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Vielseitiges Gestaltungspotenzial
Oberflächenbehandlungen von Holz im Aussenbereich
 
Der Einsatz von Holz als Baustoff hat eine lange Tradition und geniesst in der zeitgenössischen Architektur wieder grössere Beliebtheit. Holz ist, wenn konstruktiv und bauphysikalisch fachgerecht eingesetzt, ein widerstandsfähiges und nachhaltiges Baumaterial, das auch in Bezug auf die Gestaltung der Oberfläche grossen Spielraum bietet.

Auf den folgenden Seiten werden verschiedene Oberflächenbehandlungen und Anstrichmittel auf nicht oder begrenzt masshaltigem Naturholz im Aussenbereich vorgestellt, wobei das Zusammenspiel von technisch-handwerklichen Faktoren und ästhetischen Eigenschaften im Zentrum der Ausführungen steht.

1. Unbehandelte Oberfläche
Das Holz unbehandelt zu belassen, ist der ursprünglichste Einsatz dieses Baustoffs. Unter fachgerechten Bedingungen altert unbehandeltes Holz natürlich und langsam, ohne dass die statischen und bauphysikalischen Eigenschaften des Bauteils geschmälert werden. Das Ergebnis ist eine sich von Jahr zu Jahr verändernde Oberfläche, die sich durch eine lebendige, aber nicht immer homogene Patina auszeichnet. Die Farbigkeit reicht vom gelblichen Ton des jungen Holzes bis zum schimmernden Silber oder tiefen Schwarz der verwitterten Oberfläche. Kann man diesen unkontrollierbaren Alterungsprozess auch ästhetisch schätzen, ist dies wohl der pragmatischste Einsatz von Holz, der auch wenig Pflege benötigt und das Holz als Werkstoff in authentischer Art und Weise zum Ausdruck bringt.

2. Vorverwitterung
Der natürliche Prozess der Verwitterung kann durch die chemische und physikalische Behandlung des Holzes im Werk beschleunigt werden. Mit dieser Methode wird eine kontrollierte Alterung der Oberfläche bewerkstelligt, die zu einer homogenen Erscheinung in einer vordefinierten Vergrauungsstufe führt.

3. Transparente und halbtransparente Anstriche
Mit durchsichtigen bis halbdeckenden Anstrichen kann man unterschiedliche technische und gestalterische Zielsetzungen verfolgen.

Die Industrie hat vielerlei Lasuren und Lackierungen sowie UV-Blocker, Hydrophobierungen und Biobefall-Schutzfilme entwickelt, welche die Zersetzung und Verfärbung der Holzoberfläche soweit als möglich verlangsamen sollen. Das Holz wird dadurch in seinem frischen Aussehen sozusagen konserviert. Zudem kann mit einer leichten Pigmentierung des Anstrichs die natürliche Farbigkeit des Holzes gesteigert werden.

Dünnschichtlasuren, am besten geeignet sind Öllasuren, bilden keinen oder einen kaum geschlossenen Film, bleiben elastisch und altern dadurch in Würde. Dickschichtige, zähe Lackierungen, in der Regel handelt es sich um Acryllacke oder Kunstharzkombinationen, tendieren hingegen vor allem auf nicht masshaltigem Holz spröd zu werden − und deswegen längerfristig zur Rissbildung. Sie splittern oder schälen sich mit der Zeit unregelmässig ab und lassen sich deshalb nur mit grösserem Aufwand pflegen und erneuern.

Grundsätzlich ist anzumerken, dass eine Oberflächenbehandlung alleine keinen ausreichenden Schutz der Bausubstanz gewährleisten kann. Eine fachgerechte, der Baukunst folgende Planung, die einen konstruktiven Holzschutz gewährleistet, ist unabdingbar, um das Holz nachhaltig vor Witterungseinflüssen, insbesondere stehendem Wasser, zu schützen. Ausserdem hängen die technischen Möglichkeiten und gestalterischen Eigenschaften von Beschichtungen stark von der Holzqualität und -verarbeitung ab.

Sehr en vogue sind Verwitterungslasuren, die den Alterungsprozess der Holzoberfläche vortäuschen. So wird durch pigmentierte Lasuren, die in verschiedenen Bindemitteln erhältlich sind, die Vergrauung des Holzes optisch nachgeahmt. Die Anmutung von Tradition und Patina wird hier künstlich appliziert. Um den silbernen Schimmer von gealtertem Holz zu imitieren, kommen oft auch Metall- und Effektpigmente zum Einsatz. Diese vor Ort applizierbaren Anstriche verfolgen wie die Vorverwitterung im Werk das Ziel einer homogenen Farberscheinung. Sie eignen sich aber auch für Reparaturen und Ergänzungen bei alter Bausubstanz, um farbliche Brüche zu vermeiden.

Neben dem Nachahmen der Verwitterung ist es ein altes Bedürfnis, durch Anstriche die farbliche Erscheinung eines Materials zu intensivieren oder gar zu überhöhen. Dafür eignen sich bunte Lasuren, da durch die Transparenz der Anstriche die Charakteristiken der Materialoberfläche erkennbar bleiben. Pigmentierte Lasuren haben zudem den Vorteil, die Unregelmässigkeiten des Holzes (Astlöcher, Maserung) zu beruhigen. Sie werden sehr verdünnt aufgetragen, wodurch sie tief eindringen und damit stufenweise und wiederholt applizierbar sind. Diese «offenen» Lasuranstriche ermöglichen ein würdevolles Altern der Oberfläche und lassen für spätere Beschichtungen viele Optionen offen.

4. Deckende Anstriche
Deckende Anstriche behandeln das Holz in erster Linie als Träger. Die Farbigkeit des Anstrichs tritt hier in den Vordergrund. Bei den deckenden Anstrichen kann der Glanzgrad von matt bis glänzend variiert werden.

Glänzende Anstriche wurden traditionellerweise mit Ölfarbe realisiert. Diese Technik erlaubt eine einfache Renovation durch Überstreichen. Aus ökologischen Überlegungen sind in den späten 90er Jahren wasserverdünnbare Ölfarben auf den Markt gekommen. Diese Ölfarben neigen im Vergleich zu traditionellen Ölfarben einerseits weniger zu Läufen und kaum zur Runzelbildung und sind streichfertig eingestellt erhältlich. Andererseits sind sie wegen ihrer kürzeren Verarbeitungszeit und anderen Konsistenz im Vergleich zu den herkömmlichen Ölfarben weniger vielfältig in den Verarbeitungs- und Gestaltungsmöglichkeiten.

Seit den 60er Jahren sind verschiedenste Kunstharzfarben, zu denen auch Alkydharzfarben und später Acrylharzfarben zählen, auf den Markt gekommen. Kunstharzfarben bilden, dickschichtig appliziert, einen dichten Film, der die Oberfläche nahezu verschliesst und das Abgeben von Feuchtigkeit kaum zulässt, was in der Folge zur forcierten Verfaulung des Holzes führen kann. Als Kompromiss werden oft langölige Alkydharze verwendet. Es handelt sich hierbei um Kunstharze mit erhöhter Elastizität, hohem Eindringvermögen und guter Streichbarkeit. Sie altern ähnlich wie Ölfarben, werden jedoch gerne spröd und verseifen weniger, wodurch die Renovierbarkeit erschwert wird.

In letzter Zeit ist ein vermehrtes Interesse an matten Anstrichen zu beobachten. Dies führte einerseits zur Wiederentdeckung traditioneller Anstrichmittel wie Kalkkasein- und Stärke-Ölemulsionen, andererseits aber auch zur Entwicklung neuer Produkte wie der Dispersionssilikatfarbe für Holz. Diese Beschichtungen eignen sich auch für materialübergreifende Anstriche, wo organische und mineralische Untergründe aufeinandertreffen. Ausserdem verleihen sie der Holzoberfläche eine mineralische Erscheinung.

Wir sehen, dass der Werkstoff Holz vielfältig in Erscheinung treten kann. Um sich für die geeignete Oberflächenbehandlung zu entscheiden, sind technische Anforderungen sowie gestalterische Absichten sorgfältig abzuklären.


Mustersammlung für Oberflächengestaltung am Bau
Das Haus der Farbe – Fachschule für Gestaltung in Handwerk und Architektur − setzt sich in einem umfassenden Forschungsprojekt mit der Gestaltung von Oberflächen am Bau auseinander. In diesem Rahmen wurde am Haus der Farbe eine Mustersammlung eingerichtet, die Fachleuten und Schulen als Informations- und Inspirationsraum dient. Sie kann auf Anfrage in Gruppen oder individuell besichtigt werden.

Alle abgebildeten Anstrichmuster sind von Matteo Laffranchi in der Materialwerkstatt vom Haus der Farbe angefertigt worden. Als Träger wurde sägerohes Nadelholz gewählt, das traditionellerweise oft als Baumaterial eingesetzt und vielfältig beschichtet wird. Die bunten Anstriche wurden alle mit dem Pigment Englischrot realisiert.

Kalktechniken
Das nächste Werkstattgespräch bietet Gelegenheit, mehr über das Thema «Kalktechniken» und ihr gestalterisches Potenzial zu erfahren. Dienstag, 10. März 2015, 18.30 – 20.00 Uhr, Kosten: CHF 85.– / 30.– (Studierende), Teilnehmerzahl beschränkt, Anmeldung erbeten.

Informationen und Anmeldung
Haus der Farbe − Fachschule für Gestaltung in Handwerk und Architektur, Zürich
Tel. 044 493 40 93
info@hausderfarbe.ch
www.hausderfarbe.ch
 
 
Ausgabe "2015/1 - Februar" bestellen
 
Text Matteo Laffranchi, Lino Sibillano, Stefanie Wettstein
Bild Matteo Laffranchi
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