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Lasurtechnik und Ökologie
Farben sinnlich erleben
 
Farben wirken unterschiedlich. Nicht jeder Mensch reagiert auf einen bestimmten Farbton gleich. Und ein sonniges Gelb wirkt anders als ein tiefes Ultramrinblau. Das ist vielleicht noch allgemein bekannt. Dass solche unterschiedlichen Qualitäten von Farben und Farberlebnissen das handwerkliche Tun beeinflussen, ist weniger bewusst. Den Arbeiten von Künstlerin und Farbgestalterin Michelle Hürlimann liegt ein einfühlsamer Umgang mit Menschen, mit ökologischen Zusammenhängen, mit Farbzusammensetzungen und Farbwirkungen zugrunde. Die Lasurtechnik ist für Michelle Hürlimann Schlüssel zur gestalterischen Umsetzung von Mehrschichtigkeit, Tiefe und Transparenz.

COVISS:
Frau Hürlimann, was bedeuten Gestaltungsmaterialien, insbesondere Farben für Sie persönlich?
Michelle Hürlimann: Farben sind sinnlich erlebbar. Die Wirkung eines sonnigen Gelbs auf den Menschen unterscheidet sich grundsätzlich von der Wirkung eines tiefen Ultramarinblau. Diese unterschiedlichen Qualitäten sind bis ins Handwerkliche zu erleben.

COVISS: Wie meinen Sie das?
Michelle Hürlimann: Wenn ich ein Gelb als Lasur auf eine Wand auftrage und dabei nicht sorgfältig arbeite, beachtet man diese Fehler viel weniger, als wenn mir das Gleiche im Blau passieren würde. Das Gelb hat eine solche Strahlkraft oder Sonnenqualität, dass man die Farbränder gar nicht sieht – das Gelb strahlt einfach über die Grenzen hinaus. Anders, wie gesagt, beim Blau: Jeder Fehler bildet sich deutlich heraus, und es entstehen unerwünschte Ränder. Jede Farbe ist für mich wie ein Tor zu einer anderen Empfindung.

COVISS: Haben Material und Technik auf diesen Erschliessungsprozess von Empfindungen einen Einfluss?
Michelle Hürlimann: Auf jeden Fall.

COVISS: Wählen Sie deshalb Material und Technik nach bestimmten Kriterien aus?
Michelle Hürlimann: Ich selber bevorzuge ökologische Farben.

COVISS: Aus welchen Gründen?
Michelle Hürlimann: Ökologische Farben sind umweltfreundlich, atmungsaktiv, riechen gut und sind von hoher Qualität. Solche Farben vermitteln Offenheit und Transparenz, was mir und meiner Arbeitsweise sehr entspricht. Die Weissgrundierung ist nicht so deckend wie herkömmliche Grundierungen, dafür hat sie eine viel feinere Schwingung und trägt zu einem guten Raumklima bei. Der Bienenwachslasurbinder, mit dem die Pigmente gebunden werden, ist sehr gut zu verarbeiten. Ich verbinde mich mit den Produkten, mit denen ich arbeite. Die Beziehung zu ihnen ist mir wichtig. Übrigens besteht auch bei ökologischen Farben die Möglichkeit, die Oberfläche wischfest oder gut abwaschbar zu machen.

COVISS: Dann arbeiten Sie ausschliesslich mit ökologischen
Produkten?
Michelle Hürlimann: Nein. Aber wenn möglich schon. Dogmatisch sehe ich das Ganze aber auf keinen Fall. Ich spreche die Technik und Material mit den Kunden ab. Innerhalb der Lasurtechnik gibt es viele Erscheinungsformen – unabhängig davon, ob mit ökologischen oder weniger ökologischen Produkten gearbeitet wird. Ich kann sehr fein und harmonisch arbeiten, eine grobe Struktur machen, bis hin zu sehr dynamischen Pinselstrichen. Das Ganze ist ein Findungsprozess, den ich gemeinsam mit dem Auftraggeber gehe.

COVISS: Was verstehen Sie weiter unter Lasurtechnik?
Michelle Hürlimann: Bei der Lasurtechnik handelt es sich um ein Verfahren, bei dem mehrere transparente Farbschichten übereinander gelegt werden. Die Endgültige Farbe entsteht erst auf der Wand. Durch das Schichten der Farben erzielt man eine grosse Raumtiefe, besonders wenn man mit den Komplementärfarben arbeitet. Schaue ich auf eine lasierte Wand, ist der Anblick für das Auge Entspannung und Anregung zugleich.

COVISS: Besteht ein Verhältnis oder eine Verbindung vom zu verarbeitenden Material zu den Formen, Effekten und Stimmungen, die damit geschaffen, erzeugt oder aktiviert werden?
Michelle Hürlimann: Ja natürlich. Ich gehe immer vom gegebenen Raum aus, und die wichtigste Frage ist: Was wünsche ich mir für diesen Ort? Was findet hier statt? Wie kann ich über Farbe und Form die gewünschte Stimmung erzeugen? Ein Konferenzraum braucht etwas ganz anderes als ein Gebärzimmer oder Eingangsbereich einer Primarschule.

COVISS: Und die Frage der Ästhetik…
Michelle Hürlimann: …ist für mich nicht die allerwichtigste. Ich gehe von den Eigenschaften der Farben aus. Die äussere Ästhetik steht dabei nicht im Vordergrund, wobei sie natürlich immer eine wichtige Rolle spielt. Jedes Gebäude erhält sein massgeschneidertes Kleid und ist nicht beliebig austauschbar. Die Ästhetik geht wie ein roter Faden durch das Gebäude und ist für das Gelingen des Gesamtkonzepts verantwortlich.

COVISS: Sie stehen als kreative Gestalterin im Raum – und befinden sich im Spannungsfeld von eigenen Ideen, Vorlieben und jenen Ihrer Kunden. Wie gehen Sie damit um?
Michelle Hürlimann: Die Herausforderung ist der gemeinsame Findungsprozess. Ich nehme mir viel Zeit für Gespräche, um Wünsche und Bedürfnisse zu erfahren. Dann habe ich natürlich auch Anschauungsmaterial, damit sich der Kunde ein Bild machen kann. Wenn wir über ein Gelb sprechen, so hat doch jeder und jede ein anderes Gelb vor Augen. Also müssen wir unterscheiden zwischen einem Zitronengelb und einem intensiven Sonnengelb. Sonst entstehen Missverständnisse.

COVISS: Worum geht es Ihnen bei Ihren gestalterischen Interventionen vor allem?
Michelle Hürlimann: Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, ein Farbkonzept zu schaffen, in dem die gewünschten Inhalte mit dem äusseren Erscheinungsbild stimmig sind. Ich arbeite für Menschen, die sich in diesen Räumen bewegen und sich darin wohl fühlen sollen.

COVISS: Zur Erzielung von Effekten spielt das Experimentieren eine wichtige Rolle. Wie gelangen Sie vom Experiment zur sicheren, alltagstauglichen Anwendung am Objekt Ihrer Kunden?
Michelle Hürlimann: Die Experimente entstehen aus dem Moment heraus. Wenn ich an einem Objekt arbeite, ist das nie Routine, sondern ein offener, lebendiger Prozess, in dem die schon genannten Faktoren alle eine Rolle spielen. Zentral für Experimente und deren Möglichkeiten ist das Vertrauen zwischen mir und dem Auftraggeber. 
 
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