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Historische Bausubstanz erhalten
Dachsanierung ergänzt Gesamtrestaurierung
 
Die 1890 vom englischen Architekten Edward Heweston erbaute Villa Vicovaro, auch Villa Dreilinden genannt, gilt als eine der bedeutendsten Bauten der Wendezeit vom 19. zum 20. Jahrhundert in der Stadt Luzern. Zusammen mit dem 1892 ebenfalls von Edward Heweston erbauten Ökonomiegebäude, dem 1904 von Architekt Arnold Bringolf, Luzern, entworfenen Pförtnerhaus und der Parkanlage mit Torruine bildet die Villa ein wertvolles Ensemble und ist im kantonalen Denkmalverzeichnis eingetragen. Grundrisse und Fassaden mit all ihren verschiedenen Auskragungen, Türmen und Öffnungen zeigen eine äusserst verspielte Disposition. Nun wurde das von der Musikhochschule (Konservatorium) genutzte Gebäude sorgfältig an Dach und Fassade restauriert.

Der Dreilindenpark mit einer Fläche von 35’000 m2 ist der grösste öffentliche Park in der Stadt Luzern. Elenora Cenci, Fürstin von Vicovaro, erwarb das Grundstück 1890 und liess es 1890/91 nach Plänen des Architekten Edward Heweston als Englischen Landschaftsgarten bebauen. Die Anlage umfasst im Gartengelände die schlossähnliche Villa Vicovaro, ein Ökonomiegebäude, ein Pförtnerhaus sowie eine künstliche Torruine, verschiedene Marmorskulpturen und eine Grotte. Auf einem Hügel östlich der Stadt Luzern gelegen, bietet sie einen weiten Blick ins Alpenpanorama.

Die Villa Vicovaro, in der die Musikhochschule untergebracht ist, erweckt den Anschein eines Jagdschlösschens, wobei die Erschliessungszone mit der Eingangshalle martialischer wirkt als die übrige Villa. Die Eingangshalle, Zinnen und der Turm verleihen dem Bau einen burgähnlichen Charakter, die übrigen Fassaden mit den grossen Fenstern der Wohnräume erinnern an ein Schloss. Es sind die verspielten Grundrisse und die rustikale Sandsteinbauweise mit den bossierten Eckquadern, die dem Bau das wehrhaft pittoreske Äussere eines Jagdschlösschens geben. Die Fachwerkgiebel, Krüppelwalmdächer und das turmähnliche Dach über dem Eckerker setzen diese Illusion auch in der Dachlandschaft fort.

Restaurierung − schonender Umgang mit der Bausubstanz
Die 2011 am Ökonomiegebäude begonnene Sandsteinkonservierung und -restaurierung wurde 2012 an der Villa weitergeführt. Der Sandstein für das unregelmässige Bossenmauerwerk wurde in der nahegelegenen Felsgrotte abgebaut. Massive Schäden wie Risse und Schalenbildung an den Bossen machten eine Fassadensanierung unumgänglich. Als Grundlage für das Restaurierungskonzept diente eine detaillierte Schadenskartierung. Umfang und Art der Massnahmen wurden aufgrund von Referenzflächen bestimmt. Sie orientierten sich an einem möglichst schonungsvollen Umgang mit der Bausubstanz: Steine wurden gesichert und Risse geschlossen, um das weitere Eindringen von Wasser zu verhindern. Zeichnende Architekturelemente wie Ecken, Kanten, Gurten und Fensterbänke und vereinzelte Bossen wurden aufmodelliert. Die Restaurierung profitierte von der grossen Erfahrung der Berner Münsterbauhütte, die die Arbeiten fachlich begleitete.

Renovierung von Dach und Fassade
Das imposante, vielfältig aufgefächerte und geneigte Dach war mit kleinformatigen, asbesthaltigen Faserzementplatten belegt. Nun wurde es mit speziell angefertigten Eternitplatten gleichen Formats neu eingedeckt. Die bauzeitliche Farbfassung des Gebäudeäusseren, insbesondere von Holzwerk und Fenstern, wurde − gestützt auf die Analyse von Farbbefunden − wiederhergestellt. Restauriert wurde auch der gesamte Fensterbestand; die Fensterflügel sind neu mit einem Isolierglas aufgedoppelt. Heute präsentiert sich die Villa Dreilinden wieder als gepflegte, eindrückliche Architekturschöpfung im «englischen Stil».


Substanzerhaltung – notwendige Fassaden- und Dachsanierungen
Seit der Bauzeit 1890 bis um 1957 hat die Villa Dreilinden an der Aussenfassade kaum Veränderungen erfahren. Eine erste grosse Fassadenrenovation wurde 1973 bis 1975 ausgeführt. In dieser Zeitspanne ersetzte man die bestehende kleinformatige Naturschieferdeckung durch eine entsprechende Eternitdeckung. Gleichzeitig mit der Neueindeckung erhielten die Dächer eine neue Unterdachschalung aus sägerohen Brettern sowie, zu dieser Zeit üblich, eine bituminöse Dachpappe.

Wegen des baulichen Zustands und der Tatsache, dass mit den Unterhaltsmitteln die Bausubstanz längerfristig nicht mehr instandgehalten werden konnte, liess der Stadtrat 2009 für die Fassaden- und Dachsanierungen sowie die dringenden baulichen und sicherheitsrelevanten Bedürfnisse einen entsprechenden Massnahmenkatalog ausarbeiten.

Die undichten Dächer wurden über die Jahre hinweg jeweils provisorisch geflickt. Nach einem Wassereinbruch 2009 wurden beim Öffnen der Decken des nordwestlichen Eckrisalits massive Schäden an den Balken und Sparrenköpfen im Dachfussbereich gefunden. Die Holztragkonstruktion war durchgefault und drohte einzustürzen. Aufgrund dieser Vorkommnisse wurde im Sanierungsprojekt definitiv entschieden, sämtliche Dächer auf- und neu einzudecken und die kritischen Stellen im Dachfussbereich zu kontrollieren.

Vielseitige Dachformen – komplexe Arbeiten
Das Haupthaus ist mit einem vom Turm durchbrochenen Vollwalm eingedeckt. Ein Kreuzgiebel ist mit einem Krüppelwalm überdeckt. Die beiden Risalite springen nord- und südseitig polygonal aus der Fassade vor; an jenen auf der Südseite, eingedeckt durch ein normales Giebeldach, schliesst der oktogonale Turm mit spitzem Helm an.
Die Sanierungsarbeiten am Haupthaus wurden im Frühjahr 2012 gestartet. Bis Ende 2012 konnten die gerüstabhängigen Arbeiten am Dach fertiggestellt werden. Sie erforderten handwerkliches Know-how und Erfahrung der Dachdecker- und Spenglerfirma Ruedi Distel AG und ihren am Bau beteiligten Leuten sowie – auf der Ebene der Architekten, Schmid Krieger AG – anspruchsvolle Planungs- und Koordinationsaufgaben. «Eine grosse Herausforderung seitens der Bauleitung war die vernünftige Etappierung und Definierung der zeitlichen Bauabläufe in Abhängigkeit der verschiedenen Arbeitsgattungen», stellt Architekt und Bauleiter Markus Krieger mit Blick auf die erfolgreich über die Bühne gebrachte Bausanierung fest. «Aufgrund der vielen verschiedenen Dachformen und komplizierten Anschlusslösungen mussten die Arbeiten unter den Handwerkern vor Ort exakt abgesprochen werden», ergänzt Krieger.

Dachhaut mit asbesthaltigem Eternit sowie Lattung und bituminösem Unterdach wurden abgebrochen und vorschriftsgemäss entsorgt, sämtliche Spenglerbleche (First, Grat, Trauf-, Ort- sowie Einlaufbleche) ersetzt. Die bestehende Unterdachschalung konnte belassen bleiben, soweit das Holz in gutem Zustand war. Im Dachfussbereich wurde die Unterdachschalung punktuell entfernt und das Konstruktionsholz auf Fäulnis sowie Pilz- oder Wurmbefall kontrolliert. Die Schalung musste wieder fachgerecht ergänzt werden. Beim Abdecken wurden unter der Dachhaut Teile der ursprünglichen Naturschieferdeckung gefunden. Sie waren für den Wiederaufbau der Dachlandschaft, der denkmalpflegerischen Ansprüchen zu entsprechen hatte, aufschlussreich.

Kleinformatige Dachschindeln – spezielle Anfertigung
Mit Hilfe eines Musterfelds, das mit Normformatschindeln von 40 cm Breite eingedeckt worden war, versuchte man, dem ursprünglichen Eternitformat aus den 1970er Jahren am nächsten zu kommen. Die gegenüber der originalen Dachdeckung fast doppelt so breiten Schindeln ergaben jedoch auf den verschieden grossen Dachflächen ein unbefriedigendes Gesamtbild ab – das Dach wirkte zu unruhig. Überdies geht aus älteren Bildquellen hervor, dass die Dächer früher mit kleinformatigeren Schieferplatten gedeckt waren. In Zusammenarbeit mit der Eternit AG wurde schliesslich für dieses bedeutende historische Objekt eine denkmalpflegerisch optimierte Spezialanfertigung mit den gewünschten kleinformatigeren Dachschieferplatten möglich. Mit diesem neuen und für das historische Objekt doch würdigen Eternitprodukt gedeckt, erscheint das Dach mit all seinen verschieden grossen und vielfältig geneigten wie auch geformten Feldern als ein in sich stimmiges Ganzes. Mehr noch: Die rekonstruierte Dachlandschaft komplettiert in Struktur, Farbe und Glanz den einzigartigen Charakter des historisch wertvollen und sorgfältig restaurierten Gebäudes.


Bauinfo

Objekt:
Villa Vicovaro, Musikhochschule (Konservatorium), Dreilindenstrasse 93, Luzern

Bauherrschaft: Stadt Luzern, Baudirektion, Abteilung Immobilien – Projektleitung: Andreas Madoery

Architektur und Bauleitung: Markus Krieger, Schmid Krieger AG, Luzern

Denkmalpflege: Cony Grünenfelder, Kantonale Denkmalpflegerin, Luzern

Dachdecker- und Spenglerarbeiten: Christian Distel, Ruedi Distel AG, Luzern

Spezialanfertigung Dachschieferplatten: Reinhold Seeger, Eternit (Schweiz) AG, Niederurnen
 
 
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Text COVISS (Quelle: Markus Krieger, Cony Grünenfelder, Christian Distel, Reinhold Seeger)
Bild Jürg Zimmermann
 
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