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Schaumglasbeton – mineralisch und monolithisch
Wohngebäude wie aus natürlich gewachsenem Fels
 
An bester Lage, mit grossartiger Aussicht über das Rheintal, die Burg Gutenberg sowie über ein idyllisches Landschaftsschutzgebiet am Fusse der Mittagspitze, steht ein Gebäude, das in seiner räumlichen Konzeption besonders ist. Der mineralische Ausdruck des monolithischen Schaumglasbetons erinnert an Strukturen und Farben eines Felsens. Das zurückhaltend sichtbare Erleben der Statik ruft ein Gefühl der Geborgenheit hervor.

Wie ein Adlerhorst thront das Einfamilienhaus in Balzers auf der unverbauten Wiese des weiten Privatgrundstücks. Thront es wirklich, oder steht es einfach hier? In einer selten gesehenen, zurückhaltenden Selbstverständlichkeit? Und dennoch mit einer nicht zu übersehenden Präsenz? Als ob es schon immer an dieser Stelle gestanden hätte, erschlossen durch ein schmales Natursträsschen. Keine Strassenbeleuchtung, kein Asphalt, keine Rabättchen, künstlichen Aufschüttungen, Ziermäuerchen, keine exotische Gartenbepflanzung …

Und da sind aber auch die Grenzen. Zum Beispiel zur Nachbarsliegenschaft mit Türmchen, Erker, Pool und Palmen nördlich des umfassenden Wiesengrundstücks. Oder zum Quartier aus Häuschen, Landhäusern und villenartigen Bauten in allen möglichen und unmöglichen Stilrichtungen weiter unten in südwestlicher Richtung. Hier wie dort tritt ans Licht, dass die Landbevölkerung von einst es zu etwas gebracht hat – und dass sie dies auf ihre Weise zeigt – so, als ob nichts an ihre Herkunft erinnern dürfte.

Und die andere Grenze − hin zur geschützten Heidelandschaft oberhalb des Grundstücks. Zu den knorrigen Buchenbäumen. Zu den uralten Trockensteinmäuerchen. Zur «heilen» und heilsam «belassenen», fast wilden Naturszenerie.

Das Gebäude ordnet sich der Umgebung unter
Sven Brunhart, Bauherr und verantwortlich für Konzeption und Gebäudedesign, erinnert sich: «Als erstes versuchte ich auf der grünen Wiese den Ort mit all seinen Vorzügen und Nachteilen zu erfassen. Ich überlegte mir, was ich sehen will, wenn ich zum Fenster hinausschaue, und was nicht.» Also zeichnete Brunhart als erstes die Fenster, ohne eine Ahnung von der Gestalt und Nutzung der Räume zu haben. Damit die Aussicht vom Obergeschoss auf Dorf und Schloss Gutenberg auch bei zukünftiger Bautätigkeit in der Nachbarschaft erhalten bleibt, musste er die maximal erlaubte Gebäudehöhe ausschöpfen, was sogleich und in Anbetracht einer vernünftigen Kubatur Einfluss auf die Grundfläche hatte. Um die wilde Heidelandschaft oberhalb des Grundstücks zu inszenieren, musste das Fenster im zweiten Erdgeschoss überhöht sein. So sähe man auch von innen den Himmel, und der nahe Berg würde nicht erdrückend wirken, lautete der Plan. «Natürlich waren hier auch die mächtigen uralten Buchen ausschlaggebend für die genaue Positionierung des Grundrisses. Für das erste Erdgeschoss, wo die Nachbargebäude und die Strasse die Atmosphäre dominieren, hatte ich entschieden, einen intimen Aussenraum durch Bepflanzung zu schaffen. Überhaupt versuchte ich, eher unliebsame Besonderheiten der Umgebung durch die starken Eckelemente sowie durch strategisch platzierte Bepflanzung als integrierender Bestandteil des Gesamtkonzepts optisch auszublenden», erklärt Brunhart. In einem frühen Entwurf resultierte aus all diesen Überlegungen ein nur leicht überhöhter, fast würfelförmiger Baukörper, der schwer lastend dazustehen schien. Wenige Zentimeter entschieden darüber, ob die Proportionen kippten und das Gebäude als Turm oder als Klotz wahrgenommen würde. Kleinarbeit in Bezug auf Grundfläche, Gebäudehöhe und Fensterproportionen im Zusammenspiel mit vorteilhaft nutzbaren Innenräumen führten schliesslich zur heutigen Form.

Das Gebäude ordnet sich weitgehend der Umgebung unter. In materialtechnischer Hinsicht steht es vor allem mit der urtümlichen Landschaft, auf die hin es sich öffnet, im Dialog. So war es Brunhart von Anfang an wichtig, mit «ehrlichen Materialien» zu bauen.

Auf der Suche nach dem geeigneten Material
Sven Brunhart hat es sich nicht leicht gemacht, für die Grundsubstanz seines geplanten Hauses das «richtige» Material zu suchen und zu finden. Frühzeitig erkundigte er sich über Werkstoffe wie «Porenbeton» (haben diese Bauelemente, bei denen es sich ja in keiner Weise um Beton im Sinne der Begriffsdefinition handelt, an sich schon eine ansprechende Ausstrahlung?), über Verputz (was liegt darunter verborgen?), über aufgeklebte Bruchsteinfassade (der Schein trügt, das Mauerwerk besteht ja nicht wirklich aus Bruchstein!)… Auf diesem Weg der intensiven Auseinandersetzung hat sich die Planung verzögert. «Als ich Kenntnis vom Schaumglasbeton hatte, war das wie eine Erlösung, und eventuelle Schwierigkeiten, die mit diesem damals im Jahr 2007 noch nicht so bewährten Material einhergehen könnten, hatten mich zum Glück nicht beeindruckt.»

Die Grundsubstanz der Gebäudefassade besteht aus monolithischem Schaumglasbeton ohne Armierung oder zusätzliche Isolation sowie aus massivem Holz. Die Druckkräfte werden über den Beton und alle Zugkräfte über darin eingegossene Holzbalken (nicht nur als Auflage für die Böden, sondern auch als Fensterstürze) abgeleitet. «Das Holz in den Beton einzugiessen, war eine Pioniertat und funktioniert mit Schaumglasbeton wahrscheinlich besser als mit normalem Beton, weil die Härtegrade ähnlicher sind», erklärt Brunhart weiter. Das Schaumglas wurde sandgestrahlt, wodurch der mineralische Baustoff eine tuffsteinartige Oberfläche erhielt. Diese erinnert mit ihren feinen Farbnuancen, Linien, Erhebungen und Vertiefungen wie auch ihrer Massigkeit an Struktur, Farbe und Ausdruck eines Felsens. So ist der Charakter des Gebäudes insgesamt von der Beschaffenheit der verwendeten Materialien geprägt. Nicht zuletzt im Hinblick auf geringe Unterhaltskosten legte Brunhart Wert auf die Authentizität der Bausubstanz, die eine gepflegte Alterung des Objekts erwarten liess. Im Einklang mit dieser Philosophie steht auch die Erschaffung einer historisch anmutenden Atmosphäre, deren künstlerische Qualität jedoch ohne Imitation und ohne Eklektizismus im Hausinnern auskommt.

Raumkontinuum vom Keller bis ins Dachgeschoss
Sämtliche Installationen sind konsequent entkoppelt und verlaufen in jederzeit zugänglichen Kanälen. Die Nutzung des einzelnen Raums ist gemäss veränderlichen Bedürfnissen spontan adaptierbar. Die Konstruktion beschreibt ein strenges Raster, das den Innenraum in seinen Proportionen geschickt aufgliedert, so dass er den vielfältigsten Anforderungen variabel gerecht werden kann. Die Funktion des einzelnen Raums ist somit einer konsequenten Struktur untergeordnet, die eine wiederholte Gliederung zwischen «bedienendem» und «bedientem» Raum anbietet. Anstatt mit einer unabänderlichen Funktion, ist der einzelne Raum mit den Vorzügen seiner Umgebung verknüpft. Auch wenn sich die Grundrisse auf jedem Stockwerk wiederholen, ändern sich ihre Ausrichtungen im Sinne einer vorteilhaften Inszenierung der Umgebung und thematisieren ihren Charakter.

Das besondere an diesem Bau ist aber das Raumkontinuum vom Keller bis ins Dachgeschoss. Man erlebt dadurch die grösstmögliche Ausdehnung des Innenraums schon im Moment des Betretens, ohne dass bereits Einblicke in die einzelnen Bereiche und deren Nutzung gewährt würden.

Ein besonders interessanter Aspekt in der Planung war das Streben nach einer konsequenten Hierarchie unter den verschiedenen strukturellen Elementen. Keine planerische Problemstellung betreffend eines untergeordneten Elements sollte eine übergeordnete Struktur verderben. Solche Problemstellungen waren Anlass, aus der Not eine Tugend zu machen, indem die allfällig notwendige Änderung an der übergeordneten Grundsubstanz dahingehend verallgemeinert wurde, dass sie wiederum als Regel und Thema erkennbar wird. So fügt sich am Ende wie durch Magie das «Kleine» in das «Grosse».

Zusammenfassung
Wie zufällig in die Landschaft hineingewachsen, steht am Ramschwagweg in Balzers ein modernes Gebäude − so, als wäre es schon immer an dieser Stelle gebaut gewesen. Ausrichtung, Form und Materialisierung nehmen direkt Bezug zur Umgebung, ergänzen diese, möchte man fast meinen. Die Liegenschaft erscheint über ihre Grenzen hinaus als stimmiges Ganzes, wie man es selten zu Gesicht bekommt. Das Natursteinsträsschen als Zufahrt ist nur ein Detail im abgerundeten Gesamtbild und aber – auch es − gewiss kein Zufall. Auf seine Weise unterstützt es die mineralische Ästhetik des aus sandgestrahltem Schaumglasbeton geformten Gebäudes.



Bauinfo

Objekt: Wohnhaus, Ramschwagweg 21 9496 Balzers (FL)

Bauherrschaft: Sven Brunhart, 9496 Balzers (FL), Telefon 00423 230 23 01

Konzeption, Design, Planung Interieur: Sven Brunhart, IND Co Establishment 9496 Balzers (FL), Telefon 00423 230 23 01, sven@brunhart.net, www.brunhart.net

Bauingenieur: Ingenieurbüro Hoch und Gassner AG, 9495 Triesen (FL)

Schaumglasbeton: Misapor Beton AG, 7302 Landquart, Telefon 081 300 08 08, info@misapor-beton.ch, www.misapor-beton.ch 
 
Ausgabe "2015/3 - Juni/Juli" bestellen
 
Text Gregor Eigensatz
Bild Sven Brunhart
 
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