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Beruf Farbgestalterin und Farbgestalter
Bindeglied zwischen Handwerkern und Architekten
 
«Der gute Handwerker ist fähig, Farben selbst auszumischen. Der schlechte Handwerker blättert in einem Farbsystem, merkt sich eine Nummer und telefoniert in die Farbfabrik, um die gewünschte Farbe zu bestellen. Diese Zettelwirtschaft entfernt uns vom eigentlichen Metier, die Folge davon sind Farbberater, und damit wird ein Spezialistentum gefördert, das wiederum einem Abschieben von Verantwortung gleichkommt. Der Architekt sollte diese Domäne nicht freiwillig aus den Händen geben.» COVISS konfrontierte die Schulleitung des Haus der Farbe mit einer Aussage von Peter Jenny, Professor für gestalterische Grundlagen an der ETH Zürich, wie er sie in der COVISS-Ausgabe vom Juni 2005 formuliert hatte.

COVISS:
Steht das Haus der Farbe mit seinem Diplomlehrgang «Farbgestalter HF, Farbgestalterin HF» in einer gewissen Konkurrenz zu den Architekten und deren Umgang mit Farbe?
H.d.F.: Der Farbgestalter ist ebenso wenig ein Konkurrent für den Architekten wie der Lichtdesigner. Wir sehen Farbgestalterinnen und Farbgestalter als Bindeglied zwischen Handwerkern und Architekten. Sie unterstützen beide in ihrer eigenen gestalterischen und argumentativen Kompetenz in Bezug auf Farbe. Zudem sind wir der Auffassung, dass eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Handwerker, Farbgestalter und Architekt die Qualität eines Produkts steigert. Im interdisziplinären Team entstehen Ideen und Lösungen, auf die man als Einzelkämpferin oder Einzelkämpfer nie gekommen wäre. Dies hat nichts mit Abgeben von Verantwortung zu tun, ganz im Gegenteil: Im sinnvollen Beiziehen eines Beraterteams wird Verantwortung gezeigt und gelebt. Die Zeiten, wo Architekten in der Art früherer «Baumeister» alle Disziplinen auf spezialisierter Ebene selber abdecken konnten, ist längst vorbei. Das Thema Farbe ist komplex und wichtig genug, durch Fachpersonen abgedeckt zu werden. Dabei geht es also nicht darum, eine Domäne aus den Händen zu geben, sondern in derselben Domäne unter verschiedenen Akteuren professionell zu agieren. Die eigene Farbkompetenz des Architekten ist dabei eine Voraussetzung, ohne die eine aufbauende Zusammenarbeit mit Farbgestalterinnen und Farbgestaltern nicht stattfindet. Wichtig ist uns an dieser Stelle auch zu betonen, dass das Haus der Farbe den Einsatz von Farbe nie als Dekoration versteht, sondern als integrales Raumelement.

COVISS: Wie sehen Ihrer Meinung nach mögliche oder wünschenswerte gemeinsame Wege von Architekten, Farbgestaltern und Handwerkern aus?
H.d.F.: Die Zusammenarbeit kann vielgestaltig sein, je nach den persönlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen der jeweiligen Architekten, Architektinnen oder Handwerkern, Handwerkerinnen und den Anforderungen des Auftrags. So ist einmal ein Beratungsgespräch angezeigt und ein andermal eine engere Zusammenarbeit, die bereits bei der Planungsfase einsetzt. Wünschenswert ist die Art von Zusammenarbeit, die schliesslich zu einem optimalen Ergebnis führt.

COVISS: Wo nehmen Sie bewusst Abgrenzungen vor?
H.d.F.: Farbgestalterinnen und Farbgestalter sind in erster Linie für die Gestaltung von Oberflächen zuständig. Die Ausführung bleibt Sache des Handwerks, so wie auch die raumplanerischen Entscheidungen in der Kompetenz des Architekten oder der Architektin sind.

COVISS: Welche wichtigsten Qualitäten und Verantwortungsbereiche fördern Sie bei Ihren Studentinnen und Studenten?
H.d.F.: Das Entwerfen und Ausführen einer Farbgestaltung ist ein komplexer Vorgang, und Farbgestalterinnen und Farbgestalter müssen für diese anspruchsvolle Dienstleistung vielfältige fachliche und persönliche Qualitäten mitbringen. Neben den rein gestalterischen Fähigkeiten ist ein klares analytisches und konzeptionelles Denken gefordert. Denn erst das übergeordnete Konzept, das die vielfältigen und unterschiedlichen Komponenten eines Auftrags berücksichtigt, vermag die einzelnen Ideen zu einer differenzierten Farbgestaltung zu vereinen. Für die Umsetzung einer gestalterischen Vision ist jedoch der technisch fachkundige Umgang mit der Fülle an Materialien und Techniken unentbehrlich. Denn bei der Wahl der geeigneten Materialien spielen nicht nur deren optische Wirkung eine wichtige Rolle, sondern auch chemische, physikalische und ökologische Materialeigenschaften. Dazu sind fundierte Materialkenntnisse notwendig, die einen handwerklich sensiblen und gestalterisch lustvollen Umgang mit Materialien ermöglichen. Die Wirkung, Bedeutung und Symbolkraft einer Farbe ist auch ein zeit- und kulturgebundenes Phänomen. Farbgestalterinnen und Farbgestalter wissen um die Wandelbarkeit der Ausdruckskraft einer Farbe und tragen dieses Wissen in ihre tägliche Arbeit mit Farben hinein. Neben diesem kunst- und kulturhistorischen Bewusstsein verfügen gute Farbgestalterinnen und -gestalter auch über eine sensibilisierte Wahrnehmung für aktuelle Modeerscheinungen und Trends, zu denen sie sich gestalterisch bewusst positionieren. Farbgestalterinnen und Farbgestalter arbeiten in ihrer Tätigkeit mit einer Vielfalt von Partnern zusammen: mit Handwerkern, Architekten, Behörden oder Bauherrschaften. Die Farbgestalterin oder der Farbgestalter muss deshalb immer wieder den richtigen Ton in der sprachlichen wie auch visuellen Kommunikation finden. Das erfordert einen sensiblen und versierten Umgang mit verschiedensten kommunikativen Techniken, damit die eigenen Ideen und Konzepte klar und überzeugend präsentiert werden können. Und schliesslich darf der Aspekt der Emotion, des sinnlichen Erlebnisses oder gar der Freude am experimentellen Umgang mit dem Phänomen Farbe nicht fehlen.

COVISS: Bedeutet «Farbgestalterin HF, Farbgestalter HF» ein konkreter Beruf mit Zukunft?
H.d.F.: Farbgestalterin HF und Farbgestalter HF sind vom BBT anerkannte Abschlüsse, und somit ist Farbgestalterin, Farbgestalter rein politisch auch ein konkreter Beruf. Wir beobachten in den letzten Jahren ein steigendes Interesse am Thema Farbe. Ja, es besteht im Moment so etwas wie ein Konsens um die Wichtigkeit des Themas. Dies zeigt sich in Ausstellungen, in der Fachpresse und nicht zuletzt in der Tatsache, dass es COVISS gibt. So sind wir überzeugt, dass Farbgestalterin, Farbgestalter auch ein Beruf mit Zukunft ist. Viele unserer Abgängerinnen und Anhänger beweisen dies in ihrer täglichen Arbeit. Doch wie in jedem gestalterischen Bereich braucht es viel Elan, Ausdauer und Eigeninitiative, um im Feld der Farbgestaltung zu reussieren.

COVISS: Für wen ist die Ausbildung zum Farbgestalter oder zur Farbgestalterin besonders sinnvoll?
H.d.F.: Eine Ausbildung in Farbgestaltung ist sicher für alle Menschen geeignet, die aus dem weiten Feld des Baus, des Handwerks und der Architektur kommen und sich in das Thema Farbe vertiefen wollen. Bedingung ist, dass sie eine Herausforderung suchen und beruflich weiterkommen möchten. Doch unabhängig von der beruflichen Grundbildung sind gestalterische Begabung und Eigeninitiative sowie Interesse an Architektur und kulturgeschichtlichen Zusammenhängen wichtige Voraussetzungen für den erfolgreichen Besuch des Lehrgangs.

COVISS: Das Haus der Farbe bietet den Diplomlehrgang Farbgestaltung an, darüber steht jedoch ein Kompetenzzentrum für Farbe. Welches Potential steckt im Haus der Farbe. Sind Projekte in Ausarbeitung?
H.d.F.: Das Haus der Farbe vereint mittlerweile viele ausgezeichnete Fachleute im Bereich der Farbe unter seinem Dach. Dieses Wissen tragen wir regelmässig an die Öffentlichkeit in der Form von Tagungen und Vorträgen, Fachartikeln und Studien. Dieses Jahr haben wir einen Preis für Farbgestaltung ausgeschrieben, wir arbeiten an einem grösseren Ausstellungsprojekt und ausserdem in Zusammenarbeit mit dem Amt für Städtebau Zürich an einer Studie über die Farbigkeit von Zürich. In der Stadelhoferpassage ist im Moment noch immer eine Ausstellung von Studierenden des Haus der Farbe zum Thema Farbe – Raum – Zeit zu sehen. Immer wieder suchen wir auch die Kooperation mit Verbänden, anderen Schulen und Instituten, um gemeinsame Projekte zu realisieren.

COVISS: Bietet das Haus der Farbe neben dem Diplomlehrgang auch andere Weiterbildungen an?
H.d.F.: Ja, zum Beispiel bieten wir im November und Dezember einen viertägigen, speziell auf Malerinnen und Maler ausgerichteten Kurs «Farbstimmungen und Farbklänge» und ebenfalls im November einen Workshop zum Thema «Farbentscheide im öffentlichen Raum» an. Wir werden in Zukunft unser Kursangebot ausbauen und damit einerseits Handwerkerinnen und Handwerker, andererseits aber auch diplomierte Gestalterinnen, Gestalter und Architektinnen, Architekten gezielt ansprechen. Um noch einmal auf den Anfang dieses Interviews zurück zu kommen: Alle unsere Veranstaltungen und Kurse haben das Miteinander von Fachleuten am Bau, und keinesfalls das Gegeneinander zum Ziel. 
 
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