Home     
| Home |   | Sitemap |   | Testimonials |   | Partner |   | Links |   | Stichwortverzeichnis |   | Inscreenum |  

| Aktuelle Ausgabe
| Archiv
| Anzeigen
| Abo/Einzelausgaben
| Veranstaltungen/Dienste
| Über COVISS
| Redaktion/Verlag
| Leserbriefe
| Kontakt
| Impressionen
| Bestellung Buch




Umnutzung des Konvikts in Sarnen
Balance zwischen Alt und Neu hergestellt
 
Das Konvikt-Gebäude der benediktinischen Klostergemeinschaft in Sarnen wurde 2011/2012 restauriert und dem neuen Verwendungszweck einer modernen Volksschule angepasst. Im Sinne der Besitzer und der kantonalen Kultur- und Denkmalpflege wurde das Gebäude in der Erscheinung weitgehend in den Zustand von 1910 zurückgeführt. Farbgestalterische Aspekte spielten dabei eine wichtige Rolle.

Das Konvikt Sarnen wurde 1868 als Internat des Benediktiner-Kollegiums Sarnen erbaut. Bei einer umfassenden Renovation wurde das Gebäude 1910 mit einer zweigeschossigen Dachgestaltung erweitert, was dem Haus einen neuen Charakter verlieh. Beim Erdbeben 1964 entstanden erhebliche Schäden − eine Renovation drängte sich auf. Die Fassade wurde purifiziert und bekam einen sandfarbenen Anstrich.

Seit Sommer 2012 wird das unter Denkmalschutz stehende und 2011/2012 umfassend restaurierte Gebäude von der Gemeinde Sarnen für die integrierte Orientierungsschule genutzt.

Eigenständig im Auftritt – harmonisch im Kontext
Direkt an der Hauptstrasse gelegen, eingebettet zwischen historischem Kollegium, neuer Kantonschule und moderner Kollegi-kirche, übernimmt das Konvikt eine Vermittlerrolle zwischen Alt und Neu. Um dem Gebäude seinen ursprünglichen Charakter zurückzugeben, wurde beim aktuellen Umbau der architektonische Schmuck rekonstruiert und die Fassade wieder mit mineralischem Putz und Farbanstrich versehen. Das Kolorit der Fassade basiert auf einem historisch belegten Grün. Für die Umsetzung heller definiert, lässt die neue Farbe das Konvikt frisch und leicht erscheinen. Olivgrüne Jalousien runden das Bild ab. Das Sockelgeschoss ist in einem warmen, hellen Grau gestrichen, das den Fassadenton aufnimmt und die sandsteinfarbigen Fenster- und Türgewände hervorhebt. Für den 1910 an der Westfassade angegliederten Anbau ist dieses Grau übernommen worden, was seine Zugehörigkeit unterstreicht. Ecklisenen und Untersichten sind in einem sehr hellen Grau gehalten, rahmen die Fassade ein und runden das Erscheinungsbild ab.

Durch die neue Farbigkeit erhält das Konvikt Charakter und Eigenständigkeit und fügt sich harmonisch in seinen Kontext ein.

Dezente Farbenvielfalt im -Gebäudeinnern
Um den heutigen Unterrichtsformen gerecht zu werden, waren im Innern des Gebäudes grosse bauliche Massnahmen nötig. Neben Inputzimmern und Lernateliers sind Gruppenräume, Fachzimmer, Lehrerarbeitsräume sowie Räume für die integrative Förderung und die Schulsozialarbeit geschaffen worden.

Als Grundlage für die architektonischen und gestalterischen Eingriffe diente die reichlich vorhandene historische Substanz. So wurden Bodenbeläge und Brusttäfer weitgehend erhalten und wenn nötig rekonstruiert. Der neu ausgebaute Dachstock hingegen trägt eine moderne Handschrift. Spezielles Augenmerk wurde der ehemaligen Kapelle zugestanden, die heute als Lernatelier genutzt wird. Der Künstler Christian Kathriner erhielt den Auftrag, den Chorraum mit einer künstlerischen Gestaltung vom Kirchenschiff abzutrennen.

Farbe unterstützt Schüler und Lehrer bei der Arbeit
Ziel der Farbgestaltung im Schulhaus Konvikt war, atmosphärische Räume zu schaffen, die Schüler und Lehrer bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Farbtöne aus der historischen Farbpalette wurden modifiziert und zwei kontrastierende Farben für das Brusttäfer sowie ein dritter, differenzierter heller Farbton für den Putz ausgewählt. Die neu entwickelten, subtil abgestimmten Farbdreiklänge definieren die Nutzung der Räume.
Oliv- und lindengrünes Brusttäfer, kombiniert mit limonen-weissem Putz, schaffen in den Schulräumen der naturwissenschaftlichen Fächer den nötigen neutralen Hintergrund für konzentriertes Arbeiten. Mit dem in Umbrabraun und einem hellen Ockerton gestrichenen Täfer, ergänzt mit einem Putz in Vanille, erinnern die Inputräume an Schulstuben. Anregend hingegen wirkt die Lehrer-Cafeteria in Mintgrün, Braun und zartem Hellgrün.

Die Lernateliers, in welchen die Schüler hauptsächlich an ihrem individuellen Lernstoff arbeiten, sind in einer zurückhaltenden Kombination von zwei Blauabstufungen und einem gedämpften Grauton gehalten. Der dezenten Farbenvielfalt der Schulräume wurde bewusst eine schlichte und zurückhaltende Farbgestaltung in den Korridoren und dem Treppenhaus entgegengesetzt. Das grosszügige Treppenhaus mit den alten Steinstufen erhielt einen hellgrauen Anstrich. Zu den historischen, warmtonigen Plattenböden in den Gängen wurde ein frisches Hellblau für die Wände und ein warmes Schlamm-Grau für die Türen gewählt.

Auch mit der Wahl der Anstrichstoffe − Ölfarbe für die Holzelemente, Leimfarbe für den Putz − wurde an der historischen Grundlage angeknüpft.

Seit einem Jahr wird im alten Gemäuer des Konvikts zeitgemässer Unterricht gelebt.Der gute Geist des Hauses ist allgegenwärtig, Schülerinnen und Schüler wie auch Lehrpersonen fühlen sich gut aufgehoben.

Aus Sicht der Denkmalpflege
«Die Idee der Umnutzung des Konvikts – eines ehemaligen Internats-Gebäudes des Benediktiner-Kollegiums Sarnen – in ein modernes Schulhaus wurde von der Denkmalpflege von Anfang an sehr begrüsst. So erhielt das altehrwürdige Gebäude eine neue Zukunft geschenkt. Äusserlich zeigt sich dieser Wandel in den grosszügigen Fensteröffnungen im zweiten Dachgeschoss, das heute zwei Lernateliers beherbergt.

Der vor Baubeginn erfolgte restauratorische Farbuntersuch im Innern brachte ein heterogenes Bild zutage: Unter modernen Übermalungen kamen Fragmente der bauzeitlichen dekorativen Schablonenmalerei in den gedämpften Farbtönen von 1868 sowie Teile der luftig wirkenden Neugestaltung von 1910 zum Vorschein. Ein zusammenhängendes Farbkonzept wurde jedoch nicht erkennbar: Offenbar hatte man die Innenräume in beiden Bauphasen sehr individuell gestaltet. Es bot sich, im Gegensatz zum äusseren Erscheinungsbild des Konvikts, kein historisches Gesamtkonzept für eine Rekonstruktion an.

Die beigezogenen Farbgestalterinnen sind mit dieser Ausgangslage sehr kreativ umgegangen. Sie haben die vorgefundenen Farbtöne neu kombiniert und nach den heutigen Raumnutzungen differenziert eingesetzt. Gleich wie bei der Architektur gelang es mit diesem Farbkonzept, eine Balance zwischen Alt und Neu herzustellen, indem die Geschichte des Hauses zwar überall spürbar bleibt, das Ganze aber in einem frischen, heutigen Vorstellungen entsprechenden Erscheinungsbild daherkommt. Sowohl die Lehrpersonen wie auch die Schülerinnen und Schüler fühlen sich in dem freundlich wirkenden Haus am südlichen Ortseingang von Sarnen sehr wohl.»

Bauinfo
Farbgestaltung:
Regula Büttiker Zengaffinen, Sachseln, Dipl. Farbgestalterin HF, www.farbmaterialraum.ch
Esther Albert, Oberkirch, Dipl. Farbgestalterin HF, ae@diefarbgestalterin.ch

Architektur: Beda Dillier, Sarnen, Dipl. Architekt ETH SIA, www.archdillier.ch

Kunst am Bau: Christian Kathriner, www.christiankathriner.ch
 
 
Ausgabe "2013/6 - September" bestellen
 
Text Regula Büttiker; Esther Albert; Dr. Peter Omachen, Kantonaler Denkmalpfleger Obwalden
Bild Roger Frei, Zürich
 
   Weiteres zum Thema
 
Farbgestaltung | Der Einsatz von Farbe in der …      
Handwerk und Wert | Handarbeit ist eine Arbeit, die ...      
Renovation | Das erfolgreiche Zusammen von Alt …      




Lifecom


Xen-On


Verkehrshaus