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Raumgestaltung vermittelt Erlebniswelten
Themeninseln simulieren Innenräume
 
Im Herbst 2005 überflutete ein Hochwasser in Emmenbrücke die gesamte Laden- und Lagereinrichtung der Martin Tapeten AG. Man nutzte die Gelegenheit, die Sanierung mit einem neuen Verkaufskonzept und Gesamtauftritt zu verbinden. Dabei stellten die Architekten Scheitlin-Syfrig + Partner die herkömmliche Präsentation der Ausstellung in Frage und entwickelten ein ausgeklügeltes Konzept für ein kommunikatives Eintauchen in verschiedene Innenräume.

Themen-Inseln für konkrete Innenraumwelten

Das Hochwasser im Herbst 2005 zerstörte die gesamte Ausstellung der Martin Tapeten AG in Emmenbrücke. Nichts desto trotz machte die Familie Martin weiter – mit einem geänderten Verkaufskonzept und Gesamtauftritt unter dem neuen Logo «inside martin».
Tapeten, Wandbekleidungen, Bodenbeläge und Vorhänge sollen von der Kundschaft nicht mehr isoliert, sondern in konkreten Raumsituationen betrachtet und erlebt werden können.

Die Architekten Scheitlin-Syfrig + Partner schufen in sehr kurzer Zeit und innerhalb eines knappen Budgetrahmens Themeninseln, zwischen denen Kundinnen und Kunden frei flanieren können.

Die Inseln vermitteln Innenraumwelten, die zum Verweilen einladen. Hier, im besondern Innenraum-Ambiente und unter dem Eindruck konkreter Materialien und Dekorationswaren, ist der Ort für eine wirkungsvolle Kundenberatung.

Die bewusst zurückhaltende Farbgestaltung des Ausstellungsraums verleiht den in Farbe und Material sehr vielseitigen Mustern das notwendige Gewicht.

Die Geschichte der Martin Tapeten AG reicht bis in das Jahr 1893 zurück. Das Geschäft befand sich damals im Herzen der Altstadt von Luzern. Tapeten und Bilderrahmen bildeten die Schwerpunkte des Angebots.

In den 80er-Jahren wurde der Sitz in ein neu erstelltes und verkehrstechnisch gut erschlossenes Gebäude in Emmenbrücke verlegt mit dem Ziel, sowohl Handwerker als auch Privatkunden besser betreuen zu können.

Dieser Ortswechsel ermöglichte der Martin Tapeten AG, die Verkaufs-, Lager- und Bürofläche zu vergrössern und das Sortiment auszubauen.

Neuausrichtung nach Überschwemmung
Das Hochwasser im Herbst 2005 zerstörte die Laden- und Lagereinrichtung vollständig und zwang die Familie Martin, rasch zu handeln. Es bot sich die Gelegenheit, die bisherige konventionelle Präsentationsweise von Waren und Materialien in Frage zu stellen und aufzubrechen zu einem neuen Verkaufkonzept und Gesamtauftritt. Die für die Sanierung beauftragten Architekten Scheitlin-Syfrig + Partner waren mit einer sehr kurzen Bauzeit von Dezember 2005 bis März 2006 und mit einem engen Kostenrahmen konfrontiert.

Das neue Raumkonzept sah vor, eine Erlebniswelt für die Kunden aufzubauen und die beiden Bereiche Handwerkermarkt und Privatkundschaft zu verbinden, damit gegenseitige Synergien frei werden. Das bestehende Haus in Emmenbrücke ist ein typischer Waschbeton-Büro-Lager-Bau aus den 80er-Jahren. Die Aufgabe der Architekten bestand darin, den neuen Ladenumbau auch nach aussen lesbar zu machen.

Die Baustruktur des vorhandenen Gebäudes besteht aus einer regelmässigen und durchgehenden Stützenstruktur. Alle Innenwände waren nicht tragend und konnten deshalb entfernt werden. So gewann man im Erdgeschoss einen grosszügigen Raum mit industriellem Charakter. Dieser Charakter kam den räumlichen Vorstellungen der Architekten entgegen. Im Raum können Lagergestelle für Meterwaren problemlos untergebracht werden, und diese wiederum bilden einen erwünschten dezenten Kontrast zu den edlen Einbauten.

Der Eingang für die beiden Verkaufsbereiche (Handwerker- und Privatkundenmarkt) wurde zusammengelegt und zentral angeordnet. Der Empfang mit der grosszügigen Theke beinhaltet gleichzeitig die Arbeitsplätze der Kundenberater und eine Teeküche – die Gäste sollen schon zu Beginn ihres Besuchs freundlich empfangen werden und sich wohl fühlen. Kundennähe und Überblick waren denn auch zentrales Thema bei der Anordnung und Ausgestaltung dieses offenen Empfangbereichs.

Erlebniswelt – Simulationslösungen
Tapeten, Wandbekleidungen, Bodenbeläge und Vorhänge, die das Schwergewicht des Sortiments bilden, sollen von der Kundschaft nicht mehr isoliert, sondern in konkreten Raumsituationen betrachtet, ja erlebt werden können. Dieser Anspruch führte zur Idee, Themenbereiche zu schaffen, die architektonisch als inselartige Körper umgesetzt wurden. Vier Themeninseln: «Natur», «Design», «Tradition» und «Welt der Kinder» wurden definiert. Das besondere Erlebnis in der weiten Verkaufsfläche besteht darin, zwischen den verschiedenen Themeninseln flanieren zu können. Betritt der Kunde eine Insel, taucht er in einen simulierten Wohnraum ein.

Die konzeptionelle Ausgestaltung der Inseln lässt das Auswechseln der Oberflächen zu und erlaubt dem Berater, auf die Wünsche der Kunden einzugehen. Um der Realität möglichst nahe zu kommen, sind die Muster grossflächig zueinander angeordnet.

Farben und Oberflächen
Die Farbgestaltung des Ausstellungsraums ist sehr zurückhaltend. Die zahlreichen, in Farbe und Material sehr vielseitigen Muster sollen vor einem neutralen Hintergrund zur Geltung kommen – eine farbliche Konkurrenzsituation soll vermieden werden. Aus diesem Grund wurden Inseln, Regale, Korpusse und Tische schwarz lackiert. Einzig der Empfangsbereich tritt in goldig glänzender Farbe wichtiger in Erscheinung und vermittelt Präsenz.

Der Boden, ein über zwanzigjähriger Holzzementbelag, wurde ergänzt und mit einer pigmentierten Ölung und unter Zusatz von Glimmer aufgefrischt. Alle verwendeten Farben sind RAL-Farbmischungen, wobei die Architekten die Farbenklaviatur von Le Corbusier stets begleitete.

Das neue Logo von «inside martin» wurde zum wichtigen Bestandteil des Farbkonzepts. Die Logo-Farben dienen im Innenraum zur Orientierung und kennzeichnen die Themenbereiche der unterschiedlichen Inseln. Im Aussenraum treten lediglich die Farben des Logos in Erscheinung, die übrigen Fassadenflächen wurden bewusst reduziert.

Licht unterstützt Raumwelten
Den Architekten war bewusst, dass eine falsche Lichtgebung das Konzept unleserlich machen und die zu verkaufenden Materialien ungünstig präsentieren würde. Deshalb liessen sie sich von der Sphinx-Lichttechnik in Luzern beraten, wobei hierzu auch die Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft sehr wichtig war.

Die Inseln wurden in ihren inneren Bereichen themengerecht mit Leuchten ausgestattet, damit der jeweils gewünschte Wohnzimmercharakter entsteht. Aussen umspannt ein bodennahes Leuchtenband die Inseln. Diese Lichtgebung lässt vor allem bei Dunkelheit die Inseln schweben und zelebriert die Illusion eines simulierten Raumes. Nebst den diversen Lichteffekten war auch ein Bereich mit tageslichtähnlichem Spektrum von Bedeutung, damit Farbenzusammenstellungen besser beurteilt werden können. Der Lagerbereich, zu dem visuell eine Verbindung zum Kundenbereich besteht, musste mit zweckmässigem Licht ausgestattet werden. Dennoch wurde darauf geachtet, dass kein Streulicht die andern Bereiche beeinflusst. 
 
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Text Tanja Temel und Mathis Meyer, Scheitlin-Syfrig + Partner Architekten
Bild Walter Mair, Zürich
 
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