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Primarschulhaus Linde in Birmensdorf
Farbe unterstützt Sichtbetonstruktur
 
Der Wunsch der Bauherrschaft, eine ursprünglich in Sichtbeton vorgesehene Fassade farbig erscheinen zu lassen, stellte die Architekten Stalder & Buol vor eine Herausforderung. Im Primarschulhaus Linde in Birmensdorf führte der Farbentscheid dazu, auch die räumlichen Verhältnisse im Innern verstärkt zum Ausdruck zu bringen.

Technisches im Überblick

Die Anwendung von mineralischen Lasuren auf Sichtbeton erfordert eine Vorbehandlung des Untergrunds: Damit der Beton an allen Stellen gleich aufnahmefähig wird, muss dessen Oberfläche entweder abgesäuert oder die dünne Zementhaut durch sorgfältiges Sandstrahlen mechanisch entfernt werden.

Beim vorliegenden Objekt hat man sich für das Sandstrahlen entschieden, weil der Beton durch diese «Vorbewitterung» eine sanfte, beinahe sandsteinartige Oberfläche bekommt.

Die stark verdünnten Lasuren wurden anschliessend in zwei Schichten mit der Bürste aufgetragen. Auf den wetterseitigen Flächen kam vorgängig noch eine Hydrophobierung, im unteren Bereich der Fassade zusätzlich ein nachträglich aufgesprühter, unsichtbarer Graffitischutz zur Anwendung.


Das Schulhaus Linde in Birmensdorf ist die vorläufig letzte Erweiterung einer Anlage von zwei Baukomplexen aus den 40er und 60er Jahren. Der leicht abgedrehte, kompakte Quader markiert den östlichen Abschluss der Anlage und begrenzt einen neuen gemeinsamen Pausenplatz.

Der Baukörper ist in drei parallele Raumschichten organisiert: Ostseitig die Klassenzimmer, westlich gegen den Pausenhof der grosszügige Korridor und dazwischen eingespannt drei zentrale Lichthöfe und die Gruppenräume. Den Höfen angegliederte «Brücken» spannen vom Korridor zu den Klassenzimmern und beherbergen gleichzeitig auch die Garderoben. Grosse Oblichter füllen die Gebäudemitte mit Licht und erhellen über raumhohe Glasbausteinwände die innen liegenden Gruppenräume.

Die Fassaden werden durch umlaufend gleichformatige, grosse Schiebefenster bestimmt. Auf der Klassenzimmerseite, direkt unter der Decke angeordnet, sichern diese einen optimalen Lichteinfall bis tief in den Raum hinein. Mit der Platzierung der Fenster auf Niveau Boden wird auf der Korridorseite der optische Bezug zum Pausenhof verstärkt. Die Platzfassade kann im Sommer auf der ganzen Länge geöffnet werden, die innen liegende Pausenhalle und der gemeinsame Schulhausplatz verschmelzen nahtlos ineinander.

Die Raumstruktur des neuen Schulhauses wird also durch zwei innere, über die gesamte Länge und Höhe des Baukörpers laufende Wände bestimmt. Diese beiden Wandscheiben nehmen zusammen mit den Fassaden sämtliche anfallenden Lasten auf. Alle in Querrichtung verlaufenden Raumabschlüsse bestehen aus nicht tragenden Elementen. Obwohl die Längswände trennend wirken, haben sie gleichzeitig auch einen ausdrücklich verbindenden Charakter: Grosszügig eingeschnittene Öffnungen schaffen starke räumliche Bezüge über die trennenden Wände hinweg.

Die Spannung zwischen einer stark längs gerichteten Struktur und dem Erlebnis der sich ändernden Raumqualitäten beim Durchschreiten des Gebäudes in Querrichtung bestimmt wesentlich die Stimmung des neuen Schulhauses.

Sichtbeton farbig erscheinen lassen
Angeregt durch den Wunsch der Bauherrschaft, die ursprünglich in Sichtbeton vorgesehene Fassade farbig erscheinen zu lassen, ergriffen die Architekten die Chance, mit einem entsprechenden Farbkonzept auch die räumlichen Verhältnisse im Innern verstärkt zum Ausdruck zu bringen. Für die Bestimmung der Farben spielten zwei Aspekte ein wichtige Rolle: Zum einen war es den Architekten ein Anliegen, mit eher erdigen Farben zu arbeiten, die bereits in den eingesetzten Materialien vorkamen: in den kleinen Kieselsteinen im geschliffenen Terrazzo-Bodenbelag und im geölten Eichenholz für Fenster und Türen. Zum andern war klar, dass die Farbe die Struktur des behandelten Materials auf keinen Fall überdecken, sondern im Gegenteil verstärkt herausschälen sollte. Man suchte deshalb eine Wirkung, die den Beton gleichsam «mit Farbpigmenten imprägniert» und auf keinen Fall «bemalt» erschienen liess.

Wechselnde Farbigkeit je nach Wetter
Die Fassaden sind als umlaufende Umhüllung innen und aussen in einem zurückhaltenden graugrünen Farbton gehalten, so dass sich das Gebäude ganz selbstverständlich in die Umgebung eingliedert. Die Dichte der aufgetragenen Betonlasur ist dabei so bestimmt worden, dass die Farbigkeit des Gebäudes je nach Wetter immer wieder etwas anders erscheint. So bestimmt bei gewissen Lichtverhältnissen die Oberflächenstruktur des Sichtbetons den ersten Eindruck, und in einem andern Moment überwiegt die Farbigkeit des Fassadenmaterials.

Durch die grossen Fenster leuchten die beiden, von oben hell beleuchteten, rot und gelb eingefärbten Innenwände aus der Tiefe des Baukörpers hervor. Die Behandlung dieser Längswände als körperhafte Teile unterstreicht deren gleichzeitig trennende und verbindende Qualität. So lässt sich innerhalb der einzelnen Räume immer auch erkennen, was hinter der Wand liegt. Die der grünen Aussenwand gegenüberliegende rote Wand in den Klassenzimmern bildet gleichzeitig auch den Rücken der Schicht mit den Lichthöfen. Der Blick aus dem Korridor in die Höfe wird indes immer von den Öffnungen in der gelben Wand gerahmt. 
 
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Text Leo Buol
Bild Georg Aerni
 


Lifecom


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