Home
| Home |   | Sitemap |   | Testimonials |   | Partner |   | Links |   | Stichwortverzeichnis |   | Inscreenum |  

| Aktuelle Ausgabe
| Archiv
| Anzeigen
| Abo/Einzelausgaben
| Veranstaltungen/Dienste
| Über COVISS
| Redaktion/Verlag
| Leserbriefe
| Kontakt
| Impressionen
| Bestellung Buch




Raumgrenze zwischen Aussen und Innen
Kalkputz – Einzug in moderne Bauwirtschaft
 
Die Gebäudehülle: Sie ist die Raumgrenze zwischen Aussen und Innen, die Grenze zwischen öffentlichem Raum und geschütztem Raum, Schutzschild vor wilder Natur. Mit der Gebäudehülle schaffen wir uns Räume der Behaglichkeit, Orte der Ruhe und Musse, die ihrerseits wieder eine Kraftquelle für die produktive Tätigkeit der Menschen darstellen.

Kalkputz hatte ursprünglich den Zweck, das Mauer- oder Backsteinwerk zu schützen und Brandausbreitung zu verhindern. Über Jahrtausende erwies sich Kalk in seiner Anwendung als sehr vielseitiges Baumaterial. Kalk war elementarer Bestandteil nicht nur in Putzen, sondern auch in Farben, Mörteln und Mörtelböden − bis er im Industriezeitalter als umständlich zu verarbeitender und altmodischer Baustoff in Verruf kam und zum Zuschlagstoff in vornehmlich chemischen Baustoffen degradiert wurde. Lange Zeit kam er in den Industrieländern lediglich noch – wenn überhaupt − in der Denkmalpflege zum Zug. In neuerer Zeit hält er endlich wieder Einzug in die moderne ökologische Bauwirtschaft. Und dies zu Recht.

Aufgrund des fast ausgestorbenen Know-hows erfordert die traditionelle Kalkverarbeitung vom Handwerker besonderes Interesse und intensive Auseinandersetzung mit der Materie, vom Bauherrn Geduld und das Bewusstsein einer mittel- und langfristig lohnenden Investition.

Äusseres Erscheinungsbild und Ästhetik
Eine Kalkfassade fügt sich immer gut in die Umgebung ein, stört das Landschaftsbild nicht, im Bergdorf genauso wie im Industrie-gebiet. Im traditionellen griechischen Dorf ist Kalkputz eine Selbstverständlichkeit. Er gehört zum Ortsbild und vermittelt materiellen Zusammenhalt.

Die Farbe eines reinen Kalkputzes hängt von der Wahl des Kalksteins und von der Art des Produktionsverfahrens (Brenntemperatur und -material) ab. Von strahlend weiss über ockrig gelb bis rötlich in der Eigenfarbigkeit, von glatt über strukturiert bis modelliert, von matt bis glänzend, bemalt oder nackt kann eine Architekturoberfläche aus unpigmentiertem Kalkputz erscheinen.

Eine Einfärbung des Putzes ist durch dessen Pigmentierung oder in «Fresco» möglich. Fresco ist eine eigene Farbgebungsmethode, die Gipserei und Malerei in sich verbindet − ein in Fresco-Technik ausgeführter Putz erfordert keinerlei Anstrich mehr. Die dadurch erzielte Tiefenwirkung verleiht den Farben besondere Erscheinungsformen, die sich je nach Winkel des Sonnen-Lichteinfalls zur Oberfläche ändern und somit zum Spiegel der Lichtverhältnisse zu jeweiligen Tages- und Jahreszeiten werden. Diese optische Lebendigkeit ist in gängigen Anstrichen auf getrockneten Putzen in diesem Masse nicht zu erreichen. Der typische Glanz des Kalkputzes basiert auf Versinterung – sie entsteht durch Kristallisation von in Wasser gelösten Mineralien.

Das weisse Bürohaus 2226: Revolu-tionär heute − morgen die Norm?
Monolithisch und fugenlos wird ein Putz in grossen Dimensionen fast schon zu einem Erlebnis von Ganzheit und durch die helle Farbe zu einem Symbol für Reinheit. Was waren die Anforderungen an die Gebäudehülle 2226? Die dicken Wände aus Hohlkammerbacksteinen verlangten nach einem diffusionsoffenen Putz. Ausgeführt wurden 1,5 cm Kalkgrundputz mit Sand, und darauf 1 cm Kalkputz mit sehr geringem Anteil an feinkörnigen Sanden. Die Rohstoffe und deren kurzen Transportwege von der Abbau- zur Produktionsstätte bis schliesslich zum Ort der Verarbeitung waren vom ökologischen Standpunkt aus betrachtet vorteilhafter im Vergleich zu anderen Materialien. Zur Materialherstellung wurde Kalkgestein aus der Region verwendet, als Energieträger kam Holz zum Einsatz.

Der fertige Putz benötigt Jahre und Jahrzehnte zur Aushärtung. Während dieser Zeit hat der Kalkputz eine sogenannte «Selbstheilende Funktion»: Ein physikalischer Vorgang, bei dem durch Luftfeuchtigkeit und Nässe (Regen) die in der Putzschicht vorhandenen Kalkspatzen (das sind kleine Teilchen, die nach dem Löschen des Kalks weiter chemisch reagieren) Bindemittel freigeben, die dann wieder nach Aussen dringen und dabei feine Risse und Löcher ausfüllen. Danach kommt es zur Aushärtung, letztlich zur Versteinerung des Putzes. Damit ist der Zweck des Putzes, der eine Schutzschicht für die Backsteine sein sollte, erfüllt.

Die Frage der Beständigkeit
Die Beständigkeit des Kalkputzes beim Büro-gebäude 2226 (erbaut 2012) wird sich erst in Zukunft weisen. Soweit hat sich der Putz als eher schmutzabweisend erwiesen, was sich günstig auf die Unterhaltskosten eines Gebäudes auswirkt. Bei historischen Gebäuden hingegen ist die Lebensdauer von Kalk-aussenputzen eindrücklich erprobt. Das zeigt sich immer wieder bei der Restaurierung von alten Putzen, die erstaunlich gut erhalten sind und, sofern sie nicht mit zementhaltigen Putzen geflickt oder mit Acrylfarbe erstickt wurden, gut und nachhaltig erneuert werden können. Historischen Kalkputz zu entfernen, kann allerdings mühsam sein, da dieser oft sehr hart und überaus stabil ist. Die Entsorgung jedoch ist völlig unproblematisch, der Kalk kann im «zweiten Leben» zum Beispiel als Düngemittel im Garten und der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Klimatechnische Fragen – Kalk der Baustoff der Zukunft?
Die Natur fordert uns zu behutsamerem Umgang mit ihren Ressourcen auf. Durch die Reflexion der Sonnenstrahlen (bei hellen Putzen) heizt sich der Putz nicht übermässig auf und wäre somit auch als Baustoff für Ballungszentren tauglich. Algenbildung wird durch die alkalischen Eigenschaften von Kalk unterbunden.
Im Gegensatz zu Kunststoffputzen ist im Kalkputz daher die Zugabe von Bioziden, die sich nach mehreren Jahren aus den Acrylputzen waschen und den Boden belasten, nicht erforderlich.


Anmerkungen zum Kalkputz
Kalkputz erfordert mineralischen, massiven Untergrund, idealerweise Backsteine oder Natursteine. Kalkputz haftet nicht auf Styropor. In Verbindung mit den derzeit gebräuchlichen Wärmedämmverbundsystemen macht Kalkputz keinen Sinn, da seine diffusionsoffenen Eigenschaften nicht zur Geltung kommen können.

Kontakt
Gerold Ulrich GmbH
9444 Diepoldsau
Telefon 071 730 00 13
switzerland@geroldulrich.com
www.geroldurlich.com 
 
Ausgabe "2014/8 - Dezember" bestellen
 
Text Gerold Ulrich (Quelle)
Bild Eduard Huber, archphoto (2226); Matthias Wolfensberger (Wellenberg)
   Weiteres zum Thema
 
Umbauten | Das erfolgreiche Zusammen von …      




Lifecom


Xen-On


Verkehrshaus