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Baubiologische Architektur
Lehm und Holz – Traumduo für das Raumklima
 
Wer nach baubiologischen und bauökologischen Erkenntnissen baut, setzt auf diffusionsoffene Baukonstruktionen und naturnahe Baumaterialien. Diese wirken sich mit ihren bautechnischen, bauphysikalischen und ökologischen Eigenschaften sowie sanften, harmonischen Formen, Farben und Strukturen positiv auf Mensch und Umwelt aus. Plädoyer eines baubiologisch orientierten Architekten, dem ganzheitliches Bauen mit Feingespür für das Genügsame und Wesentliche am Herzen liegt.

Beim konventionellen Bauen werden heute unzählige synthetisch-chemisch hergestellte Baustoffe verwendet. Bei Herstellung, Transport, Verarbeitung, Unterhalt und Entsorgung wird viel (graue) Energie verbraucht, die meist nicht erneuerbar ist. Giftige Ausdünstungen und gefährliche Mikrofasern belasten die Raumluft und somit die Gesundheit. Solche Baustoffe lassen sich, wenn überhaupt, nur aufwendig entsorgen (Altlasten) – ganz weg sind sie nie. Allein in der Schweiz fallen jährlich rund 10 Millionen Tonnen Bauabfälle an. Bei der Anwendung vieler dieser Baumaterialien entstehen dichte Konstruktionen und Raumabschlüsse; die eigenen vier Wände können nicht «atmen», ein natürlicher Luftwechsel wird verhindert. Für den Betrieb konventioneller Gebäude, das heisst für Heizung, elektrische Versorgung, Lüftungs- und Klimaanlagen, Warmwasseraufbereitung usw. wird energieintensive Technik eingesetzt. Sie gefährdet unsere Gesundheit durch Staubumwälzung, elektrische und elektromagnetische Wechselfelder, bakterielle Luftverschmutzung, Vibrationen, Geräuschbelästigungen... Bei der Wahl des Standorts von Gebäuden werden die Topographie des Geländes, geologische Störzonen und die Sonnenlaufbahn viel zu wenig berücksichtigt, was physisch-psychische Störungen und ungenügende Sonnenenergienutzung zur Folge hat. Siedlungsdichte Ballungszentren verkommen zu anonymer Fliessbandarchitektur und führen zu lebensfeindlicher und technokratischer Vermassung.

Im Einklang mit Mensch und Natur
Biologische Bauten strahlen eine sinnlich-wahrnehmbare Harmonie von Material, Form und Farbe aus. Die natürliche Raumatmosphäre vermittelt Wohlbehagen und Geborgenheit. Baubiologische, bauökologische Architektur steht im Einklang mit Mensch und Natur und verbindet traditionelles Handwerk mit neuen, zukunftsgerichteten Technologien. Dabei werden natürliche Baumaterialien eingesetzt, Umweltbelastungen vermieden und die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der Sonnenenergie konsequent mit eingeplant. Baubiologisches und bauökologisches Bauen ist u. a. einfaches, wärmetechnisch optimiertes und deshalb auch kostengünstiges Bauen. Biologisches Bauen bedeutet Lebensqualität, Investition in die Gesundheit und in die Zukunft der Kinder.

Holz ist ein ökologischer Baustoff
Holz wächst sozusagen vor unserer Haustüre. Die Verarbeitung − vom Fällen des Baumes bis zum fertigen Balken oder Brett − benötigt sehr wenig graue Energie und sichert einheimische Arbeitsplätze (Wertschöpfung). Mit Holz lassen sich ganze Gebäude bereits in der Zimmerei vorfabrizieren. In ein bis zwei Tagen wird ein Einfamilienhaus komplett aufgerichtet. Es wird nie nass, was sich äusserst positiv auf den Baufortschritt auswirkt. Bei Holzhäusern fehlt in der Regel das Gewicht, das heisst, es ist zu leicht, um genügend Wärme zu speichern und das Raumklima ausgewogen zu halten. «Deshalb haben wir den traditionellen Holzriegelbau modifiziert. Ausfachungen zwischen den Riegeln erlauben das Einsetzen von Lehmwänden», berichtet Paul Nijman von archinatura, Büro für Architektur + Baubiologie, und ergänzt: «Auch im Aussenbereich arbeiten wir mit Holz, das selbstverständlich nur konstruktiv geschützt wird. Die Fassaden verkleiden wir mit witterungsbeständigem, sägerohem, unbehandeltem Lärchenholz. Da ein lebender Baum aufrecht steht, liegt es nahe, dass auch die Verkleidung vertikal angeordnet wird. Der Regen läuft so viel besser ab. Durch die Vergrauung schützt sich das Holz selber, und die Verkleidung überdauert Jahrzehnte ohne jeglichen Unterhalt, was bei gestrichenen Holzschalungen nicht der Fall ist.»

60 Prozent der Menschen wohnen in Lehmhäusern
Rund um die Welt und in fast jeder Baugrube ist Lehm in grossen Mengen vorhanden. Lehm ist dank seiner Struktur sehr atmungsaktiv, das heisst Lehm kann grosse Mengen Luftfeuchtigkeit und Luftschadstoffe aufnehmen, puffern und nach aussen ausdiffundieren. So schafft Lehm ein sehr behagliches Raumklima und wirkt erdend. Lehm ist auch sehr gut zu verarbeiten, lässt sich jederzeit wieder aufweichen und neu gestalten. Für Paul Nijman ist Lehm ein genialer Baustoff. «In unseren Holzriegelbauten kommt Lehm als Ausfachungsmauerwerk voll zur Geltung. Wir verwenden in der Regel einen Leichtlehmstein, der mittels Dreikantleisten an den Riegeln ‹gehalten› wird. Verschiedene Lehmmörtelmischungen stehen zur Verfügung, oder man kann den Mörtel und den Grundputz selber und günstig herstellen. Mit einem Lehmdeckputz oder einem Lehmstreichputz in diversen Farbtönen lassen sich unglaublich wohltuende Oberflächen gestalten. Lehm ist auch in der modernen Architektur das Material der Zukunft.»

Natürliche Baumaterialien und Trockenbau
Neben Holz und Lehm in den Konstruktionen, verwendet archinatura auch im Innenausbau ausschliesslich natürliche Baumaterialien. Dabei ist Paul Nijman und seinem Team der Trockenbau sehr wichtig, «weil damit ein hohes Bauschadenfreiheitspotenzial» zu erreichen sei. Natürliche Materialien würden Luftfeuchtigkeit und Temperatur ausgleichen, ohne dabei selber irgendwelche Schadstoffe an die Raumluft abzugeben. Man arbeite mit unbehandeltem Holz an Decken und Wänden, mit geölten Tannenriemen oder Kork für die Böden. Ton- oder Natursteinplatten sowie Linoleum würden ebenfalls eine natürliche Bodenoberfläche ergeben. Für die Wärmedämmung verwende man vorwiegend Zellulosefasern. Bei Wänden würden Lehm-, Holz- oder Gipsfaserplatten zur Anwendung kommen, die mit Lehm- oder Kalkputzen gestaltet werden könnten. Nicht zu unterschätzen seien auch die Materialien, die für Einbauten, Küchen, Schränke, Türen und Fenster verwendet würden. Denn auch diese Bauteile sollten «atmen» können, weshalb sie nur mit Naturharzlasuren lasiert würden.

Grundofen mit Hypokaustenwänden
Der Grundofen ist eine Strahlungs-Vollheizung für ein ganzes Einfamilienhaus. Platziert wird er im Zentrum des Wohngeschosses, von wo er dieses direkt beheizen kann. Ähnlich wie die Sonnenstrahlen, durchdringt Wärmestrahlung die Raumluft, ohne diese wesentlich aufzuheizen. Erst beim Aufprallen auf feste Gegenstände des Raumes wandelt sich die Strahlung in Wärme um. Die erwärmten Wände geben ihrerseits Wärme ab. Die Raumluft dagegen bleibt kühl. Die Strahlungswärme erfüllt daher auch die Forderung, wonach für ein gesundes Wohnklima die Temperatur der Umgebungsflächen die Raumtemperatur übersteigen soll. Das ist nur mit grossflächigen Strahlungsheizungen möglich.

Paul Nijman beschreibt Heizen mittels Hypokaustenwänden wie folgt: «Diese sind aus hohlen Tonelementen gefertigt und werden gemäss Versetzplan und Wärmeleistungsbedarf aufgemauert. Zwischen Ofen und Hypokaustenwänden sind Luftrohre so montiert, dass die warme Luft, die im Wärmetauscher des Ofens erzeugt wird, im Schwerkraftprinzip völlig selbstständig aufsteigen kann. Die Hypokaustenwände beheizen nun den Raum mit Strahlungswärme, und die Luft in den Hypokaustenwänden kühlt sich ab, wird schwerer und fliesst so wieder in den Wärmetauscher des Ofens zurück, um sich erneut aufzuwärmen. Die je nach Vorliebe sichtbaren oder verputzten Hypokaustenwände können einzeln reguliert werden. Es lassen sich damit ebene Wandflächen aufheizen, welche die Wärme als Strahlungswärme von der Seite her abstrahlen. Anders als bei Bodenheizungen führt diese Art des Heizens weder zu müden Beinen noch zu Krampfadern, auch wirkt sie nicht wie versteckte Wasseradern auf den Menschen. Kein Staub wird aufgewirbelt. Raumluft wie auch Nasenschleimheute werden nicht ausgetrocknet. Der Grundofen wird so ausgelegt, dass er nur ein- bis zweimal pro Tag befeuert werden muss. Dies geschieht mit Fichtenholz-Spalten à 50 cm. Der Jahresbedarf beträgt durchschnittlich sechs Ster. Damit der Ofen ein Maximum an Wärmestrahlung (Infrarot) abgeben kann, müssen die richtigen Materialien verwendet werden: Wärmetauscher und Feuerraum aus Gusseisen, Rauchzüge aus Schamotte, Ofenmantel aus Strahlungs- und Speicherplatten und der Verputz aus mineralischem Weisskalkmörtel. Die vielbesagten Speckstein- und Lehmöfen vermögen die Strahlungswärme nur beschränkt an den Raum abzugeben, weshalb sie ja die Wärme so lange bei sich halten. Dadurch entsteht eher Konvektionswärme als Strahlungswärme. Der Grundofen mit Hypokaustenwänden ist das einzige Vollheizungssystem, das komplett ohne Strom auskommt, da es weder Umwälzpumpen, Ventile oder Regelungen benötigt. Die Integration der Warmwasseraufbereitung macht deshalb keinen Sinn. Sie sollte zum Beispiel als eigenständiges Solarsystem installiert werden.»

Regenwassernutzung
Gibt es einen vernünftigen Grund, das WC mit wertvollem Trinkwasser zu spülen? Eher nicht. «Regenwasser kann im Kellertank gesammelt und mit einer einfachen Pumpe zu den WCs, der Waschmaschine oder dem Gartenhahn geleitet werden. Fixfertige Systeme sind erhältlich, die eine Installation ganz einfach machen. Sollte der Tank mal leer sein, kann manuell oder vollautomatisch auf Trinkwasser umgestellt werden. Immerhin lassen sich mit Regenwasser bis 60 Prozent Trinkwasser einsparen», weiss Nijman aus eigener Erfahrung.

Bauen im Mondrhythmus
«Der Einfluss des Mondes ist an den Gezeiten der Meere lesbar. Der Mond hat aber auch Einfluss auf das ‹wasserabhängige› Baugeschehen. Schon unsere Altvorderen wussten um den zunehmenden und abnehmenden, um den aufsteigenden (obsigänt) und absteigenden (nidsigänt) Mond. Aufgrund dieses uralten Wissens kann in einem modernen Mondphasenkalender der günstige Termin für das Schlagen des Holzes im Wald, das Einbauen von Holz im Bau oder die gewünschten Eigenschaften des Holzes ermittelt werden. Auch der richtige Zeitpunkt für den Aushub, das Betonieren von Fundamenten, Wänden und allfälligen Decken, das Erstellen und Verputzen von Mauerwerken etc. ist entscheidend für das spätere Feuchtigkeitsverhalten der Bauteile. Wird zum Beispiel der Aushub im abnehmenden Mond erstellt, wird verhindert, dass Grundwasser in die Baugrube dringt. Betonieren im abnehmenden Mond lässt die Restfeuchtigkeit des Betons schneller und restlos verschwinden. Bei einem Dachstuhl, der im abnehmenden Mond aufgerichtet wird, zerreissen oder verdrehen die Balken kaum. Möglichen Schäden und Folgeschäden kann so wirksam begegnet werden. Wir realisieren unsere Bauvorhaben immer mit Hilfe der günstigen Mondphasen, ohne dass wir ein grosses Aufheben darum machen. Die Handwerker wissen in den meisten Fällen nichts von diesem Umstand, weil der Bauablauf praktisch ohne besondere Umstellungen möglich ist.»

Harmonie in Form und Farbe
Aus Sicht Paul Nijmans und seines Teams fügen sich natürliche Baumaterialien fast immer problemlos zu einem harmonischen Gesamtbild zusammen, da ihre weichen Farben und Formen sich wie in der freien Natur gut ergänzen. «Die verschiedenen Holzarten, ob neue oder alte Bauteile, passen immer zusammen. Da braucht es kein ausgeklügeltes, künstliches Farb- und Materialkonzept. Da braucht es Gespür. Zu einem Biohaus gehört auch eine naturnahe, der Topografie angepasste Umgebungsgestaltung. Sickerfähige Beläge (Natursteine, Kies), einheimische Pflanzen, Blumenwiesen, Wildhecken, Steinhaufen, Trockensteinmauern, Feuchtbiotope, Ruderalflächen, Asthaufen, Kompostmieten, Hochstammbäume… In einer solchen Umgebung fühlen sich nicht nur Menschen wohl, sondern auch die Tier- und Pflanzengemeinschaft, die uns mit einer hohen Biodiversität belohnt.»


Bauinfo

Objekt: EFH mit Einliegerwohnung, Carol + Stefan Kaufmann-Wong, Rebenweg 57, 8917 Oberlunkhofen

Konzept und Grundgedanken bei der Projektrealisierung: archinatura, Büro für Architektur + Baubiologie, Paul Nijman, 6207 Nottwil, www.archinatura.ch

Besonderes: Verleihung Holzenergiepreis 2012 von Holzenergie Freiamt 
 
Ausgabe "2015/2 - April/Mai" bestellen
 
Text Paul Nijman
Bild Paul Nijman
 
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