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Baubiologische und bauökologische Ausbildung
Nachhaltig und gesund bauen
 
Neu führt die Bildungsstelle der Schweizerischen Interessengemeinschaft Baubiologie SIB eine modulare berufsbegleitende Weiterbildung durch. COVISS hat mit Helen Remondino gesprochen und der einstigen Präsidentin des SIB und der Referentin im eidgenössischen Fachkurs Baubiologie/Bauökologie Fragen zum Thema «gesundheitliche Aspekte in der Gestaltung von Räumen» gestellt.

COVISS: Frau Remondino, welchen Stellenwert haben gesundheitliche Aspekte in der Gestaltung von Räumen, wenn man sich in der zeitgemässen Architektur umsieht?
Helen Remondino:
Gesundheitliche Aspekte werden zum Teil berücksichtigt. Moderne Wohnungen sind meist gross, hell, sonnig und ästhetisch ansprechend. Das ist wichtig. Aber Priorität haben nach wie vor kurzfristige wirtschaftliche Überlegungen. Gesunde, umweltverträgliche und schöne Materialien sind teurer als konventionelle, und der Preisunterschied ist grösser, als man generell schätzt.

COVISS: Welche Wirkung hat die Innenraumgestaltung auf die Gesundheit?
Helen Remondino:
Dieser Aspekt hat weitgehend mit der individuellen Definition von Gesundheit zu tun. Ich würde sagen, dass Innenräume die Ansprüche erfüllen sollten, welche wir an unsere «dritte Haut» stellen, an unsere persönliche Umwelt, mit der wir uns auch darstellen. Ich denke, dass für Menschen, die nicht bestimmte Prädispositionen mitbringen wie zum Beispiel Allergien oder Strahlenempfindlichkeit, die Wirkung der funktionellen und kulturellen Faktoren grösser ist als jene der pathologisierenden. Also, je besser die individuellen Bedürfnisse erfüllt werden, umso gesunder und vitaler fühlt man sich. Als wichtig erachte ich die Bedürfnisse nach genügend Raum, nach Freiheit für eigene Betätigungen (auch akustisch gesehen), nach Wärme, Kühle, Sonne, Schatten, Aussicht und einer ansprechenden Farb- und Formgebung. Das negative Gegenstück kennen viele: In einer düsteren Wohnung wird man leicht depressiv, auch wenn konsequent «gesunde» Materialien verwendet wurden.

COVISS: Bauvorschriften sind dafür da, den Menschen zu schützen. Genügen die vorhandenen Vorschriften in der Schweiz? Sehen Sie eine Möglichkeit, mit neuen Vorschriften das gesunde Bauen zu fördern?
Helen Remondino:
Bauvorschriften können im besten Falle auf problematische Zustände oder Entwicklungen hemmenden Einfluss haben oder solche gar verhindern. Zur Förderung positiver Entwicklungen sind sie jedoch kaum geeignet. Grössere Wirkung hat in dieser Hinsicht eine breite Ausbildung, welche die Wahrnehmung schärft, die Phantasie unterstützt und ein Basiswissen vermittelt, das die Menschen befähigt, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Ich denke, dass schon die Kinder im Rahmen der Volksschule lernen müssten, ihre Umwelt, die inneren und äusseren Räume, zu beobachten und Fragen zu stellen.

COVISS: Was beinhaltet die baubiologische Innenraumgestaltung im Wesentlichen?
Helen Remondino:
Eigentlich beinhaltet die baubiologische Innenraumgestaltung all das, was für jede seriöse Gestaltung selbstverständlich ist. Von der Raumorganisation (Benutzungskonzept, Lichteinfall, Arbeitsabläufe, Möblierungskonzept) über die Materialwahl (ohne schädliche Emissionen, möglichst diffusionsoffen, renovations- und rück-baufreundlich), die Raumproportionen, das Farbkonzept, die Stimmung, den Raumklang bis zur Kostenoptimierung muss alles mit den individuellen Bedürfnissen und den übrigen bestehenden Elementen in Einklang gebracht werden. Baubiologisch wäre dann der Anspruch, dass alle diese Aspekte gleichwertig und als gleich wichtig behandelt werden.

COVISS: Als verantwortliche Lehrkraft des Gestaltungsmoduls im Fachkurs Baubiologie/Bauökologie unterrichten Sie seit bald 10 Jahren Planerinnen und Planer sowie Handwerkerinnen und Handwerker aller Arbeitsgattungen. Eine besondere Herausforderung ist es, die Anforderungen der Gestaltungsprofis und der Gestaltungslaien unter einen Hut zu bringen.
Helen Remondino:
Ich versuche vor allem, die Wichtigkeit der Kommunikation unter den am Bauprozess Beteiligten erfahrbar zu machen. Bauen ist ein Gemeinschaftswerk erster Güte. Ein gelungenes baubiologisches Werk vereint das spezifische Können aller Beteiligten Fachleute optimal. Jede und jeder nimmt die Weisheit des Gegenübers wahr, achtet sie und hilft mit, dass sie auch Geltung bekommt. Das ist eine Vision, eine Utopie, die alle aktiv Bauenden sich immer wieder vor Augen führen sollten. Aber: «Gestaltung» ist schlicht alles, was zu einer sichtbaren Form führt. Jeder Gegenstand, jeder Raum, jeder Bau hat eine Aussage, ob ästhetische Überlegungen gemacht wurden oder nicht. Die Aussage ist entsprechend! Das Verhältnis zwischen «Gestaltenden» und «Ausführenden» ist sehr eng – analog zur Musik: Die dirigierende Person und die Orchestermusikerinnen und -musiker sind aufeinander angewiesen. Überzeugende Musik entsteht dann, wenn alle einander wahrnehmen, aufeinander hören, Hintergründe verstehen und mittragen und wenn sie im Willen vereint sind, etwas Gutes und Bleibendes zu schaffen. Im Sinne des Ganzen genügt es nicht, dass alle ihre Stimme perfekt spielen. Alle helfen mit, eine übergeordnete Idee zu verwirklichen. So gesehen ist es kaum gerechtfertigt, von «Profis» und «Laien» zu sprechen – es spielen nur nicht alle das gleiche Instrument.

COVISS: Glauben Sie, dass die Teilnehmenden Ihres Kurses das Gelernte im Berufsalltag umsetzen können?
Helen Remondino:
Im Kurs wird die räumliche Wahrnehmungsfähigkeit geübt. Die Teilnehmenden werden sich bewusst, dass sie mit ihrer Arbeit immer auch gestalterisch wirken. Ich hoffe, dass es mir gelingt, sie zur Phantasie zu ermutigen und im Bestreben zu stärken, eine ganzheitliche Idee mit anderen zusammen möglichst harmonisch umzusetzen. Die technischen Informationen von Hansruedi Jakob zu den ökologischen Anstrichstoffen oder zum Lehmbau von Roger Fischer sind praktisch erprobt und direkt umsetzbar. Meine gestalterischen Anliegen verstehe ich als Ergänzung zu den Aspekten des gesunden Bauens, die in den acht übrigen Modulen des Fachkurses von über 30 Referentinnen und Referenten unterrichtet werden. 
 
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