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Spezialisiertes Handwerk – der sichtbare Unterschied
Stucco ist nicht gleich Stucco
 
Natürlicher Glanz und unvergleichliche Tiefenwirkung eines Stucco Venezianos sind typische Resultate eines rein mineralischen und professionell verarbeiteten Ausgangsprodukts. Grundpasten, denen synthetische Stoffe beigemengt wurden, ergeben zwar ein Stucco-Resultat mit vielleicht robusteren, Wasser abweisenden Eigenschaften, mit jedoch völlig veränderter Aussage. Ein Stucco mit Eigenschaften einer Kunststoffbeschichtung hält den Vergleich mit einem Stucco aus rein mineralischem Material kaum aus – zu ungleich sind die beiden Obeflächentexturen. Ein Gespräch mit Stucco-Fachmann Erwin Hämmerli.

COVISS: Erwin Hämmerli, mit den beiden Berufen eines gelehrten Malers und eines gelehrten Gipsers haben Sie sich die Basis für ein ganz besonderes Handwerk erarbeitet.
Erwin Hämmerli:
Ja, tatsächlich habe ich mich nach vielen Jahren der Praxis bewusst von den Arbeitsfeldern eines gewöhnlichen Malers und Gipsers verabschiedet. Heute gilt mein Geschäft bei Architekten und Bauherren als eine Art Geheimadresse vor allem für Fragen und Anregungen im Bereich des Stucco Venzianos.

COVISS: Sind Stucco-Oberflächen nicht schon ein bisschen aus der Mode gekommen?
Erwin Hämmerli:
Oberflächlich betrachtet schon. Denn gewöhnliche Stuccos, wie man sie allgemein kennt, sind halt eben nur gewöhnlich und sprechen nicht wirklich an.

COVISS: Was bedeutet «gewöhnlicher» und «ungewöhnlicher» Stucco?
Erwin Hämmerli:
Tatsächlich schätzen Fachleute – oder sagen wir lieber Ästheten oder auf Oberflächen sensibilisierte Menschen – Handwerksarbeit von höchster Qualität. Solche Architekten und Bauherren erkennen den Unterschied zwischen originalem und reproduzierendem Handwerk. Und weil sie diesen sichtbaren Unterschied schätzen, sind sie auch bereit, dafür einen realen Preis zu zahlen. Davon lebe ich.

COVISS: Erklären Sie den Unterschied zwischen, wie Sie sagen, «originalem» und «reproduzierendem» Handwerk.
Erwin Hämmerli:
Meine beruflichen Anstrengungen liegen eindeutig in der Perfektionierung des Stuccos. Eine solche Perfektionierung erhalte ich, wenn ich das spezialisierte Handwerk beherrsche und wenn ich mit reinsten Materialien arbeite. Stucco ist ja nicht einfach Stucco. Da gibt es grosse Unterschiede bei der Zusammensetzung des Ausgangsmaterials wie auch der Verarbeitung.

COVISS: Welche?
Erwin Hämmerli:
Ein reiner Stucco, der sich nur mit höchstem handwerklichem Geschick schön verarbeiten lässt, kommt ohne jegliche Beimischung synthetischer Zusatzmittel aus. Sie erzielen damit unvergleichliche Tiefenwirkungen, die, abhängig vom wechselnden Tageslicht, in Wirkung und Ausstrahlung variieren. Weil die verwendeten mineralischen Pigmente nicht unter einem synthetischen Film liegen, entfalten diese aus dem offenporigen Material heraus ihre volle Leuchtkraft. Die Aussage oder Ästhetik eines solch reinen Stuccos ist im wahrsten Sinne des Wortes sehr tiefgründig.

Kleine Aufklärung über Begriffe im Zusammenhang mit Stucco
Stucco als Material kommt in der Natur nicht vor.

Für das, was mit «reinem Stucco» gemeint ist, gibt es in Italien die geschützte Materialbezeichnung «Marmorino» für ein rein mineralisches Produkt, das als Wand- oder Deckenbelag verwendet wird (für Böden jedoch nicht geeignet ist). Dazu müssen folgende Voraussetzzungen eingehalten werden:

Nur drei Werkstoffe – in keinem Fall Synthetik – sind in diesem rein mineralischen Produkt enthalten: Löschkalk, Marmormehl (davon mindestens 40% von der gesamten Masse) und Wasser. Abgesehen vom Marmormehl können die andern Bestandteile nach eigenen Erfahrungswerten hinzugemischt werden, wie das seit altrömischen Zeiten praktiziert wird. Was heute angerührt wird, kann allerdings morgen nicht mehr verwendet werden, weil das Material über Nacht einhärtet. Der geeignete Handwerker weiss aufgrund seiner Erfahrung, wie viel er für seine tägliche Arbeit anrichten muss.

Das Produkt in dieser Form kann nur mechanisch, also mit Verspachtelung verarbeitet werden. Dieser Vorgang hat aber nichts mit so genannten Spachteltechniken zu tun, denn nur eine genaue und vorgeschriebene Arbeitsweise garantiert, dass der so genannte Karbonisierungsprozess während der Verarbeitung eingeleitet wird, wodurch die verarbeitete Paste zu einer echten Marmorbeschichtung verwandelt wird – mit allen ihren Eigenschaften, wie man sie beim Marmor kennt.

Die von Hand angerührte Paste, das heisst das Gemisch der erwähnten drei Werkstoffe, kann nicht gelagert und deshalb auch nicht exportiert werden. Die Firma Castoro Coatings Sàrl hat ein industrielles Mischverfahren entwickelt, mit dem die Paste in immer gleicher Konsistenz produziert werden kann, und zwar so, dass sie sich – unabhängig der Temperaturen – auch lagern und exportieren lässt und doch die oben erwähnten Vorgaben für die in Italien geschützte Bezeichnung «Marmorino» einhält. Das Produkt wird unter dem Markenlabel «Rivesto®-Marmorino» auf dem Markt angeboten (Rivesto kommt von Rivestimento und bedeutet auf Italienisch Wandbelag).

Was heute allgemein auf dem Markt zu haben ist, unterscheidet sich in der Zusammensetzung der Paste (Basispaste). Diese ist von unterschiedlichen Herstellern in folgenden drei Varianten erhältlich: rein synthetisch, mineralisch basiert, rein mineralisch.

Mineralisch basiert: Die Synthetik wurde mit Kalk gemischt. Dadurch verliert der Kalk allerdings alle seine natürlichen Eigenschaften und wird zum reinen Bindemittel degradiert. Nun gibt es Hersteller, die auch Terpentinöle einmischen, was allerdings mit «mineralisch» nichts zu tun hat, auch dann nicht, wenn es sich allenfalls bei den Ölen um reine Naturstoffe handelt.

Rein mineralisch: Nur gemahlenes Marmormehl, Löschkalk von bestimmtem Alter und Wasseranteile.
Mineralisch basierte (also nicht rein mineralische) Produkte werden meist schon eingefärbt geliefert. Da die verwendeten Farbpigmente aber in der Regel nicht kalkresistent sind, muss der Löschkalk «bearbeitet» werden, das heisst, der Synthetikanteil muss so hoch sein, dass die Eigenschaften des Kalkes stark vermindert oder gar eliminiert werden und die Farbpigmente nicht mehr angegriffen werden. In dieser Form wird Kalk zum «geeigneten Bindemittel», was er zwar schon immer war (aber eben nicht nur). Die natürlichen Eigenschaften des Kalks wie Wasserdampfdurchlässigkeit, Saugfähigkeit, natürliche Antistatik (um nur einige zu nennen) sind so nicht mehr vorhanden und die Tiefenwirkung des fertig applizierten Produkts ist nicht mehr gegeben. Was bleibt, ist im besten Fall ein stumpfer Glanz, der bei bestimmten Produkten nur durch Auftragung von poliertem Wachs erzielt wird. Egal ob es sich dabei um natürliche oder synthetische Wachse handelt, sie enthalten immer Fettanteile.

Bei einem rein mineralischen Produkt, unabhängig ob eingefärbt oder nicht, wird der Glanz mechanisch erzeugt, das heisst durch die Verarbeitung an sich, wie in der Natur beim Marmor. Marmorino ist im Italienischen die Verkleinerungsform von Marmor, weil man ihn, wie oben beschrieben, in Form von Marmormehl einsetzt beziehungsweise einmischt.

Quelle: Carlo Hirt, Castoro Coatings Sàrl,
F-68300 St. Louis

COVISS: In Ihrem neu eingerichteten Show-Raum zeigen Sie aber ganz verschiedene Stuccos – also nicht nur rein mineralische?

Erwin Hämmerli:
Sehen Sie, mich faszinieren vor allem die vielseitigen Texturen und Einsatzmöglichkeiten des Stuccos. Tatsächlich unterscheidet sich der Stucco des einen Herstellers vom Stucco eines andern. Und immer ist ja vor allem auch die besondere Handschrift des Verarbeiters für die Erscheinung des Endprodukts ganz zentral. Mich persönlich faszinieren die unendlichen Wolkenbilder, die sich nie kopieren lassen – immer handelt es sich um eigentliche Unikate. Ich spreche von der Kultur der Unregelmässigkeiten, des immer einzigartigen Ausdrucks …

COVISS: Wo arbeiten Sie mit rein natürlichem, wo mit synthetischem Material?
Erwin Hämmerli:
Nehmen Sie ein Wohnzimmer oder ein Schlafzimmer. Hier entfalten rein natürliche Produkte ihre Wirkkraft optimal, kommen zur Geltung und wirken schöner und tiefer als Standartprodukte. Eine ganz andere Situation haben Sie in Korridoren oder Kinderzimmern: Hier muss die Wand beständiger sein, hier sind auch buntere Farben gefragt, die man bei der Herstellung natürlicher Produkte mit ebenfalls natürlichen Pigmenten nur beschränkt mischen kann. In solchen Situationen kommt wohl mit Vorteil ein Produkt zur Verwendung, dem Synthetik beigemischt worden ist und das den Erwartungen am besten gerecht werden kann. Auch in Nasszonen werden synthetische Produkte eingesetzt.

COVISS: Sie sprechen von Stucco in Badezimmern?
Erwin Hämmerli:
Warum nicht? Immer mehr Kunden wünschen ihren besondern Wohnstil bis in Küche und Bad durchgezogen. Wer Stucco in Nassräumen wünscht, kommt jedoch um synthetische Zuschlagstoffe nicht herum.

COVISS: Ist zum Beispiel eine Duschtasse, ausgekleidet mit einem solchen Stucco, denkbar?
Erwin Hämmerli:
Ja, mit einer Hydrophobierung oder Versiegelung nach der letzten Stuccoschicht geht das schon. Aber ob es das auch bringt? Denken wir ein bisschen philosophisch: Nicht jede Wand, jedes Bad, jeder Korridor sollte meines Erachtens veredelt werden – einzigartige Handarbeit wirkt im bescheidenen Rahmen intensiver und lebensfreudiger als im Überfluss. Weniger ist hier eindeutig mehr.

COVISS: Sie stellen auch mobile Stucco-Teile, eine Art Stucco-Gemälde, her, mit denen man Wände schmückt.
Erwin Hämmerli:
Diese Möglichkeit einer sehr gediegenen und punktuellen Gestaltung ist äusserst beliebt. Die Stucco-Bilder, wie ich sie hier im Showroom präsentiere, sind gänzlich aus natürlichen Materialien hergestellt. Auf bestehende grossflächige Wände sind diese teuren, reinen Materialien eher selten zu applizieren – schon aus finanziellen Gründen, aber häufig auch wegen des oft mit organischen Bestandteilen durchsetzten Untergrunds, auf dem die Haftung nicht gewährleistet ist. Ausserdem bietet ein synthetischer und günstigerer Stucco, der an solchen Stellen in Frage käme, oft nicht die erwünschte Tiefenwirkung und Ästhetik. Hier ist der verschiebbare Wandschmuck aus reinstem Stucco toprichtig. Er dient als bewegliches Dekor-Element von höchster Stucco-Qualität und mit unübertrefflicher Tiefenwirkung. Der Kalkgehalt im naturreinen Stucco ist so hoch, dass die Umsetzungsarbeiten selbst für einen erfahrenen Handwerker immer wieder neu eine schöne Herausforderung darstellt. 
 
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