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Seniorenresidenz Tertianum Zürich Enge
Neuorientierung mit Blumentapeten
 
Aufgedruckte Ranunkeln, Moosröschen und Tulpen schmücken die vom Architekturbüro Grego & Smolenicky entworfenen Vlies-Tapeten in den Korridoren der Altersresidenz Tertianum in Zürich. Blumen also, typische Tapetenmotive, wie man sie seit eh und je kennt? Nein! Die aus alten Illustrationen entnommenen Motive fallen durch ihre enormen Ausmasse auf, durch die aus der überdimensionierten Vergrösserung sich ergebende und absichtlich sichtbar belassene Pixel-Optik und durch den vermittelten Anschein, unregelmässig und wie von Hand aufgemalt zu sein. Dank den gegebenen neuen Möglichkeiten des Digitaldrucks schuf das Architekturbüro Grego& Smolenicky eine noch nie gesehene Tapetensprache, deren Originalität auch den hohen funktionellen Ansprüchen in einer Altersresidenz bestens zu genügen vermag. Hier dient die Tapete nicht mehr bloss als Wandschutz oder Wandschmuck. Hier ist die Tapete Ornament mit Orientierungsfunktion.

«Wohnen im Park» ist das Leitmotiv der Innenräume für die Seniorenresidenz Tertianum Zürich Enge. Die drei viergeschossigen Gebäude befinden sich auf dem ehemaligen Hürlimann Areal in Zürich Enge, in der Nähe des Naherholungsgebiets der Sihl. Ausganglage war die städtebauliche Setzung der drei Baukörper um einen kleinen urbanen Park.

Gleichzeitigkeit von öffentlichem und privatem Raum
Die Innenräume der Seniorenresidenz entwickeln einen starken Bezug zum Aussenraum und orientieren sich entweder zum Park oder zum Sihlraum. Die öffentlichen Räume im Erdgeschoss beziehen sich über grosse Fensterflächen stark nach aussen.

Die Wohnungen stellen diesen Bezug über gedeckte Balkone und kleine Loggien her. Das eigentliche Programm der Residenz fordert auch im Innern eine gewisse Gleichzeitigkeit von öffentlichem und privatem Raum. Eine der Hauptaufgaben der Innenarchitektur war das Definieren von diesem «halbprivaten Raum», das heisst die Bemühung, der öffentlichen Institution Tertianum gleichzeitig einen sehr privaten Charakter zu geben und den Bewohnern eine neue Heimat, ein neues Zuhause zu schaffen.

Motiv der Orientierung und Identitätsstiftung
Dieses neue Zuhause sollte möglichst attraktiv sein und sich von einer rein privaten Wohnsituation unterscheiden. Deshalb wurden verschiedene Raumqualitäten erzeugt, die einen vielfältigen Atmosphärenwechsel zulassen. Das Motiv der Orientierung und Identitätsstiftung war mit Blick auf die allgemein bekannten Behinderungen älterer Menschen für den Projektverlauf von zentraler Bedeutung, die seniorengerechte Gestaltung des Gebäudeleitsystems ein brisantes Thema. Das eigentliche Mittel, sowohl eine übergeordnete Orientierungshilfe wie auch Wohnlichkeit und Atmosphäre im gesamten Komplex zu schaffen, war die Erfindung eines neuartigen Tapetensystems für die Verkehrsbereiche.

Neuartiges Tapetensystem
Nachlassende Sehfähigkeit der Seniorinnen und Senioren für Farben, gleichzeitig aber das Bedürfnis nach hellen, leuchtenden, freundlichen farbigen Oberflächen, zunehmende Orientierungslosigkeit, erst recht in einem Komplex mit mehreren Gebäuden, Wunsch nach einem Orientierungssystem mit prägnanten Motiven. Für solche spezifischen Bedürfnisse musste das Architektenteam Grego&Smolenicky eine geeignete Lösung suchen. Sie hiess Blumentapete.

Verfremdend vergrösserte Blumenmotive
Blumentapeten prägen die Korridore der drei Gebäude. Die Motive sind je nach Haus mit der Grundfarbe gelb, grün oder blau hinterlegt. Jedem der jeweils sieben Geschosse entspricht ein Blumenmotiv. Dieses Konzept ergibt verschiedene Kombinationen von Motiven und Farben in verschiedenen Geschossen, eine eindeutige und prägnante, aber subtile und originelle Zuordnung von Haus und Geschoss.

Ausgangslage für den Tapetenentwurf waren botanische Illustrationen beliebter und bei älteren Menschen meist bekannten Gartenblumen. Die Motive wurden nach ihrer räumlichen Wirkung und Widererkennbarkeit geprüft und ausgewählt. Weil man in einer grafischen Neuinterpretation einen abstrakten und zeitgenössischen Ausdruck generieren wollte, wurden die Motive neu als grossformatige Wandbilder definiert und nicht als klassische Hintergrundtapete mit flächigem, kleinteiligem Rapport.

Die überdimensionale Vergrösserung der Blüten, das Beschneiden auf unkonventionelle Ausschnitte und die die Raumgeometrie übergreifende Anordnung der Motive lösen das Wandbild von der Wand ab und geben ihm eine unerwartete räumliche Eigenständigkeit und Präsenz: Die primäre Raumdefinition erfolgt über die visuelle Dimension der Tapete und nicht mehr über die konventionelle Korridorgeometrie. Das Sichtbarmachen der einzelnen Bildpixel in der Druckvorlage gibt der Wandfläche zusätzlich eine weitere sinnliche Dimension mit textilem Charakter. 
 
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Text Jasmin Grego, Gregor Eigensatz
Bild Walter Maier
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