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Energetische und ästhetische Aufwertung
Putz- und Farbvariationen auf WDVS
 
Das Fabrikationsgebäude der Striebig AG, Luzern, aus den Jahren 1974 und 1988 wurde energetisch saniert. Idee der Architekten wie auch der Bauherrschaft war es, die Fassade mit einer kompakten Aussenwärmedämmung nach Vorgaben des Gebäudeprogramms zu versehen. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf Struktur und Farbgebung der Gebäudehülle gelegt.

Seit Errichtung hatten die beiden Striebig-Gebäude 26a und 26b an den Fassaden keine wesentlichen Veränderungen erfahren. Einzig die beiden Flachdächer wurden vor zwanzig und acht Jahren erneuert. Aufgrund einer gesamtheitlichen Betrachtung zeigte sich, dass die nun anstehenden Sanierungsmassnahmen nicht nur auf die Gebäudehülle (Fassaden, Flachdächer), sondern allgemein auch auf die Gebäudetechnologie und Haustechnikinstallationen bezogen werden konnten.

Funktionalität – Wirtschaftlichkeit – Nachhaltigkeit
Aufgrund der örtlichen Kenntnisse und der Erfahrung aus der Planungs- und Bauphase des Striebig-Neubaus kannten die Architekten Wünsche und Gegebenheiten der Bauherrschaft sehr gut. Funktionalität und Wirtschaftlichkeit standen im Vordergrund, aber auch Nachhaltigkeit in Bezug auf die Konzepte, Materialwahl und Ausführung. Ziel war es, mit den ausgewählten Sanierungsmassnahmen eine Funktionstauglichkeit der Gebäude für die nächsten 30 Jahre sicherzustellen. In Zusammenarbeit mit Marcel Bieri von der Sarna-Granol AG wurden verschiedene Lösungen, Vorschläge und Bemusterungen erarbeitet.

Vertikalität mit einem gekämmten Mineralputz
Die Aufgabenstellung an die Architekten bestand darin, zusammen mit Fachplanern, Systemhalter und Unternehmern Lösungen für die Sanierung und Optimierung der Objektteile und Technologiekomponenten zu erarbeiten. Nebst den funktionalen Aufgaben bei einer Gebäudehüllensanierung (Dämmung, Beschattung, Wetterschutz, Energiereduktion) stellten sich Fragen zur Ästhetik der künftigen Gebäudehüllen, der Gebäude im Einzelnen und im Ganzen. Ausgehend von den vertikal betonten Fassaden des Kopfbaus (Aluminiumlisenen alternierend vertikal verschoben) sollte auf den Oberflächen der angrenzenden Gebäude die Vertikalität mit einem gekämmten Mineralputz gegeben werden. Diese Ausführung verlangte von den Fassadenbauern und Gipsern physische Anstrengung und vor allem handwerkstechnische Präzision. Partiell diente ein Rasterelement als Sonnen- bzw. Einbruchschutz und als verbindende Membrane der Gebäude 26a und 26b. Mit dieser Massnahme konnten die rückspringenden Gebäudenischen geschlossen und überschaubar gemacht werden. Ein einheitlicher Gebäudekomplex der Produktionsstätte der Striebig AG entstand.

Verputzte Aussenwärmedämmung
Fassaden-Wärmedämm-Systeme verfügen über einen optimalen, dauerhaften Wärme- und Wetterschutz zu einem hervorragenden und wirtschaftlichen Preis-Leistungsverhältnis. Zudem kann mit den Systemen der Sarna-Granol AG ein unendlicher Gestaltungsspielraum von Putz- und Farbvariationen erzielt werden.

Beim ersten Gespräch mit den Architekten legten die Fassadenspezialisten der MVM AG eine Visualisierung des Gebäudes vor. Zu diesem Zeitpunkt war schon klar, dass eine verputzte Aussenwärmedämmung realisiert werden sollte. Doch wie lässt sich die in der Visualisierung hervorgegangene ansatzlose, vertikale Struktur konkret umsetzen, erschienen doch die einzelnen Strukturlinien in Tiefe und Breite ungleichmässig? Schnell wurde deutlich, dass eine solche Struktur nicht mit einem Besen oder einer Bürste zu erreichen war. Für dieses Strukturbild musste eine Spezialtraufel kreiert werden. Ausserdem wurde klar, dass mittels eines Bemusterungsprozesses und nach Vorgaben des ausführenden Handwerks möglichst realitätsnahe Muster zur Verfügung gestellt werden mussten. Hierfür wurde eine Spezialtraufel mit verschiedenartigen Vertiefungen gelasert. Mit Hilfe solcher individuell hergestellter Traufeln kann jede Art von Struktur erreicht werden. «In Zusammenarbeit mit Marcel Bieri von der Sarna-Granol AG haben wir uns für einen faserarmierten Einbettmörtel als Struktur- und Deckputz entschieden», berichtet Martin Schumacher, Projektleiter MVM, und ergänzt: «Nach Begutachtung der ersten Muster waren Architekt und Bauherrschaft begeistert.» Eine besondere Herausforderung sei auch die Farbgebung gewesen. «Da in der NCS- oder RAL-Farbpalette keine befriedigenden Farbtöne gefunden wurden, haben wir aus Standardfarbtönen des NCS-Fächers die Nuancierung von Hand mittels Abtönpasten vorgenommen. Weil bei dieser Vertikalstruktur Licht und Schatten eine unglaublich diffizile Wirkung haben, musste durch ein Nuancieren und Zusammenmischen von beinahe passenden Farbtönen eine Annäherung an den gewünschten Farbton erreicht werden. Da der schlussendlich stimmige Farbton einen Hellbezugswert von unter 20 aufwies, musste für den Deckanstrich eine spezielle infrarotreflektierende Farbe verwendet werden. Diese wurde dann nach dem passenden finalen Farbtonmuster im Werk nachgemischt.»

IR-Farben
Dunkle Fassadenfarben unter einem HB von 30 gelang in der Vergangenheit – wenn überhaupt – oft nur durch einen Wechsel zu einem mineralischen Dämmstoff. Jetzt erlaubt die NIR-Technologie (Nah-Infrarot-Reflektion) auch die Dämmung sehr dunkler Fassaden mit dem bewährten Expandierten Polystyrol (EPS). Beim Einsatz dunkler Farbtöne an Fassaden kann es aufgrund der Sonnen-einstrahlung zu Temperaturspitzen mit mehr als 80 ° C an der Oberfläche kommen. Dies ist ein kritischer Temperaturbereich für Wandaufbauten. Gerade bei einer Dämmung mit EPS sollte eine Temperatur von 70 ° C nicht wiederholt überschritten werden, da sonst in der Dämmschicht und an der Putzoberfläche Schäden drohen. Die neuen IR-Fassadenfarben besitzen die Fähigkeit, eine Temperaturspitze unter 70 ° C zu halten. Dies gelingt durch den Einsatz spezieller NIR-Pigmente, die grosse Teile der Sonnenenergie im nicht sichtbaren Nahinfrarotbereich reflektieren. Die Temperaturspitzen verringern sich dabei um 15 bis 20 Prozent gegenüber einer marktüblichen Pigmentierung.

Welches waren die grössten Schwierigkeiten?
Für Martin Schumacher und sein Team stellte das Kleben der Dämmplatten sowie das Einbetten des Bewehrungsgewebes mit faserarmiertem Mörtel keine besondere Herausforderung dar, abgesehen vom Ausgleichen der Versätze und Absätze bei den Stössen des alten Plattenbaus. «Jedoch gestaltete sich die ansatzlose vertikale Rillenstruktur über die gesamte Gebäudehöhe als schwierig», stellt Schumacher rückblickend fest. «Zum einen folgt alle zwei Meter ein Gerüstgang, und zum anderen ist das Gerüst mit Anker am Gebäude befestigt. Jede Durchdringung verhindert ein ansatzloses Ziehen der Traufel. So wurden auch der Dachrand und die Fensterbänke erst nach dem Ziehen der Struktur versetzt. Die Gerüstanker mussten fortlaufend gelöst und sofort wieder montiert werden. So gestaltete sich auch das Übergeben der Traufel bei den Gerüstgängen als besonders diffizil. Nur ein leichtes Stocken oder eine ruckartige Bewegung − und der ganze Traufelzug musste noch einmal von ganz unten über die gesamte Gebäudehöhe begonnen werden», erinnert sich Schumacher. «Es war also unabdingbar, dass die Traufel ansatzlos von unten nach oben gezogen werden konnte. Jeder kleinste Fehler ist bei diesem Fassadenbild extrem gut sichtbar. So waren pro Gerüstlauf mindestens zwei bis drei Mann erforderlich, bei den grössten Fassadenteilen waren bis zu 20 Personen im Einsatz.» Man habe nach der Gerüstdemontage des ersten Fassadenteils feststellt, dass nur schon ein minimales Verändern des Winkels der Traufel eine andere Strukturtiefe und somit ein ungleichmässiges Rillenbild ergebe, so Schumacher. Dieses Phänomen habe man dann mit einer seitlichen Lehre bei der Traufel beheben können. Zudem sei es schwierig gewesen, eine genau im Lot verlaufende Struktur zu erzielen. Besonders bei den Gebäudeecken sei eine auch nur leicht schräge Struktur besonders gut erkennbar. Man habe deshalb spezielle Richtlatten mit einer Länge von bis zu 15 Metern herstellen müssen. Damit die Abdrücke dieser Richtlatte später nicht sichtbar blieben, sei handwerkliches Geschick notwendig gewesen. Zudem habe die ganze Fassade nach dem leichten Antrocknen des Mörtels nochmals nachgearbeitet und rapportiert werden müssen. Schliesslich sei die Fassade noch zweimal mit einer IR-Farbe beschichtet worden.

Das Resultat dieser besonderen Fassade ist das Resultat reiner Handarbeit. Beides darf sich sehen lassen, erst recht, wenn man bedenkt, dass das Gebäude eingerüstet und das Gesamtbild erst nach der Gerüstdemontage zum Vorschein kam.


«Die Ausführung der geforderten Vertikalität mittels gekämmtem Mineralputz verlangte von den Fassadenbauern
und Gipsern nebst handwerkstechnischer Präzision auch grosse physische Anstrengung.»
Hansjürg Egli, Architekt


«Nur schon ein minimales Verändern des Winkels der Traufel hatte eine andere Strukturtiefe und somit ein ungleichmässiges Rillenbild zur Folge.»
Martin Schumacher, Projektleiter MVM AG


Bauinfo

Objekt: Striebig AG, Gebäude 26a/26b, 6014 Luzern

Architektur/Farbkonzept: Jäger Egli Architekten, 6020 Emmenbrücke / Luzern

Verarbeitung Putz und Farbe: MVM AG, 6032 Emmen/Luzern

Fassadensystem: Sarna-Granol AG, 6060 Sarnen

Analyse Bestand
  • einfache Gebäudestruktur

  • grosse Grundrissflexibilität

  • gut unterhaltene, ausgebaute Innenräume (Werterhalt)

  • nutzbare Räume, die den heutigen und künftigen betrieblichen Anforderungen entsprechen

  • nicht voll ausgeschöpftes Restvolumen


Bestand – Mängel oder Defizite
  • Mangelnder Wärmedämmwert der Gebäudehülle

  • Tragsicherheitsdefizit bei den Betondachplatten, oberste Decke

  • Tragsicherheitsdefizit bei den mehrschichtigen Fassadenplatten für Zusatzlasten (Dämmung/Metall-Verkleidung)

  • Überhitzte Räume, fehlende Lüftung und Kühlung

  • heterogenes Erscheinungsbild


Sanierungskonzept
  • Sanierung und Optimierung der Gebäudehülle 26a/26b durch Kompaktdämmung mit Kammstruktur

  • Schaffung eines behaglichen Raumklimas

  • Senkung der Energiekosten und des Ölverbrauchs durch Wassererwärmung mit thermischen Sonnenkollektoren auf dem Flachdach

  • Prüfung der Tragsicherheit der Fassadenelemente und zusätzliche Rückverankerungen

  • Flachdachsanierung mit neuem Aufbau und Wärmedämmung Gebäude 26a

  • Fenster- und Torersatz, Einbau neuwertiger Flügel und Dreifachverglasung

  • Heizkörper, Wärmeverteilung, Regulierung energieeffizient gestaltet

  • Erneuerung der Heizgruppen SW und SO, geführt im Zweirohrsystem und ausgerüstet mit neuen Thermostatventilen 1. und 2. OG


WDVS mit vertikaler Rillenstruktur
Systemaufbau: Sarna-Granol K5, 030GR 160 mm, Standardaufbau, Grundputzstärke 5 mm, verstärkte Gewebeeinbettung

Deckputz: Profilstruktur vertikal mit Sarna-Granol Armiermörtel (faserarmierter Einbettmörtel)

Anstrich: IR-Fassadenfarbe, COLORES Handels AG, 8957 Spreitenbach 
 
Ausgabe "2014/7 - Oktober/November" bestellen
 
Text COVISS (Quelle: Jäger Egli Architekten; MVM)
Bild Michael Schwiefert, Arlesheim
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