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Traditionelle Musterwalzen neu eingesetzt
Rollstempeltechnik belebt Aussenfassaden
 
Eine verschwunden geglaubte Handwerksarbeit kehrt wieder in den Fokus der Architekten und Planer zurück: die Rollstempeltechnik mit traditionellen Musterwalzen. Diese Technik war früher dem Verschönern von Innenwänden vorbehalten. Nun wird sie neu auf 2000 m2 Fassadenfläche eingesetzt.

Fassaden eine unverwechselbare Note, ja Eleganz zu geben, liegt seit jeher im ureigensten Interesse von Bauherren, Architekten und Unternehmern. Diese scheinen einen unverkrampfteren Umgang als auch schon mit neuen wie mit alten Techniken zu haben, die sie im Kontext moderner Architektur neu aufleuchten lassen. Beliebt sind heute zum Beispiel grobe, gezogene Fassadenverputze, mal quer oder längs gestreift, ein oder mehrfarbig. Aber auch Farben mit metallischen Pigmenten werden gerne im Fassadenbereich eingesetzt.

Rollstempeltechnik ziert sechs neue Mehrfamilienhäuser
Aktuell realisiert die Generalunternehmung Anliker AG in Hochdorf sechs Mehrfamilienhäuser. Dem Projekt Wohnüberbauung Hengsthöhe liegt eine Gestaltungsidee zugrunde, mit der die Fassaden durch eine horizontale Schichtung mit markanter Sturz- und Simsausbildung geprägt sind. Für die umlaufenden Fensterbänder und den an den Gebäudeecken ins Volumen eingezogenen Loggias wurden schon früh Ideen für eine interessante Putz- und Farbgestaltung gesucht. Erste Versuche und Bemusterungen mit verschiedenen Putzstrukturen führten nicht gleich zum erwarteten Erfolg. «Auf der Suche nach Alternativen sind wir auf eine Möglichkeit mit einer alten, schon früher angewandten Farbapplikationstechnik gestossen. Im Fundus der Firma Keim fanden sich alte Tapeten-Strukturwalzen. Nach einigen Auftragsversuchen auf feinem Verputz zeigte sich schon bald ein recht guter Erfolg. Mit mehreren Probeläufen wurde die Machbarkeit für ein späteres Gelingen auf der Baustelle geprüft», erklärt der für die Planung verantwortliche Holger Eckell den Beginn eines intensiven und spannenden Bemusterungs- und Umsetzungsprozesses. Letzterer basiere auf einigen komplexeren Überlegungen für das Handling am Bau. «Damit die Applikation in einem Zug vertikal von oben nach unten aufgerollt werden kann, müssen die Gerüstläufe des Fassadengerüsts entsprechend auf die richtige Höhe montiert werden. Gute Handfertigkeit sowie präzises Arbeiten der ausführenden Maler ist unabdingbar», berichtet Eckell aus aktueller Erfahrung an der Wohnüberbauung Hengsthöhe. «Nachdem in den letzten Tagen erste Fassaden fertiggestellt und ausgerüstet sind, zeigt sich ein stimmiges, ansprechendes Fassadenbild», freut sich der mit den anspruchsvollen Handwerksarbeiten sichtlich zufriedene Planungsverantwortliche.

Fassadenbelebung mit Musterwalzen – Bericht des Malerunternehmers
«Auf dem Werkhof der eigenen Bauunternehmung wurde eigens ein Fassadenteil erstellt, um ein Muster in Originalgrösse zu haben. Neben dem vorgegebenen Farbton wusste die gewünschte Farbstärke der Rollenstruktur durch mehrmaliges Probieren bestimmt werden. Sah zum Beispiel das Muster auf kurze Distanz gut aus, waren die Rolleraufträge aus weiterer Entfernung sichtbar, was natürlich überhaupt nicht den Erwartungen entsprach. So stellte sich heraus, dass immer genügend Material in der Farbwanne vorhanden sein musste, damit nicht feinere Streifen neben satten das angestrebte ausgeglichene Erscheinungsbild störten. Auch waren anfänglich leichte Überschneidungen oder minime Abstände beim Farbauftrag aus einer gewissen Distanz sehr gut sichtbar. Auch diesem Umstand musste Rechnung getragen werden: eine Schablone und ein Anschlagbrett halfen weiter. Nach allen Verbesserungen und Verfeinerungen der Prozesse konnte eine saubere und für alle Parteien wunschgemässe Fassadenpartie gestaltet werden.

Hohe Ansprüche für Handwerk und Material
Ziel war es, mit der gewählten Rollstempel-Oberflächentechnik ungefähr 2000m2 Aussenfassade zu gestalten. Eine einzige Farbwalze würde für diese enorme Fläche nie genügen. Also musste eine Möglichkeit gefunden werden, mehrere identische
Walzen herstellen zu lassen. In der COVISS-Ausgabe 3/2012 wurde ein Bericht über die neu aufgelebte Technik mit Strukturwalzen publiziert. Der Autor des Artikels, Tobias Ott, sammelt Rollstempelwalzen und stellt solche her. Anhand der bestehenden, vorgefundenen historischen Strukturwalze hat Tobias Ott schliesslich sechs perfekte Kopien angefertigt.

In der Zwischenzeit sind die Fassadenpartien des einen Mehrfamilienhauses in dieser Technik fertiggestellt worden. Wichtig ist, dass die Arbeiten immer von den gleichen Mitarbeitern erledigt werden, damit zuletzt an allen Fassadenflächen dasselbe Erscheinungsbild gewährleistet ist.

Bei diesen Objekten kommt eine Fassaden-Silikonharzfarbe zum Einsatz, womit die Systemgarantie gegeben ist. Die Oberflächen überzeugen und geben der Fassade die gewünschte Eleganz. Altes, traditionelles Handwerk, adaptiert in die heutige Zeit und ausgeführt an einer Aussenfassade, erfreuen Bauherrschaft und zukünftige Wohnungsbesitzer.

Die momentane Einzigartigkeit dieser Ausführung im Fassadenbereich wird mit Sicherheit Nachahmer finden. Mit den unzähligen verschiedenen Strukturvarianten und Oberflächen entstehen immer nur Originale. Die Herstellung solcher Farbgestaltungen wird der Malerunternehmung die Chance geben, sich in Zukunft gegenüber der industriellen Fertigung von Oberflächen wieder etwas stärker im Fassadenbereich zu etablieren, was bei Architekten und Bauherren auf Interesse stossen dürfte.»


Bauinfo

Objekt:
Wohnüberbauung Hengsthöhe Hochdorf
Architektur: Anliker AG, Generalunternehmung, 6021 Emmenbrücke, www.anliker.ch
Systemlieferant: Sarna-Granol AG, 6060 Sarnen, www.sarna-granol.ch
Malerunternehmung: Maler Stutz AG, 6005 Luzern, www.maler-stutz.ch

 
 
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Text COVISS; Walter Wesseling, Maler Stutz AG (Quelle)
Bild Ursula Ochsenbein, Horw
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