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Entschleunigung des Alltags − Respekt vor der Natur
Ofen mit fast unbegrenzten Möglichkeiten
 
Die Kenntnisse moderner Technologie im Ofenbau, solide hafnerische Fertigkeiten und die Rücksicht auf eine Lebensweise in Einklang mit der Natur waren die Voraussetzung zur Planung eines multifunktionalen Ofens im ganzheitlich biologisch-dynamischen Betrieb im Hof «zum Chumen» in Altendorf. Dieser hat sich den Respekt vor der Natur und ihren Gaben sowie die Entschleunigung des Alltags auf die Fahne geschrieben.

Mitten im Ökonomiegebäude platziert, wird der Ofen zur eigentlichen Seele des Hauses. Hier findet man sich zusammen, hier wird gebacken, die hofeigenen Früchte werden gedörrt, nach getaner Arbeit trifft man sich, hört dem Brutzeln des Spanferkels im Grill zu oder geniesst einfach die behagliche Wärme des mächtigen Ofenkörpers …

Multifunktionaler Ofen
Entsprechend den Wünschen der Bauherrschaft galt es, eine Kombination von Dörrofen, Grill,Brotofen und Kochherd zu kreieren und ausserdem die Endwärme für einen Räucherofen zu nutzen. Der 2,65 Meter breite, 2,10 Meter tiefe und 2,15 Meter hohe Ofen umschliesst ein Volumen von 12 m3. Mit feuerfesten Dämmplatten (15 cm, bis 2000°) und einer Ummauerung mit Kaminstein (6 cm) ist er gegen aussen optimal gedämmt. Der Sumpfkalkmörtel-Verputz ist mit einem Kalkanstrich versehen. Das beachtliche Gewicht des Ofenkörpers steht auf einem massiven Betonfundament mit einer Auskragung, das auf zwei im darunterliegenden Laufstall stehenden Sockeln aufliegt. Gegen den Waschbeckenbereich schliesst ein alter, restaurierter Kochherd an, der an das Rauchabzugsystem des Ofens angeschlossen ist. Auf der linken Wandseite, die halbe Tiefe des Ofens einnehmend, ist ein grosszügiger Grill untergebracht.

Hafnertechnisches Meisterwerk
Auf der Gegenseite findet sich über der Befeuerungsöffnung ein Dörrofen, der beinahe die ganze Ofentiefe beansprucht. Links davon nutzen vier Kehrzüge von drei Metern, drei Steigzüge und ein Schlusszug von fünf Metern die aus dem Feuerraum austretende Wärme optimal aus. Dasselbe gilt für die rechts des Dörrofens angeordneten Züge, die jedoch aus Platzgründen gleichzeitig auch als Rauchabzüge des Brotofens genutzt werden können. Das Wärmefach über dem Brotofen lässt eine weitere Nutzung der austretenden Wärme zu. Die Türe des Dörrofen-Befeuerungsraums ist unterteilt und lässt sich separat öffnen, um austretenden Rauch beim Öffnen der Tür zu minimieren. Das Backfach über dem gleich gross dimensionierten Befeuerungsraum nimmt die ganze Ofentiefe ein, das darüber liegende Wärmefach dagegen nur die Hälfte, da es die zur Verfügung stehende Tiefe mit dem anschliessenden Grill auf der Küchenseite teilt.
Alle Metallteile wie Türen, Schieber, Kochherd stammen aus der Sammlung des Hafners und wurden vorgängig restauriert, das heisst gebürstet, teilweise abgelaugt, ausgebessert und abschliessend mit eingebranntem Leinöl oberflächenbehandelt.

Um bezüglich Speicherwärme auf die unterschiedlichen klimatisch bedingten Bedürfnisse reagieren zu können, führt ein Sommerzug die Wärme von Dörrofen und Kochherd direkt hoch über die Räucherkammer zum Kamin, während ein Winterzug die zur Verfügung stehende Speicherfläche des ausgeklügelten Zugsystems optimal nutzt. Auch die austretende Wärme des Kochherds wird über einen Schieber in einen weiteren Zug umgeleitet. Erst dann erreicht die Restwärme den Räucherofen.

Die Aufgabe war anspruchsvoll, jedoch belohnt das Resultat alle Beteiligten. Im folgenden Interview lassen wir Hafner und Bauherrschaft zu Wort kommen.

COVISS: Gregor Origoni, wie kamen Sie zu diesem besonderen Auftrag?
Gregor Origoni: Herr Grab ist ein langjähriger Kunde und Freund von mir. Zusammen mit ihm und seiner Partnerin, Judith Stammler, haben wir die Ideen von Grund auf entwickelt und den spezifischen Bedürfnissen der Bauherrschaft angepasst.

Welches sind für Sie die Voraussetzungen für ein Gelingen eines doch sehr anspruchsvollen Auftrags dieser Art?
Die solide Ausbildung zum Hafner, ein Handwerk, das seit Generationen in unserer Familie tradiert wird, gibt mir das fachliche Rüstzeug, auch komplexere Projekte anzugehen. Die Freude am «Tüfteln», zusammen mit der Bauherrschaft, zeigte uns machbare Wege auf. Erfahrung einerseits also, Mut zur Innovation andererseits und sorgfältige Ausführung bis ins letzte Detail sind unerlässlich für das Gelingen.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft?
Herr Grab und Frau Stammler, beide Profis in der Baubranche (Architekt und Innenarchitektin), sind mit ganz konkreten Vorstellungen eines mehrfach nutzbaren Ofens an mich herangetreten. Ihre Kenntnisse der traditionellen bäuerlichen Lebensweise, in der das häusliche Feuer eine fundamentale Rolle spielt, dienten ihnen als Grundlage für die Planung. Die machbare Umsetzung durch den Hafner war ein gemeinsamer Entwicklungsprozess, der sich für beide Seiten als ausserordentlich spannend erwies.

Erachten Sie eine doch recht intensive Holzbefeuerung in der heutigen Zeit als vertretbar?
Naturbelassenes, ausreichend getrocknetes Brennholz aus einem nachhaltig genutzten Baumbestand ist nach Wasserkraft der wichtigste erneuerbare, weitgehend CO2-neutrale einheimische Energieträger. Aufgrund der Klimaneutralität des Holzes ist eine korrekt betriebene Holzheizung absolut sinnvoll. Für die Auftraggeberschaft ist es eine Selbstverständlichkeit, den eigenen Waldbestand verantwortungsbewusst zu nutzen und zu unterhalten. Einen Ofen zu pflegen, mit Umsicht zu befeuern, für sein tadelloses Funktionieren zu sorgen, setzt jedoch viel Freude und Engagement von Seiten des Eigentümers voraus.

Worin bestanden die grössten fachlichen Herausforderungen bei diesem Projekt?
Auf der zur Verfügung stehenden Grundfläche ein System verschiedener Befeuerungen und eine optimale Nutzung der Zugsysteme aufzubauen, war alles andere als einfach.

Sind Sie als Hafner mit profunden Kenntnissen historischer Kachelöfen und Spezialist für deren Restaurierung auch für ganz neue Lösungen offen?
Ein Kachelofen ist nicht primär entweder historisch oder modern, er ist ein Stück lebendiger Wohnkultur, die zeitlos ist. Nur die Strahlungswärme eines mit Holz beheizten Ofens vermag in dieser Weise Wohnlichkeit zu verbreiten. Wenn diese Wärme zudem noch erweiterten Zwecken dienen kann, sei dies zum Dörren, Räuchern oder Kochen, dann entspricht dies ebenso der tradierten bäuerlichen Kultur. Ein Baum lässt sich Zeit zum Wachsen, ein umsichtiger Bauer ehrt dieses von der Natur geschenkte Gut, indem er es optimal nutzt. Jedes Objekt ist für mich ein Unikat, das mich fachlich herausfordert und mir die Genugtuung verschafft, mitzuarbeiten an der Erhaltung und Hochschätzung eines uralten Handwerks.

Alt und Neu − wie verträgt sich das konkret am Objekt Chumen-Hof?
Der Bauherr schafft in einer respektvollen, bedachten Weise mit modernen Gestaltungsmitteln einen reizvollen Kontrast zu der bestehenden Substanz. In diesem Sinne wird der Ofenkörper gestaltet: schlicht, schnörkellos, zurückhaltend. Er nimmt selbstständig den Dialog mit dem bestehenden Raum auf: mit den aufwendig restaurierten Russtürchen, Schiebern, Türen für Dörrofen, Brotofen, Grill, Räucherofen und dem ebenso sorgfältig wieder instandgesetzten Kochherd fügt er sich schlicht und unprätentiös ins Gesamtbild ein. Nichts wirkt kitschig oder anbiedernd, weil die durchdachte Funktionalität des «Objekts» den Ton angibt.

Wie lange haben Sie am Chumen-Ofen gearbeitet?
Sieben Wochen.

Wie rechnet sich die Lebensdauer eines Ofens dieser Art?
Bei seriöser Kontrolle und Pflege, das heisst dem regelmässigen Ausstreichen der Befeuerungen, kann der Ofen gut fünfzig Jahre ohne Schwierigkeiten funktionstüchtig bleiben.

Würden Sie die Aufgabe nochmals in der gleichen Weise angehen? Wenn nein, was würden Sie heute anders machen?
Nein, heute würde ich die Aufgabe weniger empirisch angehen. Statt einen Ofen nur aus dem Gefühl heraus, einzig auf die Erfahrung als Hafner vertrauend, aufzubauen, würde ich es heute vorziehen, zuerst den ganzen Ofen und seine Funktionsweise berechnen zu lassen. Das spart dem Hafner und ebenso der Bauherrschaft letztlich viel Nerven und Zeit. Der Ofen im Chumenhof ist gelungen, aber das Resultat musste erkämpft werden.

Frau Grab, was ist Ihnen zur Baugeschichte des Hauses bekannt?
Unser Hauptwohnhaus, das wir vor 15 Jahren vollends zurückrestaurierten und in das wir − ebenfalls von Gregor Origoni − einen historischen Kachelofen einbauen liessen, der ursprünglich im Rathaus Schwyz stand, ist 100 Jahre alt. Zusätzliche Wärme beziehen wir von einer 25 m2 grossen Solaranlage und bei trüben Verhältnissen von einer Holzstückgutheizung. Das neue Ökonomiegebäude haben wir bewusst in funktionaler und zeitgenössischer Architektur geplant, damit dann auch in «100 Jahren» die Herkunft wiederum klar ablesbar sein wird.

Entschleunigung des Alltags in unserer hektischen Zeit: Hand aufs Herz, möchten Sie nicht hin und wieder lieber den Schalter am Mikrowellenherd drehen, statt mühsam einzufeuern?
Die Wärme, die durch ein Holzfeuer entsteht, ist durch nichts zu ersetzen. So stand es ausser Frage, auf eine fossile Energie zu setzen, zumal unsere Grundgesinnung einer CO2-neutralen und atomfreien Gesellschaft sich in all unserem Tun und Wirken widerspiegelt. Die Nachhaltigkeit eines Holzfeuers und das Bewusstsein, Wärme und Energie nicht einfach der Steckdose oder dem Öltank bequem und ohne Sorge zu entnehmen, sind weitere Beweggründe zu dieser klaren Haltung.

Reicht Ihr eigener Wald für die Selbstversorgung aus, oder müssen Sie Holz zukaufen?
Unser Nachbar – ebenfalls Biobauer − fällt in seinem und unserem Wald das Holz, das dann nach dreijähriger Lufttrocknung in unseren Systemen verfeuert wird.

Gibt es noch ein zusätzliches Heizsystem im Haus?
In diesem Ökonomieteil ist dies das einzige Heizsystem, wobei das WC und die Waschanlage im Winter mit einer solarbetriebenen Elektroheizung vor Frost geschützt werden. Für den ganzen Hof produzieren wir die gesamte Elektroenergie über eine 200 m2 grosse Photovoltaikanlage, wobei die überschüssige Energie ins Netz eingespiesen wird.

Auch an Sie die Frage: Würden Sie sich wieder für einen derartigen Ofen entscheiden?
Wir befassten uns seit Jahren mit einer solchen multifunktionalen Dörrofenanlage, und dank der langen Entwicklungs- und Entscheidungszeit (Entschleunigung!) entstand dieses hervorragende Dörr-Wärme-Back-Grill- und Kochelement. Dank den fundierten Kenntnissen von Gregor Origoni und seiner überzeugenden Handwerkskunst ist dieses «Kunstwerk» entstanden. Die Entscheidung haben wir nie bereut.


Bauinfo

Bauherrschaft: Hof zum Chumen, Judith Stammler, Josef Grab, 8852 Altendorf

Hafner: Gregor Origoni, origoni gmbh, Bettenweg 12, 6233 Büron

Ausführungsteam: Richard Stegemann, Silvio Origoni, Simon Steiger

Entstehungszeit: Januar bis Februar 2011 
 
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Text COVISS
 
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