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Wohnhaus Breitensteinerstrasse 50 in Zürich
Lasurkolorierung stützt Sichtbeton-Charakter
 
Wie könnte eine Fassade aus massivem Beton veredelt werden? Wie die Ausstrahlung des Betons weicher, wertvoller, atmosphärischer wirken? Wie seine Oberfläche zugänglicher gemacht werden? Kann eine Nachbehandlung des Sichtbetons überhaupt den Charakter des Betons stützen, ohne ihn gleich wieder zu negieren? Solchen Fragen sind die Architekten Urs Birchmeier und Daniel Kaufmann zusammen mit Farbgestalterin Andrea Burkhard am Wohnhaus an der Breitensteinstrasse 50 in Zürich nachgegangen.

Materialisierung und Farbgebung der Fassade

Zuerst wird die Oberfläche des Betons sandgestrahlt, die homogene, abschliessende Betonhaut fein aufgebrochen. Ein Mikrokosmos von Mineralien wird sichtbar. Der Blick bleibt nicht an der Oberfläche haften, sondern dringt ein in die Tiefenwelt der Materie Beton mit ihrer ursprünglichen Zusammensetzung. Farben kleinster Steinchen spielen im Licht. Diese Beobachtungen geben den Anstoss für gestalterische Entscheide.


Eine Lasur in einem steinigen Grün soll die Fassade noch lebendiger und tiefer erscheinen lassen. Zudem entsteht mit diesem «Hauch» von Farbe eine zarte Farbverwandtschaft zu den grünlichen Verglasungen der Fassadenöffnungen. Die Silikatfarbe wird in mehreren Schichten mit Bürsten aufgetragen. Das Licht reagiert abermals und sehr vielseitig auf die tiefe Oberfläche. Je nach Tageslicht wirkt der Farbton der Betonfassade grünlich oder bläulich, dezent, aber wahrnehmbar und atmosphärisch reich.


Die Loggien und Fensternischen sind in einem deckenden, leicht gebrochenen Orange gehalten. Sie bilden je nach Lichteinfall und Standort des Betrachters feine Akzente und rhythmisieren die Fassade. Diese Farbe ist in einer Zwischenzone von Aussen und Innen angesiedelt. Sie soll den grünlichen, steinigen Farbton der Betonfassade etwas steigern, aber auch die dezenteren Farben im Inneren aufnehmen.


Der Grundsatz für alle Liegenschaften der à Porta-Stiftung besteht darin, mit unterhaltsarmen und langlebigen Materialien längerfristig günstige Mieten zu garantieren. Das Quartier Breitensteinerstrasse ist durch freistehende, dreigeschossige verputzte Mehrfamilienhäuser aus den 30er und 40er Jahren geprägt. Diese stehen jeweils entlang der Strassen und umgrenzen einen ruhigen Grünraum. Die geometrischen Kuben und die zwei unterschiedlichen Seiten waren prägend für den Entwurf des Neubaus.

Ähnlich einem abgeschliffenen Stein ist die Tektonik der Fassade zur Strasse hin glatt, die Seiten- und Rückfassade durchlöchert und geschlossen. Die durchlöcherte Betonwand verleiht dem Gebäude die notwendige «Stabilität» am steil abfallenden Hang und dünnt sich zur Strasse hin zur Struktur aus. Die Grundrissaufteilung folgt dieser Logik: Zur Strasse hin sind die «öffentlichen» Räume orientiert, gegen den ruhigen Grünraum die Schlafzimmer. Die grossformatigen, raumhohen Öffnungen gegen Süden entsprechen dem Bedürfnis nach Licht und Sonne, die kleineren Fenster gegen Norden jenem nach Ruhe und Intimität.

Langfristige Flexibilität
Eine Abfolge von Raumsequenzen führt die Bewohner von der Strasse zur Wohnung. Über den Vorhof betritt man die Eingangshalle, die mit einer langen Sitzbank eingerichtet ist. Von hier gelangt man via Aufzug oder Treppe zur Wohnung. Ein grosszügiges Entree bildet den Empfangsraum und gleichzeitig das Zentrum der Wohnung. Von diesem inneren Raum werden sämtliche Räume erschlossen. Eine zusätzliche Erschliessung entlang der Fassade verbindet die Räume untereinander und schafft so eine gewisse Grosszügigkeit und verschiedene Durchblicke. Zwischen den beiden grösseren Wohnungen befindet sich eine mittlere Einheit, die separat vermietet oder aber zu den Wohnungen geschlagen werden kann. Diese Grundrissdisposition erlaubt auch langfristig Flexibilität zu gewährleisten.

Massnahmen gegen den Lärm
Durch den Verkehrslärm der südseitigen Strasse ist das Areal übermässig belastet. Der vorliegende Entwurf reagiert auf diese Problematik mit folgenden Massnahmen: Zum einen ist die Grundrissdisposition so angelegt, dass die lärmempfindlichen Räume auf den ruhigen Grünraum im Norden orientiert sind, zum andern wurde das Schallproblem mit einer doppelten Fassade, ähnlich den traditionellen Kastenfenstern, und mit verglasten Balkonen entschärft. Zudem wurde eine kontrollierte Lüftung eingebaut, sodass die Frischluftzufuhr auch bei geschlossenen Fenstern gewährleistet ist.

Nachbearbeiter Sichtbeton
Das Materialisierungskonzept verfolgt die Strategie, mit qualitativ hochstehenden, robusten Materialien eine vielfältige und abwechslungsreiche Wohnumgebung zu schaffen. Die Fassade ist als massive Betonwand ausgeführt. Durch die Sandstrahlung wird die Oberfläche «weicher» und integriert sich in die Umgebung mit den verputzten Bauten. Durch den lasierenden Anstrich mit einem grünlichen Farbton werden je nach Lichteinfall die grossformatigen Verglasungen stärker in das Volumen integriert oder treten als Öffnung in Erscheinung.

Die verschiedenartige Behandlung der Betonoberfläche findet im Inneren des Baus seine Fortsetzung. Wand und Decke der Erschliessung sind in unbehandeltem Beton ausgeführt, wobei eine Wand in der Eingangshalle und die Decke im Dachgeschoss mit Bronzefarbe deckend gestrichen ist und so gedanklich ein Raum aufgespannt wird. Wie ein dünner Faden Verbindet das grüngelb gestrichene Geländer diese beiden Orte. Der Boden besteht aus geschliffenen Betonplatten und gleicht sich farblich der Wand und Decke an.

In den Wohnungen wird grundsätzlich zwischen den Wohn-/Schlafräumen und den Nassräumen unterschieden: In den Wohn- und Schlafräumen ist der Boden mit einem hellen Eichenparkett ausgeführt, die Wände und Decken mit Weissputz. In den Küchen und Bädern wurden am Boden graue Keramikplatten verwendet, an den Wänden hellgelbe Keramikplatten beziehungsweise Putz. 
 
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Text Urs Birchmeier, Daniel Kaufmann, Andrea Burkhard
Bild Menga von Sprecher
 
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