenstern zum Hof und zur Landschaft; nachts werden die Hallen vom Licht der Eingänge erleuchtet. Die durch die Vordächer geschützten Vorplätze der Wohnungszugänge stehen den Mietern zur Verfügung. Mittels dieses räumlich inszenierten Übergangs erfährt das Verhältnis zwischen Privatsphäre und Aussenraum eine Entspannung: Unter Wahrung der unmittelbaren Zugänglichkeit des Aussenraumes bleibt die Intimität der Wohnung für den Bewohner steuerbar, der gemeinschaftliche Raum individuell aneigenbar.

Gestaltungskonzept Fassaden
Die kompakte Masse der Baukörper und ihre dichte Anordnung führt zu einer filigranen Hülle und einem spezifischen Öffnungsverhalten: Die Fassaden sind mit farbig gestrichenen, horizontal laufenden Tannenlatten verkleidet. Die textil wirkende Komposition der Farben tendiert zu einer Auflösung der Masse der Baukörper – der Glanz der hellen Farben tritt in den Dialog mit der Landschaft und den bestehenden Bauten. Die sechsfarbige Tonskala der Seiten- und Südfassaden ist atmosphärisch: Drei blau-grüne Töne wechseln sich in wilder Folge mit drei grau-gelben Tönen ab. In den «Äusseren Hallen» werden die drei blau-grünen Töne durch drei ocker-braune ersetzt, den Übergang in die Intimität der Wohnungen andeutend.

Die Wahrnehmung dieser Skalen verändert sich mit dem Abstand: Aus der Ferne betrachtet, verschmelzen diese mit den Farbtönen der benachbarten Häuser und der Landschaft; es bleibt lediglich als leichte Irritation ein Flimmern des Streifenmusters. Mit zunehmender Nähe entfaltet sich eine starke, eigenständige Farbigkeit.

Die Farbtöne und ihre Abfolge sind das Resultat eines aufwändigen Suchprozesses: der Herstellung endloser Farb-Streifen-Muster in verschiedenen Massstäben (grafisch 1:200 bis 1:20, im Modell 1:4 bis 1:1), der Evaluation von Produkten, der geeigneten Methode der Umsetzung (Arbeitsgänge, Farbdifferenzierung werk- oder bauseits) und einer Strategie für den Unterhalt und eine spätere Renovation.

Die Fenster sind generell «übergross» und derart gruppiert, dass auch die hohen Giebelfassaden nicht den Eindruck von Mietshäusern vermitteln, sondern Öffnungs-proportionen von Einfamilienhäusern sug--- gerieren. Dieser Effekt wird zusätzlich unterstützt durch die schrägen Leibungsverkleidungen, welche die Fenster optisch nochmals vergrössern und die Holzlatten, gleich einer Haut, in eine Ebene mit den Fenstern führen.

Ölfarbe entkräftet Sorgen des Bauherrn
Die Tannenlatten sind werkseitig zweimal hellgrau grundiert und nach der Montage bauseits mit ein bis zwei Schlussanstrichen mit traditioneller, glänzender Ölfarbe versehen. Die Wahl dieses teuren und in der Verarbeitung nicht anspruchslosen Decklackes erfolgte aufgrund dessen optisch schönen Glanzes und starken Leuchtkraft sowie einer umfassenden Evaluation der gängigen Beschichtungssysteme. Die Ölfarbe entkräftete mittels Analyse von konkreten Referenzobjekten am wirkungsvollsten die Sorgen des Bauherren: Ölfarbe bleibt langfristig elastisch, bekommt deshalb keine Risse (Temperaturschwankungen, Holzbewegungen, Hagel), blättert nicht, kann wenn nötig aufgefrischt werden mit transparentem Auffrischöl (Lappen genügt, kein Gerüst notwendig) und kann bei Flick-arbeiten oder einem längerfristigen Neuanstrich direkt, ohne Haftungsminderung überstrichen werden (kein Anschleifen oder Ablaugen notwendig).

Gestaltungskonzept Innenausbau
Der Farbkanon der Aussenhaut prägt die Stimmung im Wohnungsinnern. Die Holzfenster führen jeweils einen der warm-grauen Fassadentöne in die Innenräume. Die Farbskala der «Äusseren Halle» (grau-gelb-ocker-braun) findet sich wieder in Küchenkorpussen, -abdeckungen und in Brüstungen. Neutral gehalten sind die mit abgetönter mineralischer Farbe gestrichenen Wände und Decken sowie die durchgehenden Bodenbeläge in Industrieeiche.

Abgesehen von den Dachflächenfenstern der Dachwohnungen verfügen die Nass-zellen über keine Fenster. Deshalb sind -diese Räume bewusst nicht «funktionell», sondern «wohnlich» und stimmungsvoll leuchtend gestaltet: An die Stelle von keramischen Wandverkleidungen treten tapeziertes, mit glänzender farbiger PU-Farbe gestrichenes Glasvlies und grossflächige Spiegelfronten mit versenkten Spiegelschränken. Fünf verschiedene, kräftigen Farbtöne sind in abwechselnden Kombinationen über alle 19 Wohnungen verteilt. 
 
Ausgabe "2005/2 - April" bestellen
 
Text G.A.S. Architekten
Bild Jean-Michel Landecy
 
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