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Holzkohle und Sumpfkalk vereint
«Köhler-Glätte» mit Schieferglanz
 
Die Materialwerkstatt des Haus der Farbe, Zürich, ist ein Ort des Experimentierens, Tüftelns, Ausprobierens. Theoretisches Wissen soll hier praktisch erprobt, untermauert und mit einer Mustersammlung dokumentiert werden. Manchmal entstehen unerwartet interessante Baustoffe, die das Potential einer konkreten Anwendung am Bau haben. So zum Beispiel der Prototyp einer «Köhler-Glätte» − Holzkohle in verschiedenen Körnungen und Sumpfkalk – ohne Sand und zusätzliche Pigmente. COVISS hat mit dem Leiter der Materialwerkstatt im Haus der Farbe gesprochen.

COVISS: Matteo Laffranchi, wie kommen Sie auf die Idee, aus Kohle und Sumpfkalk einen Putz herzustellen?
Holzkohle gehört zum Ursprung der Malerei, genauso wie Kalk der Baukunst zugrundeliegt. Aus meinen Erfahrungen eines Restaurators, aber auch aus historischen Quellen ist mir der Einsatz von Kohle als leichter Zuschlag in Stuckaturen vor allem an Decken und in Sgraffitoputzen sowie als schwarzes Pigment (Rebschwarz) in weiteren Kalktechniken bekannt. Deshalb war die Idee, die zwei Materialien in einer noch reduzierteren Verputzrezeptur zusammenzubringen, nicht ganz neu oder gar abwegig.

Holz (organisch) und Kalkstein (mineralisch) gehören aber zu zwei entgegengesetzten Materialwelten…
...Ja, das ist richtig. Jedoch gehen diese beiden «Welten» aus Stein und Holz beim Verarbeitungsprozess zu Werkstoffen «durch das Feuer» und werden dadurch in einer gewissen Weise verwandelt... Auch in farblicher Hinsicht hat mich das Spiel der Kontraste zwischen dem warm-weissen Sumpfkalk und der schwarzen, blaustichigen Kohle fasziniert. Wie dunkel kann überhaupt die resultierende Oberfläche werden? Diese zwei Materialien ohne weitere Zuschläge in eine gestalterisch und bautechnisch interessante Mischung zu überführen, war mein primärer Ansporn. Zur Entstehung des Prototyps hat ausserdem der in COVISS 4/2014 erschienene Artikel «Pflanzenkohle mit hervorragenden Dämmeigenschaften» über den Einsatz von Kohle für Putze im Innenbereich massgeblich beigetragen.

Wie sind Sie bei der Suche nach der geeigneten Materialzusammensetzung vorgegangen? Handelte es sich um einen linearen Prozess, oder waren Sie vom Vorgehen selber beziehungsweise vom Resultat überrascht?
Wie erwähnt, hatte ich bereits praktische Erfahrungen mit dem Material im restauratorischen wie auch künstlerischen Bereich gesammelt. Grobe Mengenverhältnisse und mögliche Siebkurven des Kohlen-Zuschlags konnte ich deshalb aus verwandten Rezepturen (zum Beispiel Schwarzputze) ableiten. Auf dem Weg der Findung einer praktikablen Mischung überraschten mich dann aber doch Geschwindigkeit und Resultat. Was in meinen ersten Überlegungen eher als leicht verdichteten Putz, der partiell zurückgekratzt werden konnte, angedacht war, verwandelte sich durch die unerwartet grosse Plastizität der erhaltenen Mischung schnell zu einer anthrazit-schwarzen, stark verdichteten Glätte.

Welche besonderen Qualitäten weist eine solche Glätte auf?
Die Holzkohle in verschiedenen Körnungen vom Gries bis zum Pulver erfüllt in dieser Mischung eine dreifache Funktion: Sie ist farbgebend, dient als Zuschlag und bietet sich durch ihre poröse Mikrostruktur als grosszügiger Wasserspeicher bereits in der nassen Mischung an. Letzteres ermöglicht eine lange Verarbeitungszeit des Putzes und einen optimalen Abbindeprozess des Kalks. Das Erstaunliche daran: Trotz Körnungen bis zu 2 mm lässt sich die applizierte Schicht kontinuierlich so weit verdichten, bis sich eine sehr glatte,
leicht glänzende Oberfläche ausbildet hat.

Wie ist das möglich?
Diese Besonderheit liegt vermutlich an der Brüchigkeit der Kohle − und ihrer Tendenz, unter Druck und im nassen Zustand eine Art plastischer Brei zu werden. Zusammen mit der Kalkmatrix bildet sich eine cremige Masse, die durch die Verarbeitung mit der venezianischen Kelle eine sehr dichte Oberfläche ergibt.

Sehen Sie schon Möglichkeiten der konkreten Anwendung am Bau?
Das hier ist nur ein interessanter und vielversprechender Anfang. Die besonderen Charakteristika der Mischung lassen vermuten, dass Anwendungen im trockenen Innenbereich für einen geglätteten Putz mit schieferatiger Anmutung genauso reizvoll wie auch denkbar sind.

Erkennen Sie eventuelle Schwierigkeiten im Umgang mit diesem Baustoff?
Die Holzkohle soll in einem sauberen und gewaschenen Zustand sein, damit keine löslichen Salze und andere unerwünschte Begleit- oder Feinstoffe in die Putzmischung beziehungsweise an die Wand gelangen. Die Oberfläche der Glätte ist trotz Verdichtung relativ weich und damit verletzlich. Die charakteristische Lebhaftigkeit der Oberfläche sehe ich als Qualitäts- und Gestaltungsmerkmal des Materials, bedeutet aber eine gewisse Unberechenbarkeit des Resultats.

Wie geht es weiter mit der «Köhler-Glätte»?
Ich betrachte diesen Prototyp als gelungener Entwurf mit offenem Potential. Weitere Proben und Bemusterungen in grösserem Format sind auf jeden Fall notwendig, bevor man sich an ein konkretes Objekt wagt. Dieser Bericht soll in erster Linie als Inspirationsquelle für interessierte Fachleute dienen.Die Materialwerkstatt des Haus der Farbe, Zürich, ist ein Ort des Experimentierens, Tüftelns, Ausprobierens. Theoretisches Wissen soll hier praktisch erprobt, untermauert und mit einer Mustersammlung dokumentiert werden. Manchmal entstehen unerwartet interessante Baustoffe, die das Potential einer konkreten Anwendung am Bau haben. So zum Beispiel der Prototyp einer «Köhler-Glätte» − Holzkohle in verschiedenen Körnungen und Sumpfkalk – ohne Sand und zusätzliche Pigmente. COVISS hat mit dem Leiter der Materialwerkstatt im Haus der Farbe gesprochen.

COVISS: Matteo Laffranchi, wie kommen Sie auf die Idee, aus Kohle und Sumpfkalk einen Putz herzustellen?
Holzkohle gehört zum Ursprung der Malerei, genauso wie Kalk der Baukunst zugrundeliegt. Aus meinen Erfahrungen eines Restaurators, aber auch aus historischen Quellen ist mir der Einsatz von Kohle als leichter Zuschlag in Stuckaturen vor allem an Decken und in Sgraffitoputzen sowie als schwarzes Pigment (Rebschwarz) in weiteren Kalktechniken bekannt. Deshalb war die Idee, die zwei Materialien in einer noch reduzierteren Verputzrezeptur zusammenzubringen, nicht ganz neu oder gar abwegig.

Holz (organisch) und Kalkstein (mineralisch) gehören aber zu zwei entgegengesetzten Materialwelten…
...Ja, das ist richtig. Jedoch gehen diese beiden «Welten» aus Stein und Holz beim Verarbeitungsprozess zu Werkstoffen «durch das Feuer» und werden dadurch in einer gewissen Weise verwandelt... Auch in farblicher Hinsicht hat mich das Spiel der Kontraste zwischen dem warm-weissen Sumpfkalk und der schwarzen, blaustichigen Kohle fasziniert. Wie dunkel kann überhaupt die resultierende Oberfläche werden? Diese zwei Materialien ohne weitere Zuschläge in eine gestalterisch und bautechnisch interessante Mischung zu überführen, war mein primärer Ansporn. Zur Entstehung des Prototyps hat ausserdem der in COVISS 4/2014 erschienene Artikel «Pflanzenkohle mit hervorragenden Dämmeigenschaften» über den Einsatz von Kohle für Putze im Innenbereich massgeblich beigetragen.

Wie sind Sie bei der Suche nach der geeigneten Materialzusammensetzung vorgegangen? Handelte es sich um einen linearen Prozess, oder waren Sie vom Vorgehen selber beziehungsweise vom Resultat überrascht?
Wie erwähnt, hatte ich bereits praktische Erfahrungen mit dem Material im restauratorischen wie auch künstlerischen Bereich gesammelt. Grobe Mengenverhältnisse und mögliche Siebkurven des Kohlen-Zuschlags konnte ich deshalb aus verwandten Rezepturen (zum Beispiel Schwarzputze) ableiten. Auf dem Weg der Findung einer praktikablen Mischung überraschten mich dann aber doch Geschwindigkeit und Resultat. Was in meinen ersten Überlegungen eher als leicht verdichteten Putz, der partiell zurückgekratzt werden konnte, angedacht war, verwandelte sich durch die unerwartet grosse Plastizität der erhaltenen Mischung schnell zu einer anthrazit-schwarzen, stark verdichteten Glätte.

Welche besonderen Qualitäten weist eine solche Glätte auf?
Die Holzkohle in verschiedenen Körnungen vom Gries bis zum Pulver erfüllt in dieser Mischung eine dreifache Funktion: Sie ist farbgebend, dient als Zuschlag und bietet sich durch ihre poröse Mikrostruktur als grosszügiger Wasserspeicher bereits in der nassen Mischung an. Letzteres ermöglicht eine lange Verarbeitungszeit des Putzes und einen optimalen Abbindeprozess des Kalks. Das Erstaunliche daran: Trotz Körnungen bis zu 2 mm lässt sich die applizierte Schicht kontinuierlich so weit verdichten, bis sich eine sehr glatte,
leicht glänzende Oberfläche ausbildet hat.

Wie ist das möglich?
Diese Besonderheit liegt vermutlich an der Brüchigkeit der Kohle − und ihrer Tendenz, unter Druck und im nassen Zustand eine Art plastischer Brei zu werden. Zusammen mit der Kalkmatrix bildet sich eine cremige Masse, die durch die Verarbeitung mit der venezianischen Kelle eine sehr dichte Oberfläche ergibt.

Sehen Sie schon Möglichkeiten der konkreten Anwendung am Bau?
Das hier ist nur ein interessanter und vielversprechender Anfang. Die besonderen Charakteristika der Mischung lassen vermuten, dass Anwendungen im trockenen Innenbereich für einen geglätteten Putz mit schieferatiger Anmutung genauso reizvoll wie auch denkbar sind.

Erkennen Sie eventuelle Schwierigkeiten im Umgang mit diesem Baustoff?
Die Holzkohle soll in einem sauberen und gewaschenen Zustand sein, damit keine löslichen Salze und andere unerwünschte Begleit- oder Feinstoffe in die Putzmischung beziehungsweise an die Wand gelangen. Die Oberfläche der Glätte ist trotz Verdichtung relativ weich und damit verletzlich. Die charakteristische Lebhaftigkeit der Oberfläche sehe ich als Qualitäts- und Gestaltungsmerkmal des Materials, bedeutet aber eine gewisse Unberechenbarkeit des Resultats.

Wie geht es weiter mit der «Köhler-Glätte»?
Ich betrachte diesen Prototyp als gelungener Entwurf mit offenem Potential. Weitere Proben und Bemusterungen in grösserem Format sind auf jeden Fall notwendig, bevor man sich an ein konkretes Objekt wagt. Dieser Bericht soll in erster Linie als Inspirationsquelle für interessierte Fachleute dienen. 
 
Ausgabe "2015/3 - Juni/Juli" bestellen
 
Text Gregor Eigensatz, COVISS; Matteo Laffranchi, Materialwerkstatt Haus der Farbe
Bild Matteo Laffranchi
 
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