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Fassadenrenovation Waldstätterstrasse 27 in Luzern
Modernes Wohnen in gebauter historischer Substanz
 
Ein restauratorischer Farbuntersuch war Grundlage für die umfassende Fassadenrenovation am historischen Gebäude an der Waldstätterstrasse 27 in Luzern. Der Untersuch zeigte auf, wie oft das Haus in der Vergangenheit gestrichen wurde und wie die Farbigkeit der einzelnen Farbfassungen früher aussah. Die einzelnen verwendeten Farbmaterialien und deren Beschaffenheit wurden überprüft und dabei verschwundene oder überstrichene Dekorationsmotive ans Licht gebracht.

Ein restauratorischer Untersuchungsbericht gibt genaue Auskünfte über die Farbigkeit der einzelnen Farbfassungen und die verwendeten Materialien. Er dient als Entscheidungsgrundlage für das Neufassen der Objektfassade und liefert detaillierte Angaben zur Vorbehandlung der Untergründe und die bei der Neufassung zu verwendenden Farbmaterialien.

Das Objekt Waldstätterstrasse 27 machte vor der Renovation einen tristen Eindruck. Die Qualität und die Formensprache der Architektur waren kaum wahrnehmbar. Erst der Untersuch und die Dokumentation der ursprünglichen Farbfassung zeigte die eindrückliche Farbigkeit in Kombination mit der Architekturform auf.

Im Gespräch mit der Bauherrschaft und dem Architekten war bald klar, dass die Fassade in der ursprünglichen Farbigkeit gestrichen werden soll und die farbigen Dekorationselemente und vergoldeten Zierelemente wieder aufgemalt und vergoldet werden sollen.

Umbau und Renovation Haus Waldstätterstrasse 27 in Luzern
Das Haus wurde im Jahr 1907 von den Architekten Suter und Bucher gebaut. Es ist im Inventar für schützenwerte Bauten erwähnt und liegt in der Schutzzone B.

Das Wohnhaus wurde den heutigen Bedürfnissen entsprechend modernisiert und schallschutztechnisch auf den aktuellen Stand gebracht. Neue Bäder und Küchen, die teilweise als Kompletteinbauten realisiert wurden, verleihen den Wohnungen einen modernen Ausdruck, ohne die historische Substanz zu verdrängen. Im Erdgeschoss wurden anstelle der Wohnungen zwei neue Ladenlokale, eines davon als Restaurant, erstellt. Zwei grosse neue Öffnungen in der Fassade im Erdgeschoss ermöglichen Licht und Zugang von aussen. Im Estrichgeschoss wurde eine komplett neue Wohnung mit zugehöriger hofseitiger Dachterrasse realisiert.

Die Materialisierung erfolgte mit einfachen, aber qualitätsvollen Materialien, die Heizung wurde auf Gas umgestellt und ein neuer Lift in den bestehenden Schacht eingebaut.

Die stilvolle Fassade wurde fachgerecht durch Spezialisten restauriert. Die Dekorationsmalereien des 4. und 5. Obergeschosses wurden original in Stand gestellt und die Zierelemente der Balkongeländer wieder neu vergoldet.

Der Umbau und die Sanierung lässt ein etwas vernachlässigtes Gebäude des 19. Jahrhunderts wieder im originalem Licht erscheinen und verbindet exemplarisch die Ansprüche modernen Wohnens mit gebauter historischer Substanz.


Putzfläche strukturgleich mit Kalkmörtel ergänzt
In einem ersten Schritt wurden die Dekorationsmalereien dokumentiert, abgepaust und die einzelnen Farbtöne der Dekormotive abgemischt. Die Putz- und Kunststeinuntergründe wurden mit dem Hoch-druckgerät abgedampft und gereinigt. Man achtete darauf, dass der Putz beim Abwaschen der Fassade nicht beschädigt wurde. Eine besondere Herausforderung waren die Verputzarbeiten im Fassadenbereich. Der Putz zeigte an verschiedenen Stellen Schäden. Hier musste die Putzfläche strukturgleich mit einem Kalkmörtel ergänzt werden. Dem Putzmaterial durften keine Kunststoffzusätze beigegeben werden. Auch musste der Zementanteil im Putz stark reduziert werden. Eine Kalktünche oder ein mineralischer Farbanstrich erlauben keine Kunststoffzuschläge oder hohe Zementanteile im Putz. Im zweigeschossigen Sockelbereich war der Strukturputz auf einer grossen Fläche lose und drohte abzusprengen. Für die Sanierung der Putzpartie wurden zuerst eine Entfernung des Putzes und eine Neuverputzung in Erwägung gezogen. Es zeigte sich aber, dass der Putz durch das Hintergiessen der Hohlräume und das Zurückfixieren der Putzschicht mit einem geringeren Arbeitsaufwand stabilisiert werden konnte.

Reste von organischen Anstrichen vorhanden
Leider war es nicht möglich die Fassade mit einer klassischen Zweikomponenten-Mineralfarbe zu streichen; in den Vertiefungen des groben Fassadenputzes waren nach der Reinigung immer noch Reste von modernen, organischen Anstrichen vorhanden. Auch war der Fassadenputz durch reichlich eingelassene Tiefgrundmittel zu wenig saugfähig. Für den Fassadenanstrich musste daher eine Organosilikatfarbe verwendet werden. Es wurde darauf geachtet, dass der Farbauftrag mit der Bürste erfolgte. Die Fassaden- und die Fenstergewände wurden mit einem leicht gräulichen Weisston gestrichen, die Lisenen, die Gurten und die Fenstergesimse in einem grünlichen Grau gefasst. Das hohe Sockelgeschoss wurde ebenfalls mit einem kühleren Grauton gestrichen. Die beiden Grautöne auf den Lisenen und am Sockelputz setzten sich deutlich voneinander ab.

Von Hand aufgemalte Dekoration
Die dekorative Bemalung war mehrheitlich sehr stark reduziert. Das Programm der Dekoration konnte aber noch abgelesen werden. Einzig bei den halbrunden Säulen am polygonalen Erker an der Hausecke konnte ein kleiner Teil der Dekoration retuschiert werden. Mehrheitlich musste die Dekoration jedoch neu aufgemalt werden. Mittels vorbereiteten, perforierten Transparentpausen konnten die einzelnen Motive aufgepaust werden. Sie wurden von Hand aufgemalt und sind nicht schabloniert. Die Vergoldung der Zierteile wurde mit Echtgold vorgenommen. Auf den Untergrund wurde ein Ölmixtion aufgetragen und das Blattgold aufgelegt.

Die Dekorationsmalerei konzentriert sich vor allem auf den Bereich unterhalb der Dachuntersicht. Hier ist ein mächtiger Würfelfries aufgemalt. Der Zierrand der Wappen ist vergoldet. Leider war es nicht möglich, die Dekorationsmalereien auf den Wappenschildern festzuhalten. Die Flächen waren so stark reduziert, dass die Bemalung nicht mehr im Detail erkennbar war. Man entschied, die Schildflächen mit einem hellen, leicht gräulichen Blauton zu streichen. Mit aufgemalten, vom Bauherrn angegebenen Sinnsprüchen wurden die Wappenflächen belebt. Markant sind auch die dunkelroten Fassadenflächen im Bereich der obersten Balkone. Die übrige Fassade ist nur spärlich mit Dekorationen verziert. Am polygonalen Erker und am Segmentbogenerker sind einzig die halbrunden Säulen und ein schmales Band unter einem Fensterband verziert. Im Bereich der beiden Giebelflächen sind die Säulen der Fenster mit schwarzen und vergoldeten Blattmotiven verziert. Eindrücklich sind auch die verschieden gestalteten Balkongeländer, deren Zierteile vergoldet sind.

Einzigartige Farbfassung
Die Farbfassung am Haus Waldstätterstrasse 27 ist in ihrer Art einzigartig in Luzern. Mit dem Verzicht auf das dunkle Herausfassen der Fenstergewände wirkt die in einem kühlen Weiss gestrichene Fassade dominant. Die Gliederung der Fassadenfläche erfolgt alleine mit den unterschiedlichen Oberflächenstrukturen. Als Kontrapunkt zu der ruhigen, kühlen Fassade stehen die in einem grünlichen Grau gefassten Lisenen, Säulen und Untersichten. Diese nehmen eine strenge Aufteilung der Fassade in mehrere Flächen vor. Die beiden Ziergiebel über der Dachlinie sind zweigeschossig ausgebildet und abgerundet. Ein breiter Gurt trennt die beiden Stockwerke. Die Ecken sind mit Lisenen ausgebildet. Auf der Seite der Waldstätterstrasse befindet sich im Halbrund des Giebels eine grosse verzierte Kartusche mit der Jahreszahl 1907.

Die über zwei Geschosse ausgebildete Sockelpartie ist verputzt. Der Rillenputz (Kammzug) mit Fugen-ausbildung deutet eine Quadrierung an. Die Sockelfläche setzt sich mit dem kühlen Grauton deutlich von den Lisenen ab. Erwähnenswert ist auch die Balkonsituation. Die Anordnung und die verschiedenen Formen der Balkongeländer fallen sofort ins Auge. Die Kunststeinelemente als Karnisabschluss der beiden Giebel sind zum Schutz der Fassade mit Blech abgedeckt. Die Abdeckbleche sind im Grau der Lisenen gestrichen und in die gefassten Architekturlinien mit einbezogen. Man wollte damit verhindern, dass entlang der Dachlinien dunkle «Trauerränder» entstehen. 
 
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Text Martin Hüppi, Rudolf Vollenweider
Bild Rüssli Architekten, COVISS
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