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China jenseits der Wolkenkratzer
Der Erde nah − traditioneller Lehmbau in China
 
Das andere China
Der folgende Artikel möchte in Bild und Text einige Eindrücke aus dem «anderen» China vermitteln, das in unseren Breitengraden angesichts der aktuellen Nachrichten aus dem riesigen Land kaum oder gar nicht wahrgenommen wird. Dabei ist der Blick zum Boden, zur Erde und zum Lehm, dem wohl ältesten Baumaterial der Menschheit überhaupt, gerichtet.


Ja, es existiert wirklich (noch), das China jenseits der Wolkenkratzer, jenseits der boomenden Grossstädte, der Abbruchwut, der riesigen Baustellen, der vielspurigen Strassen, des alles verhüllenden Smog, des rasanten Tempos, der unüberblickbaren Menschenmengen...

Jenseits des Stroms beschleunigter Gegenwart bewegt sich der Fluss des traditionellen Lebens und Handwerks langsam, ruhig im steten Rhythmus der jahrhunderte-, wenn nicht gar jahrtausendealten Überlieferung. Die Zimmerleute richten ihre Balken mit dem Beil und stecken die Konstruktionen ohne jeden Nagel zusammen. Die Ziseleure zaubern mit ihren feinen Meisseln geduldig ihre Muster ins Metall. Die Steinmetze behauen die roten Felsbrocken. Die Schnitzer arbeiten aus einem einzigen Stück Holz Türen mit dreidimensionalen Skulpturen voller Fabelwesen, Symbolen und Geschichten. Die Verputze aus Lehm und Kalk werden von Hand gemischt und von Maurerinnen in Kesseln, die an der über die Schulter gelegten Stange hängen, zum Bauplatz getragen. Flaschenzug, Hacke, Maurerkelle, ja selbst Kalkgruben sind allgegenwärtig, und wenn man Glück hat, so ist man Zeugin, wie die eben gebrannten Hohlziegel aus dem mit Feldsteinen aufgemauerten, gewölbten Ofen von zierlichen Frauen mit russgeschwärzten Gesichtern auf einen der seltsamen kleinen Lastwagen mit offenem, vor der Führerkabine liegendem, laut knatterndem Motor geladen werden.

In der Horizontalen
Die traditionelle chinesische Architektur besteht fast ausschliesslich aus Hofhäusern. Der ärmste Bauer und der Kaiser wohnten im alten China in einem Hofhaus, mit dem Unterschied, dass das Haus des armen Bauern klein war und der Kaiser und sein Hofstaat über eine Anlage mit grossen und zahlreichen Hofhäusern, einer eigenen Stadt in der Stadt, verfügten. Die Hofhäuser weisen in der Regel zwei Geschosse auf und werden durch geschweifte Dächer abgeschlossen, deren nach oben gerichtete Abschlussziegel des Firstes Erde und Himmel miteinander verbinden. Traditionelle chinesische Hofhausarchitektur ist eine Architektur der Horizontalen, der Boden- und Erdnähe. Sie schmiegt sich harmonisch an die Landschaft, so dass sie von Weitem kaum als überbaute Natur erkannt wird. Die traditionelle chinesische Philosophie strebt die Verschmelzung von Subjekt und Objekt an; es soll keine Grenze zwischen den beiden geben, kein Gegenüber: «Trinke ich den Tee, oder trinkt der Tee mich»?

Auch das traditionelle chinesische Leben bewegt sich in der Horizontalen und Erdnähe. Selbst die modernen Chinesinnen und Chinesen haben die überlieferte Bodennähe gleichsam noch in den Knochen, wie es die zahlreichen Hockenden der Gegenwart beweisen.

Was das Verlassen der Horizontalen und das Aufrichten in der Vertikalen für die Lebensweise und das Bewusstsein der heutigen Chinesinnen und Chinesen bedeutet und mit sich bringen wird, sei als etwas beunruhigende Frage angedeutet.

Erde und Lehm
Wie alle Länder dieser Erde war das alte China ein Bauernstaat. Traditionelle chinesische Architektur ist Lehmarchitektur. Das ganze Leben war von der Erde bestimmt: Niederkauernd in feuchten Reisfeldern, auf dem Boden hockend, in Lehmbauten wohnend, die sich nur wenig über die umgebende Natur erhoben und sich kaum von ihr abhoben, um schliesslich wieder zur Erde (wie wir alle) zurückzukehren.

Lehmhäuser, in Lehm errichtete Dörfer oder Fragmente von ihnen finden sich noch heute in China, selbst in den boomenden Grossstädten oder deren Nahumgebung. 
 
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Text Annegret Diethelm und Attilio D´Andrea, AD&AD
Bild Annegret Diethelm und Attilio D´Andrea, AD&AD
 
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