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Sichtbeton-Optik mit Misapor Wärmedämmung
Moderne Bündner Architektur zeigt Vordach
 
Die Ausgangslage war klar: Die Bauherrschaft wohnt im Unterland in einem Holzhaus – nun möchte sie hoch oben in den Bündner Bergen ein Ferienhaus aus Stein bauen. Und rot soll es sein. Wie jenes historische Bündner Haus auf dem Heinzenberg. Entstanden ist ein modernes Gebäude aus rot eingefärbtem Misapor Schaumglas-Dämmbeton. Form und Proportion lehnen sich der traditionellen Bündner Architektur an.

Wie selbstverständlich schmiegt sich das moderne Ferienhaus in die natürliche Umgebung von Bergen, Wiesen und Ställen ein. Allein schon deshalb hebt es sich wohltuend von einer ganz anderen, weitverbreiteten (Un-)Art des Bauens ab − als sorgfältig geplantes, eigenständiges, bautechnisch interessantes Ferienhaus.

Selbst in Vorfreude auf ein paar erholsame Ferientage im 1500 Meter hoch gelegenen Parsonz im Oberhalbstein mag kaum jemand darüber hinwegsehen: Die 0815-Bauten, wie sie einem auf dem Weg vom Unterland nach Savognin begegnen, fallen auf. Und stören. Sie nehmen nicht etwa ab, je tiefer man ins Bergland eindringt. Im Gegenteil. Wie Pilze sind die Zweitwohnungen in den letzen 20 Jahren aus dem Bündner Bergboden geschossen. Viele Dörfer haben die ursprüngliche Form eines vom Kern her langsam nach aussen wachsenden Häuserknäuels weitgehend verloren. Streng geometrisch angeordnete Quartiereinheiten verunstalten das Bild. Ein bunter Stilmix vermittelt die vermeintliche Botschaft, dass alles in bester Ordnung sei − mit Blumen gefüllte Bergschuhe, Steinbock-Malereien, Rechen, feinsäuberlich an die aussengedämmte, verputzte und weiss gestrichene Hauswand gedübelt, sollen es beweisen. Aber Plastikfenster aus Österreich, Wand- und Bodenplatten aus Italien, Ziegeldächer, Aussendämmungen, Leuchtfarben sprechen die Sprache des Billigen, Beliebigen und Austauschbaren genauso wie der Rücksichtslosigkeit und der Gleichgültigkeit. Egal, woher die Teile kommen. Einerlei, aus welchem Material sie gefertigt sind. Nebensächlich, wie und wo sie eingesetzt werden. Nur billig, noch billiger und schnell in Produktion und Verarbeitung müssen sie sein. Der Preis für diesen Ausverkauf ist aber hoch, zu hoch: Traditionell gewachsene Dorfstrukturen verlieren jeglichen Charme, sobald die architekturale Wilderei bzw. die von ihr ausgehende zweifelhafte Ausstrahlung die Dörfer und Weiler erfasst. Selbst noch intakt verbliebene Teile historisch gewachsener Baustrukturen (gerade eben sie!) wirken auf einmal wie ein Witz, irgendwie daneben, deplatziert. Vom Bauwucher rundherum an den Rand gedrückt oder von ihm eingekesselt, erscheinen sie als ein besonders fragiles und schützenswertes, weil physisch noch nicht zerstörtes oder verschwundenes originales Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Aber die Atmosphäre ist dahin. Denn der Schein trügt nicht. Die Realität hat sich längst in den Vordergrund gedrängt. Sicht- und sprürbar. […] 
 
Ausgabe "2016/1 - Februar/März" bestellen
 
Text Gregor Eigensatz (Quelle: Peter Tinner; Michael Kompatscher)
Bild Clemens Güdel




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