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Ornament im Bergaufwind
Wettglitzern mit dem Schnee
 
«Ein Ornament entsteht – auf dass Beton und Putz miteinander spielen» − so hiess der Titel einer Entstehungsgeschichte eines neuen Ornaments (COVISS 6/2015). Sie gab eine mögliche Antwort auf die Frage, wie und warum heute Ornamente entstehen. Der nun vorliegende Bericht ist die Fortsetzung der damals begonnenen, von der Biografie einer Gestalterin geprägten Ornamentgeschichte. Er zeigt, wie sich das damals entworfene und in Mustervarianten vielfach vorgelegte Ornament zwischenzeitlich in einer konkreten Architektur und einer von Holz, Stein und Schnee geprägten Gebirgslandschaft erfolgreich umsetzen liess.

Die Idee teilten Architekt und Gestalterin von Anfang an gleichermassen: Die Putzstruktur mit eingeblasenem Glimmer soll in ein Wettglitzern mit dem Schnee treten – die weisse Pracht prägt ja im Gebirgskurort Lenz die Hauptsaison. Dennoch war der Prozess bis zur Umsetzung immer wieder von Neuem ein sich Finden. «Der Architekt war gefordert, sich auf meine Ideen und Vorstellungen einzulassen», sinniert Raum- und Farbgestalterin Corina Hickman, «denn es war das erste Mal, dass er eine Gestalterin mit im Boot hatte». So sah denn der Architekt oft aus anderer Perspektive als die Gestalterin, setzte andere Schwerpunkte. Dennoch oder gerade deshalb betrachteten er wie auch Corina Hickman die Zusammenarbeit als Weg, der schliesslich positiv und befruchtend für sie persönlich und natürlich die Sache selbst war. So wurde Corina Hickman rundum für den «letzten Millimeter» beauftragt, was durchaus Sinn machte, wie das Resultat beweist. Für Fassade, Tiefgarage, Treppenhäuser und Zugänge beschränkte sich die Gestalterin auf die vier Materialien Holz, Putz, Stein und Metall, die zusammen mit den vom Architekt und der Gestalterin geprägten Farben, Strukturen und Konturen eine stimmige Symbiose bilden.

Gestaltungsgrundlage
In den Bergen erschien Corina Hickman eine Architektur und Gestaltung möglichst nah an der Umgebung als angebracht. So begann ihre Suche nach dem, was vor Ort ist, und der Suchprozess wurde zur eigentlichen Gestaltungsgrundlage. Auf diesem Weg wuchs die selbst gestellte Aufgabe, ein passendes Ornament nicht einfach zu kreieren, vielmehr zu finden und zu empfangen …

Die von Architekt Sandro Bernasconi entworfenen Gebäude gleichen heruntergefallenen Felsen – der Bezug zum hinter der Überbauung gelegenen Lenzerhorn ist offensichtlich. Auf dessen Felsen wächst die Lärche als einheimischer Baum. Beide, Stein und Holz, gehen eine Symbiose ein. In unterschiedlichsten Interpretationen finden sie sich im gesamten Projekt wieder. Auch die Spurensuche zum Ornament nahm ihren Anfang im Vorbild der Lärchen und deren gefächerten grünen Nadellaubbüscheln. Die Fassaden der Baukörper widerspiegeln die Farben der Felsen und, wie sich später herausstellt, auch die der lehmigen Erde, auf der die Häuser gebaut wurden. Das Glitzern im speziell eingefärbten und mit Glimmer versehenen Putz verbindet sich mit den Kristall- oder Pyriteinschlüssen in den Gebirgsfelsen, vor allem jedoch mit dem Spiel, das im lange dauernden Winter mit Schnee, Kälte und Lichtreflektionen einhergeht. Die Passepartouts erinnern an die «hellen Adern» im Gestein. Das Lärchenholz steht in Verbindung zu den Bäumen, die auf den Felsen ihre Existenz suchen.

Sanfte Signaletik mit Ornament
Das Ornament zieht sich als roter Faden durch das gesamte Überbauungs-Projekt und dient gleichzeitig der Signaletik. Pro Haus entsteht eine eigene Ornament-Sprache. Sorgfältig auf unterschiedlichen Oberflächen mit verschiedenen Techniken angewandt, führt das Ornament zu den Gebäuden und durch die einzelnen Häuser. Es findet seine Anwendung bei der Zufahrt, in der Tiefgarage, bei den Eingängen und in den Treppenhäusern. Betritt man das Treppenhaus, fühlt man sich durch die Wahl des Materials sowie der archaischen Oberflächenumsetzung förmlich in den Felsen eingebettet. Das Schwarzblech schafft die Verbindung zum schiefrigen Boden oder der Konsistenz des Felsens. Die Lärchentüren und Handläufe erinnern an die Wurzeln, die sich sanft im Felsen ihren Weg suchen. Der rote Akzent in den Kellerzugängen − einen Bezug zum frühlingshaften Lärchenzäpfchen herstellend − begrüsst den Eintretenden, die Eintretende. Mehrere Stunden mischte Corina Hickman, bis sie den genauen, für sie stimmigen Ton gefunden hatte. Schliesslich war auch der Farbenlieferant mit dem Nachmischen der Farbe gefordert, denn, wie sich später herausstellte, mischte auch er vier Stunden, bis der Farbton auch wirklich stimmte …

Das Dreidimensionale löst sich auf
Umspielende Lichtakzente geben der archaischen Anmutung der Grundgestaltung eine sanfte Antwort und lassen dadurch Wohlgefühl und eine Atmosphäre des «Aufgenommen-Seins» entstehen. «Mutter Natur nimmt die Besuchenden in ihren Schoss», fasst Corina Hickman die Willkommgeste zusammen, wie sie unwillkürlich von den Gebäuden ausgeht. Die einfühlsame Gestaltung mit den sorgfältig ausgesuchten Farben und Materialen gehen über in einen Tanz der Harmonien.

Wer sich zwischen die Gebäude und durch sie hindurch bewegt, wird berührt. Anders als bei vielen andern Bauten. Hat dieses Gefühl, dieser Eindruck mit der Liebe und Hingabe zu tun, die Corina Hickman mit ihrer Ornamentarbeit in das Projekt hineinfliessen liess? «Wenn ich auf meiner Couch liege und per Zufall aus dem Fenster schaue, ist fast immer jemand da, der das Projekt bewundert. Ich werde auf die Gestaltung angesprochen, was ich in dem Ausmass und vor allem dieser Tiefe bisher nicht erlebte», berichtet Architekt Sandro Bernasconi, der zwischenzeitlich selbst in der Überbauung wohnt. Corina Hickman ihrerseits berichtet, im Zuge der Ausführungsarbeiten für die Ornamente im ersten Treppenhaus seien Passanten zu ihr gekommen und hätten sie gebeten, dem Architekten auszurichten, er solle in ihren Häusern (die er im Quartier ebenfalls projektierte) eine ebenso stimmige Gestaltung realisieren. Ferner bekundete auch der Bauleiter voller Stolz, die Fassaden seien einzigartig schön und unvergleichlich ansprechend, und dies mit so wenig Mehraufwand! «Käufer der Wohnungen sagen oft, der sogenannt hohe Preis würde sich rechtfertigten, nur schon, weil die hochwertigen Ausführungen sicht- und spürbar seien», bemerkt Architekt
und Mitbauherr Sandro Bernasconi, um schmunzelnd hinzuzufügen: «Dabei ist der Mehraufwand gering.» Auch aus dieser Sicht habe sich die Zusammenarbeit mit Corina gelohnt.



Bauinfo

Objekt: Überbauung mit 3 Mehrfamilienhäusern, 7083 Lantsch/Lenz

Architektur: Sandro Bernasconi Architektur, 7083 Lantsch/Lenz, sandrobernasconi.ch

Ornament/Gestaltung: Corina Hickman, Ahornrot, Atelier für Raum- und Farbgestaltung, 7310 Bad Ragaz, ahornrot.ch

Farbenlieferant: Karl Bubenhofer AG, 9201 Gossau, kabe-farben.ch

Metallarbeiten: Ackermann Metallbau, 8887 Mels, ackermann-metallbauag.ch

Putzarbeiten: Devonas Gips AG, 7452 Cunter, devonas.ch 
 
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Text COVISS
Bild Francesca Giovanelli
 




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