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Ein Ornament entsteht
Auf dass Beton und Putz miteinander spielen
 
Wer in die gestalterische Landschaft der Architektur schaut, entdeckt vermehrt Ornamente. Die Bauherrschaften scheinen von der kühlen, schnörkellosen Architektur gesättigt. Wie und warum entstehen Ornamente? Ein Besuch im Werkatelier von Corina Hickman gibt Aufschluss.

Spricht man sie auf Ornamente an, beginnen ihre Augen zu leuchten, ihr scheint der Trend hin zu Ornamenten sichtlich zu gefallen: «Ein Ornament ist wie Farbe in Räumen – ein tief in uns verwurzeltes Nach-Hause-Kommen. Früher lebte unsere Spezies in der Natur und umgeben von vielen Farbnuancen, Materialien und unterschiedlichsten Konturen. Deshalb liegt es auf der Hand, dass wir uns mit warmen Farben und dekorativen Formen umgeben möchten. Zudem hat der Mensch seit jeher versucht, Symbole − meist aus der Natur − zu erfassen und zum Teil als Schmuck heilend in seine Umgebung einfliessen zu lassen. Vielleicht war gar die Höhlen- und Felsmalerei der Anfang des Zierens seines Lebensumfeldes?»

Ornament im Aufwind
Meint der Zwischentitel das im Folgenden beschriebene, mit dem Aufwind spielende konkrete Ornament? Oder bezieht er sich allgemein auf die in der Architektur vermehrt wieder Zuspruch findenden Ornamente? Und: gibt es Fachleute, die Ornamente für die Architektur entwickeln? Eine solche Fähigkeit würde gestalterisches Feingefühl und ein kompetentes, einfühlsames Auge für die Architektur voraussetzen. Corina Hickman scheint mehr als nur ein oberflächliches Gespür dafür zu haben, wenn sie von Ornamenten spricht, als ob sie in einer lebendigen Beziehung zu ihr stünden, und umgekehrt. «Ein Ornament verlangt von mir ein tiefes Eintauchen in jenen Ort, in den sie hinkommen, in die Architektur, die sie zu ergänzen oder vielleicht sogar auszumachen haben, und schliesslich in die Form des Ornaments selber, wie sie sich manchmal auf verschlungenen Pfaden eines aufwendigen, gestalterischen Prozesses entfaltet, entpuppt.» Ob von Anfang an klar sei, dass ein Ornament in die Gestaltung zu integrieren sei? − Bei ihr entwickle sich die Idee meistens während des Erarbeitens eines Farbkonzepts, und manchmal wisse der Architekt von Beginn weg selber, dass er unbedingt ein Ornament wünscht, sinniert Corina Hickman und betont, wie wichtig für alle Beteiligten es sei, früh sich in eine von gegenseitigem Respekt geprägte Zusammenarbeit hinein zu begeben.

Vorphase
Im Idealfall bezieht der Architekt die Farbgestalterin von Anfang an in die Planung ein. Gespräche, Auseinandersetzungen und Begehungen vor Ort lassen allmählich ein immer klarer werdendes Bild über die weiteren Projektschritte entstehen.

Von der Architektur her muten die drei Mehrfamilienhäuser, für die das beschriebene Ornament entstand, so an, als stünden sie für heruntergefallene Felsen der umliegenden Berge. Die Häuser werden im Gebiet der Lenzerheide gebaut. Als Raum- und Farbgestalterin für den Aussen- und Innenraum dieser Überbauung zuständig, rät Corina Hickman, den Fokus auf zwei unmittelbar vor Ort gegebene Materialien zu legen: das Gestein des Felsens und das Holz der mächtigen Lärchen. Das im Wechsel der Jahreszeiten intensiv variierende Bild des sich verwandelnden Lärchenbaums stellt vom Material wie auch von den Gestaltungsmöglichkeiten her ein interessantes «Spielfeld» dar. Dieses vermochte denn auch den Architekten zu überzeugen. Im Zuge der begonnenen Farbgestaltung für den Aussenraum wurde allen Beteiligten klar, dass die kantige, aber dennoch mit sanften Details gestaltete Architektur durch ein Ornament willkommene Unterstützung erfahren soll. Die Idee entstand, ein Ornament in kompakter und aber auch aufgelöster Form wie ein roter Faden durch die Gebäude und über dieselben führen zu lassen. «Der aufmerksame Bewohner und Besucher entdeckt bei mehrmaligem Durchgehen, dass er dem Ornament wiederholt und in unterschiedlichen Formen begegnet – vom Boden über den Fassadenputz zu den Leuchtmitteln und der Rückwand im Treppenhaus», erklärt Corina Hickman.

Ein Ornament entsteht
Ein Lärchenbüschel vermehrt sich, fliegt wieder aus und raus, formt sich neu − und fliegt, vielleicht im Aufwind, weiter, bis es sich schliesslich zu einem harmonischen Ganzen, einem Ornament, legt. Während des Erarbeitungsprozesses wird klar, dass dereinst Bodenplatten aus Beton die Zugänge sowie die Gartensitzplätze und Terrassen bestücken sollen. Sie werden visualisiert und dem Architekten vorgelegt. Nur will sich dieser vorerst für die Idee nicht recht begeistern. So macht sich Corina Hickman − nach wie vor glaubt sie ja an ihre Idee − selbst auf die Suche nach einem Hersteller, der ihre Gestaltungsabsichten nachvollziehen und diesen mit Sachverständnis zur Umsetzung verhelfen kann.

Nun sind die Platten hergestellt – von Corina
Hickman selbst finanziert ... Der Lohn dafür ist die nun offensichtliche Begeisterung des Architekten und seines Teams! Die Platten mit ihren ornamentalen Vertiefungen und Erhebungen werden immer wieder ertastet, ja gestreichelt und mental bereits an mögliche Orte versetzt. Das sehr fein in den Beton eingelassene Ornament zeigt Strukturen im Positiv wie im Negativ. «Eine der beiden Platten soll die Hauptplatte werden, die andere, als einzelner Akzent eingebunden, lässt das Gesamtbild zusätzlich spielen» merkt Corina Hickman an und stellt nicht ohne Stolz fest: «So viele möchten die Platten sofort kaufen, wenn sie zu mir ins Atelier kommen. Nun bin ich am Überlegen, einen Partner zu finden, der sie in den Verkauf nimmt.» Die Betonplatte könne auch an Wänden verlegt werden, stellt der Architekt fest und spielt damit Corina Hickman den Ball gleich wieder zu. Diese wartet nun den Rohbau ab, um dann den Faden wieder aufnehmen zu können.

Und weiter?
Corina Hickman hat eine klare Vorstellung, wo und wie das Ornament eingebunden werden soll. Für den an klare Linien gewöhnten ETH-Architekten ist ein behutsames «Aufwärmen» durch Erläutern, gemeinsames Visualisieren, grossflächiges Bemustern ein unverzichtbares Muss. Mit dem notwendigen Verständnis dafür hat Corina Hickman nun bald auch den zweiten Schritt geschafft: Zusammen mit einem engagierten Putzhersteller und einem Gipser, der es liebt, aus der Norm fallende Gestaltungen umzusetzen, gingen sie gemeinsam die Frage an, wie das Ornament an der Fassade umgesetzt werden könnte. Mehrere Treffen waren nötig, bis ein überzeugendes Resultat vorlag: Die Putzstruktur mit eingeblasenem Glimmer soll in ein Wettglitzern mit dem Schnee treten, der ja die Hauptsaison des Kurortes ausmacht ... Das Ornament darf sich aufgelöst, aber doch in Anlehnung an die Betonplatte über die Fassade ziehen. Obwohl die Gestalterin bei der Ausführung mit vor Ort sein wird, muss der Gipser die Sprache des Ornaments verstehen und es im Handwerk umsetzen können. Die Musterphase war deshalb von viel Aufklärungsarbeit geprägt – und der Gipser erfasste das, worum es geht, mit Kopf, Herz und Hand. So konnte dieser das letzte Muster alleine herstellen und die Offerte dazu unterbreiten.

Noch stehen weitere Schritte zu den Einsatzorten und Materialisierungen an. Man darf schon jetzt gespannt sein, wie die Umsetzung an der Gesamtüberbauung aussehen wird. 
 
Ausgabe "2015/6 - Dezember/Januar" bestellen
 
Text COVISS (Quelle Corina Hickman)
Bild Corina Hickman
 




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