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Schlummerndes Farb-Potential am Bau
Schnell – günstig – schön
 
Farbe war schon immer Thema in der Architektur. Soll man Farbe verwenden? Wie viel? Wie bunt? Wo hört der gute Geschmack auf? Wo beginnt der Kitsch? Fragen, die nur für eine bestimmte Zeit, einen kulturellen Kontext und bezogen auf einzelne Person mit ihren persönlichen Vorlieben beantwortet werden können. Wen wundert es da, wenn Bauherren, Architekten und Behörden beim Einsatz von Farbe eher zurückhaltend sind? Und dies, obwohl Farbe ein ideales Mittel bei der preiswerten Renovation von Altbauten ist. Ein Plädoyer für die Farbe und deren noch schlummerndes Potential am Bau.

Farbe – patente Verwandlungskünstlerin

Ein aus der Mode gekommener Farbanstrich kann mit relativ kleinem Aufwand verändert werden. Gross ist der Effekt in der optischen Wahrnehmung.

Oft sind gebrauchte Küchen und Bäder technisch in bestem Zustand, genügen aber optischen Ansprüchen nicht mehr. Mit professionellem Farbeinsatz kann ein moderner Look erzielt und teures, ökonomisch wie ökologisch unsinniges Herausreissen von intakten Küchen und Badezimmern vermieden werden.

Im Zusammenhang mit «mutigen» oder «gewagten» Farbentscheiden lohnt es sich, Anstriche zu wählen, die einfach wieder verändert werden können.

Edle Materialien, in ihrer Farbigkeit zurückhaltend eingesetzt, unterliegen weniger modischen und kurzlebigen Strömungen. Kombiniert mit neuen Anstrichen ist das Schritthalten mit der Zeit sicher gewährleistet.

Farbe hat viel zu bieten. Sie schafft Lebendigkeit, Kontraste, Spannung und beeinflusst massgeblich die Raumwahrnehmung. Mit Farbe kann ohne grossen finanziellen Aufwand selbst zu einem sehr späten Zeitpunkt im Projekt und in kürzester Zeit sehr viel erreicht werden. Zudem kann Farbe mit ebenso geringem Aufwand und ohne nennenswerte Verluste neuen Bedürfnissen angepasst werden. Das ist vor allem dann ein wichtiges Argument, wenn zurückhaltenden Bauherren der Zugang zur Farbe erleichtert werden soll. Mit der Rückversicherung, wieder ändern zu können, was nicht gefällt oder mit der Zeit aus der Mode kommt, können Bauherren und Architekten entspannter mit Farbe experimentieren. Im Gegensatz dazu fallen Farbentscheide bedeutend schwerer, wenn sie, wie zum Beispiel bei einem Naturstein oder einer durchgefärbten MDF-Platte, nicht ohne grossen finanziellen Aufwand rückgängig gemacht werden können.

Farbe ist schnell
Farbanstriche haben den Vorteil, dass sie «nur» die oberste Schicht eines Gebäudes betreffen. Das macht sie schnell in zweifacher Hinsicht: Erstens können Farbentscheide zu einem sehr späten Zeitpunkt im Projekt gefällt werden, und zweitens ist sie im Vergleich zum restlichen Bauprozess schnell aufgebracht. Alles kann schon fertig gebaut sein – bevor man noch die letzte Schicht anbringt. Diese kann grossflächig bemustert und vor Ort begutachtet werden. Da sie die Raumwahrnehmung massgeblich mitbestimmt, wird der Bau mit der Farbgebung nochmals entscheidend beeinflusst. Im Umbau kann Farbe sogar der wesentlichste Teil des Eingriffs sein.

Farbe ist günstig
Mit einem Anteil von nur drei Prozent an den Gesamtkosten eines Neubaus fällt Farbe auch finanziell kaum ins Gewicht. Dennoch ist sie ein potentes Gestaltungsmittel. Wer aufwändig streicht und damit die Kosten für Malerarbeiten zum Beispiel verdoppelt, verteuert den gesamten Bau um lediglich drei Prozent.

In Zusammenarbeit mit dem Unternehmer kann für fast jeden Einsatz ein Farbanstrich gefunden werden, der im Alltag gebrauchstauglich ist. So können Kunst-harzmöbel, Küchenkombinationen, Badezimmerplättli und selbst Duschkabinen erfolgreich gestrichen werden.

Mit Farbe preiswert renovieren
All das macht Farbe zusätzlich zu einem optimalen Mittel bei der preiswerten Renovation von Altbauten. Und hier schlummert ein riesiges Potential: Mehr als die Hälfte der Bauten in der Schweiz stammt aus der Zeit vor 1970, und gut die Hälfte von ihnen wurden bisher nicht oder nur marginal renoviert. Bei der öffentlichen Hand sind die Budgets für Erneuerungsarbeiten reduziert worden, und viele private Liegenschaftsbesitzer scheuen aus Kostengründen vor einer Erneuerung zurück. Die Erfahrungen der Hemmi Fayet Architekten zeigen, dass zum Beispiel viele Küchen und Bäder aufgrund der hohen Schweizer Bauqualität rein technisch noch in gutem Zustand wären, optisch aber nicht mehr genügen: Braune Küchenkombinationen, beige Wandplatten oder mintgrüne Einbauschränke schrecken Mieter und Käufer ab. Herausreissen und Herausspitzen ist teuer und ökonomisch wie ökologisch unsinnig.

Hier kann Farbe ihr Potential ausspielen: Für einen Bruchteil der Kosten lassen sich Einbauküchen, Wandplatten oder Einbauschränke mit Zweikomponentenlacken spritzen. Das Resultat sind Räume, die nicht mehr wieder zu erkennen sind und nochmals für fünf bis zehn Jahre ihren Dienst tun.

Frage des Geschmacks und der Moral
Dass wir langsam dem farbarmen und gestrengen Erbe der Moderne entwachsen, zeigt nicht zuletzt die aktuelle Wettbewerbsszene. Bunt und fröhlich bis schrill leuchtet es da von den Plänen, und es ist schön zu sehen, dass Farbigkeit in der Architektur nicht mehr, wie noch vor wenigen Jahren, als a priori unmoralisch und geschmäcklerisch gilt. In der konkreten Umsetzung tut man sich, wie schon eingangs erwähnt, (noch) etwas schwer.

Einfache Patentrezepte oder Theorien bei der Erarbeitung von Farbkonzepten gibt es nicht. Ausgangspunkt jeder Farbgestaltung ist aber sicher der Kunde: Er äussert seine farblichen Vorlieben und Abneigungen. Auch spielen Kosten- und Terminvorgaben eine wichtige Rolle.

Möglichst frühzeitig legen die Hemmi Fayet Architekten fest, welche farblich vordefinierten Materialien (wie Holz, Naturstein, Sanitärapparate) verwendet werden sollen, damit sie als weiterer Ausgangspunkt für ein Farbkonzept dienen können. Ebenfalls wichtiger Einflussfaktor im Umbau sind Materialien und räumliche Gegebenheiten, die bereits vorhanden sind und die sich nicht oder nur mit grossem Aufwand ändern lassen und deshalb nicht angetastet werden sollten.

Mutige Farbentscheide versuchen die Hemmi Fayet Architekten wenn immer möglich reversibel zu machen. Das bedeutet, keine Materialfarben, sondern Anstriche zu wählen, die bei Bedarf einfach verändert werden können. Langlebige, edle Materialien werden nach Möglichkeit zurückhaltender gewählt, damit sie in ihrer Farbigkeit weniger dem modischen Empfinden unterlegen sind und, mit neuen Anstrichen kombiniert, mit der Zeit Schritt halten können. 
 
Ausgabe "2006/4 - Juni" bestellen
 
Text Hemmi Fayet Architekten, Zürich, Gregor Eigensatz
Bild Hannes Henz, Zürich
 
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