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Wohnüberbauung Unterlöchli in Luzern
Wegweisender Einsatz von Farbe und Ornament
 
Mit der Wohnüberbauung Unterlöchli, Luzern, wird eine Lücke zwischen Altersheim, Schulhaus und den beiden Wohnquartieren Wesemlin und Oberlöchli geschlossen. Das Baufeld befindet sich im Bereich zwischen urbanem und natürlichem Raum an der Grenze der Stadt. Eine Gartenstadt entsteht. Das Farbkonzept bettet die Überbauung farblich in die Topografie und den Umraum ein. Im Sinne der Gartenstadt werden im Aussenraum natürliche und zurückhaltende Farben gewählt. Prägnantere Farbtöne und ein florales Muster zeichnen Zwischenzonen und den Innenraum aus. Farben und Ornamente dienen nicht nur als zierendes und orientierendes Element, vor allem schaffen sie eine identitätsstiftende Atmosphäre.

Mattblau, Erdgrau, Ziegelrot, Altgelb und Goldocker. Diese fünf Fassadenfarben entsprechen der gereihten Struktur der Mehrfamilienhäuser, unterstützen in ihrer gliedernden Funktion die gefluchtete Anordnung der bereits gebauten zweiundzwanzig Mehrfamilienhäuser. Sechs zusätzliche Gebäude werden zur gegebenen Zeit die noch freistehende Lücke ergänzen. Dem Nutzer erschliessen sich immer wieder neue Farbzusammenstellungen, je nachdem, von welchem Standort er auf die Überbauung blickt. Die der Hünenbergstrasse zugewandten Wohnhäuser A und B sind in ihrer Farbigkeit stärker und kontrastreicher, während die Farbtöne der Häuser D1 und D2 mehr die Farbnuancen des natürlichen Umraums – alte Eichen, Wiesen, Wälder − aufnehmen und eine feinere Farbabstufung erhalten. Die fünf Farbreihen passen sich so der vorgegebenen Situation des Terrains und dem Thema Stadtrand an.

Insgesamt erzeugen die fünf Farbtöne durch unterschiedliche Helligkeiten und Sättigungsgrade ein spannungsvolles Spiel: Kontraste, Farbverwandtschaften und feine Differenzierungen lassen sich erst auf den zweiten Blick erkennen. Da der Aufbau der Fassade mineralisch ist, haben Licht- und Witterungsverhältnisse einen starken Einfluss auf die Erscheinung der kristallin leuchtenden beziehungsweise Feuchtigkeit aufnehmenden und wieder an die Umgebung abgebenden Farben. Diese erscheinen nass etwas dunkler und erhalten in diesem Zustand einen eher matten, samtigen Ausdruck, bevor sie − wieder trocken – ihr ursprüngliches Strahlen zurückgewinnen.

Innenraum
Um in die Wohnungen zu gelangen, muss man je nach Gebäudetypologie zuerst die Zwischenzone (Durchgänge oder Eingangsnischen) und das Treppenhaus passieren. Hier werden die Nutzer von einem Farbton abgeholt, der sie zum Eingang führt und im Treppenhaus weiter begleitet. Jeder Häuserreihe ist zusätzlich zur Fassadenfarbe eine Akzentfarbe zugeordnet. Die Palette reicht von Rostrot, Korngelb, Lindengrün über Braunorange zu Wolkenblau. Diese prägnanten Farben kontrastieren mit der Fassadenfarbe, orientieren und lenken Bewohner und Besucher. Alle Wände und Decken der Zwischenzonen sind mit diesen Farben überzogen. So entstehen in den offenen Eingangsbereichen Farbräume, in die man nur für kurze Zeit eintaucht. Die Zwischenzone – nicht mehr Aussenraum und noch nicht Innenraum – wird mit diesem Akzent bewusst ausgezeichnet.

Ornament
Die Akzentfarbe der Zwischenzone zieht sich ins Treppenhaus hinein. An diesem «neuen» Ort geschieht der Wechsel auf formaler Ebene: die Farbe wird in einem Ornament in Form von Linien aufgetragen. Das Linienbild zeigt andeutungsweise Blätter, Ranken oder Blüten von Pflanzen, die in der Natur des Unterlöchli wachsen. Diese Pflanzen schlingeln sich an der Treppenhauswand hoch und begleiten den Nutzer oder die Nutzerin durch das Treppenhaus. Das Ornament entlang dem Treppenlauf verstärkt die vertikale Dimension sowie die Bewegung der Benutzerinnen entlang der Treppe. Die verbleibenden drei Wände sind roh in Beton belassen und lediglich mit einem Fixativ leicht abgesperrt. Im Sinn der Farbgestaltung wird im Treppenhaus bewusst die reduzierte, raue Qualität des Sichtbetons beibehalten, womit ein erwünschter Kontrast zwischen Veredelung und Rohheit entsteht.

Sechs beziehungsweise fünf verschiedene Ornamente werden in einer Hausreihe angewendet. Jedes Ornament steht für eine Pflanze – für Efeu, für Löwenzahn, für Linde, für Klee, für Eiche und für Hahnenfuss. Zusammen mit den Farbtönen der Zwischenzonen entstehen achtundzwanzig unterschiedliche Kombinationen von Ornamenten und Farben. Jedes Gebäude erhält so eine spezielle Auszeichnung und Identität.

Verbindung zwischen Ornament und Untergrund Beton
Die Ornamente wurden von einem Restaurator in Handarbeit mit Mineralfarbe aufgetragen − in gegenseitiger und sorgfältiger Absprache mit der Farbgestalterin. Waren Muster wie auch Farbtöne gegeben, musste das Auftragen von Hand vor Ort aufs Feinste abgestimmt werden. Das Vorgehen erfolgte mehrstufig: Zuerst wurde die Akzentfarbe der Zwischenzone für den Gebrauch im Innenraum überprüft. Da die Lichtverhältnisse und der Untergrund innen und aussen verschieden waren, mussten die Farbtöne für den Gebrauch im Treppenhaus zum Teil leicht abgetönt werden, so dass sie gegenüber den Farben in der Zwischenzone gleichwertig erschienen. Dann folgte die Dimensionierung des Ornaments. Jedes weist einen eigenen formalen Charakter auf, so dass jeweils die Blatt- oder Rankengrösse vor Ort an der jeweiligen Wand definiert werden musste. Um zu gewährleisten, dass sich die gewählte Grösse in jedem Treppenhaus gleich zeigte, wurde mit einer Schablone gearbeitet. Nun wurde der erste Entwurf des Ornaments mit Kreide an die Wand gezeichnet. Dabei war die Ausformulierung der Linie von Bedeutung, musste doch diese je nach Ornament gekurvt, eckig oder leicht geschwungen erscheinen. Dann erfolgte das Nachziehen mit Farbe. Mit 10er Kunststoffpinsel konnten die Linien optimal gefüllt und die Farbe auf dem Beton gut verarbeitet werden. Beim sehr rohen Betonuntergrund war es unmöglich, mit Naturpinsel zu arbeiten – viel zu hoch wäre der Verschleiss gewesen. Schliesslich folgte die Feinarbeit. Das Ornament wurde nochmals begutachtet, Linien wurden ergänzt, Ausformulierungen angepasst und Farbschichten abermals aufgetragen.

Dieser eindrücklichen Zusammenarbeit zwischen Farbgestalterin und Restaurator, nicht zuletzt aber auch der Offenheit der Gesellschaft Altersheim Unterlöchli sowie der Römisch-katholischen Kirch-gemeinde, Luzern, sind zu verdanken, dass die Wohnüberbauung Unterlöchli in ihren Treppenhäusern nun mit handgefertigten Ornament-Unikaten aufwarten darf. Nicht nur zieren diese einen ansonsten eher von Anonymität geprägten Gebäudebereich, sie verleihen dieser besonderen Zone des Ein-, Aus- und Zugangs etwas ungezwungen-verspielt Edles, das jedem und jeder, die es beim Durchgang aktiv oder passiv wahrnehmen, einfach nur gut tut.


Bauinfo
Objekt:
Wohnüberbauung Unterlöchli, Luzern
Bauherren: Gesellschaft Altersheim Unterlöchli, Luzern; Römisch-katholische Kirchgemeinde, Luzern
Architekten: Schärli Architekten AG, Luzern; Cometti Truffer Architekten, Luzern
Projektleitung: Urban Oberholzer, Schärli Architekten AG
Farbgestaltung: Susanne Schmid, Purpursinn, Luzern
Ausführung Ornament Treppenhäuser: Pascal Piffaretti, Piffaretti Manufaktur, Luzern
Farbmaterial: Keim Soldalit (Fassade und Zwichenzonen); Keim Optil (Ornamente)
 
 
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Text COVISS; Purpursinn
Bild COVISS; Purpursinn
 
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