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Raum – Struktur – Licht – Farbe
Umgang mit verschiedenen Raumvorstellungen
 
Das rustikale, Geschichte vortäuschende Kellerrestaurant sollte in einen zeitgemässen Bankettsaal umgestaltet werden. Raeto Steiger, der 2001 das Hotel Basel übernahm, beauftragte die Architekten Werk 3 mit dem Projekt «Basler Keller» und dessen Ausführung. Licht und Farbe waren der Schlüssel für die Verwandlung eines bestehenden Raumes in einen anderen unter Beibehaltung der gegebenen besonderen «Kellerraum-Qualitäten». Bewusst inszenierte Gegensätze thematisieren den Umgang mit verschiedenen Raumvorstellungen.

Prozess des Gestaltens

«Als erstes der Raum. Als zweites die Struktur. Als drittes das Licht. Als viertes die Farbe.

In dieser Reihenfolge generiert im Entwurfsprozess das jeweils Vorangegangene das Folgende. Im Gegensatz dazu steht der Betrachter: Er wird als erstes vom Licht eingenommen und reagiert darauf. Erst dann werden die weiteren Punkte von ihm aufgenommen: die Farbe wird vom Licht gespiesen – das Licht wird von der Struktur gefordert – die Struktur gibt dem Raum sein Gesicht. Alle vier zusammen geben dem Raum sein Wesen, seine Atmosphäre.

Die Wahl «Farbe» stand also im Gestaltungsprozess an letzter Stelle und wurde erst bestimmt, nachdem die anderen Stufen schon durchlaufen waren. Schlussendlich stand die Frage im Raum: Gibt es im Erdreich, unter der Oberfläche, überhaupt eine Farbe? Und wenn ja, welcher Art ist sie?

Der Entscheid fiel auf den Kontrast: ein Blau, das Himmel, Tag, Helligkeit und Frische assoziiert. Nur durch diese Gegenüberstellung tritt der unterirdische Raum auch als solcher auf und kann seinen Charakter wahren. Das Blaue hält sich im Hintergrund und drückt nur zwischen den Scheiben durch – so bleibt dem Keller sein Raum, seine Struktur und sein Licht.» Werk 3


Der Basler Keller ist einer von drei Restaurationsbetrieben im Untergeschoss des renommierten Hotel Basel, mitten in der Altstadt am Fusse des Spalenbergs. Das Restaurant, ein vor etwa 35 Jahren beim Bau des Hotels eingebauter Gewölbekeller in Bruchsteinmauerwerk und ein längs angehängter, neuerer Saal, wirkten mit schweren Eichenensembles überladen.

Idee des Gewölbes modern interpretiert
Der ganze Saal wurde ausgeräumt. Im hinteren Raumteil interpretieren vier einzelne schwebende Scheiben aus Gips die Idee des Gewölbes auf eine moderne Weise. Da sich die Scheiben auch in den alten Gewölbeteil hineinziehen, entsteht eine Verbindung der Raumteile.

Eine Herausforderung für das Team von Werk 3 war der Umgang mit der Bruchstelle zwischen Gewölbeteil mit den Jurakalk-Bruchsteinmauern und den neuen Raumteilern. Drei Wand- und eine Deckenscheibe aus Gips wurden so vor die Wände eingehängt, dass sie die Bruchsteinmauern leicht überlappen. So wird der unruhige Wandverlauf korrigiert und der Raum wirkt offener und grösser. Das Auge wird insofern getäuscht, als die leicht schräg eingehängten Scheiben eine frappante perspektivische Wirkung mit grosser Tiefe andeuten.

Raum in sanftes Blau getaucht
Ein neues Beleuchtungskonzept mit punktuellen, klaren Lichtwürfen ersetzt die ehemalige diffuse Allgemeinbeleuchtung. Schwebende Lichtinseln werfen ihr Licht auf die Tische und hüllen die Bruchsteine in ein weiches Streiflicht. Die farbigen Wände hinter den eingehängten Scheiben reflektieren das Licht, das durch die Zwischenräume von Wand und Decke sanft in den Raum leuchtet.

Die Wandscheiben sind auch Träger der Beleuchtung. Die auf ihrer Rückseite angebrachten FL-Lampen strahlen die hellblau gestrichenen Wände an, und die Reflektion aus den Zwischenräumen von Wand und Decke taucht den Raum in ein sanftes Blau. Zusammen mit dem gelblichen Jurakalk und dem farblich abgestimmten Stucco Lustro der Wandpaneele ergibt sich ein stimmungsvoller, sich überlagernden Verlauf verschiedener Farbspektren. In sieben unregelmässig angebrachten Schlitzen sitzt die aus je sechs Spotleuchten bestehende dimmbare Direktbeleuchtung. Diese Art der Beleuchtung setzt sich im Gewölbeteil fort. Aufgrund der gewählten formalen Verwandtschaft von Schlitzen und Ausstanzungen vermittelt die Beleuchtung zwischen Alt und Neu.

Etwas anderes erwartet
Der Umbau des Basler Kellers thematisiert den Umgang mit verschiedenen Raumvorstellungen. Ins «alte» Bruchsteingewölbe wird ein «neuer» Raum eingefügt. Durch die Verbindung von echtem und angedeutetem Raum gewinnen beide, das Gewölbe und die Raumscheiben, an Ausdruck. Der Gegensatz der gelblichen Jurakalk-Bruchsteinmauer mit den neuen, spiegelglatten Gipswänden widerspiegelt Eleganz und Wertigkeit, Modernität und Tradition. Die gewählten Farben und das Licht verbinden den Raum. Sind die Gäste zunächst ob dieser Wirkung verblüfft, weil man «im Keller» eigentlich etwas anderes erwartet, wirkt die grosszügige Atmosphäre sehr rasch stimulierend. Hier entsteht überhaupt kein enges «Kellergefühl», hier spürt man Weite und lässt den Blick entspannt ins Blaue schweifen. 
 
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Text Suzanne Schwarz
Bild Ruedi Walti, Werk 3
 
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