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Maison sans Frontières – Ikone des Handwerks
Wenn ein Zollhaus sich öffnet
 
Von über 100 Jahren Geschichte zeugt das 1913 erbaute und hoch über Ocourt gelegene Zollhaus Montvoie in der Ajoie. Wer es heute nach einer Zeit des Umbaus betritt, dem erzählt es seine Geschichte – in einer Mischung unaufdringlich-unausweichlicher Intensität. Und wer sich mit offenem Geist und geschärften Sinnen darauf einlässt, erkennt sich selbst als ein gegenwärtiger und in die Zukunft gerichteter Teil ebendieser Geschichte und deren Fortsetzung.

Es sind all die sichtbaren Spuren – zum Beispiel in wieder zum Vorschein gekommenen alten Böden, in frisch geseiften Holzbalken, auf dem geölten Handlauf im Treppenhaus, auf der mit Silikatfarbe gestrichenen Fassade… Sie sprechen für sich, und sie ziehen Besucherinnen und Besucher des neu umgebauten Zollhauses in ihren Bann. Grenzenlos scheinen die vom Gebäude ausgehenden und bei Jeder und Jedem individuell sich kristallisierenden Eindrücke und Stimmungen.

Kleine, lochartige Vertiefungen in den alten Böden – was bedeuten sie? Die über viele Dekaden hier ein- und ausgehenden Zollbeamten trugen genagelte Schuhe… Der fein geschliffene Handlauf des Treppengeländers? Es sind die unzähligen Hände, die im Laufe der langen Zeit das Geländerholz umfassten und mit jeder Berührung noch feiner polierten. Kein Zweifel: Dieses Gebäude lebt von seiner Geschichte. Das ist sichtbar. Das ist spürbar. Aber warum so offensichtlich?

Handschrift des Zollhauses neu lesbar
Seit und dank der kürzlich erfolgten umsichtigen Sanierung sind die Spuren der Zeit als eine Art Handschrift des Zollhauses wieder neu lesbar. Zwar galt es, das Gebäude für eine neue, zivile Nutzung umzubauen, was vor allem im 2. OG (einstige Mansardenzimmer) aufwändige Abbruch- und Wiederaufbauarbeiten erforderte. Entstehen sollte ein «Maison sans Frontières», ein offenes Haus der Begegnungen, des kreativen Austauschs, der Spontaneität, der Freude. Wer hier logiert, soll nebst Möglichkeiten des geselligen Zusammenseins auch solche des Rückzugs und der Ruhe finden. Die zu eigentlichen Hotelzimmern transformierten Mansarden erfüllen diesen Anspruch aufs Feinste. Für die neuen Besitzer Roland Meier und Beni Schmocker, Inhaber der Meier Schmocker AG, Dättwil, ist ein Traum in Erfüllung gegangen: Das Zollhaus steht bereit − für interessierte Menschen, die nebst Sinn für historische Bausubstanz und deren Wiederbelebung auch ein gewisses Bedürfnis mitbringen, im Maison sans Frontières anzukommen.

«Entrée und Treppenhaus bilden das Herzstück des Hauses. Wir wollten den Originalzustand erhalten beziehungsweise wieder herstellen», erzählt Beni Schmocker. Bei solchem Ansinnen stellten feuerpolizeiliche Vorgaben eine besondere Herausforderung dar. Schliesslich baute man komplett neue feuer-, lärm- und geruchdichte Türen ein − auf deren Vorderseite befestigte man kurzerhand die bisherigen alten Türen, die so zum Glück weiterhin eine ästhetische Funktion erfüllen. «Ansonsten bedurfte es baulich keiner weiterer Massnahmen, vielmehr waren Malerarbeiten gefragt», ergänzt Roland Meier. «Mit tagelangem Aufwand haben die Malerinnen die alten Anstriche auf Holz und Metall abgelaugt und abgeschliffen. Sämtliche Untergründe wurden vorbereitet, damit die neuen Anstriche möglichst schön zur Geltung kommen.» Und ob sie das tun! Das Holzwerk (Türen, Brust- und Deckentäfer) wurde mit Ölfarbe gestrichen. Mit dem Farbton der Deckleiste über dem Brusttäfer wurde ein klarer Schnitt in der Wandfläche erreicht. Im oberen Teil der Wandflächen haben sich die beiden Hauseigentümer mit ihrer Handwerkscrew einer Deluxe-Variante hingegeben: der Verarbeitung von Lapislazuli, dem wertvollen, blauen Stein der Könige. Mit Bürsten wurde die Farbe schwungvoll aufgetragen – und auf diese Weise das charakteristische, wolkige «Bild» mit bestechender Tiefenwirkung hervorgerufen.

Die Bodenplatten und Treppentritte wurden aufwändig gereinigt, so dass sie wieder in altem Glanz erscheinen. Beim massiven Treppenhausgeländer wurden die Eisenteile im selben Farbton wie die Deckleiste beim Brusttäfer gestrichen, der Handlauf komplett abgeschliffen und neu geölt.

Die 2-Zimmer-Wohnung hinter dem Zollbüro wurde komplett umgebaut. «Wir haben das eine Zimmer mit dem Zollbüro zusammengelegt und erhielten damit einen Raum für Schulungs- und Seminarzwecke oder für grosse Gruppen zum Essen, Spielen oder Diskutieren», fasst Beni Schmocker einen wichtigen Teil der Umbauarbeiten zusammen. «Die Küche und Toilette haben wir ebenfalls vollständig neu konzipiert und den neuen Anforderungen entsprechend gebaut. Einzig das Stübli haben wir im Originalzustand belassen, bis auf den angeschlossenen Schwedenofen». In Küche, Bad und Zimmern habe man mit viel Aufwand die überklebten Bodenbeläge als Resultat früherer Renovationen entfernt, worauf intakte Stein- und Holzböden zum Vorschein kamen. Diese wurden nach dem Abschleifen respektive Entfernen der Leimrückstände geölt und erstrahlen nun wieder in alter Schönheit.
Der grosse Raum angrenzend zum Schalter hat eine enorme Qualität erhalten. Das Prunkstück – nebst dem Zollschalter selber – ist der viereinhalb Meter lange Eichentisch. «Um das 200 Kilogramm schwere Tischblatt in den Raum zu hieven, bedurfte es fünf starker Männer. Zum Glück ging alles gut», freuen sich heute Roland Meier und Beni Schmocker. Schön gelöst wurde nebst diesem Tisch auch die Decke, die ohne Absätze aus einem Guss daherkommt. Wie man die Übergänge der unterschiedlichen Bodenniveaus angeglichen hat, ist vom Material her, aber auch bezüglich Ausführung spannend.

Dank hervorragender Leistung diverser Malerinnen und Maler der Meier Schmocker AG und auch anderer ausgezeichneter Fachleute konnten erhaltenswerte Details der vergangenen Zollhauszeit restauriert werden. Der Charakter der Liegenschaft blieb erhalten und kann heute in einem frisch gestrichenen und neu präsentierten Gewand betrachtet werden.

Handwerkszeiger par Excellence
Die sechs Zimmer im zweiten Obergeschoss repräsentieren eine enorme Fülle handwerklicher Techniken, wie man sie selten so nah und dicht beieinander zu sehen bekommt. Was es hier zu erblicken, nein, zu erleben gibt, lässt sich punkto Materialwahl und Verarbeitungsart kaum mehr überbieten. Wurde hier mit natürlicher Leimfarbe gestrichen, kam dort Ölfarbe zum Zug, an anderer Stelle setzte man mit pigmentiertem Flüssigwachs Akzente, wieder an anderer mit einem Kalkputz al fresco, mit einem eingefärbten Lehmputz oder aber mit einer Reisstrohtapete. Im Maison sans Frontières scheute man keinen Aufwand, handwerks- und materialtechnische Herausforderungen in den verschiedensten Anwendungen zu veranschaulichen und somit auch zu thematisieren. Mit ihrer visuell wie auch taktil erlebbaren Tiefe ziehen die verarbeiteten Oberflächen und Materialien automatisch das Interesse eines jeden Betrachters, einer jeden Betrachterin auf sich. Wer möchte nicht gleich solch matte, samtige, seidenglänzende, geglättete, raue und offene Oberflächen berühren?

Zusammenfassung
Nur andeutungsweise lassen sich auf wenigen COVISS-Seiten Vielseitigkeit, Ausdrucksstärke, Professionalität und Authentizität von bewusst eingesetztem Handwerk oder mit hochwertigen Materialien erzielten Handwerkstechniken darstellen. Denn was hier punktuell beschrieben wird, erschöpft sich nicht in der schriftlichen Darstellung. Sie verlangt nach mehr: dem fast grenzenlosen Erlebnis «Maison sans Frontières».

Kontakt/Anfragen
Maison sans Frontières
2889 Ocourt
Telefon 056 203 41 11
reservation@maisonsansfrontieres.ch
info@meier-schmocker.ch
www.maisonsansfrontieres.ch

Meier Schmocker AG
5405 Baden-Dätwil
Telefon 056 203 41 11
info@meier-schmocker.ch
www.meier-schmocker.ch 
 
Ausgabe "2015/1 - Februar" bestellen
 
Text Gregor Eigensatz
Bild Sandra Widmer
 
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