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Nestlé-Häuser in Cham
Farbtöne nach dem Urzustand abgetönt
 
Wer mit dem Zug beim Bahnhof Cham vorbeifährt, dem fallen zwei restaurierte Herrenhäuser im amerikanischen Landhausstil auf. Die beiden Gebäude waren am Zerfallen und wurden vor einigen Jahren sa-niert. Das bemerkenswerte Ergebnis der Restaurierung zeugt von architektonischem und handwerklichem Fein-gefühl für Details.

Vor einigen Jahren wurden die im amerikanischen Kolonialstil erbauten Häuser unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Aspekte vollständig saniert. Das Projekt sah grundsätzlich einen Rückbau zur alten Bausubstanz vor; die beiden bestehenden Gebäudekomplexe blieben in der inneren Einteilung und Materialisierung völlig erhalten, einzig die technischen Installationen und die Küchen und Bäder wurden neu erstellt.

Technisches im Überblick
Zehn verschiedene Farbtöne wurden exakt nach den Urfarben abgetönt.

Die Aussenwände wurden sandgestrahlt, nachdem man mit detektivischer Kleinarbeit die Urfarben ermittelt hatte.

Das Holzwerk wurde anschliessend imprägniert, grundiert und zweimal mit einer deckenden Imprägnierfarbe auf Öl-/Kunstharzbasis mit Holz schützenden Wirkstoffen gestrichen.

Im Innenbereich wurden die Gipswände saniert, dann wurde ein schnell trocknender, geruchsarmer Basisanstrich zur Isolierung aufgebracht.

Zweimal wurden Lücken und Schrunde mit gut füllendem Akkordspachtel ausgebessert, abgeglättet und geschliffen, nach der Vorleimung mit Variovlies tapeziert und schliesslich zweimal gestrichen.

Die Decken aus Gipsmörtel wurden saniert, Lücken ergänzt, mit Armierungsgewebe eingenetzt und gestrichen.

Das Holzwerk im Innenbereich wurde abgelaugt, repariert, mit Tauchgrund bearbeitet, geschliffen und mit Holzfüllspachtel gespachtelt, mit Vorlack grundiert, worauf einmal Haft-Email Seidenglanz appliziert wurde.

Dekorations- und Imitationsmalereien an Wänden, Decken und Sockeltäfer wurden, wo sie in nahezu vollständigem Zustand waren, restauriert. Andere, die nur noch fragmentarisch vorhanden waren, wurden zur Erhaltung mit Vlies überspannt, bevor ein neuer Anstrich appliziert wurde. So bleiben diese erhalten und können allenfalls später saniert werden.


Die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts angebrachten, verfälschenden Anbauten wurden entfernt. Die zu sanierenden Gebäude wurden einst mit Stülpschachtelung und in Ständerbauweise in Fichten- und Tannenholz erstellt. Jetzt strahlen die Aussenwände wieder in den ursprünglichen Farben. Die liebevolle Innenausstattung mit künstlerischen Details wie Stu-ckaturen oder fein verziertem, bemaltem Holz an den Decken, Brusttäfer an den Wänden sowie Sockeltäfer erblüht im alten Glanz. «Um das Gesamtbild zu verbessern, wurden auch die bisherigen Garagen abgebrochen und Richtung Luzernerstrasse zurückversetzt», erklärt Architekt Helmut Goldmann, der das Projekt leitete.

Charme und Ambiente
Die so genannten Nestlé-Häuser um-schreibt Goldmann als eigentliche Bijoux: «Die Häuser haben unglaublich viel Charme und ein Ambiente, das man selten findet». Malermeister und Inhaber der Maler Blaser Team AG, Guido Blaser, spricht von «herausragend guter, Firmen wie Handwerk übergreifender Arbeit». Gleichzeitig streicht Blaser die unkomplizierte Zu-sammenarbeit mit dem kantonalen Amt für Denkmalpflege heraus. Eine solch geglückte Sanierung könne nur auf einer soliden und einvernehmlichen Basis gedeihen, ist Blaser überzeugt.

Farbgebung der Holzfassaden
Die mehrmals überstrichenen und teilweise stark abgewitterten Fassaden wurden auf ihre ursprüngliche Farbgebung untersucht: Die Häuser waren in den Hauptfarben Umbra natur (Stülpschalung) und Umbra gebrannt (Balkenwerk und Kreuzstöcke) gestrichen.

An den Dach-, Balkon- und Eingangsuntersichten sowie an den Füllungen zwischen den Pfettenköpfen wurden Blautöne in drei Abstufungen gefunden. Dachkränze und Holzdekorationen (Laubsägeornamente) waren schwarzbraun gestrichen.

Sämtliche Fase und Wülste am Balkenwerk waren in Englischrot gefasst. Die Ecklisene wiesen aufgemalte Füllungen in Englischrot aufgehellt, in Grün umrandet und in Englischrot gefasst auf.

Die Farbpalette Schwarzbraun, Umbrabraun, Grün, Blau und Rot wiederholt sich in verschiedener Kombination an sämtlichen Bauteilen an den Dächern, Balkonen und Eingängen.

Der Fassadensockelbereich war im Ton der Stülpschalung, jedoch dunkler abgestuft gestrichen. Die Vormauerungen unter den Ecklisenen wiesen aufgemalte Backsteine im Rotton der Lisenenfüllung auf. Eingangs- und Kellertüren in Eichenholz waren klarlackiert.

Geschichte
Die in den Jahren 1876/77 erbauten Herrenhäuser an der Ecke Luzernerstrasse/Bahnhofplatz gehören seit dem letzten Jahrhundert zur Industriegeschichte von Cham. Sie wurde im 19. und 20. Jahrhundert durch Milchsiederei und Nestlé geprägt. 1866 gründete der Erbauer der Häuser, Charles Page, Handelsvizekunsul der amerikanischen Botschaft, in Cham die «Anglo-Swiss Condensed Milk Company». Es handelte sich um die erste Kondensmilchfabrik Europas.


Innere Arbeiten
An den meisten Decken der Haupträume im Hochparterre und ersten Obergeschoss wurden einfache Schablonenornamente und Friese im Stil des Historismus stellenweise freigelegt. An den Decken-Stuckaturen waren die runden Wülste mit Glanz-Bronze gefasst. An den Wänden wurden teilweise Reste alter Tapeten und Reste von Sockelanstrichen mit Abschluss-Strich gefunden. Das Holzwerk war in Umbra- oder Ockertönen und teilweise in Bautönen gestrichen. Wülste an den Profilstäben waren wieder mit Glanz-Bronze gefasst. Sämtliche Bauteile wiesen mehrere Farbschichten, Abriebe und Tapeten auf. Decken und Wände waren stark gerissen, der Gipsmörtel teilweise grossflächig mürbe. Die Stuckaturen waren stark beschädigt oder waren nicht mehr vorhanden. 
 
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Text Urs Kneubühl, Gregor Eigensatz
Bild COVISS, FotoTeam.
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