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Bezirksgebäude Buchs fachgerecht saniert
Vorgaben zeitgemäss interpretiert
 
Für Architekten und für Farbgestalter ist es eine besondere Herausforderung, ein Gebäude aus dem vorletzten Jahrhundert zu sanieren. Dies umso mehr, wenn ein solcher Bau mitten in einem Dorf und somit im Blickpunkt der ganzen Bevölkerung steht wie das Bezirksgebäude in Buchs SG. Für die Sanierung zeichneten das Architekturbüro Eggenberger & Partner FH und die Graf Malerei verantwortlich. Das Resultat fand über die Region hinaus Beachtung.

Erbaut wurde das Haus in den Jahren 1901 und 1902 von den damals bekannten Architekten Pfleghart und Häfeli aus Zürich. Ursprünglich wurde es als Rats- und Gerichtshaus genutzt, heute dient es als Amtsnotariat. Es ist eines der beachtens- und erhaltenswertesten Jugendstilgebäude im Bezirk Werdenberg. Im Dorfbild der Grenzgemeinde Buchs nimmt es zusammen mit dem dahinter stehenden Wohnhaus, dem gegenüberliegenden Hotel Traube, dem Pfarrhaus sowie den umliegenden Wohn- und Gewerbebauten eine wichtige Stellung ein, was Baugeschichte und -stil betrifft. Bei der Sanierung und vor allem bei der Farbgebung der Fassade war deshalb Fingerspitzengefühl gefragt.

Kolorierung kulturgeschichtlich begründet
Zuerst wurde recherchiert, wie das Gebäude historisch korrekt restauriert werden sollte. In der Vergangenheit hatten verschiedene Meister Hand angelegt und manchmal etwas zu viel künstlerische Freiheit walten lassen. Zur Beurteilung der ursprünglichen Farbgebung wurden drei voneinander unabhängige Untersuchungen durchgeführt. Das Resultat: Ursprünglich hatte die Fassade ein sehr dezentes farbliches Aussehen (wenig gebrochenes Weiss mit feinen Schattierungen zur Akzentuierung der Architektur oder nur Weiss). Der Sockel war durch einen eingefärbten Putz in einem helleren Ockerton – wahrscheinlich leicht rötlich – koloristisch abgesetzt. Das Holzwerk an der Dachuntersicht und die Zinkblecheinfassungen im Dachbereich wiesen unterschiedliche Grautöne auf.

Die Kolorierung der Gebäudehülle lässt sich auch kulturgeschichtlich begründen. Weil die Einwohner der Region Werdenberg eng mit der Landwirtschaft verbunden und mehr oder weniger mittellos waren, hatte die Region selbst auch leere Steuersäckel. Protzbauten waren also nicht gefragt. Die Volksvertreter zeigten Mut mit der Vergabe des Auftrags an die bekannten Architekten Pfleghart und Häfeli. Wie für diese Region üblich, übte man sich bei der Farbgebung in stiller Zurückhaltung. Die helle Gebäudehülle war für die damalige Zeit ungewöhnlich und nicht zu übersehen.

Sanierung im Überblick
Die Beschaffenheit und die historisch fachgerechte Farbgebung der Fassade spielten bei der Sanierung eine zentrale Rolle.

Zur Beurteilung der ursprünglichen Farbgebung wurden drei voneinander unabhängige Untersuchungen durchgeführt.

An sieben Stellen wurden Farbschichten entnommen. Sie dienten als Probematerial. Zu beantworten war die Frage nach der -Pigmentierung früherer Anstriche sowie nach den Bindemitteln.

Der salzhaltige Putz wurde in den Sockel- und in den versalzenen Fassadenbereichen bis 0,8 m über der Grenze der aufsteigenden Feuchtigkeit entfernt. Ein zweilagiger, kapillar- und porenhydrophober Sanierputz (Keim-Porosan) mit einer Gesamtdicke von 20 mm wurde angebracht. Der Anstrich des Sanierputzes erfolgte mit Keimfarben.

Die Fassadengestaltung zeichnet sich durch die fein kolorierte Farbigkeit der Architekturelemente aus. Dadurch erhält das Gebäude eine zurückhaltende, aber würdevolle Erscheinung.


Vorgaben zeitgerecht interpretiert
Die aktuelle Farbgestaltung der Gebäudehülle sollte einerseits diesen Vorgaben gerecht werden, sie andererseits aber zeitgerecht interpretieren. Und das Werk gelang. Die Fassadengestaltung zeichnet sich aus durch die fein kolorierte Farbigkeit der Architekturelemente. Dadurch wirkt das Gebäude zurückhaltend, aber würdevoll.

Die Fassadenfläche ist in einem fein gebrochenen Weisston gestrichen. Zur Profilierung der schmückenden Architekturteile wurden diese in einem hellen, gelblichen Farbton auskoloriert und mit verschiedenen Grautönen gefasst. Die Lisenen am vorgesetzten Bau der Südfassade sind in einem helleren Grau gehalten. Diejenigen an der Hauptfassade hingegen wurden farblich nur sehr wenig von der Hauptfassade in einem wärmenden Farbton abgesetzt. Die Blecheinfassungen im Dachbereich sind in einem hellen Grün gehalten, das Holzwerk in einem mitteldunklen Graugrün. Im Sockelbereich wurde der eingefärbte Putz in einem aufgehellten Ockerton gefasst. Mit der aufwändigen Fassadenrenovation ist ein weiteres Kapitel der Geschichte des Bezirksgebäudes von Buchs geschrieben worden.

Vertiefte Farbanalyse
Bei einem historischen Bau zählen nicht allein die Wünsche von Architekt und Bauherr. Dem Anstrich des Bezirksgebäudes von Buchs ging eine akribische Farbanalyse durch Spezialisten voraus, die die Grundlage für eine optimale Farbberatung schuf.

An sieben Stellen wurden Farbschichten entnommen. Sie dienten als Probematerial. Zu beantworten war die Frage nach der Pigmentierung früherer Anstriche sowie nach den Bindemitteln. Aus den Materialproben, welche die Graf Malerei gemeinsam mit der BWS Labor AG in Winterthur untersuchte, war ersichtlich, dass die Kolorierung des Bezirksgebäudes immer sehr dezent gewesen war. Gebrochene Weisstöne und feine Schattierungen wurden zur Akzentuierung der Architektur eingesetzt. Der Sockel wurde mit einem durchgefärbten Deckputz unter Verwendung von Eisen- und Manganoxiden in Form von Erdfarbpigmenten farblich gestaltet. Die früheren Farbanpassungen waren noch alle kalkgebunden. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde dann aber eine Grundierung auf der Basis von Mischpolymerisaten appliziert und anschliessend mit einer faserarmierten Dispersion einheitlich überarbeitet.

Aus Sicht des Architekten
«Das alte Rat- und das Gerichtshaus wurden in den Jahren 1901 bis 1902 von den bekannte Zürcher Architekten Pfleghart und Häfeli erbaut. Die beiden Bauten gehören zu den schönsten Jugendstilgebäuden in Werdenberg und stehen unter Denkmalschutz. Eine frühere Sanierung mit Dispersionsfarbe hatte den Sandsteinelementen und dem Fassadenputz stark zugesetzt. Diese Bauteile waren von der Zerstörung durch Umwelt- und Witterungseinflüsse akut bedroht. Eine rasche, umfassende Sanierung war deshalb unumgänglich. Die Frage war, wie man farbtechnisch und farbgestalterisch der heiklen Aufgabe gerecht werden konnte, welche Möglichkeiten von der chemisch-physikalischen Seite her bestanden und welcher Spielraum aus Sicht der Denkmalpflege für die Farbgestaltung offen stand. Zur Klärung musste zunächst eine Farbanalyse erstellt werden, die Auskunft über die alten Farbaufträge gab. Parallel dazu suchte ich im Archiv für Baugeschichte und Architektur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich nach Hinweisen auf die ursprüngliche Farbgestaltung der beiden Bauten. Leider waren keine zuverlässigen Angaben auffindbar, so dass ich auf ähnliche Bauten aus jener Zeit zurückgreifen musste. Farbanalyse und denkmalpflegerische Farbüberlegungen führten schliesslich zum heutigen Farbkonzept. Sowohl in der Entwicklungsphase des Sanierungskonzeptes als auch während dessen Umsetzung konnte ich mich auf die kompetente Beratung der Firma Graf Malerei verlassen. Die fundierten Fachkenntnisse von Peter Graf haben wesentlich zum guten Ergebnis beigetragen. Heute erstrahlen die beiden Bauen wieder in dezenten Farbtönen. Je nach Tageslicht – mal zurückhaltend, mal frisch und lebendig.»
David Eggenberger, Architekt FH


Zusammen mit dem Deutschen Institut für Farbe, Anstrich und Bausanierung wurden zwei Putzstücke analysiert. Alle Stücke hatten die gleichen Eigenschaften: Sie waren kalkzementgebunden, saugfähig, besassen ausreichende Festigkeit und enthielten einen calcitischen und quarzitischen Sandzuschlag.

Der Oberputz des einen Stücks, das in der Nähe der Haustüre entnommen wurde, war rund 3mm dick mit einem Korndurchmesser bis zu 2mm. An der Putzoberfläche, vor allem im Eckbereich, befanden sich Reste von hellgrau pigmentierten, kunstharzgebundenen Anstrichen. Die rückseitig anhaftenden Unterputzbruchstücke waren 3 bis 10mm dick mit einem Korndurchmesser bis zu 3mm. Die andere Putzprobe wurde beim alten Rathaus auf sechs Metern Höhe entnommen. Sie war 2 bis 3mm dick mit einem Korndurchmesser bis zu 1mm. Die rückseitig anhaftenden Unterputzschichten waren 10 bis 17mm dick, der Korndurchmesser betrug maximal 3mm. Die Untersuchung von Querschnittschliffen zeigte, dass der untere Kalkfarbenanstrich ungenügend haftete und sich teilweise vom Untergrund ablöste.

Wasserlösliche Salze im Mauerwerk
Die Analysen auf bauschädliche Salze erfolgten halbquantitativ aus den Wasserauszügen der pulverisierten Proben. Die grossen Mengen an wasserlöslichen Chlorid- und Nitratsalzen, die in den untersuchten Proben nachgewiesen wurden, steigen mit der Feuchtigkeit in das Mauerwerk und den Putz auf und gelangen kapillar zum Teil auch in höhere Bereiche. Bei der Verdunstung des Wassers kristallisieren die Salze unter Volumenvergrösserung aus, der dabei auftretende Kristallisationsdruck zerstört im Lauf der Zeit das Putz- und Anstrichgefüge und verursacht Abplatzungen.

Die wasserlöslichen Salze konnten mit chemischen Mitteln nicht in unlösliche Verbindungen umgewandelt werden. Ein dauerhafter Anstrich des salzhaltigen Un-tergrunds war unmöglich. Der salzhaltige Putz wurde in den Sockel- und in den versalzenen Fassadenbereichen bis 0,8 m über der Grenze der aufsteigenden Feuchtigkeit entfernt, und es wurde ein zweilagiger, kapillar- und porenhydrophober Sanierputz (Keim-Porosan) mit einer Gesamtdicke von 20mm angebracht. Der Anstrich des Sanierputzes erfolgte mit Keimfarben. 
 
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Text Peter Graf, Graf Malerei AG
Bild Graf Malerei AG, BWS Labor AG
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