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Planen und beraten
Baukultur setzt Gesprächskultur voraus
 
Die Pflege eines historischen Ortsbildes Bedarf einer Gesprächskultur. Über Farbe und Oberfläche muss gesprochen werden, und auch die Bauten sollten stets untereinander in einen lebhaften und respektvollen Dialog treten.

Ein Ortsbild, ein Strassenzug, ein Platz, ein Ensemble oder auch die Natur können durch eine unangemessene Farbgestaltung in ihrer räumlichen, atmosphärischen sowie ästhetischen Qualität empfindlich und für längere Zeit gestört werden. Umso wichtiger ist es, dass über Farbe und Oberfläche im Kontext der natürlichen und gebauten Umgebung gesprochen wird.

Alle Beteiligten − Behörden, Handwerker, Hausbesitzer, Farbgestalter, Architekten und die Industrie − sind aufgerufen, eine entsprechende Gesprächskultur aufzubauen und zu pflegen.

Die Behörden
Es gibt für Gemeinden und Städte verschiedene Möglichkeiten, das gestalterische und technische Niveau von Fassadengestaltungen sicherzustellen. Einerseits kann die Bevölkerung sensibilisiert werden, andererseits sollen die Bewilligungsinstanzen geschult oder mit entsprechenden Fachkräften besetzt werden. Besonders hilfreich sind Grundlagen wie die Farbkarten im neu erschienenen Buch «Farbkultur im Thurgau pflegen und gestalten». Solche eigens für einen Ort geschaffenen Werkzeuge wie etwa eine Farbkarte, ein Farbfächer oder andere farbspezifische Beratungs- und Planungsinstrumente können von einem erfahrenen, interdisziplinären Team mit verhältnismässig geringem Aufwand entwickelt werden. Der Nutzen ist gross, lässt sich doch auf einer soliden Basis und mit konkreten Argumenten zielgerichteter und effizienter planen und beraten. Eine ortsbezogene Studie zur Farbe hilft, wichtige Aspekte der Farbgestaltung sowie im Ort bereits vorhandene Qualitäten aufzuzeigen und die Diskussion sachlich zu halten. Ebenso ist es von Vorteil, wenn die Behörden eine Beratung für Bauherrschaften aktiv anbieten und zu diesem Zweck mit Fachleuten für Farbgestaltung zusammenarbeiten.

Wird Farbe längerfristig im Siedlungsraum mit Bedacht eingesetzt, trägt sie dazu bei, einen Ort ästhetisch aufzuwerten, zu strukturieren und zu ordnen. Gelungene Beispiele werden als Vorbilder Schule machen und zur Nachahmung anregen, was auch ohne Reglementierung eine kontinuierliche Steigerung der Ortsbildqualität mit sich bringen kann. Eine sorgfältig gestaltete Umwelt fördert den achtsamen Umgang und die Identifikation mit ihr.

Die Handwerker
Die entscheidenden Fachleute bei der Umsetzung von Anstrichen und Fassungen sind die Malerinnen und die Maler. Insbesondere im historischen Kontext sind Handwerker gefragt, die den Umgang mit traditionellen Materialien und Techniken beherrschen und über die Zusammensetzung und Eigenschaften sowohl alter als auch neuer Malmittel fundiert Bescheid wissen. Ausserdem sollten ihr allgemeiner Farbensinn und ihr Wissen über historische Farbigkeit überdurchschnittlich sein sowie auch ihre Bereitschaft, nach individuellen handwerklichen Lösungen zu suchen. Gleichzeitig bestehen sie mit Vorteil darauf, grossflächige Muster anzufertigen, die nicht nur zur Beratung des Bauherrn, sondern auch für die Feinabstimmung des Farbklangs und für das Abklären technischer Fragen dienen. Eine hohe Handwerkskultur über Generationen aufrechtzuerhalten und im Betrieb sowie auf den Baustellen weiterzugeben, erfordert Erfahrung, Willen und Geschick.

Die Berufsverbände
Die Verantwortung für die Ausbildung der Fachleute liegt im dualen Bildungssystem bei den Berufsverbänden. Diese sind gefordert, Materialkunde als zentrales Fachwissen in der Grundausbildung zu fördern und ein breites, marktunabhängiges Handwerkswissen zu vermitteln. Spezifische Weiterbildungen bieten Handwerkern zudem die Möglichkeit, historische und gestalterische Aspekte zu vertiefen und sich zu spezialisieren. Verschiedene Berufsverbände haben die Notwendigkeit besonders geschulter Handwerksleute erkannt und mit den beiden Berufsprüfungen «Handwerker/-in in der Denkmalpflege» sowie «Gestalter/-in im Handwerk» auf die Nachfrage reagiert.

Die Hauseigentümer
Wer ein Haus besitzt, trägt ein Stück Verantwortung für den öffentlichen Raum – in besonderem Mass für einen Teil der Geschichte und Baukultur bei einem historischen Bau. Stehen Fassadenerneuerungen und -gestaltungen an, ist diese Verantwortung wahrzunehmen. Bauherrschaften sollten sich ausreichend Zeit nehmen, die Eigenschaften und Qualitäten ihres Hauses und von dessen Umfeld zu erkunden. Mit kompetenter Beratung lässt sich eine Farbgestaltung entwickeln und realisieren, die auch nach vielen Jahren allgemein Freude bereitet.

Die Farbgestalter und Architekten
Farbgestalter und Architekten sind in der Pflicht, sorgfältig und kontextbezogen zu beraten. Farbkarten geben lediglich Anhaltspunkte für eigene Recherchen und Entwürfe. Der Dialog mit den Behörden und den ausführenden Handwerkern bleibt dabei eine wichtige Voraussetzung für optimale, situationsgebundene Lösungen, die sowohl gestalterisch als auch technisch befriedigen. Keinesfalls sollten die Farbkarten individuelle oder raffinierte Gestaltungen, die sich innerhalb der Farbwelt des Ortes bewegen oder sie qualitätsvoll bereichern, verhindern.

Die Industrie
Im Zentrum der Betrachtungen steht nicht nur die Pflege eines architektonischen Erbes, sondern auch die Bewahrung einer althergebrachten und reichen Handwerkskultur. Um die traditionellen Techniken weiterhin zur Erhaltung der historischen Bausubstanz anwenden zu können, ist auch die Industrie gefragt. Sie ist aufgerufen, entsprechende Produkte anzubieten, wobei die Zusammensetzung der Materialien transparent und eindeutig angegeben werden muss. Mit einer solchen Deklaration anerkennt die Industrie die Handwerker als kompetente und eigenverantwortliche Partner. Ein fundiertes Wissen über die verarbeitenden Materialien ist eine Grundvoraussetzung für sorgfältige und nachhaltige handwerkliche Arbeit, wie sie dem Stand eines Handwerksmeisters entspricht.

Die immense Vielfalt an Farbnuancen und Materialien, die heute verfügbar ist, macht eine öffentliche Diskussion zum Thema Farbgestaltung in der Architektur wichtig und notwendig. Sie soll Teil einer breit geführten Diskussion über unseren Umgang mit öffentlichem Raum und mit Landschaft sein, in die sich alle am Bauprozess beteiligten Akteure auf einer fundierten und schlichten Basis einbringen können. Dabei ist die Ästhetik nur ein Aspekt − gleichermassen geht es um die Erhaltung von Baukultur und um die Pflege einer regionalen Identität. 
 
Ausgabe "2014/1 - Februar" bestellen
 
Text Farbkultur im Thurgau pflegen und gestalten (Quelle)
Bild Donato Fisch, COVISS
 
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