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Denken in Generationen vs. Denken in Garantiefristen
Vom langfristigen Aspekt der Malerarbeit
 
Für die Kunden nach Lösungen suchen, die mit der Lebensdauer ihrer Liegenschaften und dem Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner einhergehen. − In diese Richtung zielt das ständige Bestreben der Zürcher Malerunternehmung mit langjähriger Erfahrung und der Offenheit für die Weiterentwicklung des Malerhandwerks wie auch der für den Maler von der Farbenindustrie hergestellten Produkte.

Theo Schaub, heute scheint beinahe alles nachhaltig zu sein, aber nicht immer ist nachhaltig, was nachhaltig aussieht. Was bedeutet «nachhaltig» oder «Nachhaltigkeit» für Sie persönlich?
Nachhaltig ist für mich, wenn Qualität erbracht wird und Werte erhalten oder geschaffen werden. Sei das eine gute Handwerksarbeit, der Bau oder die Renovation einer Liegenschaft, die Führung einer Unternehmung oder eine Einstellung und gelebte Werte.

Und für die Schaub Maler AG?
Ich führe die 1900 gegründete Unternehmung als vierter Malermeister und Unternehmer. Für mich steht im Vordergrund, dereinst eine gut aufgestellte, solide Unternehmung weitergeben zu können, die an sich selber hohe unternehmerische und berufliche Ansprüche stellt und sich jeden Tag dazu anstrengt, zu den Besten zu gehören. Diese Prinzipien habe ich von meinen Vorgängern übernommen und führe sie weiter.

Vor 21 Jahren, kurz vor seiner Pensionierung, hat Ihr Vater in Affoltern ZH eine Blocküberbauung bewusst so streichen lassen, wie er Häuser in seinem Berufsleben am liebsten immer gestrichen hätte. Um welche Art des Fassadenaufbaus handelte es sich damals im Schwandenholz-Quartier (siehe Titelseite und Seiten 8 bis 9)?
Diese Überbauung wurde als Zweischalen- Mauerwerk erstellt und mit einem rein mineralischen Verputz versehen. Dieser wurde mit Keim Purkristalat gestrichen. Motivation für diesen im Zeitpunkt der Erstellung wesentlich teureren Ansatz waren die hohe Qualität und die ausgesprochen lange Lebensdauer des gewählten Anstrichsystems.

Hat sich aus heutiger Sicht die damalige Investition gelohnt?
Absolut. Die Standzeit dieser Fassade ist derjenigen einer Kompaktfassade bei weitem überlegen und ist – bezieht man den ersten Renovationszyklus mit in die Betrachtung ein – erheblich preisgünstiger als die im ersten Moment billigere Kompaktfassade.

Was war an diesen Fassadenarbeiten besonders nachhaltig?
Der gewählte, rein mineralische, dickschichtige Verputzaufbau in Verbindung mit dem Anstrich, der sich mit dem Untergrund verkieselnden Purkristalat-Mineralfarbe, sind die entscheidenden Faktoren für die mittlerweile erwiesene Langlebigkeit der Fassade gewesen.

Wie präsentiert sich die Überbauung heute, 21 Jahre später?
Das gewählte Verputz- und das darauf abgestimmte Anstrichsystem haben sich sehr gut bewährt, so dass die Fassade noch viele Jahre nicht renoviert werden muss. Hier handelt es sich um eine für den Bauherrn tatsächlich nachhaltige Lösung und Investition.

Lässt sich diese Erfahrung auch auf den Innenbereich übertragen?
Einen nachhaltigen Ansatz im Innenbereich stellt der historische Anstrichaufbau auf Gipsdecken dar. Diese wurden mit einer verdünnten Oelfarbe grundiert und danach mit der reversiblen Leimfarbe gestrichen. Im Renovationsfall wurde diese dann wieder abgewaschen und neu aufgetragen. Diese Renovation konnte unzählige Male wiederholt werden. Schöne Stuckaturdecken blieben so über Generationen erhalten. Sie wurden weder mit Kunstharzmattfarbe noch Dispersion zugestrichen, die heute mühselig abgelaugt werden müssen – sofern der Bauherr dazu bereit ist, diese Kosten auf sich zu nehmen und keine sich darunter befindenden Farbfassungen vernichtet werden. Kurzfristig billig – langfristig teurer und von Nachhaltigkeit keine Rede!

Und doch führte die gängige Praxis weg vom beschriebenen nachhaltigen System!
Weil das Abwaschen der Leimfarbe im Renovationsfall zu teuer geworden ist! So wurde dieses bewährte System zunächst durch die Mattfarbe abgelöst, bevor man sich der Problematik der Lösemittel im Anstrich bewusst geworden ist. Danach eroberten die sogenannten Wohnraumfarben auf Siliconharzbasis den Markt. Mit den auf Weissputz relativ gut haftenden Wohnraumfarben konnte der Einsatz von Lösemitteln im Innenbereich erheblich reduziert werden und ist heute nur ein Bruchteil der noch in den 1980er Jahren verarbeiteten Mengen. Da die Langzeiterfahrung von mehreren Renovationszyklen auf mit Wohnraumfarbe gestrichenen Decken sich erst am Festigen ist, kann noch nicht genau abgeschätzt werden, wie viele Male sie im Alltag überstrichen werden können, bis die Spannung im Anstrichsystem grösser wird als die Haftung auf dem Untergrund. Bisher bewähren sich diese Farben jedoch gut, und die Arbeitsbedingungen für den Maler auf dem Bau haben sich wesentlich verbessert. Bei Altbauten und bei gehobenen Neubauten setzen wir seit einigen Jahren auch Mineralfarben und Mineralfarblasuren im Innenbereich ein. Eine echte Langzeiterfahrung ist da mit Ausnahme der Kalkfarbe auch noch nicht vorhanden. Infolge der immer dichteren Bauweise von Neubauten sehe ich bei Mineralfarben im Innenbereich aus bauphysikalischer Sicht grosse Möglichkeiten. Nasszellen in Neubauten streichen wir bereits heute konsequent nur mit Mineralfarbe. Ein besonderes Kriterium und somit die Knacknuss dürften die Schmutzempfindlichkeit und die Ausbesserungsmöglichkeit dieses weniger dichten Anstrichsystems sein – sowie die Sorgfalt des Kunden im Umgang mit den gestrichenen Oberflächen.

Welche konkreten Schritte unternimmt die Schaub Maler AG, um in Sachen Nachhaltigkeit vorausgehen zu können?
Wir arbeiten mit gut geschulten Mitarbeitern und bilden diese laufend weiter – mit dem Besuch von Ausbildungskursen im SMGV und betriebsinternen Weiterbildungen. Wir stehen zum dualen Ausbildungssystem von Schule und Handwerk und bilden Lehrlinge aus.

Nach welchen Kriterien wählen Sie das Material aus?
Bei der Materialwahl suchen wir nach den besten Produkten auf dem Markt. Dabei steht der langfristige Nutzen für unsere Kunden und deren Liegenschaften und somit die Lebensdauer des Anstrichsystems im Vordergrund. Aus diesem Grund sind wir einer der grössten Verarbeiter von Mineralfarben im Aussenbereich. Lösemittelhaltige Lacke haben wir überall dort durch moderne Anstrichsysteme ersetzt, wo dies ohne Qualitätseinbusse möglich ist und unter Berücksichtigung der langfristigen Ökobilanz Sinn macht. In unser Denken beziehen wir den ersten Renovationszyklus mit ein und stimmen das Anstrichsystem auf die Wertigkeit und die Lebensdauer der Liegenschaft ab.

Gibt es zusätzliche Bereiche, in denen die Schaub Maler AG vorausgeht?
Nebst der Reduktion lösemittelhaltiger Farben und Lacke beziehen wir EWZ Ökostrom und fördern damit die Erneuerung und den Bau von Energieerzeugungsanlagen nach höchsten ökologischen Kriterien. Unsere Werkstatt verfügt über Fenster mit dreifacher Isolierverglasung, und dieses Frühjahr werden wir auf unserer Liegenschaft in Wetzikon eine Photovoltaikanlage installieren und damit einen Teil des Stroms für unser Spritzwerk selber und unabhängig produzieren. Als Unternehmer unterstütze ich die Energiestrategie 2050 des Bundes und setze diese bereits heute um. Damit schaffe ich für das Unternehmen beste Voraussetzungen für die Zukunft. Der Payback wird erst für meine Nachfolger wirksam. Das ist für mich gelebte Nachhaltigkeit.

Wie sehen Sie Ihre Unternehmung und damit das Handwerk in der schnell- bzw. kurzlebigen Zeit von heute?
Als Malerunternehmung mit langjähriger Erfahrung und der Offenheit für die Weiterentwicklung des Malerhandwerks wie auch der für den Maler von der Farbenindustrie hergestellten Produkte suchen wir für unsere Kunden nach Lösungen, die mit der Lebensdauer ihrer Liegenschaften einhergehen. So darf weder die Renovation einer Fassade noch eine Renovation im Innenbereich zu einer Zeitwertaufgabe werden. Ich wünschte mir, dass dem langfristigen Aspekt einer Malerarbeit wieder etwas mehr Bedeutung zukommen würde. Das gleiche gilt auch für die Architektur und die Erstellung neuer Bauten. Auf der einen Seite sind wir in der Schweiz stolz auf unseren historischen Baubestand. Auf der anderen Seite wurde jedes zweite Haus erst nach dem zweiten Weltkrieg erbaut, und heute werden reihenweise ganze Siedlungen aus den 1950er und 1960er Jahren bereits wieder geschleift. Da steigt bei mir die Achtung vor denjenigen, die bis inklusive der Gründerzeit anfangs des 20. Jahrhunderts gebaut haben. Deren Bauwerke werden nicht geschleift, sondern renoviert und restauriert. Sie haben damals vielleicht etwas teurer und für eine längere Nutzungszeit gebaut. Heute würde man das als nachhaltig bezeichnen.

Das Denken in Garantiefristen läuft Ihrem persönlichen Denken und jenem Ihrer Unternehmung zuwider…
Es lenkt die Einstellung zur Arbeit auf einen Zeithorizont von zwei bis maximal 10 Jahren. Wenn ich mir all die Vorspanne von Ausschreibungen von Malerarbeiten vor Augen halte, passt das Denken in Garantiefristen zur aktuellen Entwicklung der Mentalität und der Einstellung der ausschreibenden Stellen zu den Handwerkern am Bau. Es kann aber kein Ansatz für den langfristigen Bestand unseres Malerhandwerks und all jener Unternehmungen sein, die in Generationen denken. 
 
Ausgabe "2017/2 - April/Mai" bestellen
 
Text COVISS (Quelle natureplus)
Bild Nicoline Schaub




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