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Wohnheim Zopfmatt in Willisau
Kraftvolle Farbgestaltung mit Feingefühl
 
Die Aufgabe der Architekten Richard Kretz und Gerold Kunz und der Künstlerin und Farbgestalterin Ursula Habermacher war vielseitig anspruchsvoll: Ein Neubau, hineingesetzt zwischen den Wohnbau für die Pensionäre und Pensionärinnen, dem bestehenden Altersheim und dem Eugen Meyer Haus, soll den Altbau ergänzen. Bestehendes und Neuentworfenes zu einem stimmigen und ausgewogenen Gesamtbild zusammenzufügen, war Vorgabe und Ziel zugleich. Der Neubau sollte akzentuiert, Alt und Neu dabei in ein Spannungsverhältnis treten – unter sensibel nachempfundenem Einbezug der Umgebung, vor allem der Farbbedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner.

Generelle Überlegungen zum Wohnen im Alterszentrum Zopfmatt prägen das Bauprojekt, denn für viele Bewohnerinnen und Bewohner besteht der Heimalltag aus elementaren, sich wiederholenden Tätigkeiten. Damit sie diese selbstständig bewältigen können, sind sie auf klare und übersichtliche Strukturen im Heim angewiesen. Ihre Aktivitäten beschränken sich in zunehmendem Masse auf das Heim und seine unmittelbare Umgebung. Das Gebäude leistet einen wichtigen Beitrag, damit der Heimalltag seine Qualitäten entfaltet. Kurze Wege, interessante Sichtbezüge und eine spezifische Lichtführung sind deshalb die massgebenden Faktoren für die Ausgestaltung des Ersatzbaus.

Lichteinfall in die Tiefe des Zimmers
Der alte Osttrakt mit Baujahr 1959 wurde bis zum Erdgeschossboden abgebrochen und durch einen neuen, dreigeschossigen Erweiterungsbau ersetzt. Der neue Osttrakt verfügt über 14 Zimmer, die, verteilt auf zwei Obergeschosse, nach Süden und somit auf den Garten ausgerichtet sind. Alle Zimmer verfügen über ein die gesamte Raumbreite einnehmendes Sims, das als Sitz- und Ablagefläche genutzt werden kann. Das durch das Sims jeweils höher greifende Fenster verbessert den Lichteinfall in die Tiefe des Zimmers und gewährt jenen Personen, die ihren Alltag im Bett verbringen müssen, eine erweiterte Aussicht.

Im Erdgeschoss sind jene Raumeinheiten platziert, die von allen Bewohnerinnen und Bewohnern des Zentrums aufgesucht werden. Diesen Räumen vorgelagert ist eine grosszügige Lounge, die als zusätzlicher allgemeiner Aufenthaltsbereich genutzt wird. Hier wird den Bewohnerinnen und Bewohnern die Möglichkeit geboten, wie in einer Stube beisammen zu sitzen. Die Materialisierung des Bodens lässt den Hof durch die grossflächige Verglasung bis ins Gebäude fliessen.

Intime Aussenräume
Die Obergeschosse weisen alle für den neuen Osttrakt erforderlichen Zusatzräume auf. Jedem Zimmergeschoss ist ein spezifischer Aussenraum zugewiesen. Im ersten Obergeschoss befindet sich eine gedeckte zweigeschossige Loggia, im zweiten Obergeschoss eine Dachterrasse. Diese intimen Aussenräume sind auch für alle anderen Heimbewohner erreichbar und direkt vom Korridor zugänglich. Sie ermöglichen Personen mit eingeschränktem Bewegungsraum, ihr Zimmer zu verlassen und den Kontakt zur Umwelt herzustellen. Die Korridore unterscheiden sich geschossweise in der Lichtführung.

Kräftige Farben verantwortungsvoll eingesetzt
Beim Objekt Zopfmatt steht weniger die Frage besonderer Applikationstechniken im Vordergrund als vielmehr die Wirkung von gezielt eingesetzten Farben auf möglichst neutralem Untergrund:

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Altersheims sind auf Zuneigung und Wärme angewiesen, was die Wahl der Farben beeinflusste.

Die Farbgebung der Putzoberfläche ist so gewählt, dass sich der Neubau in die Farbigkeit der bestehenden Bauten integriert.

Das bestehende heterogene Farbgefüge drängt eine Aussenfarbe auf, die den Dialog zu den angekoppelten Bauten sucht.

Zwischen dem rosafarbigen Altbau und dem braunfarbigen Pensionärwohnbau nimmt das zarte Sandbraun des eingesetzten Neubaus diesen Dialog auf.

Die Eigenständigkeit des Neubaus wird dadurch gewahrt, dass den Einschnitten kräftige warme Farben zugeteilt werden.

Die sandbraune Farbe an der Aussenfassade lässt die farbigen Einschnitte blühend erscheinen.

Von aussen sind Loggia und Terrasse als ins Gebäude integrierte Aussenräume mit kräftigen und warmtonigen Farben speziell hervorgehoben. Sie heben den neuen Osttrakt innerhalb der Gesamtanlage hervor, ohne die Gebäudehierarchie zu stören.

Für die farblichen Eingriffe kamen speziell entwickelte Rezepturen von kt. COLOR zum Einsatz. Mit dem eingefärbten Putz wurde Tiefenwirkung erzeugt.


Die Bestückung des Hofs erinnert an Kräutergärten, wie wir sie auf Bauernhöfen auffinden. Er ist rollstuhlgängig und findet Verwendung sowohl als geschlossener Garten (zum Beispiel für Demente) wie auch als windgeschützte Oase für die Bewohnerinnen und Bewohner des Zentrums. Der bestehende Verbindungsgang wird auf der Südseite erweitert, damit zwischen dem Pavillon und dem Eugen Meyer Haus eine gedeckte Verbindung entsteht. Zusammen mit dem neuen Osttrakt bilden diese Elemente heute einen Umgang, der im Zentrum den Gartenhof umschliesst. Letzterer wirkt als neue Mitte der Anlage. Der Umgang gibt von drei Seiten den Blick frei in den Hof, der je nach Tages- und Jahreszeit unterschiedliche Stimmungen entfaltet.

Kräftige und warmtonige Farben
Durch den gezielten Einsatz von Farbe werden im neuen Osttrakt Stimmungen erzielt, die eine differenzierte Wahrnehmung der öffentlichen Räume innerhalb des Gebäudes erlauben. Von aussen sind Loggia und Terrasse als ins Gebäude integrierte Aussenräume mit kräftigen und warmtonigen Farben speziell hervorgehoben. Sie heben den neuen Osttrakt innerhalb der Gesamtanlage hervor, ohne die Gebäudehierarchie zu stören. Die Farbgebung der Putzoberfläche ist so gewählt, dass sich der Neubau in die Farbigkeit der bestehenden Bauten integriert.

Neue Welt weckt alte Erinnerungen
Das Wohnheim Zopfmatt liegt zwischen zwei Hügeln in der modulierten Landschaft am Fusse des Napfgebietes. Wie ein Mosaikstein fügt sich das neue Volumen zu den bestehenden Bauten und ergänzt die funktionalen Verbindungen. Das Herzstück bildet der neue Innenhof, eine begehbare Gartenanlage mit Holzrost, den vier Gartenbeeten und dem Spalier.

Einerseits bilden die oben erwähnten Prämissen das Grundgerüst für das Farbkonzept. Andererseits sind es die unterschiedlichen Bedürfnisse der pflegebedürftigen Bewohner und Bewohnerinnen, die das Farbkonzept prägen. Die Bewohner sind auf Zuneigung und Wärme angewiesen, was die Wahl der Farben beeinflusste.

Rücksichtsvoll und doch eigenwillig
Das Farbkonzept geht von einem Bild des Gartens mit wohlbehüteten, farbenprächtigen Blumen aus. Die Bauerngärten mit der üppigen Farbenpracht sind den Bewohnern vertraut. Diese Vertrautheit wird durch die präzis gesetzten Farbflächen der einzelnen Innen- und Aussenräumen unterstützt. Dadurch wird die Eigenständigkeit der Aufenthaltsräume durch die Farbflächen verstärkt. Die Farbtöne vermitteln eine wohltuende Wärme in den einzelnen Bereichen.

Dialog zu den angekoppelten Bauten
Das Konglomerat der zeitlich unterschiedlich erstellten Bauten hat auch zur Folge, dass jeder Bau seine eigene Farbe hat, die der jeweiligen Entstehungszeit entspricht. Dieses bestehende heterogene Farbgefüge drängt eine Aussenfarbe auf, die den Dialog zu den angekoppelten Bauten sucht. Zwischen dem rosafarbigen Altbau und dem braunfarbigen Pensionärwohnbau nimmt das zarte Sandbraun des eingesetzten Neubaus diesen Dialog auf. Die Eigenständigkeit des Neubaus wird gewahrt, indem den Einschnitten kräftige warme Farben zugeteilt werden. Die sandbraune Farbe an der Aussenfassade lässt die Einschnitte mit den Farben blühend erscheinen.

Rosenduft durch das Haus getragen
Die Lounge ist an den bestehenden Eingangsbereich gefügt. Dieser öffentliche Raum erhält durch das satte Rot der beiden Stützen eine gediegene Ausstrahlung. Das Rot erinnert an alte Rosensorten. Die roten Stützen und der Eschenboden unterstreichen den fliessenden Übergang von Innen nach Aussen, von der Lounge zum Garten-Innenhof. Die indirekte Beleuchtung sorgt für ein angenehmes Licht und eine ruhige Gesamtstimmung.

Das rosa gestrichene Treppenhaus wirkt mit den Eschentritten und dem Handlauf homogen. Der Duft der Rosen wird durch das Haus getragen. Das Zenitlicht intensiviert dieses Erscheinungsbild.

Farbe erinnert an Sonnenblumenfelder
Der Einschnitt in der Ostfassade für die Loggia im ersten Obergeschoss ist zweigeschossig. Die Innenflächen des Einschnittes sind in Gelb gehalten. Sie bilden einen Rahmen für die Landschaft. Über diesen Einschnitt dringt am Morgen die Sonne in den Aufenthaltsraum. Diese Farbe erinnert an Sonnenblumenfelder. Dank diesem Reflektor wird auch bei trüber Wetterstimmung eine angenehme warme Atmosphäre im Aufenthaltsraum hervorgerufen.

Leuchtkraft nach innen reflektiert
Im zweiten Obergeschoss sind zwei Farben gesetzt. Einerseits die Farbe des Einschnittes der Loggia, andererseits die Farbe der Terrasse. Die orange Farbe der Terrasse lässt ihre Leuchtkraft je nach Lichtstimmung in den Innenraum reflektieren. Über diesen Einschnitt gelangt das Westlicht in den Aufenthaltsraum und den Korridor. Die beiden sichtbaren Farbflächen sind in einem ausgewogenen Verhältnis gesetzt.

Da die Innenwände in den Korridoren in einem zurückhaltend blassen Gelb-Weiss und der Boden in einem Braun gehalten sind, unterstützen sie die Wirkung der farbigen Einschnitte.

Farbe in den Zimmern untergeordnet
Die einzelnen Zimmer der Pflegebedürftigen werden wie Stuben behandelt. Die Fensterfront in Esche ist ein Rahmen für die sprossenlose Glasfläche, die die Bilder der Landschaft in den Raum trägt. Auch die Rückwand mit den Schrankelementen ist in Esche gehalten. Die Farbe wird in den Zimmern untergeordnet eingesetzt. Die Seitenwände sind in einem leichten Gelb ausgeführt, der Boden in einem Grau - Braun. Die Decken werden als lichtführendes Medium für das Tageslicht und das indirekte Kunstlicht genutzt. Sie sind in weissem Glattputz und einem Anstrich in Seidenglanz oder, bei den abgehängten Decken, in farbig behandeltem Metall ausgeführt. Durch diese Material- und Farbwahl sowie dem grossen Fenster erhalten die einzelnen Zimmer ihren grosszügigen Wohncharakter mit einer warmen Stimmung. Sie soll an Stuben aus der Jugendzeit der Bewohner und Bewohnerinnen erinnern. 
 
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Text Ursula Habermacher, Richard Kretz, Gerold Kunz
Bild Mario Kunz
 
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