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Schimmelpilzkonferenz in Köln
Die Pore – der Schlüssel zu gesunden Innenräumen
 
Schimmelpilze in Innenräumen können zu gesundheitlichen Problemen führen und damit Leid verursachen. Der vorliegende Beitrag richtet den Blick vor allem auf phänomenologische Aspekte rund um die Frage des «Dichtmachens» und der sich daraus ergebenden Folgeerscheinungen von Stau und Stagnation. Dabei rückt die Pore mit dem ihr ureigenen Gestus des Offenseins und Durchlassens als Ort des Austauschs in den Vordergrund − und als gangbaren Weg zum Beispiel aus der Schimmelproblematik.

«Ob Zufall oder innere Folgerichtigkeit: die deutschen Wörter: Öffnung, Weg und Lösung lassen sich auf Altgriechisch alle mit ‹Poros› übersetzen. Umgekehrt geht das deutsche Wort ‹Pore› auf das griechische ‹Poros› zurück. Ohne Poren, also Durchgänge, wären die uns bekannten Lebensformen auf dieser Erde nicht denkbar. Lebensprozesse sind ein fortwährender, oft selektiver Austausch von innen und aussen, von hüben und drüben durch eine poröse Hülle oder Wand. Auch in der sogenannt nichtlebendigen Materie tritt Porosität häufig auf. Hier sei, analog den organischen Zellhüllen, an den Aufbau mineralischer Gebäudehüllen erinnert, gebaut aus Backsteinen, Putzen und Farben. Auch hier finden fortwährend Austauschprozesse statt, denken wir nur an die Dampfdiffusion oder den Kapillartransport.

Fasst man bezüglich der Gebäudehülle den Begriff der Pore weiter und geht über mikroskopische Dimensionen hinaus, so liessen sich durchaus zum Beispiel Fenster oder Türen als ‹architektonische Poren› beschreiben. So verwundert es wenig, dass in Zusammenhang mit Gebäuden der Wortstamm ‹por› in diversen Sprachen weit verbreitet ist: das Portal, la porte, the airport oder Porto, die Stadt, die sich zum Meer öffnet ... Hier findet überall Austausch statt.

Bau und Funktionsweise von biologischen Zellhüllen oder der Haut sind seit Menschengedenken wohl unverändert. Demgegenüber erfährt die Gebäudehülle nach mehrtausendjährigem, weitgehend unverändertem Aufbau derzeit eine atemberaubend schnelle Wandlung. Durch das Bestreben, möglichst energieeffizient, aber auch schalldicht und brandsicher zu bauen, fällt der Gebäudehülle in immer konsequenterem Masse die Aufgabe zu, Innen- und Aussenraum energetisch, klimatisch und akustisch voneinander zu entkoppeln. Entsprechend weisen die Gebäudehüllen moderner und zukünftiger Häuser eine völlig andere Ausgestaltung auf als jene in noch traditioneller Bauweise.

Folgt man den aktuellen nationalen oder internationalen Bauvorgaben bzw. Richtlinien, werden isolierende Wandaufbauten mit womöglich intelligenten und stromproduzierenden Elementen den traditionellen Wandaufbau, bestehend aus Mauerwerk, Putz und Anstrich, mehr und mehr ersetzen. So sind neue Gebäudetechniken generell dabei, unsere Lebensgewohnheiten stark zu verändern: Anstelle von Fensteröffnungen treten Zwangslüftungen, Heizbrenner werden durch Wärmepumpen ersetzt, Bewegungsmelder ersetzen Lichtschalter, Haushaltgeräte werden ihren Strombedarf untereinander koordinieren usw. Man kann sagen, dass der Mensch als Bewohner und Nutzer solcher Gebäude zunehmend technische Unterstützung erfährt, aber dadurch im Alltag auch zunehmend entmündigt wird. Auch stellt sich früher oder später die Frage nach der Renovierbarkeit eines traditionellen Wandaufbaus im Vergleich zu einem hoch technisierten. Und manchmal verselbständigt sich die Technik gar.

Lustiger Tanz der Rollläden
So erlangten zum Beispiel meine beiden Kinder ihre mittlere Reife in einem Schulhausneubau am Bodensee, wo ein unbeirrbarer Temperaturfühler den Stand der Rollläden und damit die primärste Funktion der Fenster als Öffnung für das Sonnenlicht bestimmt (Lichtaustausch). Skurril wird die Sache, wenn an einem warmen Föhntag Temperatur- und Windfühler im Widerstreit liegen. Da veranstalten die Rollos über Stunden einen lustigen Tanz von Auf und Ab. Nicht eben konzentrationsfördernd für Schüler und Lehrer. Aber keiner an der Schule, nicht mal der Hausmeister oder dessen Meister, der Rektor, können daran etwas ändern. So fühlt man sich in dem Raum bisweilen an den Zauberlehrling erinnert. Und es bleibt nur zu hoffen, dass die den Energieverbrauch optimierende Komfortlüftung − zuständig für den lebenswichtigen Luftaustausch − besser funktioniert. Aufgrund der technischen Überforderung aller Beteiligten und der Macht des Faktischen wird über das Thema an der Schule einfach nicht mehr gesprochen, bis vielleicht dereinst ein Spezialist das Problem lösen wird, das es mit einem Rollladengurt nie gegeben hätte.

Verzicht auf genügend sorptionsfähige Baumaterialien
Bei der rasanten technischen Entwicklung der Gebäudehülle ist zu beobachten, dass den Durchgängen im Mikroskopischen wie im Makroskopischen gegenwärtig wenig Beachtung geschenkt wird. Man kann sagen, dass viele negative bauphysikalische, gesundheitliche und ökonomische Probleme auf die Behinderung bzw. Verhinderung notwendigen Austauschs zurückzuführen sind. Klassisch wieder in Bezug auf die Schimmelpilzbildung ist zum Beispiel der Verzicht auf genügend sorptionsfähige Baumaterialien: Feuchte kann vom Baukörper nicht aufgenommen werden, staut sich, fällt als Kondensat an und bildet so eine wichtige Grundlage von Schimmelpilzwachstum. Gleiches trifft auf die Fassade zu. Algen- und Pilzbefall auf gedämmt-hydrophobierten Fassaden sind weit verbreitet. Es gilt, der Funktion der Pore als Ort und Gewährleistung von Austauschprozessen vermehrt Aufmerksamkeit zu schenken.

Es ist bis heute ein weitverbreitetes Credo, dass allein die Offenporigkeit und damit die genügende Dampfdiffusionsfähigkeit von Putz und Farbe einen bauphysikalisch optimalen Feuchteaustausch gewährleistet. Das ist jedoch nur ein Teil der Wahrheit, denn Dampfdiffusion kann Kapillaraktivität nicht ersetzen. In Bezug auf ihre Kapillaraktivität können hydrophobierte Baustoffe als weitgehend inaktiv bezeichnet werden. Eine hydrophobierte Pore ist in ihrer kapillaren Funktion «gelähmt». Vielen offenporigen Putzen und Farben werden dann Biozide beigemischt, um Pilze und Algen zu vermeiden. Zumindest ist das bis heute der verbreitete Stand der Technik im Fassadenbereich.

Lieferanten poröser Schichten am Bau
Bezüglich der Schimmelproblematik in Innenräumen fällt dem Maurer-, Gipser- und Malerhandwerk zunehmend eine wieder wichtige Rolle zu. Mag sein, dass an modernen Hightech-Fassaden diese Gewerke nicht mehr viel Einsatzmöglichkeit finden. Aber sie sind die Lieferanten poröser Schichten am Bau − indem sie Steine, mineralische Platten, mineralische Putze und mineralische Farben einbringen. Damit leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zu einem gesunden und feuchteregulierenden Klima − auch und gerade in modernen Gebäuden.

Wo ein notwendiger, natürlicher Austausch unterbunden wird, kommt es oftmals zu Leid. Dies ist nicht nur in Gebäuden zu beobachten, sondern auch auf allen menschheitlichen Ebenen: angefangen beim Individuum, über die Gesellschaft bis hin zur Weltpolitik. Ob nun einzelne Menschen eingesperrt, Städte belagert, Gesellschaftsgruppen boykottiert oder Nationen sanktioniert werden − überall ist der «Gestus des Dichtmachens» gepaart mit Leiden. Und immerzu sind auf kommunikativer Ebene die Nachrichtensperre, das Dichthalten, das Redeverbot und das Schweigen Begleiter des Geschehens. Vor diesem phänomenologischen Hintergrund kann auch die leidbringende Schimmelproblematik als Folge (zu) dichter Gebäudehüllen oder Baustoffe betrachtet und spezifisch angegangen werden.»



«Ich möchte möglichst keine gefährlichen Produkte verwenden. Gibt es auch für den Anwendungsbereich der Schimmelsanierung entsprechend eingestufte Produkte?»

In den FAQ zur Schweizer Umwelt-
Etikette − diese steht für eine «Auswahl von möglichst umweltverträglichen und gebrauchstauglichen Produkten» – wird diese Frage gestellt und wie folgt beantwortet:

«Für die meisten Anwendungsbereiche gibt es Produkte, die keine gefährlichen Inhaltsstoffe enthalten. Allerdings gibt es Ausnahmefälle wie z. B. die Schimmelsanierung, wo der Einsatz von lösemittelhaltigen Produkten Sinn macht. Diese Produkte können u. U. eine Gefahrgutkennzeichnung tragen. Der Ersatz durch ein anderes, ‹ungefährliches› Produkt kann in einem solchen Fall schwierig oder auch unmöglich sein.» (www.stiftungfarbe.org → FAQ)

Anders beantwortet der im Rahmen der 8. Schimmelpilzkonferenz TÜV Rheinland 2014 in Köln entstandene und hier vorliegende Beitrag diese Frage. Er blendet bauphysikalische Zusammenhänge ein, wie sie allgemein, besonders aber rund um die Schimmelproblematik nicht ausser Acht gelassen werden sollten. So spricht der Autor von Schadensvermeidung und -behebung − und denkt dabei an den konsequenten Einsatz sorptionsfähiger und ökologisch unbedenklicher Baumaterialien. Insofern es sich im Speziellen um mineralische Innenfarben handelt, würden diese bei der Schweizer Umwelt-Etikette problemlos mit A eingestuft.  
 
Ausgabe "2015/6 - Dezember/Januar" bestellen
 
Text Auszug aus Vortrag von Thomas Klug, Keimfarben AG, 8. Schimmelpilzkonferenz TÜV Rheinland 2014 in Köln
 




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