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Fast vergessene Technik für moderne Einsätze
Leim- und Digitaldruck im Vergleich
 
Leim- oder Digitaldruck? Die Frage stellte sich im Zusammenhang mit der Renovation der Bibliothek im Schloss Waldegg bei Solothurn. Die im Rahmen der Renovationsarbeiten geführte Diskussion macht die verschiedenen Standpunkte gegenüber der Tapete und ihrer Wertigkeit deutlich.

Entscheidung viel zugunsten der Leimdrucktapete

Für beide Druckarten – Digitaldruck und Leimdruck – sind berechtigte Anwendungsbereiche vorhanden, gleich ob von historischen oder modischen Vorlagen gesprochen wird. In jedem Fall soll die vom Anwender gewünschte Wirkung erzielt werden.

Der Digitaldruck erlaubt die Kopie einer Vorlage und den Nachdruck in jeder Menge, zu jeder Zeit und auch für eine breitere Streuung des Produkts.

Der Leimdruck als Sonderdruck erfolgt exklusiv für den Auftraggeber. Die Walzen werden nach dem Druck mit der Ware dem Besteller übergeben. Ein Nachdruck ist deshalb auch nur für ihn möglich.
Beide Druckverfahren eignen sich für die Herstellung von Wandbekleidungen nach persönlichen Wünschen. Digitaldruck gleich Grossbild und dekorative Fläche, Leimdruck gleich Tapete mit handwerklichem Charme.

Die Kosten für den Leimdruck sind bei einer grösseren Menge ab zirka 600 Quadratmeter mit jenen für den Digitaldruck vergleichbar.

Im Schloss Waldegg fiel die Entscheidung zu Gunsten der Leimdrucktapete. Für den Betrachter entsteht das Bild einer im Handdruck gefertigten Tapete, eine wirkliche Rekonstruktion.

Der Bibliotheksraum aus dem 18. Jahrhundert sollte so weit als möglich in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden. Dazu gehört auch die Gestaltung der Wände mit einer Tapete aus dieser Zeitepoche (siehe Bilder auf Seite 20).

Mit Unterstützung von Bernard Jacqué, Konservator des Tapetenmuseums in Rixheim, konnte eine Handdrucktapete aus dem Jahr 1789 festgelegt werden, die für den zu renovierenden Raum passte. Diese Tapete wurde 1789 mit Handmodeln gefertigt und musste nun mit einer heute verfügbaren Technik rekonstruiert oder kopiert werden.

Von den für den Tapetendruck genutzten Techniken kommen im vorliegenden Beispiel wegen der relativ kleinen Menge zu druckender Ware nur der Digital- oder Leimdruck in Frage. Der Digitaldruck ist mengenunabhängig; der Leimdruck, mit langsam laufender Maschine, ist ebenfalls für Kleinmengen geeignet.

Dafür und Dagegen
Die Druckvorlage für den Digitaldruck ist das Originalmuster. Das in den Computer gescannte Muster kann problemlos in Grösse und Farbe verändert werden.

Für den Leimdruck sind Walzen erforderlich, die der Veränderung des Musters wegen der Druckwalzenbreite und des Walzenumfangs Grenzen setzen. Für jede Farbe des Musters wird eine Walze benötigt. Die grösste uns bekannte noch funktionsfähige Leimdruckmaschine hat acht Farbwerke. Es können also Tapeten mit bis zu acht Farben pro Design gedruckt werden. Farbnuancen zu verbessern ist beim Digitaldruck einfacher, aber die Farbqualität – die Festigkeit und die Leuchtkraft der Farben – kann nicht verändert werden. Beim Leimdruck hingegen ist jede Veränderung der Farbe ein neuer Mischprozess, der bei kleinen Mengen von Hand ausgeführt werden muss. Der Zeitaufwand ist deshalb nicht vergleichbar, dafür aber die Möglichkeit, Farbqualität und Farbausdruck zu verändern, sehr viel grösser.

Die Übertragung der Farbe auf den Träger ist beim Digitaldruck durch das Druckelement vorgegeben – eine manuelle Veränderung ist nicht möglich. Die Übertragung der Farbe erfolgt beim Leimdruck über ein Filztuch auf die Walze, und erst dann auf das Trägermaterial. Durch diese indirekte Farbübertragung ist eine grosse Flexibilität in der Farbmenge möglich.

Gegenüber dem Digitaldruck steht beim Leimdruck eine breitere Palette an Trägermaterialien zur Verfügung. Es können, wenn die Struktur erwünscht ist, unbeschichtete Vliese zum Einsatz kommen. Spaltbare und vollkommen abziehbare Papiere sind beim Einsatz der Leimdrucktechnik eine Selbstverständlichkeit.

Endgültiges Druckbild entscheidet
Beim Digitaldruck wirkt die Oberfläche wie die Wiedergabe eines gedruckten, vergrösserten Bildes. Dabei handelt es sich um eine neue Form der Wandbekleidung, aber keine Tapete im eigentlichen Sinn
des Wortes. Das Resultat bleibt die Kopie einer Vorlage. Für die Herstellung dekorativer Gestaltungselemente, bei denen die Vorgaben der Mustergrösse jede andere Drucktechnik unmöglich macht, ist der Digitaldruck nicht zu überbieten (siehe Seniorenresidenz Tertianum Zürich Enge, COVISS, Oktober 2005).

Beim Leimdruck ist die Gestaltungsfähigkeit der Oberfläche ein unschätzbarer Vorteil. Alleine durch die Möglichkeit der differenzierten Farbmenge pro Walze ist eine lebendige, handwerklich wirkende, strukturierte Oberfläche erzielbar. Die spezielle Farbe (Kreidemischungen), die Farbmenge und die verschiedenen, auch im Leimdruck möglichen Druckverfahren – zum Beispiel Nass gegen Nass oder Nass auf Nass – lassen eine Rekonstruktion und keine Kopie entstehen.

Beim Digitaldruck sind Reinigungsfähigkeit und Lichtechtheit von der Farbe des Druckers abhängig und nicht veränderbar. Beim Leimdruck dagegen ist durch den Zusatz von Bindemitteln, ohne dass der Charakter der Farben sich merklich verändern muss, die gewünschte Qualitätseinstellung erreichbar. 
 
Ausgabe "2006/5 - September" bestellen
 
Text Dieter M. Ulbrich
Bild Tanja Taubert, Dieter M. Ulbrich
 
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